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epa05065250 A participant delivers a speech exposing the rise of the sea levels due to the rise in temperature in the US Center, during the COP21 World Climate Change Conference 2015 in Le Bourget, north of Paris, France, 11 December 2015. The 21st Conference of the Parties (COP21) is held in Paris from 30 November to 11 December aimed at reaching an international agreement to limit greenhouse gas emissions and curtail climate change.  EPA/JOSE RODRIGUEZ

Zankapfel Temperaturziel: erdölexportierende Länder wie etwa Saudi-Arabien sperren sich dagegen, dass die maximale Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden soll.
Bild: JOSE RODRIGUEZ/EPA/KEYSTONE

Dicke Luft beim Pariser Klimagipfel: Diese drei Probleme blockieren einen verbindlichen Vertrag

Riesenkrach auf der Pariser UNO-Konferenz: Grosse Staaten bremsen und stossen scharfe Drohungen aus. Bei drei zentralen Fragen können sich die Verhandler nicht einigen.

Axel Bojanowski



Ein Artikel von

Spiegel Online

Kurz vor dem Ziel steht der Welt-Klimavertrag auf der Kippe. Mit voller Wucht sind China, Indien, die USA, die EU und die Erdölstaaten in der Nacht in den Verhandlungen regelrecht aufeinandergeprallt. Doch auch im Bündnis der sogenannten Entwicklungsländer gibt es einen Bruch.

Harsche Drohungen soll es in den geheimen nächtlichen Konsultationen gegeben haben, so kolportieren es Delegierte. Streit gibt es um grundlegende Regeln des Klimaabkommens, aber es geht offenbar auch um gekränkten Stolz.

Um diese Fragen geht es:

1. Welches langfristige Temperaturziel der Klimaerwärmung soll festgelegt werden?

Die Erwärmung, so steht es im aktuellen Vertragsentwurf, solle «deutlich unter zwei Grad» gegenüber dem Ende des 19. Jahrhunderts bleiben, zudem sollten «Anstrengungen unternommen werden, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen». Das Ziel wäre hochambitioniert, um ein Grad hat sich die bodennahe Luft bereits erwärmt in den vergangenen 140 Jahren.

Vor allem Inselstaaten wollen die 1,5 Grad festschreiben, sie fürchten ansonsten ihren Untergang. Saudi-Arabien, dessen Wohlstand auf klimaerwärmendem Erdöl beruht, will die Zahl aber nicht im Vertrag haben.

People commute on boats after Cyclone Pam to Port Vila, capital city of the Pacific island nation of Vanuatu March 17, 2015. Reports from the outer islands of Vanuatu painted a picture of utter destruction after a monster cyclone tore through the South Pacific island nation, flattening buildings and killing at least 24 people. REUTERS/Edgar Su (VANUATU - Tags: ENVIRONMENT DISASTER)

Vor allem Inselstaaten weibeln für ein verbindliches Temperaturziel – sie befürchten ihren Untergang.
Bild: EDGAR SU/REUTERS

Saudi-Arabien soll eine eklatante Drohung ausgesprochen haben: Blieben die 1,5 Grad im Dokument, müssten alle Vertragspassagen getilgt werden, die privilegierte Hilfen für Staaten vorsehen, die besonders vom Klimawandel bedroht sind – das sind vor allem die Inselstaaten.

Mit der Drohung Saudi-Arabiens zerbricht die fragile Allianz der Entwicklungsländer, die sogenannte Gruppe 77, zu der laut alten UNO-Verträgen sowohl Saudi-Arabien als auch Inselstaaten und beispielsweise auch China und Indien gehören.

2. Wie soll das Ziel einer globalen Energiewende formuliert werden?

Es ist der grosse Deal der Klimakonferenz: Wie lauten die langfristigen Ziele der Weltgemeinschaft? Das 1,5-Grad-Ziel, so scheint es, haben sich die Befürworter damit erkaufen wollen, dass sie auf ihr anderes Hauptziel verzichten: das Ziel, die Weltwirtschaft ohne Energie aus Kohlenstoff anzutreiben – die Dekarbonisierung.

Sie scheinen sich damit abgefunden zu haben, schwammigere Formulierungen zu akzeptieren, die Spielräume lassen. «Null Netto-Emissionen im Laufe des Jahrhunderts» wäre solch ein Kompromissbegriff. Er liesse auf Jahrzehnte weiterhin industriellen Treibhausgasausstoss zu, es müsste nur dafür gesorgt werden, dass die Gase irgendwie aus der Luft verschwänden – das Klimaproblem wird zur Technologiefrage.

The Belchatow Coal Mine, the biggest opencast mine of brown coal in Poland, is seen outside Belchatow Power Station (not pictured), Europe's largest coal-fired power plant  operated by PGE Group, near Belchatow, December 2, 2015. REUTERS/Kacper Pempel

Stichwort «Dekarbonisierung»: Kohle als fossiler Energieträger soll bald ausgedient haben.
Bild: KACPER PEMPEL/REUTERS

Dabei hängen eigentlich beide Langfristziele zwingend zusammen: Ohne eine globale Umstellung auf erneuerbare Energiequellen würde sich die Erwärmung Klimaforschern zufolge nicht auf unter zwei Grad begrenzen lassen.

Indien etwa würde zwar dem 1,5-Grad-Ziel zustimmen, aber nicht der Dekarbonisierung. Das Land möchte mit billigem Kohlestrom Hunderte Millionen Bewohner aus der Armut holen. Auch Venezuela und China kämpfen gegen harte Langfristziele.

3. Wie soll die Verantwortung zwischen alten und neuen Industriestaaten aufgeteilt werden?

Ein 23 Jahre alter UNO-Vertrag schreibt eine alte Weltordnung fest: Den alten Industriestaaten auf der einen Seite stehen sogenannte Entwicklungsländer und wirtschaftlich erstarkte Schwellenländer gegenüber.

Die Industrieländer tragen der Klimaforschung zufolge mit ihren Abgasen historische Verantwortung am Klimawandel. Die Entwicklungsländer fordern finanzielle Wiedergutmachung.

Die Zweiteilung soll nach dem Willen der Schwellenländer auch für den neuen Klimavertrag gelten – diese Forderung haben China, Brasilien, Südafrika und Indien in Paris unterstrichen. Die USA aber, das haben deren Verhandlungsführer mehrfach deutlich gemacht, werden keinen Klimavertrag unterschreiben, der nicht auch die Schwellenländer in die Pflicht nimmt, insbesondere China.

China stösst mittlerweile pro Bewohner mehr Treibhausgas aus als viele EU-Länder. Und manch frühere Entwicklungsländer wie etwa Katar sind mittlerweile weitaus reicher als alte Industriestaaten wie etwa Griechenland.

People take part in a protest about climate change around New York City Hall at lower Manhattan, New York, November 29, 2015, a day before the start of the Paris Climate Change Conference (COP21).  REUTERS/Eduardo Munoz

Druck von der Strasse: Trotzdem wehren sich die USA gegen die in ihren Augen «einseitige Lastenverteilung» im aktuellen Vertragsentwurf.
Bild: EDUARDO MUNOZ/REUTERS

Der aktuelle Vertragsentwurf bringt nun besonders die Delegation der USA in Rage. Darin steht, dass die alten Industrieländer «finanzielle Unterstützung bereitstellen sollen». Andere Länder könnten «auf freiwilliger Basis Beiträge leisten».

Die US-Diplomaten stören sich nicht nur an der nach ihrer Meinung einseitigen Lastenverteilung. Diese steht obendrein auch noch im Hauptteil des Dokuments, der als bindender internationaler Vertrag unterschrieben werden soll. Inakzeptabel, meinen die USA. Sie müssten den Entwurf im Senat zur Abstimmung geben, der von Republikanern dominiert wird – und die lehnen einen UNO-Klimavertrag ab.

Würde die Lastenverteilung in den Anhang des Klimavertrags verschoben, bestünde dieses Problem nicht. China wiederum will, dass die Passage im Hauptteil bleibt, um sich im Zweifel darauf berufen zu können.

China fühlt sich provoziert

In nahezu jedem Vertragspunkt geht es für die USA und die EU darum, die alte Zweiteilung der Welt zu überwinden. Doch insbesondere China scheint wenig kompromissbereit. Beobachter machen auch ein neues Bündnis verantwortlich, die am Mittwoch gegründete «High Ambitious Coalition» (Hochambitionierte Koalition) aus USA, EU und zahlreichen afrikanischen Staaten und Inselstaaten.

China, das traditionell die Verhandlungsgruppe der Afrikaner und Inseltstaaten, die G77, anführte, habe die neue Koalition als Provokation empfunden, berichten Teilnehmer der Verhandlungen.

Mehr zur Erderwärmung

Doch es gibt auch erstaunliche Fortschritte: Bisher stritten die Staaten auf UNO-Klimaverhandlungen vor allem über Finanzierung gegen Klimaschäden und Hilfen beim Aufbau von erneuerbaren Energien. Doch intensive Verhandlungen zwischen einzelnen Staaten im Laufe dieses Jahres haben diese Themen offenbar vertragsfertig gemacht.

Verhandlungsleiter Laurent Fabius hat einen beschlossenen Welt-Klimavertrag für Samstag in Aussicht gestellt.

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • dracului 12.12.2015 07:36
    Highlight Highlight Die Demonstranten kämpfen für die Erde (#Earth) und die Verhandler setzen sich für die einzelnen Länder ein. Diese Konferenzen haben nur eine Placebo-Wirkung. Selbst wenn wir heute alle Ausstosse vollständig reduzieren würden, ginge die Erderwärmung noch mind. 50-100 Jahre weiter. Geschmolzene Polkappen und Gletscher "wachsen" nicht nach, der Schaden bleibt.
    Aber hey, so schlimm wird's wohl nicht sein und irgendwie geht's dann schon. Uns wird es eh nicht mehr betreffen! Es ist doch Weihnachtszeit: Erleichtern wir unser Gewissen mit einer kleinen Spende und vergessen die ernsten Themen ...
  • Tomlate 12.12.2015 00:24
    Highlight Highlight So lange Ökonomie der Treiber für diese Verhandlungen bleibt, wird keine Einigung stattfinden.
  • Teslaner 11.12.2015 22:56
    Highlight Highlight China, Saudi Arabien, Indien aber auch die USA MÜSSEN einfach etwas unternehmen. Ansonsten ist wohl alles umsonst!

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