International

Missglücktes Sexspiel oder Mord? Texas vollstreckt umstrittenes Todesurteil

21.01.16, 04:44 21.01.16, 05:19

Trotz internationaler Appelle ist im US-Bundesstaat Texas ein 43-jähriger verurteilter Mörder hingerichtet worden, dessen Anwalt bis zuletzt die Unschuld seines Mandanten beteuert hatte. Richard Masterson sei am Mittwochabend mit einer Giftspritze getötet worden.

Der Verurteilte Masterson in einer undatierten Aufnahme.
Bild: AP/Texas Department of Criminal Justice

Das sagte ein Sprecher der örtlichen Strafvollzugsbehörde der Nachrichtenagentur AFP. Er war verurteilt worden, 2001 in Houston den Transvestiten Darin Honeycutt erwürgt zu haben.

Masterson hatte versichert, das Opfer sei während einvernehmlichen Sexualverkehrs an einem Herzstillstand gestorben. Honeycutt habe ihn zuvor gebeten, ihm den Hals zuzudrücken, um eine Atemnot zur erotischen Stimulation herbeizuführen. Bei dieser Sexualpraxis kann durch den Sauerstoffmangel im Gehirn der Orgasmus verstärkt werden.

Mängel bei der Autopsie

Mastersons Anwalt Gregory Gardner hatte vor dem Obersten Gerichtshof der USA versucht, die Hinrichtung in letzter Minute zu verhindern. Er argumentierte mit schwerwiegenden Unregelmässigkeiten bei der Autopsie von Honeycutts Leiche. Die Geständnisse, die sein drogenabhängiger Mandant abgelegt habe, nachdem er wegen seiner Inhaftierung eine Depression mit Selbstmordgedanken bekommen habe, hätten keine Gültigkeit.

«Ich habe den Supreme Court angerufen, weil erstens Herr Masterson unschuldig ist, zweitens der Staat (Texas) Beweise für die Unschuld von Herrn Masterson vernichtet hat und drittens die vorherigen Anwälte von Herrn Masterson wegen Unfähigkeit Beweise für seine Unschuld nicht vorgebracht haben», sagte Gardner AFP.

Sogar der Papst protestierte

Gegen die Hinrichtung hatte sich auch Papst Franziskus gewandt, der grundsätzlich ein entschiedener Gegner der Todesstrafe ist. Der Papst verfolge Mastersons Schicksal sehr genau, hatte der österreichische Kardinal Christoph Schönborn am Montag bei einer Pressekonferenz gesagt.

In den USA wurden im vergangenen Jahr 28 Menschen hingerichtet. Das war die niedrigste Zahl an Hinrichtungen seit 1991. Texas ist der US-Bundesstaat mit den meisten Exekutionen. (trs/sda/afp)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • DasMarc_ 21.01.2016 14:09
    Highlight Es gibt ein Menschenrecht welches lautet "Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben".

    In meinen Augen verstösst die Todesstrafe gegen dieses Menschenrecht.

    Verurteilt man jemanden zu lebenslanger Haft, kann sich nach 50 Jahren noch rausstellen, dass jemand unschuldig ist.

    Richtet man jemanden hin, hat man keine Chance mehr dazu.
    4 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 21.01.2016 11:08
    Highlight «Sogar der Papst protestierte» spricht Papa Franziskus eine Autorität in dieser Frage zu, die er nicht hat.
    3 2 Melden
    • getfricki 21.01.2016 13:43
      Highlight Nein. «Sogar der Papst protestierte» ist Ausdruck einer gewissen Überraschung darüber, dass sogar der Papst sich für die Sache dieses "Sünders" ausspricht, obwohl er der institutionalisierte Hüter exakt jener konservativen Moralvorstellungen ist, deren Übertretung Hr. Mastersons "Schuld" in der Wahrnehmung einer breiten Öffentlichkeit noch vergrösserte.
      Ausserdem verfügt der Papst, ex officio, für Millionen von Menschen weltweit über eine selbstverständliche Autorität in solchen Fragen. Das mag für Sie oder mich nicht zutreffen, macht aber seine Aussagen dazu nicht weniger relevant.
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