International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Flüchtlinge sitzen am Bahnhof von Padborg fest.
Bild: EPA/SCANPIX DENMARK

Schweden fordert: Dänische Polizei muss Flüchtlinge in drei Tagen weiterreisen lassen. 100 lassen sich in Kopenhagen registrieren

Hunderte Flüchtlinge sitzen in Dänemark fest. Sie wollten nach Schweden weiterreisen, doch die Polizei hinderte sie daran. Laut dänischem Ausländergesetz gilt die Reisesperre bis zu drei Tage.

10.09.15, 04:30 10.09.15, 08:45

Ein Artikel von

Die dänische Polizei kann in Dänemark ankommende Flüchtlinge nicht dauerhaft von der Weiterreise nach Schweden abhalten. «Wir haben laut dem Ausländergesetz Befugnis, Menschen dreimal 24 Stunden zurückzuhalten», sagte Reichspolizeichef Jens Henrik Højbjerg am Mittwochabend. «Es ist klar, dass wir nach dieser Zeit nicht verhindern können, dass Menschen in ein anderes Land reisen.»

100 willigten in Registrierung ein

Nach stundenlangen Verhandlungen haben rund 100 von 340 im dänischen Rödby festsitzenden Flüchtlingen eingewilligt, in Dänemark zu bleiben. Die Menschen sollen nach Polizeiangaben zur Registrierung in eine Erstaufnahmeeinrichtung gebracht werden. Ein Sprecher des dänischen Bahnunternehmens DSB sagte später, die rund 240 Flüchtlinge, die in den Zügen blieben, dürften in die Hauptstadt Kopenhagen weiter fahren. 

sda

Zuvor hiess es noch, dass Flüchtlinge, die sich in Dänemark nicht registrieren lassen wollen, zurück nach Deutschland geschickt würden.

Flüchtlinge, die sich nicht in Dänemark, sondern Schweden registrieren lassen wollten, liefen zu Fuss auf der Autobahn. 
Bild: EPA/DPA

Seit Sonntag waren rund 3000 Flüchtlinge mit Zügen in Padborg nahe Flensburg und mit Fähren in Rødby auf der dänischen Insel Lolland angekommen. Die meisten wollen weiter nach Schweden reisen, um sich dort als Asylbewerber registrieren zu lassen. Das könne die Polizei ihnen jedoch nicht erlauben, sagte eine Sprecherin.

Hunderte zu Fuss auf dem Weg

Dänemarks Integrationsministerin Inger Støjberg hatte sich am Dienstag vergeblich um ein Sonderabkommen mit Schweden bemüht, um die Menschen in das Nachbarland weiterschicken zu können. «Die schwedische Regierung hat keine rechtliche Befugnis, eine solche Vereinbarung zu treffen», sagte ein Sprecher des schwedischen Justizministeriums am Mittwoch.

Hunderte Flüchtlinge machten sich daraufhin zu Fuss auf der Autobahn auf den Weg gen Schweden. Das skandinavische Land verfolgt eine vergleichsweise liberale Asylpolitik, Dänemark dagegen einen restriktiveren Kurs.

Auf dem Weg in ein besseres Leben: Hunderte Flüchtlinge treffen mit dem Zug in München ein

Die Polizei sperrte die E45 bei Padborg in beide Richtungen. Den dänischen Verkehrsmeldungen zufolge bestand die Sperre bis zum späten Abend fort. Erst um 21.30 Uhr teilte die dänische Strassenbehörde auf ihrer Website mit, dass der Streckenabschnitt wieder befahrbar sei.

Um weitere Flüchtlinge an der Durchreise nach Schweden zu hindern, hat die dänische Bahn auf Anweisung der Polizei den Zugverkehr zwischen beiden Ländern komplett eingestellt. Zwischen Flensburg und Padborg in Südjütland rollen auf unbestimmte Zeit keine Züge mehr, bestätigte ein Sprecher der Bahngesellschaft DSB.

200 weigerten sich, die Züge zu verlassen

Vor dem Stopp des Bahnverkehrs hatten sich etwa 200 aus Deutschland kommende Flüchtlinge geweigert, im Fährhafen von Rødby – dem wichtigsten Schiffsweg zwischen Deutschland und Skandinavien – ihre Züge zu verlassen.

Am Mittwochabend teilte ein Polizeisprecher mit, dass den Flüchtlingen die Weiterreise von Rødby mit einem Zug angeboten worden sei. Berichte dänischer Medien, wonach der Zug sie nach Schweden bringen würde, bestätigte er nicht.

Zahlreiche Flüchtlinge, die nach dem Stopp des Zugverkehrs zwischen Deutschland und Dänemark am Bahnhof in Flensburg festsassen, wurden am späten Mittwochabend in Erstaufnahmeeinrichtungen in Schleswig-Holstein gebracht. Die meisten der etwa 100 bis 150 Menschen wurden mit Bussen nach Boostedt im Kreis Segeberg gefahren, sagte ein Behördensprecher in Kiel. «Damit der lange Weg ein Ende hat und alle sicher unterkommen.»

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Zwangsabschiebungen: Die Schweiz arbeitet mit dem äthiopischen Geheimdienst zusammen

Die Schweiz beteiligt sich an einem heiklen Deal zwischen der EU und Äthiopien. Die Behörden versäumten es bisher, die Öffentlichkeit darüber zu informieren. 

Im Dezember schloss die EU mit Äthiopien einen heiklen Deal ab. Dieser sah vor, Zwangsabschiebungen künftig zu ermöglichen. Auf den Deal eingetreten ist Äthiopien, weil die EU zuvor Druck auf das Land ausgeübt hatte. Brüssel drohte mit schlechteren Handelsbeziehungen und der Streichung von Hilfsgeldern.

Wie der Tages-Anzeiger schreibt, habe beim Abschluss des Deals weder das EU-Parlament noch die Öffentlichkeit von der Abmachung erfahren. Die Schweiz jedoch sei von Beginn weg im Bild gewesen. …

Artikel lesen