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Wie der Siebenjährige in einem Wald voller Bären in Japan eine Woche überleben konnte

03.06.16, 14:11 04.06.16, 08:24


This undated photo released Friday, June 3, 2016, by Hamawake Elementary School shows 7-year-old Yamato Tanooka, who was found safe nearly a week after he was abandoned in the forest by his parents in Nanae, Hokkaido, northern Japan. The boy's safe return was welcomed in a nation riveted by his disappearance and undergoing intense soul-searching about how it raises and disciplines its children. This photo was taken by his school before he went missing. (Hamawake Elementary School/Kyodo News via AP) JAPAN OUT, MANDATORY CREDIT

Yamato Tanooka: I Will Survive! Bild: AP/Hamawake Elementary School via Kyodo News

Eine drastische Erziehungsmassnahme, eine fieberhafte Suche und ein Happy End: Fast eine Woche lang ist in Japan nach einem Siebenjährigen gesucht worden, der von seinen Eltern im Wald ausgesetzt worden war. Der Kleine lebt.

Der Vater kämpft mit den Tränen. «Es tut mir so leid für den Buben, dass ich so hart mit ihm umgegangen bin», sagt der Japaner schluchzend vor laufenden Kameras.

Sechs Tage lang haben fast 200 Einsatzkräfte – Polizisten, Freiwillige und Soldaten – nach seinem siebenjährigen Sohn in einem riesigen Waldgebiet gesucht, in dem es vor gefährlichen Bären nur so wimmelt. «Ich habe wirklich nicht gedacht, dass es soweit kommen würde», sagte der Vater reuig.

Zur Strafe dafür, dass der Junge Steine auf Autos und Menschen geworfen habe, hatten er und seine Frau ihn aufgefordert, aus dem Auto zu steigen. Als sie fünf Minuten später zurückkamen, war er weg. Ein Horror für alle Eltern. Der Vater bereut sein Handeln. «Wir meinten es nur gut mit ihm. Ich bin zu weit gegangen», sagt er und entschuldigt sich mit tiefer Verbeugung bei der Öffentlichkeit.

Takayuki Tanooka (R), father of 7-year-old boy Yamato Tanooka  who went missing on May 28, 2016 after being left behind by his parents, was found alive, speaks to the media in Hakodate on the northernmost Japanese main island of Hokkaido, Japan, in this photo taken by Kyodo on June 3, 2016. Mandatory credit Kyodo/via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. EDITORIAL USE ONLY. MANDATORY CREDIT. JAPAN OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN JAPAN.

Der Vater von Yamato Tanooka macht sich schwere Vorwürfe. Bild: KYODO/REUTERS

Auf Militär-Übungsplatz entdeckt

Dass der Kleine am Leben ist, grenzt an ein Wunder. Der Bub stapfte durch den riesigen Wald, wohl nicht ahnend, dass überall Bären lauern könnten. Zufällig kam er auf einem im Wald gelegenen Übungsplatz des Militärs heraus, wo er einen Regenunterschlupf für Soldaten fand.

Hungrig und erschöpft legte sich der Siebenjährige auf eine dreckige Matratze, mit einer anderen deckte er sich notdürftig zu, um sich gegen die bittere Kälte zu schützen. Als Soldaten zwei Tage später auf das Gelände kamen, blieb er aber unentdeckt.

A member of the Self-Defense Force shows the mattress which Yamato Tanooka, a 7-year-old Japanese boy who went missing nearly a week ago, was using inside a building in a military drill area in Shikabe town, on Japan's northernmost main island of Hokkaido Friday, June 3, 2016. Nearly a week after he was abandoned in the forest by his parents, the boy did not shed a tear when he was found safe Friday. The boy's safe return was welcomed in a nation riveted by his disappearance and undergoing intense soul-searching about how it raises and disciplines its children. (Daisuke Suzuki/Kyodo News via AP) JAPAN OUT, MANDATORY CREDIT

In diesem Unterschlupf konnte der Bub überleben. Bild: AP/Kyodo News

So hielt sich der Kleine lange, einsame Tage und Nächte hier am Leben, ohne einen Bissen Essen, nur mit Wasser aus einem Trog. Erst als drei Soldaten vorbeikamen, um in dem Gebäude Schutz vor Regen zu suchen, wurde er entdeckt, dehydriert und unterkühlt, aber bis auf Kratzer an Armen und Beinen äusserlich unverletzt.

Grosse Erleichterung

Das ganze Land reagiert mit grosser Erleichterung. Die Trupps, die tagelang das Gebiet zu Fuss, aus der Luft und mit Pferden absuchten, applaudieren. Und in der Grundschule des Buben, wo sich alle 900 Kinder versammelt haben, gellen Jubelschreie durch den Saal. «Ich möchte ihm sagen, das er sich grossartig geschlagen hat und tapfer war», sagt Vize-Schulleiter Yoshitaka Sawada.

Auf Twitter wird der Kleine mit einem berühmten Comic-Helden verglichen, ein anderer vergleicht seinen Überlebenskampf gar mit dem von US-Schauspieler Sylvester Stallone in seiner Rolle als «Rambo».

Englischsprachiger Bericht zur Rettung des Jungen. YouTube/News Bloopers

Das Schicksal des Buben hatte tagelang eine Nation in Atem gehalten, die im Ruf steht, ein wahres Kleinkinderparadies zu sein, wo die Kleinsten nach Strich und Faden gehätschelt und bis in den späten Abend unterhalten werden und sich oft benehmen dürfen wie sie wollen.

Erst später, wenn sie um die Aufnahme in renommierte Schulen und Universitäten wetteifern und in Japans legendäre «Prüfungshölle» treten, ist es mit dem Glück der Anfangsjahre für die Kleinen vorbei.

Keine Raben-Eltern

Auch die Eltern des ausgesetzten Buben werden von Freunden und Nachbarn als liebevolle und fürsorgliche Eltern beschrieben. Und doch sind Fälle von Vernachlässigung und Missbrauch von Kindern in Japan verbreiteter als viele meinen.

An image of Yamato Tanooka, the missing 7-year-old Japanese boy, is displayed by Japanese newspaper Yukan Fuji being sold at a railway station kiosk in Tokyo, Friday, June 3, 2016. Tanooka, who went missing nearly a week ago after his parents left him in a forest as punishment, was found Friday in a case that set off a nationwide debate about parental disciplining. Headline, red in center, reads:

Das Verschwinden des Jungen war Thema im ganzen Land.
Bild: Shuji Kajiyama/AP/KEYSTONE

Auch die Art der Strafe ist an sich nicht ungewöhnlich. Dass die Eltern ihren Sohn jedoch in einem Wald, in dem Bären leben, aussetzten, ging vielen Japanern dann doch entschieden zu weit.

In sozialen Medien hagelt es teils harsche Kritik. Sei das nicht angesichts der Bärengefahr schon «versuchter Mord?», fragt ein Twitter-Nutzer. «Das hat nichts mit Disziplinierung zu tun, das ist Kindesmissbrauch», wettert ein anderer. Die Eltern hätten zumindest hinter Bäumen ein Auge auf den Jungen halten sollen, so ein anderer.

Der, der die grösste Lehre aus dem Vorfall zu ziehen habe, sei der Vater, meint ein anderer Nutzer. «Von jetzt an werde ich mich besser um ihn kümmern», versichert der denn auch vor laufender Kamera.

(sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Andrea_Mordasini 04.06.2016 22:37
    Highlight Zum Glück ist der Zwischenfall glimpflich ausgegangen, was für ein Glück und Wunder! Ich hätte nicht gedacht, dass der Kleine nach einer Woche lebend gefunden würde. Yamato ist ein cleverer, tapferer Junge - seine Eltern sollten stolz auf ihn sein! Was sie ihm mit dem Aussetzen angetan haben, geht gar nicht, ist unentschuldbar und für mich psychische Misshandlung! Hoffentlich werden auch die seelischen Wunden heilen, denn das Vertrauen des Kindes in seine Eltern wurde zutiefst erschüttert. Und hoffentlich wars für die Eltern eine Lehre... Denn diese haben grossen Mist gebaut, nicht Yamato!
    0 0 Melden
  • The Host 03.06.2016 22:54
    Highlight Was hat der Junge gegessen? Wo hat der Junge geschlafen? Was hat der Junge erlebt? Wieder nur ein halber Artikel auf Watson...
    3 39 Melden
    • LaPaillade #BringBackHansi 04.06.2016 07:54
      Highlight Oha, kein Wunder schliesst die Schweiz beim Pisa-Test im Leseverständnis so schlecht ab.

      Zufällig kam er auf einem im Wald gelegenen Übungsplatz des Militärs heraus, wo er einen Regenunterschlupf für Soldaten fand.

      "Hungrig und erschöpft legte sich der Siebenjährige auf eine dreckige Matratze, mit einer anderen deckte er sich notdürftig zu, um sich gegen die bittere Kälte zu schützen. Als Soldaten zwei Tage später auf das Gelände kamen, blieb er aber unentdeckt.
      So hielt sich der Kleine lange, einsame Tage und Nächte hier am Leben, ohne einen Bissen Essen, nur mit Wasser aus einem Trog."
      35 2 Melden
  • Atomicgarden 03.06.2016 15:22
    Highlight wohl das einzige Elternpaar, das die Drohung «du wenn no wiiter so dumm tuesch, chasch grad do usstige. Denn gönd mir allei is Disneyland...» wahr gemacht hat.
    84 0 Melden
  • ovatta 03.06.2016 13:25
    Highlight Schickt denn Jungen zu den Pfadfindern!
    27 3 Melden
    • ovatta 03.06.2016 16:18
      Highlight Alle Pfadis die ich kenne sind alles andere als religiös!
      Und er lernt vielleicht auch das man nicht einfach so mit Steinen um sich wirft!
      Das heisst nicht das die Aktion der Eltern OK wahr.
      48 3 Melden
    • Snowdrum 03.06.2016 19:01
      Highlight @ Pokus
      du warst woll nicht in der Pfadi?
      habe alles andere dort gesehen aber nicht religion
      19 4 Melden
    • Merida 04.06.2016 10:56
      Highlight Bei uns im Blauring gabs Katholiken, Reformierte und auch Atheisten und es war eine sehr tolle Zeit!
      3 1 Melden
    • one0one 04.06.2016 11:06
      Highlight Yeah Pokus. Du reitest dich immer tiefer in die scheisse mit deinem Feldzug gegen Religionen... Nun witterst du schon vei nich religioesen Organisationen religiöse Motive.... Hauptsache hassen...
      5 3 Melden
    • Miss_Ann_Thropist 04.06.2016 11:18
      Highlight Ich weiss nicht woher ihr euer Wissen habt, aber die Pfadfinder sind als stockkonservatives Konditinierungsintrument konzipiert worden.

      "Die Prinzipien der Pfadfinderbewegung bilden einen Verhaltenskodex, der für alle Mitglieder gleichermaßen gilt und damit die Bewegung als Ganzes prägt. WOSM benennt drei Grundprinzipien, die als Verpflichtungen formuliert werden:

      die Pflicht gegenüber Gott,
      die Pflicht gegenüber Dritten und
      die Pflicht gegenüber sich selbst.[3]"
      6 5 Melden
    • HolzöpfelundZipfelchappe 04.06.2016 14:48
      Highlight Naja. Die meisten Pfadis das erste Versprechen heute weg oder ersetzen es durch die "Pflicht gegenüber einer höheren Macht". Das Pfadfinderversprechen ist rein deklaratorischer Natur, wie übrigens auch die Präambel unserer Bundesverfassung. (Im Namen Gottes des Allmächtigen)

      Auch die CEVI zum Beispiel, die von der reformierten Kirche gesponsert ist, ist heute in der Schweiz konfessionslos.

      Generell orientiert man sich einfach an den christlichen Werten, wie Nächstenliebe und Verantwortung für andere. Stockkonservativ ist anders.
      1 0 Melden
    • Miss_Ann_Thropist 04.06.2016 19:00
      Highlight Christliche Werte, exakt.
      Darum wird das ganze paramilitärisch geführt, Befehle nicht hinterfragt, dem "Führer" oder "Leiter" gefolgt ect. Alles sehr christlich. Moll.
      Been there, seen that.
      0 1 Melden
  • Tsetse 03.06.2016 13:09
    Highlight Die Geschichte geht mir ungewohnt nahe. Was musste der Junge durchmachen, nachts alleine im Wald 😰
    11 7 Melden
  • Calvin WatsOff 03.06.2016 10:17
    Highlight Dem kleinen Racker alles Gute, schön hat er das überlebt ❤️😃😃😃
    62 1 Melden
  • WalterWhiteDies 03.06.2016 10:13
    Highlight Ich hoffe das die Eltern eine saftige Strafe für ihre Dummheit bekommen!
    12 61 Melden
    • suchwow 03.06.2016 10:49
      Highlight Ich glaube, die Eltern wurden genug abgestraft. Gibt nichts schlimmeres, als Ungewissheit über das eigene Kind zu haben. Beide - Eltern und Sohn - werden aus der Geschichte gelernt haben

      Ausserdem wird der Sucheinsatz nicht ganz kostenfrei bleiben ;)
      91 2 Melden
    • WalterWhiteDies 03.06.2016 10:59
      Highlight Ja dies ist natürlich sehr schlimm für die Eltern, aber normale Eltern würden ein Kind nicht so bestraffen.
      16 55 Melden
    • Maya Eldorado 03.06.2016 13:28
      Highlight Jay-C
      Was sind denn genau normale Eltern ihrer Ansicht nach?
      Es geschehen auch merkwürdige Sachen, die als ganz normal angesehen werden.
      22 2 Melden

Während du diesen Artikel liest, sterben weltweit acht Kinder

Um diesen Artikel zu lesen, braucht ein durchschnittlicher Leser rund 40 Sekunden. In dieser Zeit sterben weltweit rund acht Kinder. Diese Zahl basiert auf einem heute veröffentlichten Bericht der UNO, wonach im vergangenen Jahr fast alle fünf Sekunden auf der Welt ein Kind unter 15 Jahren gestorben ist – insgesamt rund 6,3 Millionen Kinder.

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