International

Eine Mutter kümmert sich um ihr Kind im Flüchtlingscamp in Röszke.
Bild: Muhammed Muheisen/AP/KEYSTONE

«Wir haben viele schwangere Frauen, die einfach nicht mehr können» – Ärzte warnen vor Krankheiten in ungarischem Flüchtlingscamp

Ärzte im ungarischen Flüchtlingslager Röszke an der Grenze zu Serbien haben vor einer Ausbreitung von Krankheiten in dem Camp gewarnt. Es kämen zwar viele Kleider- und Lebensmittelspenden an, aber es fehle an sanitären Einrichtungen und medizinischer Ausrüstung.

13.09.15, 04:26 13.09.15, 09:31

«Wenn es kein fliessendes Wasser und keine Waschmöglichkeiten gibt und Menschen mit ansteckenden Krankheiten ankommen, dann ist das ein Problem», sagte Teresa Sancristobal, Chefin des örtlichen Teams der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am Samstag in Röszke.

Eine Priorität räumen die Ärzte vor Ort schwangeren Frauen ein, die oft wochenlang aus Krisengebieten im Nahen Osten zu Fuss unterwegs waren. «Wir haben viele schwangere Frauen, die einfach erschöpft sind und nicht mehr können», sagte Sarah Schober, 28-jährige Medizinstudentin und freiwillige Helferin aus Österreich. «Wir können ihnen aber nur Magnesium und kleine Dosen Schnaps gegen ihre Krämpfe geben», fügte sie hinzu.

Da es an Toiletten fehle, verrichteten die Menschen ihre Notdurft nahezu überall. «Bei dem warmen Wetter droht rasch eine Epidemie», warnte Schober.

«Wir haben viele schwangere Frauen, die einfach erschöpft sind und nicht mehr können.»

Teresa Sancristobal, Chefin des Röszke-Teams von Ärzte ohne Grenzen

In Röszke trifft ein Grossteil der Flüchtlinge von der sogenannten Balkanroute ein, die Westeuropa erreichen wollen. Die Lage an dem Grenzübergang ist seit Tagen angespannt. Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge will weiter Richtung Deutschland oder Skandinavien reisen.

Zuletzt sorgte ein Video für Empörung, das zeigt, wie Polizisten in dem grössten ungarischen Auffanglager Tüten mit Brötchen wahllos in eine wartende Menge werfen. Österreichische Aktivisten kritisierten Zustände wie bei der «Fütterung von Tieren». (sda/afp)

Orbáns Ungarn: Stacheldraht gegen Flüchtlinge

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • karl_e 14.09.2015 11:59
    Highlight Wenn wir anno 1956 die Ungarn, die vor den bösen Kommunisten flüchteten, so behandelt hätten...
    0 0 Melden
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 13.09.2015 07:17
    Highlight Ungarn ist peinlich.
    8 3 Melden

7 Fakten zur weiblichen Genitalverstümmelung: Zum Beispiel sind in der Schweiz über 10'000 Mädchen betroffen

Jede Stunde werden weltweit 300 Mädchen beschnitten. Die Verstümmelung ihrer Genitalien geschieht aus Gründen einer patriarchalischen Tradition, die in einigen Ländern immer noch stark verwurzelt ist. Auch in der Schweiz werden Mädchen Opfer des grausamen Rituals. 

Die weibliche Genitalverstümmelung (engl. Female Genital Mutilation, FGM) ist – im Gegensatz zur männlichen Beschneidung – eine tiefgreifende Verletzung der körperlichen und seelischen Integrität. Seit 1993 gilt sie offiziell als Menschenrechtsverletzung. Die grausame Prozedur wird in den meisten Fällen kurz vor der Pubertät durchgeführt, manchmal aber auch an Säuglingen oder Erwachsenen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO unterscheidet vier Formen der FGM: 

Weibliche …

Artikel lesen