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Spionierende Tiere: Die Miezen von der CIA

Verkabelte Katzen und verwanzte Vögel: Diverse Regierungen und Geheimdienste haben Tiere für ihre Zwecke missbraucht. Aber was ist mit dem Eichhörnchen? Wurde es zu Unrecht der Spionage verdächtigt?

07.05.15, 16:41 07.05.15, 17:07

Judith Horchert / Spiegel Online

Bild: Flickr RF

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Zwei Netzaktivisten sassen vor einiger Zeit an einer Gracht in Amsterdam. Sie teilen ein Gefühl, das sie schon seit den ersten Snowden-Enthüllungen begleitet: Theoretisch können sie überall und von allen Seiten überwacht werden – ohne es mitzubekommen. Als ein paar Enten in der Gracht vorbeischwimmen, blödeln sie herum, einer versucht, die ganze Überwachungsfurcht ins Lächerliche zu ziehen: «Stell dir mal vor, die Enten da vorn wären von der CIA

Das sei gar nicht so abwegig, habe der andere antwortet, so etwas in der Richtung habe es tatsächlich schon gegeben. Er erinnere sich nicht mehr ganz genau, aber irgendwas mit Katzen.

Der Sicherheitsforscher Claudio Guarnieri erzählt diese Geschichte, er war einer der beiden an der Gracht. Zurück in Berlin, wollte er die Sache mit den Katzen genauer wissen. Er erzählte der Bürgerrechtsaktivistin Jillian York davon und suchte mit ihr zusammen im Netz nach Tieren, die von Regierungen, Geheimdiensten und Armeen als Spione eingesetzt wurden. Sie fanden Geschichten über Eichhörnchen und Delfine, Tauben und Hunde.

Auf der re:publica berichteten die beiden in einem kurzen Vortrag, was sie herausgefunden haben. Acoustic Kitty hiess etwa das besagte CIA-Programm aus den Sechzigerjahren. Dabei wurden lebenden Katzen Mikrofone implantiert, in der Hoffnung, dass die Tiere Zutritt zu Grundstücken bekommen, die für einen Spion nur schwer zugänglich waren. Konkret ging es damals um sowjetische Botschaftsgebäude.

Die Testkatze wird vom Taxi überfahren

Nur leider lassen sich Katzen ungern sagen, wo sie entlang streunen sollen, was sie zu tun und zu lassen haben – als Geheimdienstmitarbeiter sind sie also denkbar ungeeignet. «Schon die Testkatze ist gleich auf die Strasse gelaufen und wurde von einem Taxi überfahren. 20 Millionen Dollar an Steuergeldern verschwendet», sagte York. Das Projekt sei gescheitert.

In diesem Fall ist die Geschichte von spionierenden Tieren ganz einfach zu verifizieren, mittlerweile sind die entsprechenden Dokumente nicht mehr geheim und es gibt auch einen Wikipedia-Eintrag. Auch tierische Einsätze für das Militär sind laut Guarnieri gut dokumentiert: Beim Marine Mammal Program der US Navy etwa werden Tümmler und Seelöwen eingesetzt, um beispielsweise Minen aufzuspüren.

In anderen Fällen, von Eichhörnchen bis hin zu Vögeln, ist es laut Guarnieri schwierig, Fakten von Gerüchten und Verschwörungstheorien zu unterscheiden. Deshalb haben die beiden bei CIA, NSA und FBI nachgefragt, ob sie Tiere zu Spionagezwecken eingesetzt haben oder noch einsetzen.

Die CIA habe bisher nicht geantwortet, die NSA habe geschrieben, man könne weder bestätigen noch dementieren, dass Tiere für den Geheimdienst eingesetzt worden seien. Das FBI schrieb, die beiden sollten ihre Frage konkretisieren, sie sei zu vage. «Dabei hatten wir eine konkrete Liste mit Tieren mitgeschickt», sagt York, «wir haben zum Beispiel nach Katzen, Hunden, Eichhörnchen, Delfinen oder Tauben gefragt.»

Zu Unrecht verdächtigt

Tauben seien im Laufe der Geschichte von Regierungen tatsächlich schon öfter als fliegende Spione eingesetzt worden. Allerdings seien viele Vögel auch zu Unrecht verdächtigt worden. «In Saudi-Arabien wurde ein Vogel gefunden, der einen GPS-Sender bei sich trug», berichtete York, «und einen Ring, auf dem ‹Universität Tel Aviv› stand.» Die Saudis hätten einen Spionageversuch unterstellt, dabei hätten die Forscher glaubhaft versichert, dass der Sender nur aus Forschungszwecken an dem Tier angebracht worden sei, um den Vogelflug zu beobachten.

Der Vogel war kein Einzelfall: So häufig seien Tiere verdächtigt worden, für Israel zu «arbeiten», dass es mittlerweile einen eigenen Wikipedia-Eintrag über Verschwörungstheorien zu Israel und Tieren gebe. «Lest den mal, Ihr werdet Vögel mit völlig anderen Augen sehen», so York.

Immer wieder mussten die beiden bei ihrem Vortrag lachen, zwischendurch miauten sie auf der Bühne. Es war ein Spassvortrag an einem der Konferenzabende, der jedoch die Gefühlslage der Szene aus Hackern und Aktivisten in den vergangenen zwei Jahren widerspiegelt: Egal, wie paranoid die Vorstellung von Überwachungsmassnahmen auch sein mag – womöglich gab oder gibt es sie tatsächlich.

Zumindest mit den tierischen Spionen soll aber nun Schluss sein, finden die beiden Vortragenden. Deshalb haben sie scherzhaft getan, was man in solchen Fällen im Netz so tut: eine Petition gestartet. Unter dem Titel «Remeowlution» sollen die Regierungen der Welt aufgerufen werden, keine Tiere mehr zu Spionagezwecken zu nutzen. Sechs Menschen haben sie bisher unterzeichnet.

Katzen finden überall einen Platz, um sich reinzusetzen. Überall.

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