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Richard Anthony Jones (rechts) und sein Doppelgänger Ricky sehen sich zum Verwechseln ähnlich – auch nach 17 Jahren.  bild: Richard anthony jones/gofundme.com

Stoff für eine Netflix-Serie: 17 Jahre unschuldig im Gefängnis wegen Doppelgänger

Richard Anthony Jones wurde vor 17 Jahren zu einer Gefängnisstrafe verurteilt – für ein Verbrechen, das er nie begangen hat.

12.06.17, 15:07 12.06.17, 16:39

Diese Geschichte ist der Stoff, aus dem Netflix-Serien geschrieben werden: 1999 wurde Richard Anthony Jones aus Kansas City in den USA wegen eines Raubüberfalls zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt – ausschliesslich aufgrund einer Zeugenaussage.

Der Familienvater beteuerte seine Unschuld. Jones hatte sogar ein Alibi seiner Familie. Dennoch wurde ihm vorgeworfen, gemeinsam mit anderen einen Walmart-Supermarkt überfallen zu haben. Und das nur wegen einer einzigen Zeugenaussage: Ein Drogensüchtiger identifizierte Jones auf Fotos als den Mann, der aus dem Haus eines Dealers zum Tatort fuhr. Es gab weder Fingerabdrücke noch DNA-Spuren. 

Den Geschworenen reichte die vage Beschreibung des Drogensüchtigen jedoch als Grund für eine Verurteilung von Jones. Nun, nach knapp 18 Jahren, kommt Jones frei – unschuldig wie eh und je. 

Auch im Profil sehen sich die beiden Männer unglaublich ähnlich. bild: richard anthony jones/gofundme.com

Irrer Zufall

Zu seiner Freilassung kam es durch einen irren Zufall: Immer wieder hörte Jones im Gefängnis von seinen Mithäftlingen, dass im selben Gefängnis ein anderer Mann herumlief, der ihm zum Verwechseln ähnlich sehe. Jones Doppelgänger hatte gar den gleichen Namen und nannte sich «Ricky». 

Jones gab die Information über seinen Doppelgänger an seine Anwältin weiter. Und die konnte nach langem Verfahren schliesslich die Richter von Jones Unschuld überzeugen. «Wir waren schockiert, wie ähnlich sich die beiden sahen», sagte Jones' Anwältin Alice Graig der Lokalzeitung Kansas City Star

Freispruch für Jones

Vergangenen Donnerstag wurde Jones schliesslich von einem Richter freigesprochen. Ob der andere die Tat begangen habe, spiele dabei keine Rolle. «Ich glaube nicht, dass es Glück war», sagte Jones gegenüber der Lokalzeitung. «Es fühlt sich mehr an wie Gottes Gnade». Jones sagte auch, dass er nicht mehr wütend sei. Er habe zwar lange gehabt, seine Verurteilung zu verdauen – nachdem er aber die Ähnlichkeit mit «Ricky» sah, wurde ihm klar, wie anderen dieser Fehler passieren konnte. 

Ob der Staat Jones für seine Fehlverurteilung entschädigt, ist noch unklar. Jones sammelt derzeit auf einer Spendenplattform Geld für sich und seine Familie. (ohe)

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26
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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jimmy No 12.06.2017 19:49
    Highlight Ein menschliches Leiden von 17 Jahren betrachtet man als Konsumgut an (netflix).
    35 1 Melden
  • Phrosch 12.06.2017 16:07
    Highlight "Und dass, nur wegen einer einzigen Zeugenaussage": darf ich vorschlagen, den Unterschied von das und dass und die Verwendung von Kommas wieder mal nachzuschauen? Korrekte Grammatik macht Texte besser lesbar und verständlich.
    64 11 Melden
    • Laurent 12.06.2017 16:39
      Highlight @Phrosch: darfst du :) (Merci, ist korrigiert.)
      27 3 Melden
  • sterpfi 12.06.2017 16:00
    Highlight Plottwist: Die beiden Häftlinge haben sich miteinander abgesprochen, sich so zu frisieren, dass sie gleich aussehen. Jetzt ist der erste freigesprochen und dann kann der 2. das Gleiche bei seinem Verbrechen behaupten und wird auch freigesprochen (in dubio pro reo)
    2 70 Melden
    • Yelina 12.06.2017 16:22
      Highlight Wenn "in dubio pro reo" in den USA gelten würde, wäre er damals erst gar nicht verurteilt worden...
      121 1 Melden
    • Jimmy No 12.06.2017 19:33
      Highlight (,") Eher der Grundsatz: "ne bis in idem"
      5 0 Melden
    • bokl 12.06.2017 20:19
      Highlight @Sterpfi
      Genau. Sie sehen sind sich ja auch nur wegen der Frisur so ähnlich. Und der Andere wurde natürlich auch nur wegen eine Zeugenaussage ohne Indizien verurteilt. Und selbst wenn dem so wäre. Wie Yelina schon ausgeführt hat, greifft "in dubio pro reo" nur vor der Verurteilung und nicht bei der Begnadigung.
      7 0 Melden
    • sterpfi 12.06.2017 20:56
      Highlight Ihr versteht auch keinen Spass... Ich habe nicht die Verurteilung gutgeheissen die finde ich lächerlich, aber die Vorstellung dass das eine ausgeklügelte Befreiungsaktion war finde ich hat noch eher Netflix-Stoff als die reale Geschichte. Gibt übrigens genug Kommentare unter mir die sagen dass sie sich nur wegen Frisur und Bart ähnlich sehen.
      Notiz an mich: Nächstes mal irgendwo ein ;-) hinsetzen.
      6 1 Melden
  • Therealmonti 12.06.2017 15:42
    Highlight Ja, ja, die Amis. Und jetzt haben sie einen Präsidenten, der einem orangen Walross gleicht und in einen Zoo gehört.
    76 9 Melden
  • Max Havelaar 12.06.2017 15:38
    Highlight Er hat den gleichen Bart und eine ähnlich Frisur. Das wars dann aber schon..,
    49 10 Melden
    • Rendel 12.06.2017 17:31
      Highlight Nicht alle Menschen haben die gleiche Fähigkeit in Gesichtserkennung und schon gar kein fotographische Gedächtnis. Auf der Verhandlung waren auch nicht beide anwesend. Sie sehen sich sehr ähnlich, wenn man bedenkt, dass nur eine Person gesehen worden ist und nicht zwei Fotos miteinander verglichen wurden, wie wir das nun so gemütlich machen.
      24 2 Melden
    • Shin Kami 12.06.2017 18:42
      Highlight Aus der Distanz gesehen und wenn sie nicht nebeneinander sind ist die Ähnlichkeit schon gross.
      10 1 Melden
    • Max Havelaar 12.06.2017 18:51
      Highlight Bei Afro-Amerikanern und Latinos wird selten genau hingeschaut. Da schnappt man sich halt den ersten besten und sperrt ihn unschuldig ein. Wohlgemerkt basierend auf den Aussagen eines Drogenabhängigen...
      24 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 12.06.2017 19:02
      Highlight Alles ist verschieden. Schädelform, Nase, Kinn, Kiefer, Schläfen, Augen, Mund, Ohren, Ohrläppli, Haaransatz. Einfach alles. Nur die Frisur und der Bart passen.
      9 4 Melden
    • Rendel 12.06.2017 19:24
      Highlight Ja, Max Havelaar, das ist leider oft so. Die wollten ein Urteil und so wurde er verurteilt. Völlig unzulässig so etwas.
      7 1 Melden
    • bokl 12.06.2017 20:21
      Highlight @Rendel
      Die Fähigkeit brauchen die Zeugen auch nicht. Sie müssen sich absolut sicher sein, sonst müssen sie ihn freisprechen. Aber war halt die klassiche Situation. Weisser Zeuge gegen Latino-(oder Schwarzer)Täter. Da glaubt man halt dem Weissen, selbst wenn es ein Junkie ist.
      11 0 Melden
    • Rendel 12.06.2017 20:46
      Highlight Zeugen würden die Fähigkeit brauchen doch. Jeder Zeuge kann sagen er sei sich absolut sicher. Egal ob Junki oder nicht. Dass Zeugen bei Farbigen schneller absolut sicher sind, zeugt doch gerade davon.
      3 0 Melden
  • exeswiss 12.06.2017 15:33
    Highlight "Den Geschworenen reichte die vage Beschreibung des Drogensüchtigen jedoch als Grund für eine Verurteilung von Jones"

    absoluter wahnsinn.
    190 0 Melden
    • Gringoooo 12.06.2017 16:56
      Highlight Och, drüber kann das auch für eine Hinrichtung ausreichend sein. Man kann ja sagen es seien Einzelfälle - jedoch sind es schockierend viele Einzelfälle!

      Leider braucht man für ähnliche Fälle in der Beweiswürdigung nicht mal das Land zu verlassen.
      Wenn auch nicht mit Haft bestraft, wurde trotzdem wegen einer einzigen Zeugenaussage jemandem der Führerschein entzogen, auf dessen Meldung hin (es war Aussage gegen Aussage). Ich glaube Watson hat auch darüber berichtet.
      Das Gericht würdigt halt gerne die Aussage besser, die ihr gefällt.
      19 0 Melden
  • who cares? 12.06.2017 15:30
    Highlight Darum sind Geschworenengerichte kurz gesagt "en seich". Leute, die nicht einmal juristische Grundkenntnisse besitzen, entscheiden über das Leben eines anderen, rein aus Sympathie, sogar ein Alibi zählt nicht. Da muss man sich nicht wundern, wenn der ein oder andere falsche Entscheid darunter ist.
    165 0 Melden
    • Toerpe Zwerg 12.06.2017 22:08
      Highlight Das ist nicht falsch, blendet aber aus, dass Geschworenengerichte auf der anderen Seite korruptionstechnich Vorteile haben und aufgrund des Involvements der Bürger die Akzeptanz der Rechtssprechung fördern.

      Und Falschurteile gibt es auch von Juristen.
      0 6 Melden
  • Alex_Steiner 12.06.2017 15:23
    Highlight Also wenn er keine Entschädigung bekommt - sollte er wenigstens einen Walmart überfallen dürfen.
    200 2 Melden
    • Toerpe Zwerg 12.06.2017 16:01
      Highlight Perfekter Kommentar!
      41 0 Melden
    • Pana 12.06.2017 17:51
      Highlight Da gab's doch mal nen Film darüber, Double Jeopardy oder so.
      8 0 Melden
  • Vadda 12.06.2017 15:21
    Highlight Ist das eine Veräppelung? Die amerikanische Justiz entscheidet aufgrund der Zeugenaussage eines verstrahlten Träumers? Und abgesehen davon ähneln die sich überhaupt nicht, wenn Haar und Bart weg sind. 😳
    97 0 Melden
  • gnp286 12.06.2017 15:20
    Highlight Weiss noch jemand, früher(tm), als es noch hiess: "Stoff für Hollywood" statt "Stoff für Netflix"? :D
    108 1 Melden

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