International

Mit dem Rad in der Arktis: Ein Mann in der russischen Region auf dem Weg nach Norwegen.
Bild: STRINGER/RUSSIA/REUTERS

Migranten in Norwegen: Flucht mit dem Fahrrad über die Eisroute

Die Reise über das Mittelmeer ist oft lebensgefährlich, daher wählen immer mehr Flüchtlinge einen anderen Weg: von Nordrussland nach Norwegen. Über die Grenze geht es meist mit dem Zweirad.

02.11.15, 22:28 03.11.15, 06:52

Ein Artikel von

Sie kommen mit dem Fahrrad über vereiste Strassen und durch verschneite Landschaften. Immer mehr Flüchtlinge reisen durch arktisches Gebiet, um Europa zu erreichen – 3000 Asylbewerber haben in diesem Jahr die Grenze von Russland nach Nordnorwegen überquert.

Allein in der vergangenen Woche zählten die norwegischen Behörden am Grenzübergang Storskog etwa 800 Migranten. Knapp die Hälfte derer, die diese Strecke wählen, kommt derzeit aus Afghanistan, viele andere stammen aus Syrien und dem Irak.

In der Regel verläuft die Route so: Die Flüchtlinge erreichen die Türkei oder den Libanon und fliegen von dort nach Moskau, dann reisen sie weiter, entweder mit dem Flugzeug oder dem Zug nach Murmansk. Über die Grenze zu Norwegen geht es dann schliesslich mit dem Fahrrad, zu Fuss darf sie nicht überquert werden.

Flüchtlinge hinterlassen hunderte gebrauchte Fahrräder in Storskog
Bild: EPA/NTB SCANPIX

Dieser Weg ist – das zumindest erzählen Flüchtlinge in norwegischen Medien – oft günstiger und vor allem sicherer als der von der Türkei aus auf die griechischen Inseln und dann weiter über den Balkan. Und erst recht sicherer als die lange Überfahrt per Boot von Nordafrika nach Italien.

Die norwegische Regierung will jetzt restriktiver gegen die Asylsuchenden vorgehen: Migranten, die in Russland ein Aufenthaltsrecht oder ein Visum hatten, sollen abgewiesen werden können. Und das haben nahezu alle, die an der nordnorwegischen Grenze ankommen. Denn bereits vorher müssen die Migranten mehrere Kontrollen durchlaufen, die Region um Murmansk ist militärisches Gebiet und hoch abgesichert. Ohne gültige Papiere kommt niemand durch.

Karte: Der Grenzübergang Storskog in Nordnorwegen

Über soziale Netzwerke verbreitet das norwegische Aussenministerium bereits, dass vor allem allein reisende Männer aus Afghanistan riskieren, sofort zurückgeschickt zu werden. Sie bekommen derzeit in Norwegen fast nie Asyl gewährt.

In der vergangenen Woche machten die Migranten, die über die Grenze zu Russland nach Norwegen kamen, rund ein Viertel aller Asylsuchenden in dem skandinavischen Land aus. Im Oktober insgesamt haben etwa 8800 Menschen Asyl in Norwegen beantragt – das waren 80 Prozent mehr als im Monat zuvor.

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ramonke 03.11.2015 08:13
    Highlight junge allein reisende männer haben praktisch keine chance aber frauen schon? dachte wir würden uns langsam der gleichberechtigung annähern...
    3 2 Melden
  • atomschlaf 02.11.2015 23:52
    Highlight Wie immer und überall: Wenn zu viele Leute einen ehemaligen Geheimtipp kennen, dann funktioniert der irgendwann nicht mehr.
    10 1 Melden
  • M@ Di11on (亚光狄龙) 02.11.2015 23:13
    Highlight Die allein reisenden jungen Männer sollten es sportlich nehmen. Wer zuerst wieder im Heimatland ist, hat gewonnen ;-)
    16 8 Melden

Immer wieder krass: Diese Luftaufnahmen zeigen, wie ein Flüchtlingsproblem wirklich aussieht 

Im Mittelmeer soll sich erneut ein Flüchtlingsunglück mit vielen Toten ereignet haben. «Es sieht so aus, als seien Hunderte Menschen gestorben», sagte Italiens Präsident Sergio Mattarella. Offiziell ist das noch nicht bestätigt. Fakt ist aber: Jeden Monat versuchen tausende Flüchtlinge aus Nordafrika und der Türkei mit Booten nach Europa zu gelangen. 2014 starben nach Angaben der International Organization for Migration (IOM) knapp 3300 Flüchtlinge auf See, 2015 …

Artikel lesen