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Bild: EPA/EFE

Puigdemont muss sich entscheiden – das sind die wichtigsten Fragen und Antworten

18.10.17, 11:56


Bis spätestens diesen Donnerstag um 10.00 Uhr soll der Chef der katalanischen Regionalregierung, Carles Puigdemont, erklären, ob er die Bestrebungen für einen eigenen Staat abbricht und die Region als Teil von Spanien sieht. Es geht um viele spannende Fragen.

Wie kann Katalonien auf dieses letzte Ultimatum Madrids antworten?

Puigdemont kann die Frist einfach verstreichen lassen und so seine Missachtung der Forderung des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy zum Ausdruck bringen.

Denkbar ist auch eine neuerliche Erklärung mit ähnlich ausweichendem Inhalt wie am Montag - da gab Puigdemont keine Antwort auf die Frage, ob er nun in der vergangenen Woche vor dem Regionalparlament in Barcelona die Unabhängigkeit von Katalonien erklärt hat oder nicht.

Wie kann die Zentralregierung reagieren?

Bei einer aus seiner Sicht negativen Antwort kann Rajoy das in Artikel 155 der Verfassung vorgesehene Verfahren einleiten, das schärfste Schwert im Konflikt mit aufmüpfigen Regionen. Seit Inkrafttreten der Verfassung von 1978 in Spanien kam der Artikel bisher noch nie zur Anwendung. Artikel 155 erlaubt es der Regierung, «die notwendigen Mittel zu ergreifen», um eine autonome Region zur Erfüllung ihrer rechtlichen Pflichten zu zwingen.

So berichten spanische Medien über das Katalonien-Referendum

Welche Mittel könnten das sein?

Der Regierung ist es freigestellt, welche Massnahmen sie für geeignet hält. Sie könnte Puigdemont absetzen, die katalanische Regierung auflösen und eine Neuwahl des Regionalparlaments erzwingen. Wahrscheinlich würde es zu einer Neubesetzung von Schaltstellen wie der Spitze der katalanischen Polizei und des Zivilschutzes kommen.

Würde dies eine Abschaffung der katalanischen Autonomie bedeuten?

Rajoy hat am Montag in seinem Brief an Puigdemont betont, dass der Einsatz von Artikel 155 keineswegs die Aufhebung der Selbstverwaltung bedeute, «sondern die Wiederherstellung von Rechtmässigkeit in der Autonomie». Mit ihrem Verhalten habe die Regionalregierung das Autonomiestatut für Katalonien verletzt.

Katalonien erklärt Unabhängigkeit - und setzt sie aus

Video: srf

Nie zuvor in der Geschichte hätten die katalanischen Bürger grössere Freiheiten und mehr politische und wirtschaftliche Autonomie genossen als jetzt. Puigdemont sieht hingegen in der Anwendung von Artikel 155 eine Aussetzung der Selbstverwaltung.

Darf die Zentralregierung im Rahmen des Artikels 155 auch Gewalt einsetzen und zum Beispiel im Falle grösserer Protestkundgebungen auch die Streitkräfte in Katalonien auf die Strassen schicken?

Bei diesem Punkt gibt es durchaus Meinungsverschiedenheiten. Die meisten Verfassungsexperten stimmen allerdings darin überein, dass Gewaltanwendung ausgeschlossen ist.Der angesehene Rechtsanwalt José María Gil-Robles y Gil-Delgado, ein Europapolitiker der PP, betont zum Beispiel, dass die Mittel zur Wiederherstellung der verfassungsmässigen Ordnung in einer Autonomen Gemeinschaft nach dem Geist des Artikels nur gegen die Regionalregierung und -Behörden, und niemals gegen die Bürger der Region gerichtet werden dürfen.

Kann Rajoy die Massnahmen allein beschliessen?

Die von der Regierung für notwendig erachteten Massnahmen müssen vom Senat, der zweiten Kammer des Parlaments, mit absoluter Mehrheit gebilligt werden. Dort hat Rajoys konservative Volkspartei (PP) 149 von 266 Sitzen. Der Senat plant für Ende nächster Woche eine Sitzung.

Wie wird Artikel 155 von Juristen eingeschätzt

Es handele sich um einen Kontrollmechanismus «von aussergewöhnlicher oder extremer Art, für gleichermassen aussergewöhnliche oder extreme Situationen», erklärt der Madrider Verwaltungsjurist Mariano Bacigalupo Sagesse in einer offiziellen Auslegung des spanischen Parlaments. (nfr/sda/dpa)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • olmabrotwurschtmitbürli 18.10.2017 18:12
    Highlight Herr Puigdemont wird seine Mitteilung vom Montag wiederholen. Würde ich an seiner Stelle zumindest tun... Dann steht Madrid unter Zugzwang und hat die Rolle desjenigen, der die Eskalation vorantreibt.
    0 1 Melden
  • whatthepuck 18.10.2017 13:02
    Highlight Mich nervt das Vorgehen der Katalanen. Man ist nun schon soweit gegangen, nun soll man auch bis ans Ende gehen - oder sonst zurück zur Vernunft, ohne Spielchen. Die Haltung aus Madrid ist klar: Ja oder Nein. Alles andere als ein klares Nein wird als Ja gedeutet, also kann man auch gleich Ja sagen wenn man nicht Nein sagt. Ich hoffe, Madrid geht geschickt vor und bietet diesen Populisten nicht die Chance, am Ende als Unschuldslämmer da zu stehen, falls Madrid diesen Verfassungsartikel, im Falle eines erneut unklaren Statements von Puigdemont, von sich aus aktiviert.
    12 5 Melden
    • Elendil91 18.10.2017 15:13
      Highlight Sehe ich genauso. Das Hinhalten nervt.
      Eigentlich hätten die zwei Optionen: Das bittere Ende mit klarer einseitiger Unabhängigkeitserklärung oder das Eingeständnis des eigenen Scheiterns und die Ansetzung von Neuwahlen in der Region. Alles dazwischen ist doch lächerlich.
      9 1 Melden
    • Galizier/Berner 18.10.2017 17:31
      Highlight Tick, tack, tick, tack.... Bald ist das unwürdige Spiel beendet. Zurück auf Feld 1 ist angesagt. Hoffentlich sind dann Politiker am Drücker, die wirklich das Wohl der gesamten Bevölkerung im Auge haben und nicht nur die, die ihre Ideologie teilen. Weg mit dieser unfähigen Truppe. Die Uhr tickt und das ist gut so!
      1 0 Melden

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