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Sollen Russen visafrei in den Schengenraum einreisen können? Ja, sagt unser Kommentator. Bild: MAXIM SHEMETOV/REUTERS

Lasst die Russen kommen! Europa braucht Visafreiheit gegen die Kreml-Propaganda

Russlands Bevölkerung wähnt sich in einem Krieg gegen den Westen, jeden Abend befeuert das Fernsehen die Stimmung mit neuen Zerrbildern von Europa. Die EU sollte die Ressentiments mit Offenheit bekämpfen.

24.09.16, 12:28 24.09.16, 16:28

Benjamin Bidder

Ein Artikel von

Das dem Kreml nahestehende Millionenblatt «Komsomolskaja Prawda» hat neulich behauptet, radikale Islamisten hätten den Pariser Eiffelturm bislang nur deshalb noch nicht in die Luft gejagt, weil er bald ohnehin «das höchste Minarett der Welt wird». Ein Abgeordneter der russischen Staatsduma behauptet steif und fest, die deutsche Bundesregierung träume davon, die Macht in der russischen Enklave Kaliningrad zu übernehmen, dem ehemaligen Königsberg.

Beides klingt absurd – für europäische Ohren. Wer aber in Moskau oder anderswo in Russland vor dem Fernseher sitzt, dem ist das Bild vertraut: Russland als von Feinden umzingelte Festung. Die Mehrheit der Russen wähnt sich seit Jahren in einem unerklärten Krieg mit dem Westen. Deshalb scharen sie sich um die Führung, am Sonntag haben sie die Partei «Einiges Russland» mit einer 75-Prozent-Mehrheit im Parlament ausgestattet, trotz Wirtschaftskrise und Korruptionsskandalen. Wer interessiert sich schon für kaputte Strassen und sinkende Löhne, wenn der Feind vor den Toren steht?

Erreicht gedruckt und online Millionen von Russen: Die Publikation «Komsomolskaja Prawda». bild: screenshot

Die EU hat eine eigene Spezialeinheit gegen russische Desinformation und Propaganda aufgebaut. «EU-Mythbusters» nennt sich das Team. Auf Twitter hat es nicht einmal 9000 Follower. Auf die nächstliegende Massnahme gegen die Lügen sind sie in Brüssel offenbar nicht gekommen: Offenheit. Ressentiments und Vorurteile kontert man am besten mit Nähe. Die EU sollte die Visumpflicht für Russen bei Reisen in den Schengenraum aussetzen.

Nur jeder fünfte Russe war schon mal im Westen

Gerade einmal 24 Prozent aller Russen sind überhaupt schon einmal im Leben in der EU gewesen. Die Visa sind ein Hindernis: Die Gebühr liegt bei 35 Euro, viel Geld in einem Land, in dem das Durchschnittseinkommen bei knapp 500 Euro im Monat liegt. Die Antragsteller müssen zu einem Konsulat oder einem privaten Visazentrum fahren und Fingerabdrücke nehmen lassen. Gerade in der weitläufigen russischen Provinz bedeutet das weite Wege.

Ressentiments und Vorurteile kontert man am besten mit Nähe. Die EU sollte die Visumpflicht für Russen bei Reisen in den Schengenraum aussetzen.

Es gibt Politiker, die die Aufhebung der Visumpflicht für Russen im Moment für ein falsches Signal halten. Sie folgen einer falschen Logik. Die Aufhebung der Visumpflicht würde helfen, Russlands Zerrbilder vom Westen zu zerstören – nicht heute und nicht morgen, aber langfristig. Die Aufhebung der Visumpflicht wäre keine Belohnung für Putin, im Gegenteil: Sie würde ihm Probleme bereiten.

Umfragen zeigen: Junge Russen wollen der Rhetorik des «Kalten Krieges» nicht mehr glauben. Bild: Alexander Zemlianichenko/AP/KEYSTONE

Denn seit Putins Rückkehr auf den Präsidentenposten 2012 betreibt die Führung gezielt die Entfremdung des eigenen Volks von der Welt. Der Kampfbegriff «Gayropa», übersetzt heisst das ungefähr «Schwulropa», zeugt davon. In den Provinzen versucht der Geheimdienst, deutsche Hochschuldozenten mit Verhören zu vergraulen. Die Regierung hat Beamten, Richtern und Polizisten Auslandsreisen verboten. Vier Millionen Bürger können das Land nur noch mit Sondergenehmigung verlassen.

Laut Umfragen glauben gerade junge Russen der «Generation Putin» nicht die These von einem neuen «Kalten Krieg»

Junge Russen glauben nicht an einen neuen «Kalten Krieg»

«In fünf Jahren haben wir keine Visa mehr», hat EU-Kommissionspräsident Romano Prodi den Russen versprochen. Das war im Jahr 2003. Verhandelt wurde seitdem viel, passiert ist nichts. Lange vor Ausbruch der Ukrainekrise setzte sich Deutschland an die Spitze einer Gruppe von zehn EU-Staaten, die eine Aussetzung der Visumpflicht mit Russland verhinderten. Sorgen bereitet ihnen etwa ein Einsickern des organisierten Verbrechens. Die bittere Wahrheit ist aber: Die russische Mafia ist längst da.

Hilft dem Westler in Russland: Mit der Übersetzungs-App zum Friseur

Stimmt schon: Nicht jede Reise hilft in jedem Einzelfall gegen dumpfe Stereotype. Es gibt Studenten in Moskau, die nach einem Studienaufenthalt in Deutschland verkünden, jeder Deutsche habe ein Exemplar von «Mein Kampf» auf dem Nachttisch liegen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist ungleich grösser, die Mythen der Propaganda über Europa zu entlarven, wenn man Berlin, Paris oder auch Köln mit eigenen Augen gesehen hat. Wenn man dort Bekannte kennt, mit denen man telefonieren kann oder auf Facebook chatten.

Europa führt mit Russland einen Elitendialog. Es müsste aber auch das Gespräch mit der breiten Bevölkerung suchen.

Laut Umfragen glauben gerade junge Russen der «Generation Putin» nicht die These von einem neuen «Kalten Krieg». Sie sind überzeugt, dass die derzeitigen Probleme vor allem mit der Krim und der Ukraine zusammenhängen – und überwunden werden können. Deutschland hat im September für die Dauer des «Deutsch-russischen Jahrs des Jugendaustauschs» die Visagebühren gesenkt. Es gibt Programme für den Austausch von Studenten und Wissenschaftlern. Diese Programme sind gut. Aber sie zielen auf die russische Bildungsoberschicht – die sich ohnehin am Westen orientiert, politisch aber wenig Einfluss hat.

Ihm könnte die Visafreiheit zuwiderlaufen: Präsident Putin. Bild: EPA/AP POOL

Europa führt mit Russland einen Elitendialog. Es müsste aber auch das Gespräch mit der breiten Bevölkerung suchen. Die Abschaffung der Visumpflicht wäre ein erster Schritt – und der Kreml müsste seinen Bürgern plötzlich erklären, warum das angeblich feindliche Ausland auf einmal so offen ist.

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Bei euch, liebe zu Unrecht als Putin-Trolls Beschimpfte, möchte ich mich entschuldigen. Bei allen anderen nicht

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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49
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49Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 25.09.2016 12:53
    Highlight komischerweise haben Leute, die keine Nachrichten lesen oder schauen, auch keine Probleme mit Russen...
    2 5 Melden
    • dmark 26.09.2016 11:27
      Highlight Das Netz gibt jedem die Möglichkeit, sich mit Nachrichten aus aller Welt zu informieren. Man stellt dabei fest, dass in jeder Region der Erde diese Nachrichten, entsprechend derer regionalen oder wirtschaftlichen Interessen formuliert sind.
      0 1 Melden
  • _kokolorix 24.09.2016 20:39
    Highlight Wozu soll ein Visum überhaupt gut sein? Das sollte man generell abschaffen. Das ist doch bloss ein aufgeblähter Bürokratieapparat. Wenn man hofft dadurch unerliche Menschen fernzuhalten ist man schön dumm. Das sind doch die ersten die auch so ein System bescheissen und für die ehrlichen baut man eine Hürde auf! Beim Überschreiten der Grenze gratis registrieren würde alleweil reichen
    5 1 Melden
  • Hierundjetzt 24.09.2016 18:35
    Highlight Irgendwie hat der Artikel ein Knopf:

    Ein Visa ist zu teuer, aber mit 500.- / Monatseinkommen kann ich Europa bereisen? Hä? Flug, 1x aufs Jungfraujoch, 1x Züri Gschnätzlets und voilà das Geld ist aufgebraucht.

    Also nochmals: warum soll wirklich eine Aufhebung passieren?
    10 3 Melden
  • Radiochopf 24.09.2016 18:01
    Highlight Wow, dass ich das noch erlebe.. ich muss Bidder recht geben, nur Visa-Freiheit schafft die Vorurteile ab, aber dies sollte für beide Seiten so sein!nur so können die Europäer sehen, dass die vielen Vorurteile über die Russen gar nicht stimmen. Russland hat landschaftlich und kulturell viel zu bieten und die meisten Russen sind extrem hilfsbereit und gastfreundlich!
    18 1 Melden
  • dmark 24.09.2016 15:07
    Highlight Ich kommuniziere u.a. in technischen, russischen Foren und sehe dort sehr freundschaftliche und hilfsbereite Bindungen untereinander - egal, ob es um Europäer, Asiaten oder Amerikaner geht. Liegt wahrscheinlich auch mit daran, dass man gemeinsame Ziel verfolgt.
    Politik bleibt da völlig unbeachtet.
    29 0 Melden
    • FrancoL 24.09.2016 15:40
      Highlight Und dass es vermutlich nicht Sumpfbacken sind die in diesen Technischen Foren unterwegs sind. Wir müssen uns im Klaren sein, dass im Osten und auch im Westen die Propaganda dort angesetzt wird wo das Interesse und die Bildung Mangelware sind uns das funktioniert leider bestens.
      20 5 Melden
  • Karl Müller 24.09.2016 14:43
    Highlight Naja. Es ist noch nicht lange her, dass unzählige westliche Medien behauptet hatten, in der Türkei sei Sex mit Kindern legalisiert worden. Dazu gabs prompt auch eine empörte Wortmeldung mindestes einer führenden europäischen Politikerin. Das es aber letzlich nur darum gegangen ist, Sex zwischen Minderjährigen zu entkriminalisieren, also im Grunde eine Angleichung ans europäische Recht, haben nur wenige nachträglich präzisiert.
    24 6 Melden
    • bokl 24.09.2016 17:25
      Highlight Das waren aber genau genommen keine Falschmeldungen. Der Prozess verlief in zwei Schritten. Zuerst wurde das Gesetz aufgehoben, dass Sex mit Minderjährigen verbot (unabhängig vom Altersunterschied). Da gab es dann die Newsmeldungen. Diese waren zu dem Zeitpunkt korrekt. Einige Tage später wurde das neue Gesetzt (mit Berücksichtigung des Altersunterschied) beschlossen. Darüber wurde leider sehr wenig berichtet.
      9 1 Melden
  • Maett 24.09.2016 14:28
    Highlight Man muss die Visumspflicht nicht abschaffen, aber den Visaantrag stark vereinfachen. So dass z.B. online mit der Pass-Nr. eine Bewilligung eingeholt werden kann, dann erfolgt einen Abgleich mit dem russischen Strafregister und bei weisser Weste wird dies automatisch gewährt - ansonsten geprüft.

    Allerdings glaube ich nicht, dass das viel zur Verständigung beitragen würde, die kultivierten Russen fühlen sich von Europa verraten (aus ihrer Sicht ungerechtfertigte Sanktionen, etc.). Und auch gerade sie konsumieren West-Medien und sehen, dass es dieselbe Propaganda ist, wie zuhause.
    22 14 Melden
    • Christian Gerber 24.09.2016 14:58
      Highlight Nein, da übertreiben Sie gehörig. Klar gibt's bei uns auch Propaganda, doch in RU müssen Medienhäuser schließen, die zu staatskritisch sind. So weit sind wir bei uns zum Glück noch nicht.
      26 10 Melden
    • FrancoL 24.09.2016 15:42
      Highlight Naja MAETT macht es wie die Propaganda auf beiden Seiten; er übertreibt.
      11 4 Melden
    • Maett 24.09.2016 18:37
      Highlight @Christian Gerber: welches denn so? In Russland gibt es auch eine diversifizierte Medienlandschaft und kritische Medien (nicht nur Echo). Nur haben die keine grosse Verbreitung, wären online aber konsumierbar - dass die meisten Russen das nicht tun, ist nicht meine Schuld.

      Und hier ist es auch so. Das meiste was wir lesen, sind Agentur-Meldungen, und bedeutende Agenturen gibt's gerade mal drei (und alle sind angelsächsisch).

      Über die Intensität der Propaganda hab ich sowieso nicht gesagt (ist auch nicht besonders relevant), also kann ich ja schlecht übertrieben haben.
      5 4 Melden
  • Dä Brändon 24.09.2016 14:04
    Highlight Die Visafreiheit wird nicht kommen weil der Westen den Krieg möchte und nicht umgekehrt.
    39 34 Melden
    • Toerpe Zwerg 24.09.2016 15:42
      Highlight So so. "Der Westen will Krieg". Worauf gründen Sie ihre Erkenntnis?
      21 12 Melden
    • FrancoL 24.09.2016 15:43
      Highlight Ich glaube auf beiden Seiten gibt es die Kriegstreiber. Es ist wie im normalen Leben: Es ist immer eine recht ausgeglichene Anzahl Menschen die das eine oder andere wollen, wieso sollte es NUR der Westen sein, das entbehrt jeglicher Logik.
      7 9 Melden
    • bokl 24.09.2016 17:28
      Highlight Einen offen Krieg wollen beide Seiten nicht. Ein wenig Stellvertrertungsgeplänkel in der Ostukraine oder Syrien reicht, um neue Waffensysteme zu testen. Ansonsten reicht das schüren von Ängsten auf beiden Seiten um eine Erhöhung des Militärbudgets zu rechtfertigen und damit kann der militärisch-industrielle Komplex genug Profite machen.
      10 2 Melden
  • lilie 24.09.2016 14:02
    Highlight OK, die Idee ist tatsächlich gut. Was man mit eigenen Augen gesehen hat (real natürlich, nicht im Fernsehen), ist immer besser als jede Propaganda.

    Jedoch bin ich ziemlich verblüfft über die Ausgangslage und die gezogenen Schlussfolgerungen: Wenn tatsächlich 24% der Russen schon mal in der EU waren, ist das fast jeder 4. Bürger! Das ist garantiert das Vielfache des Prozentsatzes EU-Bürger, die schon mal in Russland waren!

    Dass die ländliche und ärmere Bevölkerung weniger verreist, ist vermutlich auch im Westen nicht anders. Daran würde aber wohl auch eine Visumsfreiheit nichts ändern.
    36 0 Melden
    • FrancoL 24.09.2016 15:46
      Highlight Ja und da stellt sich die Frage; wenn nur so wenige Europäer in Russland waren, haben wir Europäer denn die richtige Sicht zu Russland? Ich denke wenn die Russen mit 24% Europa"Fahrer" keine grosse Ahnung von Europa haben können dann ist es um unsere Russlandkenntnisse aber zappenduster.
      13 2 Melden
    • bokl 24.09.2016 17:31
      Highlight Und es spielt auch noch eine Rolle, wie und wo die Russen die EU besucht haben. 2 Wochen saufend im All-Inclusive-Hotel auf Zypern gelten auch als EU-Besuch, aber bringen wohl wenig zur gegenseitigen Verständigung.
      8 3 Melden
    • lilie 24.09.2016 18:09
      Highlight @bokl: Auf jeden Fall.

      Allerdings ist das bestimmt auch individuell. Wenn also ein Russe sich auf Zypern (oder Mallorca oder sonstwo im EU-Raum) zwei Wochen hat volllaufen lassen, kommt er vielleicht auch zum Schluss: Hey, die EU ist ja voll locker, da kann man Spass haben, was faseln die da bei uns von Krieg?!

      (Zugegeben, ich wünsche mir nicht, dass diese Art des "Bildungsurlaubs" Schule macht - vor allem, nachdem der Autor des Artikels die "breite Masse" ansprechen will... 😐).
      2 5 Melden
    • Maett 24.09.2016 18:40
      Highlight @bokl: stimmt - Osteuropa ist (allein schon preislich) eine viel beliebtere Destination, Italien vielleicht noch, und dann hat sich's, was der nicht-Oberschichtentourismus anbelangt. Also ist das russische Bild eher von den europäischen Staaten mit schlechterer Infrastruktur geprägt.

      Das ist so, wie wenn man in Russland nur nach Nizhny Novgorod fährt, aber Moskau aussen vor lässt (oder St. Petersburg).

      Dennoch beschäftigen sich Russen mehr mit Europa als umgekehrt (denn für z.B. China interessieren sie sich nicht besonders), deshalb sind "hier" Vorurteile ja auch verbreiterter.
      2 2 Melden
  • Ghostwriter 24.09.2016 13:56
    Highlight Kommentar, OK. Die Wortwahl, Bilderwahl, Textreihenfolge, der Schlusssatz.. Bedenklich.

    Copy/Paste? Aufklärung sieht anders aus. Philipp Dahms "Alle Lügen" ist auch nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

    Redet euch ruhig ein, ihr seid besser oder anders als bspw. RT/SPUTNIK oder andere kapitalgesteuerte Meinungsmacher.

    Meinungsmacher, dessen Opfer Schritt für Schritt von Bord gehen oder den Kapitän und dessen Crew zur Rechenschaft ziehen wollen. So ist das heutzutage mit dem medial-politischen Komplex, untrennbar mit dem militärisch-industriellen Komplex.

    Gesellschaftsverantwortung?
    17 10 Melden
    • Ghostwriter 24.09.2016 15:35
      Highlight "1"
      Muss meinen doch sehr emotionalen und harten Vorwurf etwas ausführlicher formulieren. Liegt mir auf dem Magen. Danach werde ich wohl wieder in den passiven Beobachtungsposten eures Mediums zurücktreten.


      Dieser Artikel ist ein Kommentar. Eine Meinung von Spiegel-Mitarbeiter Benjamin Bidder, OK. Der Textaufbau und dessen Inhalt aber wirkt auf mich teils heuchlerisch und teils suggestiv manipulierend in Relation zum Verfasser und dessen Arbeitsgeber. Dies wenn man bedenkt, welch vergangene Artikel diese und ähnliche "Parteien" schon über Russland verfasst haben.
      11 11 Melden
    • Ghostwriter 24.09.2016 15:37
      Highlight "2"
      Damit haben diese massgeblich die westliche öffentliche Meinung über Russland verschlechtert. Ob bewusst oder unbewusst, diese Entscheidung überlasse ich gerne dem Leser selbst.

      Ich vermisse die Gesellschaftsverantwortung der Medien. Medien sind meinungsbildend. Überspitzt gesagt sind Medien, ob RT/SPUTNIK/SPIEGEL/WATSON allesamt kapitalabhängige und damit teils mehr/weniger interessensgesteuerte Unternehmen. So funktioniert die heutige Welt. Ein medial-politischer Komplex, welcher mit dem militärisch-industriellen Komplex untrennbar wurde.

      8 5 Melden
  • unejamardiani 24.09.2016 13:56
    Highlight Ja gute Idee, aber lasst uns doch erstmal Visafreiheit für die restlichen wirklich europäischen Länder einführen, die haben es genau so nötig.
    10 15 Melden
  • Don Alejandro 24.09.2016 13:54
    Highlight Russland braucht den "bösen" Westen. Daher wäre die Visafreiheit gar nicht im Interesse Putin's.
    13 19 Melden
    • Maett 24.09.2016 14:33
      Highlight @Don Alejandro: es ist nicht Russland, welches am Anfang der Eskalationsspirale steht. Insofern ist diese Behauptung Blödsinn.

      Natürlich ist die russische Regierung froh über die Sanktionen, die eigene Beliebtheit wächst, unpopuläre Reformen können endlich durch die Duma gejagt werden und russische Firmen können sich modernisieren, weil sie quasi garantierte Kundschaft haben, da die ausländische Konkurrenz weg ist.

      An der Situation ändert sich aber wenig, solange Russland aggressiv angegangen wird (primär von der NATO), denn das stärkt das Vertrauen in keiner Weise.
      12 12 Melden
    • Toerpe Zwerg 24.09.2016 15:43
      Highlight Aggressiv angegangen. Ähä.
      11 13 Melden
    • FrancoL 24.09.2016 15:49
      Highlight @Maett; Es ist nicht immer derjenige der Alleinschuldige der den ersten Fehler begeht.
      Zudem Dein Kommentar zeigt ja deutlich dass man als "Opfer" durchaus auch Vorteile in der Propaganda generieren kann. Mehr als der Täter auf jeden Fall.
      5 8 Melden
    • Maett 24.09.2016 19:04
      Highlight @FrancoL: das hab ich ja nicht gesagt, sondern lediglich Don Alejandro widersprochen, dass das im Interesse Russlands (bzw. im Propaganda-Sprech: "Putin") sei, plus Begründungen für meine These.

      Und wieso Opfer? Und wieso Propaganda? Es fällt mir schwer, Ihren Kommentar einzuordnen, ich hab ja nur von den Fakten geschrieben. a) hat die russische Regierung ja tatsächlich gesagt, dass die Sanktionen durchaus Vorteile haben, b) hat Russland lediglich auf die Vorkommnisse in der Ukraine reagiert, und zwar genauso, wie Medwedew im Falle von beabsichtigen Erweiterungen mehrfach angekündigt hatte.
      4 3 Melden
    • Maett 24.09.2016 19:06
      Highlight @Toerpe Zwerg: gem. West-Doktrin verschiebt man keine Grenzen mehr, da das nicht mehr "in" ist - aber doch tut man was sehr ähnliches, man bildet Unionen und Bündnisse, die für andere Länder (wie z.B. Russland) grosse (negative) Auswirkungen haben.

      Russland hat lange vor dem Ukraine-Konflikt gewarnt, die Ukraine (bzw. die Krim, es geht um die dortige Basis), irgendwo in ein West-Bündnis zu integrieren. Das wurde dann doch versucht, und schon war die Krim weg.

      Nicht dass das richtig wäre... aber Russland ist nicht besonders stark, es kann nur militärisch reagieren.
      4 4 Melden
    • Toerpe Zwerg 24.09.2016 20:03
      Highlight Dem kann ich nicht zustimmen. Es ist völkerrechtlich verankert ( Selbstbestimmungsrecht der Völker), dass Staaten sich frei für ein Bündnis entscheiden können - bis hin zur Aufgabe der Souveränität.

      Im Umkehrschluss heisst das nichts Anderes, als dass einzig und alleine Russland im Ukrainekonflikt Recht bricht und nichts Anderes betreibt, als simple Annexion fremder Territorien.

      3 3 Melden
    • FrancoL 24.09.2016 20:09
      Highlight @Maett; Russland stellt sich als Opfer hin, dies ist hinlänglich bekannt und entspricht auch der Putin Doktrin, die seine Basis für die Propaganda (zur Zeit stark gegen die EU) darstellt.
      Was die Krim betrifft so ist Ihre Interpretation sonderbar: RU will einem souveränen Staat die Freiheit einschränken an einem Bündnis teilzunehmen und wer sich nicht daran hält ist dann wohl der Schuldige, dass sich RU die Krim einverleibt! Ist doch weder politisch noch der Vernunft gehorchend eine Machart. Wenn dies Schule machen würde dann hätten wir wohl noch mehr Konflikte.
      2 1 Melden
    • FrancoL 24.09.2016 20:16
      Highlight @Maett: Damit wir meine Aussagen in einen Kontext bringen: Ich habe nicht gegen Russland, schon aus dem einfachen Grund dass mich Russland immer fasziniert hat und ich zum Aerger meiner Professoren an der Mittelschule mehrere Vorträge über Russland gehalten habe. Ich bin auch der Meinung dass die NATO besser sich innerhalb der alten Grenzen hätte bewegen sollen, die Osterweiterung habe ich immer als einen Affront gehalten. Nur gehe ich nicht so weit einen Affront als Basis für eine Propaganda zu machen und schon gar nicht damit das Einverleiben eines Teilstaates zu begründen.
      2 1 Melden
    • _kokolorix 24.09.2016 20:29
      Highlight @Maett
      Wieso hat es grosse negative Auswirkungen auf Russland, wenn sich die Ukraine, notabene ein unabhängiger Staat, der schon mehrfach von Russland mit Sanktionen belegt wurde, der EU annähert?
      Das einzige Problem, das ich erkennen kann, ist, dass in der Ostukraine grosse Rüstungsindustrien angesiedelt waren. Aber darüber hätte man wohl auch reden können, ohne einen Krieg vom Zaun zu brechen. Es war Russland, welches in die Ostukraine einmarschierte, nicht die Nato!
      3 1 Melden
  • Stachanowist 24.09.2016 13:51
    Highlight Gute Idee, unterstütze die Visafreiheit!

    Der Artikel ist für meinen Geschmack aber etwas zu wenig reziprok geschrieben. Nicht nur Russen sollten nach Europa reisen. Auch Europäer sollten vermehrt Russland besuchen. Viele haben ein komplett verzerrtes Bild von diesem Land & den Menschen. Und nein, das ist kein Whataboutism, sondern ein Statement für Offenheit, interkulturelle Neugier und gegenseitigen Respekt. "Die sollen mehr zu uns kommen und lernen" ist nur die Hälfte des transnationalen Dialogs.

    Haken der Sache: Die armen Russen&Europäer können sich die Reise auch visafrei nicht leisten.
    45 2 Melden
  • DerTaran 24.09.2016 13:33
    Highlight Ich bin der selben Meinung, Offenheit ist eigentlich immer die Lösung von Problemen. Wo wären wir heute, wenn die EU (ja, die böse EU) nicht dafür gesorgt hätte, dass sich die Nationen Europas kennenlernen?
    Und nein, ich bin kein Linker Romantiker, ich bin auch Pro Globalisierung, den auch hier gilt, Annäherung ist besser als Abschottung. Und wenn die ganzen Antiamerikanisten in der Schweiz und Europa sich mal die Mühe machen würden, die USA zu bereisen, dann würden sie feststellen, wie freundlich und offen die Menschen dort sind.
    Isolation ist schlimm, auch die selbst gewählte.
    27 12 Melden
  • NikolaiZH 24.09.2016 13:29
    Highlight Interessanter Ansatz, aber jetzt, wo Europa sowieso mit Flüchtlingen überfüllt ist, wird niemand wagen, visa abzuschaffen - x hundert tausende (zusätzliche) russische Flüchtlinge wird man nur schwer verkraften können
    11 28 Melden
    • Maett 24.09.2016 14:20
      Highlight @NikolaiZH: hä? Wenn es russische Flüchtlinge gäbe (ausserhalb von der Kaukasus-Region, in allen anderen Gebieten gibt's ja nicht mal plausible Fluchtgründe), dann kämen die ja schon heute ohne Visum nach Zürich und würden am Flughafen Asyl beantragen. So ein Ticket könnten sich selbst nicht gut betuchte Russen leisten, wenn sie sparen.

      Zumindest macht Ihr Kommentar den Eindruck, als wären Sie noch nie in Russland gewesen, und urteilen einfach mal so, wie es in der hiesigen Presse seit 2-3 Jahren vorgegeben wird... ohne jede Ahnung.
      21 5 Melden
    • NikolaiZH 24.09.2016 21:49
      Highlight @maett
      wie würden sie kommen - ohne visum kann und darf man nicht ausreisen - man wird im russischen flughafen nicht ins flugzeug reingelassen.

      Des Weiteren haben Sie nicht daran gedacht, dass es nicht nur Kriegsflüchtlinge gibt? Es lang zu behaupten, opositionell in Russland zu sein. Denn per Gesetz muss man nicht die Verfolgung nachweisen, diese muss plausibel und glaubhaft gemacht werden...

      PS: danke zum statement über ihren eindruckt - hat mich prächtig amüsiert ))) verzichte sogar darauf den beitrag zu melden
      1 1 Melden
  • rodolofo 24.09.2016 12:56
    Highlight Super Vorschlag!
    Die Russische Regierung ist dermassen hinterhältig, verlogen und nur an Macht und Goldmedaillen im Sport interessiert (Da fällt mir gerade ein, dass das bei uns eigentlich ganz ähnlich ist, wenn auch nicht so krass und verbissen, wie in Russland, also mit mehr Humor und Lockerheit), dass es zu nichts führt, mit denen irgendwelche Gespräche, oder Verhandlungen zu führen!
    Stattdessen sollten sich "gewöhnliche" RussInnen und EuropäerInnen mehr begegnen, insbesondere die jungen, geistig-gefühlsmässig flexiblen Menschen!
    Die würden sich schon bald finden und zusammen Party feiern!
    21 17 Melden
    • Ghostwriter 24.09.2016 14:11
      Highlight @Rodolofo

      Eigentlich ist jede Regierung dermassen hinterhältig, verlogen und nur an Macht interessiert!

      Sobald Sie sich aber für eine Seite entscheiden und diese richtig erkannte Wahrheit nur der anderen Seite vorwerfen, haben Sie offensichtlich wenig gelernt.

      "Es geht nichts über ein einfaches Weltbild. Das kennen Sie noch aus den Zeiten des Feminismus. Wenn man weiß, wer der Böse ist, hat der Tag Struktur." - Volker Pispers.

      Schauen Sie tiefer. Üben Sie Selbstreflexion. Möge Ihnen diese Erkenntnis auch noch in Ihrem geistig gefühlsmässig nicht mehr soo flexiblen Alters gelingen.:)
      14 4 Melden
    • Maett 24.09.2016 14:24
      Highlight @rodolofo: die russische Regierung handelt hauptsächlich aus Eigeninteressen (ist schliesslich deren Arbeit) und ist (bzw. war) im Allgemeinen sehr vertragstreu - vor 2-3 Jahren hat sich zwar sehr vieles zum Negativen geändert, aber es ist schwer nachzuvollziehen, welche Regierungen jetzt genau am laufenden Band scheisse bauen - meines Erachtens aber weniger die russische.

      Weshalb es eine Visumpflicht für Russen gibt, hab ich aber sowieso noch nie verstanden.

      Ihre Träume sind aber wohl etwas hoch gegriffen - ich habe einige Freunde die Europa bereist haben; das sind dennoch Patrioten.
      10 3 Melden
    • rodolofo 24.09.2016 15:16
      Highlight @ Ghostwriter
      Habe ich doch gerade gemacht!
      (siehe obigen Kommentar)
      Zum Differenzieren gehört aber auch, innerhalb der "Bösen" feine Abstufungen und Härtegrade zu unterscheiden.
      Es ist eben nicht so, dass die Russische Regierung genauso korrupt und von Eigeninteressen geleitet wird, wie alle Anderen!
      Es kommt sehr darauf an, wie demokratisch, bzw. diktatorisch diese funktionieren!
      Daraus ergeben sich nämlich Unterschiede sowohl der Flexibilität, als auch der Legitimierung.
      Da Russland eine Diktatur herrscht, ist diese weder flexibel, noch legitimiert genug, um für alle RussInnen zu handeln.
      4 4 Melden
    • Ghostwriter 24.09.2016 15:50
      Highlight @rodolofo. Zu den ersten zwei Sätzen kann ich Ihnen zustimmen.

      "Unser" System hat die Verfassungsform Demokratie. Unser System hat aber die Herrschaftsform Kapital. Hirarchisch.

      Sehe aus dieser Betrachtungsweise keine grossen Unterschiede zu Russland und diversen anderen Staaten. Meine Meinung.
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    • rodolofo 24.09.2016 17:07
      Highlight @ Ghostwriter
      In Russland existiert aber kein Demokratisch-genossenschaftliches Gegen-Modell zur Betrieblichen Hierarchie!
      (Staat = Firma)
      Da ist die Hierarchie sozusagen omnipräsent.
      Darum haben RussInnen nur die Möglichkeit, in die "Innere Immigration" zu flüchten, also sich von allen Werten zu verabschieden.
      Eine solche Flucht vor der Wahrheit und der Wahrhaftigkeit in die Lüge und in den Zynismus aber machte den "Homo Sowietikus" krank!
      Wir haben immerhin die Möglichkeit, auf watson weitgehend unzensiert Dampf abzulassen und uns dem was ist (nicht dem, was behauptet wird!) zu stellen.
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    • Maett 24.09.2016 19:16
      Highlight @rodolofo: stimmt, das russische Modell ist aus zivilgesellschaftlicher Sicht mangelhaft, allerdings wäre man mit so einem System (vermutlich) schlechter gestellt, das glauben zumindest viele Russen (und wer Jelzin erlebt hat, wohl auch).

      Wieso sollte man in Russland nicht unzensiert Dampf ablassen können? Kann man z.B. auf kasparov.ru, graniru.org, ria.ru, vedomosti.ru oder meduza.io auch? Ich weiss, einige hatten in den letzten Jahren tlw. Probleme mit den Behörden, aber das liest sich immer noch so kritisch wie zuvor, auch die Kommentare (ja, hat halt kein Watson-Kommentarsystem).
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    • rodolofo 25.09.2016 08:34
      Highlight @ Maett
      Der Sowjetische Gulag hat auch die besondere Kunstform der doppelbödigen Sprache und des hintergründigen Humors hervorgebracht.
      Es ist ja nicht so, dass sich eine Bevölkerung nicht gegen eine Diktatur wehren würde!
      In allen 3.Weltländern ist das der Fall!
      Die Leute dürfen sich nicht an den politischen Prozessen beteiligen, entwickeln aber Techniken, mit denen sie den Mächtigen trotzdem etwas entlocken können! So werden Pro Regierungs - DemonstrantInnen in den Philippinen üblicherweise bezahlt. Auch in der Türkei genossen die Patrioten, welche für die AKP Fahnen schwenkten, Gratis ÖV.
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