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Die US-Küstenwache soll Drogenhäftlinge bis zu 70 Tage auf ihren Schiffen festhalten, ohne dass gegen sie eine Anklage besteht. Bild: EPA/US COAST GUARD

70 Tage auf einem Schiff: USA setzen im Drogenkrieg «schwimmende Guantanamos» ein

29.11.17, 10:39 29.11.17, 11:52

Es hört sich an wie eine Verschwörungstheorie: Die USA setzen laut einem Bericht der «New York Times» im Krieg gegen Drogen auf Gefängnisschiffe. Dabei werden Fischer, die auf ihren Kuttern Kokain in die USA schmuggeln, in internationalen Gewässern aufgegriffen und monatelang auf solchen Schiffen befragt.

Das Heikle dabei ist, dass auf internationalen Gewässern andere Gesetze gelten als zum Beispiel auf dem US-Festland. Im Kampf gegen den Cannabis-Schmuggel erlaubte der Kongress der Küstenwache in den 90er-Jahren, Drogenschmuggler auf internationalen Gewässern aufzugreifen.

Weil die Aufgegriffenen offiziell nicht als festgenommen gelten, dürfen sie über mehrere Wochen oder Monate ohne Anklage festgesetzt werden, bevor sie vor ein US-Gericht treten. Die Vorgehensweise ist also legal.

Auf solchen Schiffen werden die Gefangenen über mehrere Wochen verstaut. Bild: AP/US Coast Guard

70 Tage nass festgekettet

«New York Times»-Journalist Seth Freed Wessler hat sieben ehemalige Boots-Häftlinge getroffen und alle beschrieben die Zustände auf den Schiffen als unzumutbar. Einer der Schmuggler beschrieb, dass er über 70 Tage mehr oder weniger nass angekettet auf einem solchen «schwimmenden Guantanamo» verbrachte. 

In den 90er-Jahren seien im Schnitt etwa 200 Personen im Jahr von der US-Küstenwache auf internationalen Gewässern festgenommen worden. In den letzten sechs Jahren waren es 2700, also mehr als doppelt so viele, schreibt die Zeitung.

Nun wurde die Vorgehensweise der US-Justiz publik. 2008 hatte die britische Menschenrechtsgruppe Reprieve erstmals Fälle von solchen Haftmassnahmen öffentlich gemacht. Das US-Justizministerium hatte dies jedoch bestritten.

«Manchmal gab es Transporte auf Schiffen, aber nicht als Hafteinrichtung», sagte der Pentagon-Sprecher Gary Keck damals. Laut seiner Definition sei Haft ein Ort für einen langfristigen Aufenthalt. Ob 70 Tage unter diese Definition fallen, sei dahingestellt. (leo)

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Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • c_meier 29.11.2017 18:04
    Highlight Gefangene auf einem Schiff? Wurde auch schon verfilmt
    0 0 Melden
  • Selbstdenker97 29.11.2017 17:00
    Highlight Hey Leute chillt mal die USA ist verbreiter demokratischer Werte. Wenn sie dafür gegen diese Verstossen müssen ist das halt so. Das sind unsere Freunde!
    1 1 Melden
    • Normi 29.11.2017 18:06
      Highlight könnte es sein das ihr Kommentar spuren von Ironie enthält ?
      1 0 Melden
    • Selbstdenker97 29.11.2017 19:53
      Highlight Nein das wäre wirklich extrem absolut ausgeschlossen!
      1 0 Melden
  • pedrinho 29.11.2017 13:09
    Highlight ".....in internationalen Gewässern aufgegriffen"

    faellt das nicht unter piraterie ?
    27 1 Melden
    • flyme 29.11.2017 15:11
      Highlight Theoretisch ja. Nur sind die USA als eines von ganz wenigen Länder dem Seerechtsübereinkommen nie beigetreten. Das heisst in den USA ist es keine Piraterie. Ein Schiff unter anderer Flagge müsste aber die USA zu Hause vor Gericht zerren können.
      9 1 Melden
    • Normi 29.11.2017 18:08
      Highlight ausser diese Länder(Flagge) haben ein abkommen mit den Kriegsverbrechern aka USA
      1 0 Melden
  • Swisslord 29.11.2017 12:43
    Highlight Wenn sie nicht als festgenommen gelten, ist es dann nicht eine Entführung?
    33 2 Melden
  • walsi 29.11.2017 12:31
    Highlight Das müssen diese Menschenrechte sein für deren erhalt die USA andere Länder bekriegen oder mit Boikoten belegt.
    26 3 Melden
  • rodolofo 29.11.2017 12:25
    Highlight Die US-Gesellschaft befindet sich auf einem Fall ins Bodenlose, wenn sie solche Zustände weiter toleriert und sogar noch bei Wahlen weiter fördert und ermutigt!
    Immer wieder kommen mir dabei trübe Gedanken, dass unsere heldenhaften Befreier aus West und Ost den Hitler-Faschismus nur deshalb besiegten, weil sie die Welt mit ihrem Hauseigenen Faschismus "beglücken" wollten...
    Im Kalten Krieg rivalisierten der Yankee-Imperialismus und der Sowjet-Stalinismus um die Weltherrschaft.
    Dann kam eine Art Tauwetter nach der Implosion des Sowjet-Reichs.
    Und jetzt spielt eine Art Trump-Putin-Pakt.
    5 12 Melden
  • Sandro Lightwood 29.11.2017 12:21
    Highlight Fehlt die Erklärung zu „schwimmendes Guantanamo“. Guantanamo hat genau auch zum Ziel, dass gewisse Grundrechte, die auf US-amerikanische schen Boden bestehen, nicht gelten. Eben z.B. das Recht auf richterliches Gehör etc.. Damit hat sich auch schon der Supreme Court beschäftigt: Boumediene v. Bush (http://caselaw.findlaw.com/us-supreme-court/553/723.html).
    10 1 Melden
  • Lauwärmer 29.11.2017 11:06
    Highlight 2700 ist ja schon "mehr als doppelt soviel" wie 200, aber auch mehr als 10 Mal soviel. :D
    3 29 Melden
    • Leo Helfenberger 29.11.2017 11:20
      Highlight @gioferra: 2700 in sechs Jahren, macht 450 pro Jahr. Das ist mehr als doppelt so viel wie 200 pro Jahr 😉
      44 0 Melden
    • Focke 29.11.2017 11:39
      Highlight @leo: dafür ist es in diesem satz nicht werden sondern festgenommen worden 😉
      11 0 Melden
    • Leo Helfenberger 29.11.2017 11:55
      Highlight @Focke: Mist, richtig. Ist angepasst!
      6 3 Melden
  • NotWhatYouExpect 29.11.2017 11:01
    Highlight .... ein solches vorgehen ist einfach nur widerlich ....

    Ich hoffe die US Politik macht was dagegen... gehe aber kaum davon aus.... und die UNO wird da auch kaum was machen.... wie immer bei der USA.
    57 17 Melden
    • Posersalami 29.11.2017 11:13
      Highlight Wieso sollte die Politik was machen? Sogar der Friedensnobelpreisträger hat diese Praxis ausgebaut, was will man da erst von Trump erwarten?
      41 4 Melden
    • NotWhatYouExpect 29.11.2017 13:55
      Highlight Darum sag ich ja, dass ich nicht davon aus gehe. Aber es wäre zu wünschen.
      3 1 Melden
  • Posersalami 29.11.2017 10:58
    Highlight "im Krieg gegen Drogen"

    Der "War on Drugs" läuft jetzt seit 1972 hat jetzt absolut nichts erreicht. Aber Menschen Monatelang auf Booten zu misshandeln wird ein absoluter Gamechanger sein, ganz sicher!
    104 13 Melden
    • midval 29.11.2017 12:32
      Highlight Die Drogenbosse welche ich aus den Filmen kenne gehen so und noch viel härter vor. Schliesslich muss die usa die machstellung als drogenbaron inne halten sonst kann sich die cia nicht über gelder freuen ;)
      6 3 Melden
    • rodolofo 29.11.2017 12:33
      Highlight Dieser angebliche "Krieg gegen Drogen" ist wie der frühere "Krieg gegen den Kommunismus" ein Vorwand, der es Paramilitärischen Einheiten und von Landlords und Multis finanzierten Todesschwadronen erlauben, unter dem Deckmantel einer gelenkten Kriegs-Propaganda Massaker und Vertreibungen an der ansässigen Landbevölkerung und an Indigenen Völkern zu begehen, mit dem Ziel, grosse Ländereien für eine exportierende Agro-Industrie und an Erdöl und Bodenschätzen reiche Gebiete zu übernehmen und zu besetzen!
      Die Neo-Koloniale Maschinerie läuft wie geschmiert, und es wird auch viel geschmiert.
      22 3 Melden
    • rauchzeichen 29.11.2017 17:52
      Highlight da kann man ja auch nichts erreichen. wo drogen konsumiert werden, werden sie auch hingebracht und verkauft. aber die regel von angebot und nachfrage hat seit nixon wohl jeder präsi vergessen. und welche gesellschaft verlangt schon nicht nach berauschung? die amerikanische bestimmt nicht. oder haben die die prohibition bereits wieder vergessen? ach ne, nicht vergessen, ignoriert. die alte garde zieht ja ne grenze zwischen alkohol und drogen. eine idiotie die ich immer wieder vergesse. und eine, die praktisch jeden staat geld kostet, anstelle es einzubringen.
      1 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 29.11.2017 10:57
    Highlight "War on Drugs" ist das zweitdümmste, das unsere Generation zustande gebrach hat, nur noch übertrumpft vom "War on Terror".

    Jesus wirf Hirn vom Himmel (aber Hugo Stamm nix sagen, sonst geht die Litanei wieder los ..)
    106 11 Melden

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