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A young polar bear on pack ice over deep waters in the Arctic Ocean, is shown in this October 2009 handout photo provided by the University of Wyoming. Polar bears are the kings of the ice surface covering the top of the globe, but the ongoing loss of the Arctic sea ice on which they hunt seals is causing summer food deprivation that threatens these imposing white-furred predators. To go with SCIENCE-BEARS/   REUTERS/Shawn Harper/University of Wyoming/Handout via Reuters  ATTENTION EDITORS - FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS. NO COMMERCIAL USE.

Minus fünf Quadratmeter Arktis-Eis pro Quadratkilometer. Pro Flug. Pro Passagier. Bild: HANDOUT/REUTERS

Klimawandel: Flug von Frankfurt nach San Francisco – fünf Quadratmeter Arktis-Eis weg

Ein Flug von Frankfurt nach San Francisco und zurück lässt fünf Quadratmeter Arktiseis verschwinden. Pro Passagier. Ein deutsch-amerikanisches Forscherduo macht jetzt diese genauso simple wie verstörende Rechnung auf.

Christoph Seidler



Ein Artikel von

Spiegel Online

Ich reise wirklich gern. Manchmal denke ich, es hat mit meiner Herkunft zu tun. DDR-Kind und so. Vielleicht ja auch nicht, ich bin jedenfalls gern unterwegs. Auch mit Flugzeugen. Gleichzeitig begeistere ich mich für die eisigen Weiten der Arktis. Dumm nur, dass beides so gar nicht zusammenpasst.

Fernreisen mit dem Flugzeug sind schliesslich die mit Abstand klimaschädlichste Art der Fortbewegung. Gleichzeitig trifft der Klimawandel die Nordpolarregion mehr als jede andere Gegend des Planeten.

Flugzeuge stossen nicht nur grosse Mengen Kohlendioxid aus, das in hohen Atmosphärenschichten besonders stark wirkt. Auch Stickoxide entstehen bei der Verbrennung des Treibstoffs - und die Abgase der Maschinen lassen auch Wolken entstehen, die Wärmestrahlung wieder zur Erde reflektieren. Dirk Notz vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und seine Kollegin Julienne Stroeve vom National Snow and Ice Data Center in Boulder (US-Bundesstaat Colorado) rechnen im Wissenschaftsmagazin «Science» gerade eindrücklich vor, welche verhängnisvolle Wirkung selbst ein einziger Transatlantikflug hat.

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Aus Daten der Jahre zwischen 1953 und 2015 haben die beiden eine Vorhersage zur Zukunft des arktischen Eises entwickelt. Der Zusammenhang, den sie vorstellen, ist genauso simpel wie verstörend: Für jede Tonne CO2, die irgendwo auf der Erde freigesetzt wird, etwa durch das Triebwerk eines Jets, verschwinden weitere drei Quadratmeter sommerliches Eis in der Arktis. Oder noch konkreter: Ein Flug von Frankfurt nach San Francisco und zurück lässt fünf Quadratmeter im hohen Norden schmelzen. Und zwar pro Passagier.

«Bisher hat sich der Klimawandel immer irgendwie abstrakt angefühlt. Unsere Ergebnisse stellen dieses Gefühl fundamental in Frage», sagt Forscherin Stroeve. Die Rechnung der Forscher ist dabei noch sehr konservativ, denn die erhöhte Klimawirkung des CO2, das in rund elf Kilometern Höhe ausgestossen wird, wird darin nicht einmal berücksichtigt.

Stroeves Kollege Notz erklärt den Zusammenhang, der der aktuellen Arbeit zugrunde liegt: Die genaue Position der Eiskante in der Arktis werde letztlich durch die lokal auftreffende Wärmemenge bestimmt.

Vom Ende der Ewigkeit - Eine Reise durch bedrohte Polarwelten

Ist diese Wärmemenge zu gross, existiert nur noch flüssiges Wasser. Ist sie zu klein, gibt es festes Eis. Die Wärme setzt sich nun aus zwei Teilen zusammen. Da ist die langwellige atmosphärische Strahlung, die ihren Ausgangspunkt am Boden hat und durch Treibhausgase wie CO2, aber auch Wasserdampf wieder in Richtung der Erde zurückgestrahlt wird. Diese legt mit dem Treibhauseffekt an Kraft zu.

Selbst Zwei-Grad-Ziel hilft Meereis nicht

Die zweite Komponente ist die kurzwellige Strahlung, die direkt von der Sonne auf die Erde kommt. Nimmt jetzt die Menge der atmosphärischen Strahlung durch den fortschreitenden Treibhauseffekt immer mehr zu, weicht der Eisrand Stück um Stück nach Norden zurück - um in Gebiete mit möglichst geringer Solarstrahlung zu kommen. Dabei nimmt die Fläche des Eises ab.

«Aus geometrischen Gründen ergeben diese Prozesse den beobachteten, linearen Zusammenhang», so Notz. Tendentiell neige er dazu, solchen Extrapolationen zu misstrauen, sagt der Forscher am Telefon. Aber in diesem Fall sei er sich sicher: «In den Erklärungen ist kein Faktor drin, der sich in den kommenden Jahren ändern dürfte.»

Bei seinem diesjährigen Minimum am 10. September lag die Ausdehnung des arktischen Meereises bei 4.14 Millionen Quadratkilometern. Das heisst, dieser Sommer war wieder einmal weit unterdurchschnittlich, was die Fläche angeht. Der Negativrekord des Jahres 2012 wurde aber nicht erreicht. In den vergangenen Wochen hat sich das jedoch geändert: Seit Mitte Oktober ist die Eisausdehnung in der Arktis so gering wie noch nie zuvor zu dieser Jahreszeit.

Muss Fliegen mehr kosten?

Notz und Stroeve sagen klar: Laut ihrer Rechnung, wird zumindest das sommerliche Meereis in absehbarer Zeit ganz verschwinden, etwa bis zur Mitte des Jahrhunderts, vielleicht sogar noch früher. Und das im Klimavertrag von Paris festgelegte Ziel, die Erderwärmung solle zwei Grad über den vorindustriellen Temperaturwerten nicht überschreiten, werde die weisse Pracht auch nicht retten.

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Video: watson.ch

Nur wenn es gelänge, den Anstieg auf anderthalb Grad zu begrenzen, hätte das Eis überhaupt noch eine Chance, so die Forscher. Die Menschheit hat aber beim aktuellen Tempo des Klimagasausstosses bereits Mitte des kommenden Jahrzehnts keine Möglichkeit mehr, dieses Ziel zu erreichen.

Mein letzter Transatlantikflug ist übrigens erst ein paar Tage her. Der nächste ist schon gebucht. Klar, man könnte zum Schutz des Klimas CO2-Zertifikate kaufen. Doch die Kompensationsmassnahmen sind in ihrer Wirkung umstritten.

Vielleicht wäre es trotzdem gut, wenn Fliegen im Sinne des Klimas mehr kosten würde. Das arktische Eis hätte so womöglich noch eine Chance. Und ich würde manchmal dann doch zu Hause bleiben.

Übrigens Arktis: Alljährlich am 27. Februar ist der internationale Tag des Eisbärs.

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • who cares? 05.11.2016 07:34
    Highlight Highlight Ich habe diesen Fakt bei einem Gespräch über Reisen aufgebracht. Die Reaktion: "Ist ja schon krass. Aber wart ihr mal in San Francisco? Ich will da unbedingt mal hin." Der offensichtliche Beweis, wie es den meisten egal ist.
  • Skip Bo 04.11.2016 07:46
    Highlight Highlight Ketzerische Frage: Spielt es eine Rolle ob die Restvorräte fossiler Energieträger in 100 oder 200 Jahren zu CO2 verbrannt werden?

    Es kann doch niemand ernsthaft glauben die Menschheit werde nicht alle ausbeutbaren fossilen Reserven nutzen.
    Solche Parisübungen sind sicher gut fürs Politego, werden aber den menschgemachten Anteil am Klimawandel langfristig nicht beeinflussen.
    • Toerpe Zwerg 04.11.2016 17:09
      Highlight Highlight Sie stellen genau die richtige Frage und ich meine, dass es keine Rolle spielt. Es findet gerade eine gigantische Fehlallokation von Ressourcen statt, weil man diese längerfristige Komponente nicht im Blick hat und viel zu viele Mittel in die Installation unausgereifter und extrem ineffizienter Technologien zur Energiegewinnung steckt.

      Deutschland hat 100te Milliarden verpulvert und den CO2 Ausstoss um 5% reduziert. Das hat genau null Effekt auf das Klima, die Mittel sind aber weg.

    • Skip Bo 04.11.2016 20:19
      Highlight Highlight Ich bin auch der Meinung, dass der Effekt nicht gestoppt, bestenfalls nur hinausgezögert werden kann.
      Bin sogar der Ansicht das der Klimawandel einige Chancen birgt. Die aktuelle Negativforschung lässt solche Schlüsse aber nicht zu.
      Ich finde aber das man sich auf eine nichtfossile Zukunft vorbereiten muss, nicht wegen dem Klimawandel, sondern weil die fossilen Energieträger endlich sind und in 50-100 Jahren die doppelte Weltpopulation mit Energie versorgt werden will.
  • Lenii 03.11.2016 21:51
    Highlight Highlight & viele Steaks müssen gegessen werde für diese m2?
  • dääd 03.11.2016 21:08
    Highlight Highlight Ja, wie Christoph Seidler schreibt: Es muss einfach mehr kosten (siehe Plastiksäckli in der Migros...). Aber offenbar ist das nicht mehrheitsfähig - weil wir es nicht wollen.
  • Toerpe Zwerg 03.11.2016 21:07
    Highlight Highlight Ein m2 ist zweidimensional ergo kein Körper und kann folglich nicht schmelzen ...
    • Randy Orton 03.11.2016 22:37
      Highlight Highlight Wenn du sagst, 5m2 des arktischen Eises schmelzen, impliziert dies doch, dass auf einer Fläche von 5m2 alles Eis geschmolzen wird, egal wie dick die Eisschicht war. Da die Berechnungen wohl auf Satelitenbilder beruhen, macht die Quadratmeterangabe also durchaus Sinn. Ich habe das komplette paper aber nicht gelesen, nur das abstract.
    • Max Mustermann 04.11.2016 00:03
      Highlight Highlight Richtig Toerpe! Wir und das Eis sind somit gerettet. Gut, dass Du derart aufgepasst hast...
    • Toerpe Zwerg 04.11.2016 00:34
      Highlight Highlight Darum geht es mir nicht. Man sollte die Komplexität nicht soweit reduzieren, dass die Aussage wichtiger ist als deren Sinnhaftigkeit ...

    Weitere Antworten anzeigen

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