International

Er schrieb bis zum Schluss: Deutscher Dramatiker Tankred Dorst mit 91 gestorben

01.06.17, 11:09 01.06.17, 11:43

Wohl niemand hat das zeitgenössische deutsche Theater mit so vielen und so unterschiedlichen Stücken bereichert wie Tankred Dorst. Er schrieb bis zum Schluss. Am Donnerstag ist der Dramatiker mit 91 Jahren in Berlin gestorben.

Tankred Dorst Bild: DPA dpa

Das teilte der Suhrkamp Verlag mit. In seinen mehr als 50 Stücken hat sich der vielfach preisgekrönte Autor auf unterschiedlichste Weise mit den Fragen der menschlichen Existenz auseinandergesetzt.

Grosse Regisseure wie Peter Zadek, Peter Palitzsch, Dieter Dorn und Hans Neuenfels arbeiteten eng mit ihm zusammen. 2006 gab der gebürtige Thüringer, bereits 80-jährig, mit einer Neuinszenierung von Wagners «Ring» in Bayreuth sein Debüt als Opernregisseur – allerdings von Buh-Rufen begleitet.

Als Dorsts schönstes und grösstes Drama gilt «Merlin oder Das wüste Land». Sein Panoptikum um den Zauberer und Teufelssohn Merlin besticht bis heute mit seiner bildreichen Sprache. Immer wieder fühlen sich namhafte Bühnen von dem 1981 am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführten achtstündigen Monumentalwerk aus der König-Artus-Welt herausgefordert.

Enge Zusammenarbeit mit Peter Zadek

Dorst wurde 1925 in Oberlind bei Sonneberg in Thüringen als Sohn eines Fabrikanten geboren. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1947 studierte er zunächst Germanistik und Theaterwissenschaften. Den Weg zum Theater fand er über eine studentische Münchner Marionettenbühne, für die er seine ersten Stücke schrieb.

Seit Anfang der 70er Jahre arbeitete er künstlerisch eng mit seiner Lebensgefährtin und späteren Frau Ursula Ehler zusammen, die ihm auch bei der Arbeit am «Ring» in Bayreuth zur Seite stand. Bereits 1960 hatte die lange, fruchtbare Zusammenarbeit mit Peter Zadek begonnen, aus der auch Fernsehfilme wie «Rotmord» und der «Der Pott» hervorgingen.

In seiner Arbeit entzog sich Dorst stets der Einordnung in feste Kategorien. Er griff mythische oder historische Stoffe auf, schrieb Märchenstücke und Parabeln und reagierte auch auf aktuelle politische Entwicklungen.

Zu seinen bekanntesten Werken neben «Merlin» zählen das Revolutionsdrama «Toller» (1968 uraufgeführt), die Trilogie «Auf dem Chimborazo»/«Die Villa»/«Heinrich oder Die Schmerzen der Fantasie» (1975-1985) sowie die Stücke «Karlos» (1990) und «Herr Paul» (1994).

Zwischen Optimismus und Pessimismus

1999 wurde in München das unter dem Eindruck des Bosnienkrieges geschriebene Stück «Grosse Szene am Fluss» uraufgeführt. Im Februar 2005 feierte der Dramatiker mit der Uraufführung seines Dramas «Wüste» in Dortmund einen weiteren Erfolg – ein Meisterwerk voller Altersweisheit, Nachdenklichkeit, Skepsis und Humor.

«Ich selbst schwanke zwischen Optimismus und Pessimismus», sagte Dorst einmal. «Jeder Mensch hat eine persönliche Utopie, wie das Leben sein sollte, und erlebt dann eine Enttäuschung, dass es nicht so ist.» (sda/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

Foto-Fail! Diese 16 Bilder zeigen, warum wir Selfies erfunden haben

Bahn frei für Federer? Der mögliche Halbfinal-Gegner heisst Sandgren oder Chung

Kaufst du auch alle zwei Jahre ein neues Handy? Das soll sich jetzt ändern

20 (!!!) Jahre nach «Charmed – Zauberhafte Hexen» – das ist aus den Darstellern geworden

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 01.06.2017 23:34
    Highlight Was es alles gibt und man nicht kennt!
    0 0 Melden

Das grösste Problem der Demokraten ist nicht Donald Trump

Die Demokraten profitieren von Donald Trumps miesen Umfragewerten. Sie überdecken die strukturellen Probleme der amerikanischen Linken: Sie hat kaum frische Gesichter und steckt in einem Richtungsstreit.

Das Jahr 2018 hat gut begonnen für die demokratische Partei. Am Dienstag eroberte sie einen Sitz im Senat des Bundesstaats Wisconsin, der seit Jahren von den Republikanern gehalten wurde – und das nicht knapp, sondern deutlich. Wisconsin ist neben Michigan und Pennsylvania einer jener Staaten, die Donald Trump bei seinem Wahlsieg 2016 den Demokraten «entreissen» konnte.

Scott Walker, der republikanische Gouverneur von Wisconsin, bezeichnete das Ergebnis der Senatswahl als «Weckruf» für seine …

Artikel lesen