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Flugzeugabsturz Metrojet im Sinai

Absturz am Sinai: Erste Leichen in St.Petersburg angekommen

Was war die Ursache für den Absturz des russischen Airbus über dem Sinai? Nach Angaben russischer Ermittler ist die Maschine schon während des Fluges zerbrochen. Am frühen Montagmorgen sind die ersten Leichen nach Russland überführt worden.

01.11.15, 19:06 02.11.15, 09:53

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Das ist passiert:

Am Tag nach dem Absturz einer russischen Passagiermaschine über der Sinai-Halbinsel versuchen ägyptische und russische Ermittler, die letzten Minuten des Fluges zu rekonstruieren. Anhand der weit verstreuten Trümmer gehen sie offenbar davon aus, dass das Flugzeug bereits vor dem Aufprall zerbrochen ist. «Die Zerstörung ist in der Luft geschehen», sagte Wiktor Sorotschenko von der russischen Untersuchungskommission. Die Teile des Airbus A321 seien auf einer Fläche von 20 Quadratkilometern verstreut. «Aber es ist zu früh für Schlussfolgerungen.»

Die Absturzursache ist noch unklar – ebenso wie die Frage, ob der Pilot einen Notruf absetzte oder nicht. Zunächst hatte ein Vertreter der ägyptischen Flugaufsicht Stunden nach dem Absturz erklärt, dass der Pilot technische Probleme gemeldet habe. Und dass er den nächstgelegenen Flughafen ansteuern wolle.

Die russische Flagge auf dem Senatsgebäude im Kreml weht auf Halbmast.
Bild: SERGEI ILNITSKY/EPA/KEYSTONE

Später dann dementierte der für zivile Luftfahrt zuständige ägyptische Minister Mohammed Hossam Kamal: Die Luftverkehrskontrolle habe keine Notrufe aus dem Flieger aufgezeichnet. «Bevor das Flugzeug abstürzte, gab es nichts Ungewöhnliches», sagte Kamal laut CNN auf einer Pressekonferenz, «es verschwand plötzlich vom Radar.» Die Maschine hatte schon fast ihre Reiseflughöhe erreicht, als sie 23 Minuten nach dem Start praktisch senkrecht zu Boden stürzte.

Ob der Pilot sich in seiner Notlage noch melden konnte oder nicht – dies ist zurzeit nur eine von vielen Fragen, die sich nach dem Unglück mit 224 Toten stellen.

Die Auswertung der Black Boxes soll Antworten liefern

Aufschluss soll die Auswertung der sogenannten Black Boxes geben – des Stimmenrekorders und des Flugdatenschreibers. Beide wurden schnell an der Absturzstelle gefunden und werden nun laut der Agentur Reuters im ägyptischen Luftfahrtministerium in Kairo überprüft. Nach erstem Augenschein seien sie nur gering beschädigt, sagte der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow. Ihre Untersuchung kann allerdings noch Tage dauern.

Die Black Boxes zeichnen mindestens die letzte halbe Stunde des Funkverkehrs der Piloten, ihre Gespräche untereinander und alle Geräusche im Cockpit und an Bord auf sowie in der Regel die Flugdaten der letzten 25 Stunden – von der Flughöhe über die Geschwindigkeit und den Kurs bis zu Angaben zu den Triebwerken.

Was bisher bekannt ist

War es technisches oder menschliches Versagen oder etwa ein terroristischer Anschlag? Spekulationen helfen nicht weiter – das ist der bisherige Kenntnisstand:

Bisher wurden 163 Leichen geborgen

An der Absturzstelle in der Gebirgsregion nahe dem Arisch-Flughafen im Norden des Sinai haben die Helfer ihre Suche nach den Überresten der Opfer ausgedehnt. Ein an den Bergungsarbeiten beteiligter Militäroffizier sagte, bislang seien 163 Leichen gefunden worden.

In einem Umkreis von 15 Kilometern um die Absturzstelle wird nach Überresten gesucht.
keystone

Weil sogar noch in acht Kilometern Entfernung die Leiche eines Kindes entdeckt worden sei, werde nun in einem Umkreis von 15 Kilometern um die Absturzstelle weitergesucht. Etwa hundert russische Helfer seien mit schwerem Gerät im Einsatz, sagte Wladimir Stepanow vom Katastrophenschutzministerium in Moskau.

Am Montagmorgen landeten die ersten Leichen auf dem Flughafen in St.Petersburg.
Bild: POOL/REUTERS

Die gefundenen Leichen sind laut der ägyptischen Regierung von der Absturzstelle in die Hauptstadt Kairo transportiert worden. Inzwischen hat Russland mit dem Rücktransport der insgesamt 224 Opfer nach St.Petersburg begonnen. Die erste Maschine mit sterblichen Überresten ist am frühen Montagmorgen in der nordrussischen Stadt angekommen. Die Überreste sollen erst von etwa 50 Gerichtsmedizinern mit Hilfe von DNA-Proben identifiziert und dann den Hinterbliebenen übergeben werden.

Ein Land trauert

Tausende Russen betrauern die Opfer des Absturzes.
Bild: Dmitry Lovetsky/AP/KEYSTONE

Russland trauerte am Sonntag um die Todesopfer des Flugzeugabsturzes: Vor der Duma, dem Kreml und anderen öffentlichen Gebäuden war auf halbmast geflaggt. An dem von Präsident Wladimir Putin ausgerufenen nationalen Trauertag unterbrach der Fernsehnachrichtensender Rossija 24 mehrfach sein Programm für Momente des Gedenkens.

Der Sender zeigte aus dem Internet stammende Fotos lächelnder Opfer, die im Urlaub aufgenommen wurden. Für einige sei es der erste Urlaub oder die erste Auslandsreise ihres Lebens gewesen, hiess es dazu. Ein Paar habe seine Flitterwochen in Ägypten verbracht. In Sankt Petersburg legten erschütterte Angehörige und andere Trauernde an einer improvisierten Gedenkstelle im Ankunftsbereich des Flughafens Pulkowo Blumen und Plüschtiere nieder.

abl/dpa/Reuters/AFP

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • ferox77 01.11.2015 21:03
    Highlight Vor wenigen Tagen erst war zu lesen, das syrische Rebellen bald Boden-Luft-Raketen erhalten sollen, die dann gegen russische Militärflugzeuge und Hubschraubr eingesetzt werden können. Geliefert von den UAE und Katar.
    Bei dieser abgestürtzten russischen Passagiermaschiene war vermutlich noch keine Rakete am Werk, aber bald wird wohl die nächste Spirale des internationalen Terrorismus eingeleitet.
    10 1 Melden

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