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NAURU, NAURU:  The barren and bankrupt island state of the Republic of Nauru awaits the arrival of 521 mainly Afghan refugees, 11 September 2001 which have been refused entry into Australia.  The 25-square-kilometers of land encompassing Nauru has been devastated by phosphate mining which once made the Micronesian Nauruans the second wealthiest people per capita on earth.          AFP PHOTO/Torsten BLACKWOOD (Photo credit should read TORSTEN BLACKWOOD/AFP/Getty Images)

Insel Nauru: Hierhin werden die Flüchtlinge abgeschoben.
Bild: AFP

Protest gegen Australiens Asylpolitik: Somalierin zündet sich in Flüchtlingslager an

Zum zweiten Mal binnen weniger Tage hat sich ein Flüchtling im umstrittenen australischen Internierungslager Nauru in Brand gesteckt. Aktivisten sprechen von einer «Epidemie der Selbstverletzungen».



Ein Artikel von

Spiegel Online

Eine 21 Jahre alte Frau aus Somalia hat sich in dem australischen Flüchtlingslager auf Nauru mit Benzin überschüttet und selbst angezündet. Damit wollte sie gegen ihre Internierung auf der umstrittenen Pazifikinsel protestieren. Die Frau habe schwerste Verletzungen erlitten, wie unter anderem der «Guardian» berichtet. Sie sei inzwischen nach Brisbane geflogen worden und werde nun dort in einem Krankenhaus behandelt.

Es ist bereits der zweite Fall binnen weniger Tage: Erst in der vergangenen Woche hatte sich ein 23-jähriger Flüchtling aus Iran in demselben Lager angezündet, er starb vier Tage später in einem Krankenhaus in Brisbane.

Damit steigt der Druck auf den australischen Premier Malcolm Turnbull und seine Regierung. Die strikte Asylpolitik ist auch im Land selbst teils umstritten: Australien lässt keinerlei Bootsflüchtlinge ins Land, stattdessen werden die Menschen auf den Booten abgefangen, in ihre Heimatländer zurückgeschickt oder in Internierungslager auf Inseln im Pazifik gebracht. Selbst wenn ihr Flüchtlingsstatus anerkannt wird, dürfen die Menschen nicht nach Australien kommen. Das Argument der Regierung: Bootsflüchtlinge würden abgeschreckt – und letzten Endes würden so weniger Menschen auf hoher See ihr Leben verlieren.

Doch Menschenrechtler kritisieren diese Praxis schon lange. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen veröffentlichte beispielsweise nach dem Tod des Iraners eine Mitteilung, in der es die «extrem gefährliche» Politik kritisierte. Die rund 2000 Flüchtlinge in den Lagern auf Nauru und Manus in Papua-Neuguinea sollten umgehend verlegt werden, um ihnen «humanere Bedingungen mit angemessener Unterstützung» zu garantieren.

Vor einer Woche entschied zudem das oberste Gericht in Papua-Neuguinea, Australien dürfe keine Flüchtlinge mehr auf dem Inselstaat internieren. Zur Begründung hiess es, die Unterbringung auf der Insel Manus verstosse gegen das verfassungsmässig garantierte Recht auf persönliche Freiheit.

«Giftige Atmosphäre»

In australischen Medienberichten heisst es nun, die 21 Jahre alte Frau aus Somalia sei bereits seit drei Jahren auf Nauru gewesen. Bei einem Motorradunfall habe sie schwere Verletzungen erlitten und sei deshalb im vergangenen November zur medizinischen Behandlung nach Australien gebracht worden. Erst wenige Tage vor ihrer Selbstverbrennung sei sie zurück nach Nauru geschickt worden.

Der Sprecher der Flüchtlingsorganisation «Refugee Action Coalition», Ian Rintoul, berichtete unter anderem in der Zeitung «Sydney Morning Herald» von einer «Epidemie von Selbstverletzungen auf Nauru». Eine junge, schutzbedürftige Frau sei in die «giftige Atmosphäre» zurückgeschickt worden, die auf der Insel herrsche. Der Vorfall sei «leider vollkommen vorhersehbar gewesen».

Schon Mitte Januar dieses Jahres hatte die Fairfax-Mediengruppe unter Berufung auf Regierungsunterlagen von Selbstverletzungen in den Übersee-Lagern berichtet: Demnach schlucken die Bootsflüchtlinge Gift, schneiden sich selbst mit Messern oder versuchen sich zu erhängen.

Die australische Grünen-Politikerin Sarah Hanson-Young forderte nun Turnbull auf, sofort zu intervenieren. «Die Situation auf Nauru gerät dramatisch ausser Kontrolle», zitiert sie die Nachrichtenseite News.com.au. Auf ihrer Facebook-Seite schrieb Hanson-Young: «Was bringt es, Leben auf See zu retten, wenn sie dann zu solchen Verzweiflungstaten an Land getrieben werden?»

Australiens Migrationsminister Peter Dutton sagte, die Regierung habe stets betont, dass jeder Flüchtling aus Nauru, der zur medizinischen Behandlung nach Australien reise, anschliessend wieder auf die Insel zurückgeschickt werde. Im Februar hatte das Oberste Gericht in Australien die Abschiebung Dutzender Kinder in die Insellager erlaubt.

Dutton sprach auch über das Schicksal der etwa 850 Menschen, die derzeit noch in dem Lager auf Manus untergebracht sind. Keiner von ihnen werde nach Australien kommen, sagte der Minister laut einem BBC-Bericht. Demnach schlug er vor, einige von ihnen nach Nauru zu schicken.

aar

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    Alle Leser-Kommentare
  • saukaibli 03.05.2016 07:31
    Highlight Highlight Tja, Australien, das Vorbild für unsere SVPler. Vermutlich leidet Australien auch unter Dichtestress. Also wenn wir uns Australien in der Flüchtlingspolitik als Vorbild nehmen, dann können wir uns gleich Saudi Arabien als Vorbild für Gleichberechtigung oder die Türkei als Vorbild für Meinungsfreiheit nehmen.
    • Domino 03.05.2016 08:42
      Highlight Highlight Mit der restriktiven Politik sterben viel weniger Menschen als wenn sich halb Asien in wackeligen Booten auf den Weg nach Australien macht. Vergleich doch mal die Toten im Mittelmeer zu denen in Australien.
    • Alex_Steiner 03.05.2016 10:28
      Highlight Highlight @Domino: Aja? Gibt es Zahlen dazu? Das ganze Ding ist relativ geheim. Die "Lager" in dem sie die Flüchtlinge stecken sind aber bekannt. Berichte das sie Boote die in Seenot waren ignoriert haben gibt es auch. Sie haben nichts dagegen wenn die Flüchtlinge ertrinken - einfach nicht vor Australien.
    • Domino 03.05.2016 12:37
      Highlight Highlight Aehlen kenne ich keine. Stell dir vor der australische Premier ruft die Willkommenskultur aus. Millionen Nenschen würden sich auf den gefährlichen Weg machen. Dasselbe in der USA. Entfernt Obama den Grenzzaun zu Mexiko gäbe es eine Völkerwanderung von ungeheurem Ausmass von Südamerika und eine humanitäre Katastrophe in den kleinen zentrakamerikanischen Staaten wäre unausweichlich.
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