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Das üble Spiel des Donald T.

Donald Trump schlachtet den Terroranschlag in New York für seine politischen Zwecke aus. Er tobt gegen Einwanderer, den Rechtsstaat, die Spitzenpolitiker der verwundeten Stadt – ohne Scham, doch mit Kalkül.

Marc Pitzke



epa06302141 US President Donald J. Trump (C) delivers remarks during a Cabinet meeting, in the Cabinet Room of the White House in Washington, DC, USA, 01 November 2017. Trump discussed the 31 October attack in New York that is being investigated as an act of terrorism and also discussed immigration. Also in this picture; US Secretary of Defense James Mattis (Front R), US Secretary of State Rex Tillerson (Front L), Director of the National Economic Council Gary Cohn (Back L) and Senior Advisor to President Trump Jared Kushner (Back 2-L).  EPA/MICHAEL REYNOLDS

Trump vor den Medien nach dem Anschlag in New York. Bild: EPA/EPA

Ein Artikel von

Spiegel Online

«Dies ist eine entsetzliche Tragödie», sagte Sarah Huckabee Sanders, die Sprecherin des Weissen Hauses. «Heute ist ein Tag, an dem wir die Überlebenden trösten und die, die wir verloren haben, betrauern. Es gibt einen Zeitpunkt für politische Debatten…, doch dieser Tag ist nicht heute.»

«Irgendwann wird das vielleicht kommen», sekundierte ihr Chef, US-Präsident Donald Trump. «Aber das ist nichts für jetzt.»

So sprachen sie - nach dem Massaker von Las Vegas im Oktober. Der Attentäter war ein weisser Amerikaner, die «politische Debatte» drehte sich um die laxen US-Waffengesetze, und wie immer geschah nichts.

Nach dem Terroranschlag in New York wartete Trump nur zwei Stunden, um das Geschehen schamlos für seine politischen Zwecke auszuschlachten. Er verzerrte die Hintergründe. Er verhöhnte den US-Rechtsstaat. Er säte Zwietracht. Er attackierte das politische Führungspersonal der verwundeten Stadt.

Dem Bürgermeister, einem Demokraten, kondolierte er erst einen Tag später. Es war typisch Trump: Wie schon bei früheren Katastrophen, ob in Übersee oder daheim, vergriff er sich im Ton, war er plump statt präsidial. Doch diesmal ging er noch einen Schritt weiter - ohne Scham, doch mit Kalkül.

«Sie spielen den Terroristen in die Hände», empört sich der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo, der aus Queens stammt, über den New Yorker Exilanten Donald Trump, der auch aus Queens stammt, doch in seiner Heimatstadt längst verpönt ist. «Sie trennen und spalten und verängstigen.»

Nichts anderes will Trump. Seine Motive sind durchsichtig: Er will die nationalpopulistische Basis anstacheln, seine Machtstellung zementieren und von der Russlandaffäre ablenken.

Die Genfer Menschenrechtskonvention als lästiges «Problem»

Er erfindet einen neuen Streitpunkt: Er droht, die Visalotterie abzuschaffen, über die der mutmassliche Attentäter 2010 aus Usbekistan in die USA kam. Egal, dass dieser offenbar erst später radikalisiert wurde. Egal, dass von der Lotterie pro Jahr nur rund 50'000 Immigranten profitieren, via striktesten Backgroundchecks. Die Terrorgefahr würde das nicht drosseln, dafür aber die - legale! - Einwanderung, und wer will schon Einwanderer? Nicht die weisse Basis, nicht Fox News, nicht Trump.

Er macht aber nicht nur die Visalotterie für den Anschlag verantwortlich. Sondern auch - diese Chuzpe muss man haben - den New Yorker Chefsenator Chuck Schumer: Die Lotterie sei dessen Idee gewesen. Dabei wurde das Gesetz 1990 von George Bush senior unterzeichnet, mit dem Segen beider Parteien. Eine Lüge in einer Lüge in einer Lüge, um den Gegner zu diffamieren.

Und: Trump will den Attentäter ins Terrorlager Guantanamo verfrachten. Zur Erinnerung: Nach dem Anschlag am 11. September 2001 für «feindliche Kombattanten» errichtet, sollte Guantanamo eigentlich schliessen, weil es dort Menschenrechtsverletzungen gegeben hatte, weil es im ewigen Krieg gegen den Terror wenig half, weil es das Image der USA beschädigte und zum Symbol für die Schuld wurde, die das Land im «Krieg gegen den Terror» auf sich lädt.

Doch für Trump ist der US-Rechtsstaat, wie er am Mittwoch höhnte, «ein Witz und eine Lachnummer». Er zieht «schnelle Justiz» und «starke Justiz» vor und bleibt sich - und seinen demokratiefeindlichen Idolen - damit treu: Schon im Wahlkampf hatte er die Genfer Menschenrechtskonvention als lästiges «Problem» bezeichnet, das Amerikas Soldaten nur daran hindere, zu foltern und «Köpfe abzuschlagen».

So spricht ein Autokrat. Oder einer, der Autokraten bewundert. Oder einer, der nicht weiss, wovon er spricht. So ist das mit Terror, Trauer und Tragödien: Manchmal bringen sie das Schlechteste im Menschen hervor.

Terror Umfrage

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Video: watson

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26
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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 02.11.2017 22:01
    Highlight Highlight Wer glaubt, das alles spielt sich nur in den USA ab, der täuscht sich gewaltig!
    Nach dem selben Grundmuster laufen bei uns die Rechtsnational- Ultra-Liberalen Angriffe auf alle Stützpfeiler der modernen Demokratie und der Ökologisch-Sozialen Marktwirtschaft:
    Mit dem ständigen Gerede über "Kriminelle Ausländer" soll suggeriert werden, dass alle Ausländer kriminell seien.
    "Gegen Fremde Richter" meint eigentlich "Gegen unparteiische, nicht käufliche Richter".
    "Gegen die mainstream-Lügenpresse" meint eigentlich "Für käufliche, gesteuerte Partei-Propaganda".
    Und so weiter...
    22 3 Melden
  • Afeusi 02.11.2017 20:39
    Highlight Highlight Herr Trump hat nichts zu bieten das erklärt warum er wettert, beleidigt, tobt und sich mit unangepassten Äusserungen gehör verschaffen muss! Durch und durch schwach, narzisstisch und einfach nur primitiv! Wir Zeit das er in die Schranken gewiesen wird bevor er weiteres Unheil anrichtet!
    20 1 Melden
    • DJ77 02.11.2017 22:04
      Highlight Highlight Und wer soll ihn in die Schranken weisen?
      4 0 Melden
    • rodolofo 03.11.2017 07:04
      Highlight Highlight Wir können ja mal Constantin fragen, ob er bereit wäre, diesem Scheusal ein Abreibung zu verpassen...
      7 0 Melden
  • Mr. Raclette 02.11.2017 19:32
    Highlight Highlight Was soll’s, die amerikanische Bevölkerung ist leider im gesamten dumm genug, um darauf hineinzufallen. Ein dummes Volk soll auch seinen dummen Präsident haben.
    7 16 Melden
    • Juliet Bravo 03.11.2017 00:35
      Highlight Highlight Wünschst du das auch jenen Teilen der Bevölkerung, die in zahlreichen autoritären Regimes leben müssen, nur weil eine Mehrheit dumm war?
      5 0 Melden
  • The Origin Gra 02.11.2017 19:24
    Highlight Highlight Er versucht nicht mal zu zeigen das er mit zwei Ungleich langen Massen misst.

    Wann ist dieser Reale Albtraum endlich zuende?
    17 2 Melden
  • malu 64 02.11.2017 18:36
    Highlight Highlight Ein Wirrkopf der eigene Gesetzte einführen möchte! Wie ein Mafiapate!
    40 5 Melden
  • 4kant 02.11.2017 17:48
    Highlight Highlight Trump ist einfach nur cool.
    13 102 Melden
    • lilas 02.11.2017 19:08
      Highlight Highlight Was zur Hölle ist denn da cool bei dem?
      57 3 Melden
    • Juliet Bravo 02.11.2017 19:11
      Highlight Highlight Cool wäre im Wortsinn "kühlen Kopf bewahren"😅
      Trump cool? Njet.
      40 4 Melden
  • roger.schmid 02.11.2017 17:39
    Highlight Highlight Trump will nur davon ablenken: sehr schön zusammengefasst ab minute 2:30, ziemlich krass..

    Play Icon
    28 4 Melden
  • 11lautin 02.11.2017 17:32
    Highlight Highlight Kennen wir dieses Schema doch schon so lange von der SVP !
    95 18 Melden
  • The Writer Formerly Known as Peter 02.11.2017 17:20
    Highlight Highlight Wie lange noch mit diesem Trottel? Müssen wir wirklich noch 3 Jahre ertragen oder kommen die Republikaner endlich endlich zur Vernunft?
    101 9 Melden
    • D(r)ummer 02.11.2017 21:20
      Highlight Highlight Dann hätte Trump ja doch noch etwas gutes hinterlassen, wenn er die Reps zur Vernunft bringen würde. ;)
      11 0 Melden
    • Makatitom 02.11.2017 21:20
      Highlight Highlight ..oder bekommen die Demokraten wieder die Mehrheit in beiden Häusern in einem Jahr?
      10 0 Melden
  • Nevermind 02.11.2017 17:09
    Highlight Highlight Schön zu sehen, dass die Strategie des Terrors aufgeht. Schon 9/11 hat den Riesen wie von einer Biene gestochen blind um sich schlagen lassen.
    Und mit jedem Mückenstich scheint er sich weiter von seinem Ideal der Freiheit und Gleichheit zu entfernen. Ist er schon soweit, dass er seinen Freunden offen ins Gesicht schlägt, nur weil er dort eine Mücke vermutet oder braucht’s noch einen Stich?
    94 10 Melden
    • Buff Rogene 02.11.2017 17:50
      Highlight Highlight Amerika ist ein unperfektes Land mit einem unperfekten Präsidenten, einer unperfekten Geschichte in einer unperfekten Welt.

      Ideale gehören in die Musik, die Literatur, die Kunst, die Erziehung - und in die Verfassung.

      Die Realität scheitert an ihnen. Ständig.

      Dieses ständige Rumgenörgel am Unperfekten, ohne eigene Lösungsansätze zu präsentieren - erinnert mich an die zahnlosen Demokraten und könnte man auch als Ablenkung von der eigenen Bisslosigkeit und dem eigenen Mangel an zündenden Ideen werten.
      15 61 Melden
  • KurtFaber 02.11.2017 17:01
    Highlight Highlight Ich habe auf den 23.12. getippt - es könnte noch reichen, wenn er so weitermacht.
    64 9 Melden
    • fabsli 02.11.2017 18:47
      Highlight Highlight Ein wahres Weihnachtsgeschenk!
      25 1 Melden
  • Majoras Maske 02.11.2017 16:48
    Highlight Highlight Um bei Trump das Schlechteste im Menschen hervor zu bringen, brauchts kein Terroranschlag.

    Vielleicht wäre es auch mal Zeit zu hinterfragen, ob Staaten wirklich nur eine Person an der Spitze benötigen.
    158 15 Melden
  • Wolkensprung 02.11.2017 16:45
    Highlight Highlight Er bleibt sich treu...
    Mal schauen, was bei den nächsten Wahlen passiert. Gemäss konstant bleibenden Umfragen bewegt sich die Zustimmung zu ihm etwa in der Höhe des hiesigen SVP-Wähleranteils. Das sollte eigentlich reichen, um den Herrn in die Wüste zu schicken - wenn er bis dahin nicht die ganze Demokratie ausgehöhlt hat 🙄
    172 18 Melden
  • reconquista's creed 02.11.2017 16:16
    Highlight Highlight Es nützt nichts. Bei Trump gelten die bisherigen Massstäbe von Politik nicht mehr. Es ist wie bei Duterte - nur noch Entertainment und das leider auf Trash-TV-Niveau.
    Beten wir dafür, dass wir in 3 Jahren wieder zu einem zivilisiertem "Führer der westlichen Welt" zurückkehren und nicht noch tiefer in Spaltung und Hass abdriften.
    Dass Trump in Europa Nachahmer und Sympathisanten findet, macht mir Angst und erinnert mich an kriegerische (Vor-)Zeiten auf dem alten Kontinent.
    286 32 Melden
    • Enzasa 02.11.2017 17:25
      Highlight Highlight In Europa sind die „Kleinen“ Trumps auch in Mode, das obwohl eigentlich jeder nachvollziehen könnte was jetzt im Amiland schlecht läuft.
      Wenn ich die vielen Blitzer sehe die man bekommt wenn man über Menschenrechtsverletzungen in Eritrea oder Afghanistan schreibt, dann habe ich den Eindruck es gibt bei
      uns in Europa haufenweise Trump Fans.
      83 6 Melden
    • Enzasa 02.11.2017 17:32
      Highlight Highlight Finde ich auch, es ist beängstigend wie primitiv ein Präsident sich äußert und wieviele trotzdem jubeln.

      Sind wir, Menschen, tatsächlich so auf die materiellen Dinge fixiert, dass uns Solidarität, Unrecht und soziale Verantwortung abhanden gekommen ist? Wollen wir so blind sein, dass wir Fluchtursachen mit dem Argument von Wirtschaftsflüchtlingen wegwischen? Wollen wir wirklich nur dass Unrecht im Anderen sehen?
      Trump wurde gewählt!
      69 6 Melden
    • sambeat 02.11.2017 21:53
      Highlight Highlight Beten allein nützt wohl nicht soviel, aber ansonsten bin ich ganz Deiner Meinung!
      7 0 Melden

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