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Gewusst und verschwiegen – die zweifelhafte Rolle der US-Medien im Weinstein-Skandal

Der Skandal um Harvey Weinstein erschüttert nicht nur Hollywood, sondern auch die US-Medienbranche: Die Machenschaften des Filmproduzenten waren dort jahrelang ein offenes Geheimnis. Berichtet wurde nicht.

12.10.17, 09:43

Marc Pitzke, New York

Arg im Gegenwind: Harvey Weinstein. Bild: Al Powers/Invision/AP/Invision

Ein Artikel von

Monatelang hatte Ronan Farrow recherchiert. Mühsam hatte der US-Reporter mehr als ein Dutzend Frauen aufgespürt, die behaupteten, von Hollywoodmogul Harvey Weinstein sexuell missbraucht worden zu sein. Einige waren sogar bereit, das vor der TV-Kamera zu sagen.

Trotzdem lehnten es Farrows Chefs beim TV-Sender NBC im August ab, den explosiven Report zu senden. Warum? «Da müssen Sie NBC fragen», sagte Farrow im NBC-Schwestersender MSNBC kryptisch. Er legte seine Recherchen schliesslich dem Magazin «New Yorker» vor, das sie diese Woche veröffentlichte - fünf Tage nach ähnlichen Enthüllungen der «New York Times».

Lindsay Lohan verteidigt Harvey Weinstein in Instagram-Video

1m 11s

Lindsay Lohan verteidigt Harvey Weinstein in Instagram-Video

Video: Angelina Graf

Der Skandal um den Filmproduzenten Weinstein erschüttert nicht nur Hollywood, wo viele lange Bescheid gewusst haben müssen. Sondern auch die US-Medienbranche: Weinsteins Machenschaften waren auch dort ein offenes Geheimnis - berichtet wurde darüber nicht.

Denn Journalisten standen ähnlich unter Weinsteins Fuchtel wie Stars. Ob aus Angst, Gier oder Sexismus: Bisher liessen sie alle Vorwürfe versanden. «Die Medien sollten einen Blick in den Spiegel werfen», schreibt der «Observer» - der ausgerechnet Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner gehört - und wirft den Kollegen «Feigheit und Komplizenschaft» vor.

Farrows Odyssee ist ein Beispiel. Der Sohn des Regisseurs Woody Allen und der Schauspielerin Mia Farrow ist freier Mitarbeiter für NBC. Sein Weinstein-Report sei vor Monaten «sendebereit» gewesen, sagt er - samt der brisanten, kompromittierenden Tonaufnahmen der New Yorker Polizei.

«NBC tat alles, um die Story hinauszuzögern», schreibt die Website «Daily Beast». Schliesslich war Weinstein mit dem Mutterkonzern NBC Universal durch lukrative Produktionsdeals verbandelt.

Diese Symbiose verband auch andere Medien mit Weinstein - und sorgte dafür, dass die Gerüchte Gerüchte blieben. «Viele Journalisten wurden von ihm bezahlt, arbeiteten als Berater für Filmprojekte oder als Drehbuchautoren», berichtet die Reporterin Rebecca Traiste («New York Magazine»), deren Ex-Freund, ebenfalls ein Reporter, einmal von Weinstein verprügelt wurde.

Weinstein vereinnahmte Reporter mit Film- und Buchdeals und steckte ihnen angeblich auch Klatsch über Frauen zu, die ihm gefährlich werden konnten. Den reichten die Gossip-Kolumnisten gierig weiter - aus passivem Schweigen wurde aktive Mittäterschaft.

Video: Audiomitschnitt von sexueller Belästigung

Video: YouTube/MSNBC

Die Schauspielerin Ambra Battilana Gutierrez zeigte Weinstein 2015 an. Prompt wurde sie in der Boulevardpresse durch den Schmutz gezogen. Vor allem in der «New York Post»: Deren «Page Six» diente seit jeher als Auffangbecken für Weinstein-freundlichen Klatsch.

Das ging so bis zuletzt. Margaret Sullivan, die Medienkolumnistin der «Washington Post», enthüllte am Mittwoch, dass jemand ihrer Zeitung vorige Woche «negative Informationen über eine der Weinstein-Anklägerinnen» angeboten habe - kurz vor den ersten Enthüllungen in der «NYT». Zufall?

Reichte das nicht, kamen Drohungen. «Weinstein und sein Anwalts- und PR-Team führten eine jahrzehntelange Kampagne, um diese Storys zu unterdrücken», schreibt Farrow. Auch ihm selbst habe er mit Klage gedroht. Kolumnist Lloyd Grove («Daily Beast») erinnerte sich, dass Weinstein ihn angebrüllt habe: «Ich bin die grösste Drecksau, die du je als Feind haben wirst!»

Selbst die «New York Times» war dagegen offenbar nicht immun. Hollywoodkolumnistin Sharon Waxman schreibt, sie habe bereits 2004 für die «NYT» an einer Enthüllungsgeschichte gearbeitet. Weinstein sei daraufhin in der Redaktion erschienen und habe sich beschwert, während die Schauspieler und Weinstein-Freunde Matt Damon und Russell Crowe bei ihr persönlich interveniert hätten. Der Bericht erschien nie. Das sei für ihn «unvorstellbar», wundert sich «NYT»-Chefredakteur Dean Baquet, der damals noch bei der «Los Angeles Times» war.

Mehr noch: Mit seinen Methoden stand Weinstein nicht alleine. «Sie kaufen Journalisten, sie bedrohen Journalisten», sagte ein Entertainment-Reporter der «Huffington Post» über Hollywood und die Medien. «Sie tun, was immer sie tun müssen.»

Nicht WeinSTEIN, sondern Wein doch!

«Immer wenn ich mich beeilen muss, finde ich mich hinter Langsamgehern»

«Alle konsumieren, obwohl sie's gar nicht brauchen! Scheiss ‹Black Friday›!»

«Leute, die Hip-Hop scheisse finden, sind scheisse»

«Wir hassen Hausaufgaben! Man hat gar keine Zeit mehr zum Abmachen!»

«Hör auf mit dem Fake-Lächeln! Niemand ist immer glücklich!»

«Jedes Mal, wenn ein Mensch einen Film schaut, stirbt irgendwo ein Buch»

«Ein Steh-Lunch ist das ‹F*ck You› der Geschäftsessen»

«Behaltet euren Penis in der Hose!... zumindest am Anfang»

«Ich bin wirklich angetrunken. Lösch alles!»

«Niemand will ein Narzisst sein, aber DU bist einer!»

«Leute, die gerne Winter haben, regen mich so RICHTIG auf!»

«Meine Katze kotzt Mäuse auf den Küchenboden! Wieso!?!»

«Shoppen gehen? Da hau ich mir lieber einen rostigen Nagel ins Auge»

«Oh, das ist mein Platz» – «Jetzt nicht mehr, B*tch!»

«Meine Mitarbeiter sind professionelle Motzer!»

«oBikes sind der McDonald's der Velos!!»

«Ich achte auf die Umwelt – und werde dafür auch noch blöd angemacht!»

«Du warst so besoffen, du hast in der Bedienungsanleitung nach Songs gesucht!»

«Mobile Lautsprecher sind der Untergang der Freiheit»

«Wer föhnt sich schon die Schamhaare!?!»

«Im Ausland gibt es überall nur Schweizer! Sie nerven mich!»

«Ich hasse geizige Menschen! S*******!»

«Leute, die Anglizismen benutzen, gehen mir sooo auf den Sack!»

«Sag mir nicht, dass ich lächeln soll!»

«Benutzt euer Gehirn! F***!»

«Fussballer sind keine Pussys!»

«Hört auf, Zürcher als arrogant zu beschimpfen!»

«Smalltalk ist eine verdammte Zeitverschwendung!»

«Food Snobs. F*** them!»

«Nirvana ist die beschissenste Band der Welt!»

«Es gibt Pendler, die einfach Arsch... Ah, das darf ich nicht sagen, oder?»

«Ich hasse Wind!»

«Spoilern, ... wer macht sowas?! WER?!»

«Hört auf, den St.Galler Dialekt zu hassen»

«Hunde sind kacke»

«Jazz ist für den Arsch»

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    Alle Leser-Kommentare
  • joevanbeeck 12.10.2017 13:26
    Highlight Bei uns läuft es ja nicht anders. Die Fricker-Geschichte wird ja gleich doppelt peinlich wenn man weiss das die nachrückende Neu-Nationalrätin die Freundin eines Ringier-Chefredakteurs ist. Die Geschichten über den Aargauer Oberfunker verschweige ich hier mal... weil die ja eh nicht durch die Watson Zensur kommen.
    13 0 Melden
  • Angelo C. 12.10.2017 11:32
    Highlight Unter diesen Aspekten muss sich die ebenso korrupte wie allgemein den Demokraten zudienende US-Presse, bis hin zu den TV-Medien CNN und NBC, unangenehme Fragen gefallen lassen, die ihnen auch der ungeliebte Donald Trump, der ihnen zurecht auch manche fakes unterstellte, gefallen lassen müssen. Tendenziöse politische und gesellschaftliche Meinungsmacher, denen man nicht über den Weg trauen kann 🤔!

    Fakt ist, dass sich die verlogenen Medien von Promis und demokratischer Seite korrumpieren lassen, und so kommt es nicht von ungefähr, dass man sie (nicht nur in US) immer mehr hinterfragt.
    33 16 Melden
    • opwulf 12.10.2017 12:42
      Highlight Angelo: Ja, wir werden alsbald sehen (oder nicht) ob dieses Thema von Sendungen wie Saturday Night, die von Kimmel und wie sie alle heissen, ebenso thematisiert wird, wie es bei Trump, Bill Cosby oder Bill O'Reilly der Fall war! Falls nicht, kann niemand mehr bestreiten dass die "freie Presse" Kritik nicht doch auch seine Berechtigung hat und ob sie daher viel eher von beiden Seiten des politischen Spektrums angewandt wird! Von Leuten die hier blitzen wäre es interessant zu erfahren, warum sie nicht diese Meinung teilen? Nehmen wir das Bsp der Meryl Streep und ihre Statements gegen Trump, etc
      16 5 Melden
    • Bruno Wüthrich 12.10.2017 13:27
      Highlight Sie haben einerseits recht. Doch man hinterfrägt die Rolle der Medien oder die Medien selbst nicht in erster Linie deswegen.

      Hinterfragt wird, weil oft gerade diejenigen (Politiker und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Interesses), mit dem meisten Dreck am Stecken, vorsorglich, oder dann, wenn Vorwürfe gegen sie erhoben werden, die Enthüller und Berichterstatter als Lügner hinstellen. Dreck am Stecken zu haben, heisst ja (noch?) nicht automatisch, dass man deswegen im Auge der Öffentlichkeit als unglaubwürdig dasteht. Dies tut man immer erst, wenn der anderen Seite geglaubt wird.
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    • Angelo C. 12.10.2017 13:40
      Highlight Opwulf : Richtige Überlegungen 🤓!

      All diese bigotten Amiheuchler, von der Phalanx der Hollywood-Elite bis zu den Medien wie New York Times, CNN, NBC und wie all diese meinungsmanipuliernden Häuser heissen mögen, haben sich sowohl bei solchen Sex-Schandtätern, wie vor Allem auch in der Politik (und dem Ärger wegen der Machtübernahme des schwierigen Trump, den sie nie goutierten und Clinton und Co stets ungefiltert die Treue hielten) nicht mit Ruhm bekleckert.

      Und manche Blitzer sind die Konditionierten, welche auch unseren Medien und deren US-Übernahmen brav und bieder alles glauben 😉.
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    • Bruno Wüthrich 12.10.2017 14:59
      Highlight Lieber Angelo C,

      Ich habe geblitzt, weil ich gerne in ihr einfaches Weltbild passen möchte. Ich möchte in Ihren Augen ein Konditionierter sein: bieder, brav und mediengläubig.

      Doch Sie müssen mir helfen: Inwieweit differnzieren Sie zwischen Sex-Schandtätern à la Weinstein und dem «schwierigen» Trump, der ja Frauen auch schon ungefragt zwischen die Beine gegriffen haben will. Wahrscheinlich liege ich total falsch, wenn ich Ihre Schreibe so Interpretiere, dass einer wie Trump als US-Präsident «scho rächt» ist. In diesem Fall würde sich ja die Frage stellen: Was haben Sie gegen Weinstein?
      2 5 Melden
    • Domsh 13.10.2017 16:06
      Highlight Ich frage mich ob C. unter seinem Aluhut auch nur 2 Beispiele für angebliche “fake news“ hervorzaubern kann.
      Merke: fake news sind einerseits absichtlich manipulierte Falschnachrichten (z.B. Nordkorea, Irak unter Saddam) und andererseits ein Kampfbegriff aus Trumps Wahlkampf um negative Berichterstattung populistisch herunterzuspielen. Leider wird der Ausdruck unter zweitgenannten heuer komplett missbraucht und ad absurdum geführt.
      2 2 Melden
  • Betty88 12.10.2017 11:22
    Highlight Es sind ja jetzt neue Anschuldigungen gegen seine Ehefrau und Ihre Modemarke Marchesa aufgetaucht. Scheinbar hat er andere erpresst dort zu investieren und hat selber viel Geld in Marchesa eingesteckt. Die weiblichen Stars die mit ihm drehten mussten dann auf dem roten Teppich bei der Filmprämiere ebenfalls Marchesa tragen.
    18 1 Melden
  • Sebastian Wendelspiess 12.10.2017 10:23
    Highlight Die Kritik vieler Leute an den Massenmedien ist eben nicht unbegründet.
    31 5 Melden
  • Bruno Wüthrich 12.10.2017 10:22
    Highlight Die Welt ist käuflich. Menschen sind käuflich. Männer sind käuflich. Frauen sind käuflich. Ausnahmen bestätigen die Regel. Diejenigen, die es sich leisten können, kaufen. Sie kaufen Frauen, Männer, Aufstiegswillige, Abstiegsparadoide, Wissende, Naive, Geldgierige, Machthungrige, etc., sowie auch Journalisten (m+w) und Verleger (m+w). einfach alle, die etwas gewinnen oder behalten wollen.

    Wir alle haben schon weggesehen. Es muss nicht immer sexueller Missbrauch sein. Es gibt auch anderes - Verwerfliches - das man nicht sehen will (soll), z.B. weil man seine Arbeitsstelle behalten möchte.
    43 3 Melden
  • Mira Bond 12.10.2017 10:10
    Highlight Ich bin richtig angewidert von dieser Industrie, die ein Mensch alleine kontrollieren konnte! Und alle, die ihm dabei geholfen haben, sind Mittäter!!
    27 5 Melden

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