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Zwei Jahre nach dem Germanwings-Drama bleiben Trauer und ein Streit

20.03.17, 11:17 20.03.17, 11:39

Der Absturz von Germanwings 4U9525 in Frankreich

Vor zwei Jahren zerschellte ein Germanwings-Linienflug in den französischen Alpen. Der Copilot hatte die Maschine absichtlich gegen einen Felsen gesteuert. Alle 150 Insassen starben. Am Jahrestag fahren wieder Angehörige in die Nähe des Absturzortes.

Bei den Abiturprüfungen am Joseph-König-Gymnasium im westdeutschen Haltern fehlen in diesem Frühjahr 16 Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrerinnen. Jäh endete vor zwei Jahren ihr Leben beim Absturz des Germanwings-Linienfluges 4U9525 in den südfranzösischen Alpen.

Mit ihnen starben 132 weitere Menschen. Nach Überzeugung der Ermittler steuerte der Copilot den Airbus absichtlich gegen einen Berg. Am kommenden Freitag ist der Jahrestag.

«Wir spüren den Verlust unserer Tochter noch genauso wie im ersten Jahr. Man kann sich wohl nicht daran gewöhnen», sagt Annette Bless aus Haltern, die ihre Tochter Elena verlor. Sie und ihre Schulkameraden starben auf dem Rückflug von einem Schüleraustausch mit einer spanischen Schule. Elena wäre am kommenden Samstag 18 Jahre alt geworden.

Gedenkfeiern geplant

Am 24. März 2015 um 10.41 Uhr zerschellte das Flugzeug. In Haltern will man am Freitag um diese Zeit fünf Minuten lang innehalten. Die Kirchen wollen ihre Trauerglocken läuten. Schulleiter Ulrich Wessel hat eine gemeinsame Gedenkfeier von Stadt, Schule und Kirchen auf dem Schulhof an der Gedenkstätte geplant.

An dem Schüleraustausch mit Spanien hält Wessel der Katastrophe zum Trotz fest. Für ihn ist es weiterer Schritt Richtung Rückkehr zum Schulalltag: «Darauf habe ich immer Wert gelegt, dass wir zum Schulalltag zurück kehren, aber nicht um den Preis des Vergessens, sondern aus einer würdigen Erinnerung heraus.»

Viele Angehörige werden am Freitag dort sein, wo ihre Verwandten starben. Die Lufthansa als Germanwings-Muttergesellschaft hat in Le Vernet wieder eine Gedenkfeier organisiert. Der kleine Alpenort liegt in der Nähe der Absturzstelle.

Skulptur soll an Unglück erinnern

Vom Sommer an soll eine Skulptur am Absturzort an das Unglück erinnern. Betreten werden darf das Gelände weiterhin nicht, dort «werden immer noch Gegenstände aus dem Flugzeug gefunden», sagt Annette Bless.

Die Lufthansa mag noch nicht viel über das «Gedenkelement» sagen. Es sei auf Wunsch der Angehörigen in den letzten Wochen geschaffen worden, sagt das Unternehmen auf Anfrage. Laut «Bild am Sonntag» soll es sich um eine Art goldene Sonnenkugel aus 149 individuell geschmiedeten Einzelteilen handeln.

Streit um Schmerzensgelder

Die Auseinandersetzungen zwischen der Lufthansa und Angehörigen um die angemessene Höhe des Schmerzensgeldes dauern unterdessen weiter an. Die Lufthansa hat laut dem Berliner Anwalt Elmar Giemulla für die Leiden der Opfer in ihren letzten zehn Lebensminuten jeweils 25'000 Euro gezahlt. Hinzu komme ein Schmerzensgeld von 10'000 Euro für jeden nahen Hinterbliebenen.

Beides sei «zu wenig», sagt der Anwalt. Vorschläge für höhere Zahlungen habe die Lufthansa nach längeren Verhandlungen abgelehnt. Die Lufthansa bestätigt lediglich «laufende Verhandlungen», will sich zum Verfahrensstand aber nicht äussern.

Klage vorbereitet

Giemulla bereitet daher eine Klage vor – unter Berufung auf den Schadenersatzparagrafen des Bürgerlichen Gesetzbuches (§ 823). Sein Vorwurf an die Fluggesellschaft: «Das System in der Lufthansa hat es nicht geschafft, zu verhindern, dass ein offensichtlich psychisch kranker Mensch Pilot wird und die Verantwortung für Hunderte von Menschen hat.»

Ansprüche aufgrund dieses Paragrafen verjährten erst Ende 2018. Der Jurist vertritt nach eigenen Angaben die Hinterbliebenen von 38 Opfern aus Deutschland.

Klagen will auch Opferanwalt Christof Wellens aus Mönchengladbach, sollte es vor dem zweiten Jahrestag an diesem Freitag nicht doch noch zu einer Einigung kommen. Er vertritt nach eigenen Angaben die Familien von 35 Opfern.

Etwa in der Hälfte der Fälle seien bereits Einigungen erzielt worden. Bei den anderen gebe es aber noch offene Punkte. «Wir haben noch ein Gespräch mit den gegnerischen Anwälten von Germanwings und Lufthansa, um das zu klären.» (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Dreiländereck 20.03.2017 13:21
    Highlight Was ist angemessen?
    Ich habe auch keine richtige Antwort.
    Wichtig ist es aber zu wissen, das nebst diesen hier genannten Beträge Geld für den Lebensunterhalt der Angehörigen bezahlt wird.
    9 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 20.03.2017 12:04
    Highlight "Die Lufthansa hat laut dem Berliner Anwalt Elmar Giemulla für die Leiden der Opfer in ihren letzten zehn Lebensminuten jeweils 25'000 Euro gezahlt. Hinzu komme ein Schmerzensgeld von 10'000 Euro für jeden nahen Hinterbliebenen."

    Im (un)Verhältnis:

    Die Schweiz will die noch lebenden Opfer der Aktion "Kinder der Landstrasse / Projuventute" im 20. Jhdt., d.h. Kindersklaven, Sklaven, Zwangssterilisierte, Zwangskastrierte und Schuldlos eingekerkerte mit SFr. 35'000.- abspeisen.
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