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Die drei Probleme der Hillary Clinton

Hillary Clinton ist die Kandidatur kaum noch zu nehmen, für die Wahl im November rechnen sich die Demokraten beste Chancen aus. Die gewaltigen Probleme der Partei geraten dabei aus dem Blick.

27.04.16, 12:14

Veit Medick



epa05279026 US Democratic presidential candidate Hillary Clinton arrives at a primary night event at the Pennsylvania Convention Center in Philadelphia, Pennsylvania, USA, 26 April 2016. According to media reports, Clinton is the projected winner of the Pennsylvania state presidential primary.  EPA/TRACIE VAN AUKEN

Im Siegesrausch: Hillary Clinton Bild: TRACIE VAN AUKEN/EPA/KEYSTONE

Ein Artikel von

Die Stimmung ist gut bei Hillary Clinton. Am Dienstag hat sie wieder wichtige Siege eingefahren, ihr Rivale Bernie Sanders ist rechnerisch so gut wie abgeschüttelt. Wer mit Leuten spricht, die Clinton nahe stehen, spürt gar ein klein wenig Euphorie. Ob Donald Trump oder Ted Cruz ihr Gegner wird, spielt eigentlich keine Rolle. Der eine ist zu erratisch, der andere zu konservativ, als dass das Weisse Haus für sie in Reichweite wäre. So sehen es die Menschen in Clintons Zirkel.

Was bei all dem Chaos auf Seiten der Republikaner untergeht, ist welch gewaltige Probleme die Demokraten ihrerseits haben. Gemeint sind weniger die Schwächen von Clinton persönlich, über die ist schon viel geschrieben worden. Es geht um die strukturellen Handicaps der Partei, deren Folgen sich möglicherweise erst in ein paar Jahren zeigen.

Erstens: Der Kampf zwischen Clinton und Sanders hat offen gelegt, wie sehr sich die Elite der Partei und die jüngeren Amerikaner voneinander entfremdet haben. Das Selbstverständnis der Parteiführung als Garant des Status Quo beisst sich mit den Träumen der Milleniumskinder.

Sie sind aufgewachsen in einer Welt, in der Wünsche oft mit einem einzigen Mausklick erfüllbar sind. Warum das Finanzsystem einmal runter- und dann schnell wieder hochgefahren werden konnte, es aber nicht möglich sein soll, etwa den Zugang zu Universitäten erschwinglicher zu machen, ist ihnen schlicht ein Rätsel.

Sanders, 74-Jähriger Senator, der bis vor kurzem noch parteilos war, scheint dieses On-demand-Lebensgefühl besser zu treffen als Clinton. Das muss für die Ex-Aussenministerin ein Alarmsignal sein. Der Rückhalt der Jungen ist nichts mehr, worauf die Demokraten ohne Weiteres zählen können. In einer alternden Gesellschaft wäre das noch zu vernachlässigen. In der Demographie der USA wird man auf lange Sicht ohne jüngere Wählergruppen aber kaum gewinnen können.

Kampf um den Charakter der Demokraten

Zweitens: Die Rolle, die die Demokraten in Amerikas politischem System künftig spielen wollen, ist unklar. Es gibt zwei Flügel. Clinton repräsentiert jenen, der die Partei als staatstragenden Apparat versteht, der sich mit der Macht in Wirtschaft, Finanzwelt und Kultur so arrangiert, dass schon nichts richtig schief gehen wird. Sanders steht für jenen Flügel, der die Demokraten avantgardistischer und als Treiber des Wandels versteht.

Womöglich schafft Clinton es, diese Flügel im Wahlkampf zusammenzuführen. Aber dass die Einheit hält, wenn die Wahl vorüber ist, ist unwahrscheinlich. Je geringer die Parteibindung wird, desto mehr Profil muss eine Partei zeigen, um Wähler anzusprechen. Der Kampf um den Charakter der Demokraten wird kommen.

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Drittens: Die Demokraten leiden unter einem eklatanten Nachwuchsdefizit. Kein Mitglied der Parteiführung ist unter 50 Jahre alt. Von den Senatoren und Gouverneuren gibt es fast niemanden mit nationaler Bekanntheit, mal abgesehen vielleicht von Bauminister Julian Castro, der seinen Job bisher aber auch nicht wirklich preisverdächtig ausgeführt hat. Man mag der Auffassung sein, dass sich die Sache schon regelt, wenn Clinton erst einmal Präsidentin ist.

Die Wahrheit ist: Schon unter Barack Obama wurde die Nachwuchsarbeit so sehr verschlafen, dass sich die Republikaner einen enormen Vorsprung erarbeiten konnten. Politiker wie Paul Ryan, Marco Rubio oder Ted Cruz mögen in vielen Fragen Hardliner sein: Aber sie sind alle erst Mitte 40.

Und sie haben noch viel vor.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Beobachter24 28.04.2016 21:46
    Highlight Ich kenne zwar keine genauen Statistiken, ich bin aber überzeugt davon, dass auch unter den Hillary-Anhängern viele Junge und Maus-Klicker sind.
    Was die zwei Lager fundamental unterscheidet sind ihre Wertvorstellungen.
    Und das innerhalb derselben Partei!

    Dieses 2-Parteien-System ist irgendwie ziemlich abgef*cked. Die "Gewaltigen Probleme" mache ich bei der amerikanischen Version von Demokratie ganz allgemein aus, nicht nur bei der Democratic Party.
    2 0 Melden
  • Yes. 27.04.2016 13:39
    Highlight Diese scheiss verwöhnten Bengel wollen jetzt sogar, dass Milliardäre und Grosskonzerne nicht einfach Wahlen kaufen können. Wo führt diese On-Demand Kultur nur hin???
    25 1 Melden
  • DailyGuy 27.04.2016 12:34
    Highlight Ich finde es ein bisschen falsch, den Jungen einfach ein "On-Demand-Lebensgefühl" zuzuschieben. Dies tönt für mich als junge Person sehr herablassend. So nach dem Motto: "Ja, sie wollen einfach alles! Und zwar sofort! diese Bengel!".
    Ich verstehe die amerikanischen Jugendlichen sehr gut. Erstens ist das College, wenn man Ambitionen hat, fast obligatorisch, wird aber zum Preis eines Luxusgutes angeboten. Zweitens haben die Jungen das Vertrauen in unsere Wirtschafts- und Finanzwelt verloren. Und das kann ich gut verstehen. Mir geht es genau gleich. Riesige Gier, welche vieles zerstört.
    52 1 Melden

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