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Italien will Flüchtlinge arbeiten lassen – für eine bessere Integration, aber ohne Lohn

Akzeptanz durch Arbeit: Italien will Flüchtlinge gemeinnützige Arbeit verrichten lassen, um für ein «besseres Verhältnis» zur italienischen Bevölkerung zu sorgen. Das sieht eine Direktive des Innenministeriums vor. 

07.05.15, 22:47

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Die italienische Regierung hat die Kommunen des Landes zur Umsetzung einer Direktive aufgerufen, nach der Flüchtlinge während ihrer Asylverfahren gemeinnützige Arbeit ohne Bezahlung leisten sollen. «Anstatt sie ohne Beschäftigung zu lassen, sollten sie arbeiten», sagte Innenminister Angelino Alfano laut italienischen Medien. Die Kommunen seien angehalten, die vor einigen Monaten erlassene entsprechende Anordnung umzusetzen.

In Italien treffen täglich zahlreiche Flüchtlinge aus Afrika über das Mittelmeer ein. Viele Aufnahmelager sind überfüllt, Asylverfahren können sich jedoch lange hinziehen. Daher sei es für die Flüchtlinge wichtig, dass für ein «besseres Verhältnis» zur italienischen Bevölkerung und für «mehr Akzeptanz» gesorgt werde, hiess es aus dem Innenministerium. Dies sei dadurch zu erreichen, dass Migranten gemeinnützige Arbeit verrichteten, ohne dafür bezahlt zu werden.

Auch in Deutschland gibt es Vorstösse, die Asylbewerbern die Integration erleichtern sollen: Zuletzt hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière angeregt, dass Flüchtlinge, die gute Chancen auf Asyl haben, schon vor ihrer Anerkennung für Integrationskurse zugelassen werden könnten.

loe/AFP

Die Flucht übers Mittelmeer

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 08.05.2015 11:24
    Highlight Hier entsteht gerade ein Pulverfass, in einer Dimension, die schwere Erschütterungen in die europäischen Gesellschaften bringen wird, wenn es explodiert.
    Das wird nicht mehr lange gut gehen.
    3 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.05.2015 10:02
    Highlight Das ist zwar nicht perfekt. Trotzdem finde ich es nicht schlecht ist. So verursachen sie nicht nur Kosten (Kost & Logis), sondern geben etwas zurück, während sie auf ihre Ergebnisse warten. Italien ist z.Z. nicht reich.

    Müsste ich in ein fremdes Land flüchten, würde ich gerne dort arbeiten, um die Integration zu fördern und guten Willen zu zeigen. Auch wenn's nur für Kost & Logis ist. Immerhin hab ich überlebt, es geht mir besser als daheim und ich habe Hoffnung.

    Es ist nicht fair, dass Italien geradezu von Flüchtlingen überschwemmt wird und die Binnenländer schon wegen wenigen jammern.
    7 2 Melden
  • Mafi 07.05.2015 23:56
    Highlight Quasi Sklaventum. Oder hab ich da was falsch verstanden?
    7 6 Melden
  • olga 07.05.2015 23:48
    Highlight das nennt man dann wohl sklaverei...
    6 6 Melden

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