International

Würde Vito Corleone noch leben, er hätte dem «IS» sicher auch den Krieg erklärt. 
Bild: AP PARAMOUNT PICTURES

Der Sohn eines Mafia-Paten erklärt dem «IS» den Krieg – in einem Video von 2012

27.11.15, 11:45 27.11.15, 12:47

Der sogenannte «Islamische Staat» hat sich schon so einige Feinde gemacht: Schiiten, Sunniten, Jesiden, die irakische Regierung, Baschar al-Assad, Frankreich, mehr oder weniger alle westlichen Staaten und Anonymous haben der Terrormiliz den Krieg erklärt. Jetzt reiht sich ein weiterer Akteur in die breite Front gegen den «IS» ein – die Mafia. 

In einem Interview warnt Giovanni Gambino – Sohn des berühmt-berüchtigten Mobster-Bosses John Gambino und mässig erfolgreicher Schriftsteller – den sogenannten «Islamischen Staat», seine Zelte im «Big Apple» aufzuschlagen. «Dort, wo der sizilianische Einfluss gross ist, wird sich der [sogenannte] ‹Islamische Staat› nie ausbreiten können.» Die dschihadistische Terrororganisation, so Gambino, habe Angst vor der Mafia. Das sei auch der Grund, weshalb der «IS» noch nie einen Anschlag in New York oder auf Sizilien verübt habe. 

Die medienwirksame Aussage erfolgte wenige Tage, nachdem der «IS» in einem Video einen Anschlag in New York angekündigt hatte. Der Times Square und das Einkaufszentrum Macy's sollen demnach im Fadenkreuz der Terroristen sein.

«IS»-Propagandavideo

YouTube/CBSN

Die Äusserungen Gambinos gingen schnell viral. «Daily Mail», «Metro», «Express», «New York Post» und andere Revolverblätter nahmen die Geschichte dankend auf: «Mafia vs. ‹Islamischer Staat›» – eine Schlagzeile, die man nicht ausschlagen kann. Als Quelle ist in den meisten Fällen ein Interview mit dem renommierten Sender NBC angegeben. Klickt man auf den Link, so erscheint jedoch ein Interview mit einem Feld-Wald-Wiesen-Sender aus dem Jahr 2012 – in dem der «IS» mit keinem Wort erwähnt wird (kein Wunder, damals wussten höchstens Nahost-Insider, dass eine Gruppe mit diesem Namen überhaupt existierte).

Als weitere Quelle ist eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters aufgeführt. Dabei handelt es sich jedoch bloss um einen Pressetext der PR-Firma PR Newswire. Auch hier war ein angebliches NBC-Video verlinkt und auch hier handelt es sich um das ominöse Video aus dem Jahr 2012, in dem Gambino in einer Talkshow eines Lokalsenders aus Cleveland «Prince of Omerta», einen Roman über einen Auftragskiller, vermarktete. 

Woher stammt also die «Kriegserklärung» Gambinos an den «IS», auf die sich Medien von Brooklyn bis Warschau stürzten? Das Magazin «Vice» hat Joseph Savoy, den Pressekontakt von PR Newswire, um Aufklärung gebeten. Savoy bestätigte, dass die Zitate von Gambino seien und dass sie Ausdruck dafür seien, «wie er sich fühlt». Die Geschichte mit dem fälschlich als NBC-Video bezeichneten Link konnte sich Savoy auch nicht erklären.

Vielleicht liefert die letzte Zeile der Pressemitteilung Aufschluss: Gambino habe enge Beziehungen zu namhaften Filmproduzenten geknüpft und sei im Begriff, eine Karriere in Hollywood zu starten, steht da. Es drängt sich die Vermutung auf, dass ein altes Interview aufgewärmt wurde, um einer ins Stocken geratenen Karriere wieder etwas Schwung zu verleihen. Seit der «Kriegserklärung» kann sich Gambino nämlich vor Medienanfragen kaum retten. Am Montag durfte er in der populären rechtskonservativen Radio-Show «Savage Nation» über sich, seine Arbeit und den «IS» plaudern. 

Gambino wurden die schriftstellerischen Themen – Auftragskiller, Spielschulden, Erpressung – in die Wiege gelegt. Ein Schelm, wer denkt, dass er auch in Sachen Marketing von den Schummeleien und Mauscheleien seiner Familie gelernt hat.

«La Famiglia»: Die Geschichte der Gambinos

Die Gambino-Familie galt lange als eines der einflussreichsten Mafia-Syndikate an der Ostküste und war neben den Bonanno, den Colombo, den Genovese und den Lucchese eine der «Fünf Familien» der Cosa Nostra. Giovanni Gambinos Vater, John Gambino, führte als «Capodecina» eine Zweigstelle der Organisation, die sich vor allem mit Heroinhandel, organisierter Kriminalität und Geldwäscherei einen Namen machte. Ende der 90er Jahre wurde John Gambino nach einem Deal mit der Staatsanwaltschaft wegen Schutzgelderpressung zu 15 Jahren Haft verurteilt.

John Gambino: verurteilter Mafia-Pate.
bild: wikimediacommons

(wst)

Der sogenannte «Islamische Staat»

USA schicken 400 Soldaten in die Schlacht um die IS-Hochburg Rakka

Dutzende Tote: Terrormiliz Fateh al-Scham bekennt sich zu Anschlägen in Homs

Hipster im Irak: Bart in der Menge

Über 100 Beamte im Tessin im Einsatz – und sie fassen EINEN mutmasslichen Islamisten

«IS» verkündet Tod ihres Sprechers Abu Mohammed al-Adnani

Nein, Herr Trump, Obama ist NICHT der Gründer des «IS» – aber ganz unschuldig ist er auch nicht

Die jungen Soldaten des «IS»: Kindheit, Jugend, Selbstmordattentat

«IS»-Vorwurf gegen muslimische Schüler in Therwil fällt in sich zusammen

«Für präzise Angriffe»: US-Luftwaffe schickt erstmals B-52-Bomber gegen «IS»

US-Soldaten in Syrien: Obama will Kontingent versechsfachen

«IS» soll syrischen Piloten nach Kampfjet-Abschuss gefangen genommen haben

Kampf gegen «IS»: Deutschland richtet «Tornado»-Basis in der Türkei ein

Der «IS» funktioniert wie eine Sekte – das erklärt auch, warum die Terroristen so grausam sind

Der «IS» verliert und verliert – setzt die Terrormiliz jetzt auf Giftgas?

Der «Islamische Staat» wirbt im Darknet – zu Besuch bei der Terror-Propaganda-Abteilung

ETH-Sicherheitsexperte: «Es bringt dem ‹IS› nichts, Schweizer zu töten»

Die derzeit 6 populärsten Antworten auf den Terror – und warum sie alle in die Sackgasse führen

6 Indizien dafür, dass der IS schwächer ist, als wir dachten

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Luca Brasi 27.11.2015 13:37
    Highlight Ach, waren das noch Zeiten als sich nicht jeder als "Big Shot" aufgeführt hat und sich bei den Medien anbiederte nur um in die Schlagzeilen zu kommen. Diskretion war das A und O. Man sollte sich nicht wundern, wenn man Drogenplantagen in der Türkei oder sonstwo hat und zwielichtige Partner dort auch Geschäfte mit dem IS machen. Aber viele sehen nur das schnelle Geld im Drogenbusiness. Vergogna!
    4 0 Melden
  • beatz 27.11.2015 13:25
    Highlight So viel zur Effizienz der «Mafia».
    5 1 Melden

Trump kippt Einfuhr-Verbot für Grosswildjäger – (Und ja, auf dem Foto sind seine Söhne)

Donald Trump selber jagt keine Tiere. Aber seine Söhne, die würden das lieben, erzählte der US-Präsident im Jahr 2012. «Sie sind Jäger und sie sind darin sehr gut geworden.» 

Gut fünf Jahre ist es nun her, seit Fotos von Trumps Söhnen bei der Grosswildjagd vom Magazin «TMZ» veröffentlicht wurden. Sie sorgten in den sozialen Medien und unter Tierschützern für einen Aufschrei.

Auf einem Bild ist zu sehen, wie Trump Jr. mit einem abgeschnittenen Elefantenschwanz posiert. 

Auf einem weiteren …

Artikel lesen