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Mohammed el-Halabi kratzt am Ruf der Hilfsorganisation World Vision.
Bild: DUDU GRUNSHPAN/REUTERS

World-Vision-Chef in Gaza soll Millionen an die Hamas übermittelt haben

05.08.16, 04:56 05.08.16, 06:56

Ein ranghoher palästinensischer Mitarbeiter der Organisation World Vision soll westliche Hilfsgelder in Millionenhöhe an die im Gazastreifen herrschende Hamas weitergeleitet haben. Das behauptet der israelische Inlandgeheimdienst Schin Bet.

Mohammed el-Halabi, Leiter der Zweigstelle der internationalen Hilfsorganisation in Gaza, sei am 15. Juni am Eres-Kontrollpunkt zwischen Israel und dem Gazastreifen festgenommen worden, teilte der Geheimdienst am Donnerstag mit.

Man gehe von einer Summe von bis zu rund 50 Millionen Dollar aus, die für militärische Zwecke missbraucht wurden, sagte ein Sprecher des israelischen Aussenministeriums. El-Halabi wurde am Donnerstag vor einem Bezirksgericht in Beerscheva angeklagt.

World Vision erklärte, el-Halabi sei als zuverlässiger und gewissenhafter Kollege bekannt. «Nach derzeitigem Informationsstand gibt es keinen Anlass, anzunehmen, dass die Anschuldigungen begründet sind.» Man sei «schockiert». World Vision werde alle nötigen Schritte in die Wege leiten, um den Sachverhalt schnellstens aufzuklären. Ein Sprecher der radikalislamischen Hamas in Gaza wies die Vorwürfe als «Lügen» zurück.

Komplexes System aufgebaut

In der Mitteilung von Schin Bet hiess es, El-Halabi sei heimlich Mitglied des militärischen Hamas-Arms und habe westliche Hilfsgelder gezielt an die Terrororganisation übermittelt. Etwa 60 Prozent des Jahresbudgets für World Vision Gaza sei an die Hamas gegangen. Diese habe die Finanzmittel, die unter anderem aus Europa und den USA stammten, in militärische Projekte wie den Bau unterirdischer Tunnel sowie Waffenkäufe investiert.

Hamas-Kämpfer im Palästinensergebiet: Die Organisation soll Gelder aus World-Vision-Quellen erhalten haben.
Bild: Adel Hana/AP/KEYSTONE

El-Halabi habe ein komplexes System zur Weiterleitung der Gelder an Hamas entwickelt - etwa unter dem Deckmantel humanitärer und landwirtschaftlicher Projekte. Der Fall beweise «den zynischen Missbrauch, den Hamas mit internationalen Hilfsmitteln treibt», hiess es in der Mitteilung.

Bereits auf die Vorwürfe reagiert hat die australische Regierung: Das Aussenministerium stoppt alle Gelder für die christliche Hilfsorganisation im Gazastreifen. «Wir unterbrechen die Finanzierung für Programme in den Palästinensergebieten, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind», hiess es in einer Mitteilung. (kad/sda/dpa)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 07.08.2016 23:28
    Highlight Statt; Sprengstoff, Panzer, Kampfflugzeuge und Waffen zu kaufen, sollte mit diesen Geldern eine Infrastruktur geschaffen werden, die es den Bewohnern ermöglicht selbstständig zu leben. Wenn Hamas Gelder für Waffen dem Palästinabewohnern geben, dann dürfen diese die Waffen zu Pflugscharen machen. Für das liefern des Getreidesaatgut haben sich die UN EU und andere Organisationen verpflichtet! Leider verkaufen die Industrie Länder Waffen an Kriegsländer, unterandern auch aus der Schweiz, finanziert von Aktienteilhabern aus frommen Kreisen.
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  • Gelöschter Benutzer 07.08.2016 23:05
    Highlight Australien richtig gehandelt, und da sollen Hilfsgelder solange gesperrt werden, bis alles aufgeräumt ist. Nun ob die Gelder wirklich am Bestimmungsort des Patenkindes ankommt, müssen sofort geprüft werden, dass die Gönner nicht mit schlechten Gewissen, ihre Beiträge aufkündigen.

    Allenfalls sollen andere Hilfswerke die Gelder zu Nutzen der Patenkinder einsetzen, bis alles geklärt ist.
    3 0 Melden
  • Rukfash 05.08.2016 09:42
    Highlight Deine Land wird illegal eingenommen, du verkaufst ein Stück Land um über die runden zu kommen, du hast wieder kein Geld und machst wieder das gleiche, am ende bist du in einer Sackgasse, hast kein Geld, beide Kinder und deine Frau sind tod, dein Bruder sitzt im Gefängnis, deine Eltern sind Krank, dir wird verwehrt diese zu Behandeln, du gehst protestieren, wirst geschlagen, du hast keine Kraft mehr und nimmst eine Autobombe und jagst die Okkupatoren in die Luft.. Was ist jetzt Terrorismus ?
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  • Fumo 05.08.2016 08:51
    Highlight Es widerspiegelt zwar nicht meine Meinung und ist nur so ein Gedanke.
    Was wenn er es als Hilfe für seinen Volk ansieht das Geld der Hamas zu spenden? Es dient im Kampf gegen die Besetzer und Unterdrücker und würde bei Erfolg das Leben der Palästinenser ja stark verbessern.
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  • Döst 05.08.2016 08:44
    Highlight Eine Überprüfung wohin die Schweizer Bundesgelder im Gazastreifen wirklich hinfliessen, wäre jetzt angebracht.
    Von EU/USA sind schon viele Milliarden offiziell an die Palästineneserführung geflossen... wie gross der Anteil wohl für die Hamas war?
    14 7 Melden
  • URSS 05.08.2016 07:56
    Highlight Wundern täte mich das gar nicht.
    El Halabi verteilt Hilfsgelder statt an die Menschen an eine kriminelle Terrororganisation.Das würde nur zeigen das der Zweck die Mittel heiligt...
    Nun, bei uns in Europa gilt bis zum Gegenteil die Unschuldsvermutung . Auf dieses hat auch El Halabi ein Recht. Sollte das aber der Wahrheit entsprechen , müssen die ganzen Abläufe besser kontrolliert werden.
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  • Scaros_2 05.08.2016 07:20
    Highlight Komplexes System, Scheinfirmen, unwirkliche Projekte etc. Wieder einmal zeigt sich, das Geldspenden nichts, abaer auch gar nichts bringen wenn solche Menschen an der Spitze stehen und delegieren wie das Geld verteilt wird.

    Ich fühle mich dadurch wieder einmal bestätigt - warum ich kein Geld spende. Lieber schmeiss ich Altkleider in die richtige Tonne - aber auch da gibts sicher betrug.
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    • Jon 05.08.2016 09:10
      Highlight Schön, dass du dich im Nichtsspenden bestätigt fühlst und dein Gewissen aufgrund eines möglicherweise Fehlbaren beruhigen kannst. Mir gelingt das nicht.
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