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Balkanroute Flüchtlinge 25. November 2015

Balkanroute: Bis zu minus 3 Grad Celsius.

Schnee, minus 3 Grad: Es ist nicht nur politisch kälter geworden für die Flüchtlinge

Letzte Woche hat Slowenien entschieden, nur noch Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan durchreisen zu lassen. Das hat zu einer Kettenreaktion auf der Balkanroute geführt und setzt den Migranten zu. Auch das Wetter ist garstig geworden. Eine Übersicht.

26.11.15, 18:06 27.11.15, 12:07


Slowenien löste mit einer eher unscheinbaren Massnahme eine eigentliche Kettenreaktion aus: In der vergangenen Woche setzten slowenische Polizisten an der Grenze zu Kroatien 162 Marokkaner fest und verweigerten ihnen die Weiterreise nach Österreich. Begründung: Sie seien Wirtschaftsmigranten und hätten keine Chance auf Asyl in Europa, daher werde man sie wieder nach Kroatien abschieben. 

Sloweniens südlicher Nachbar Kroatien wie auch Serbien und Mazedonien, zusammen mit Griechenland die derzeitigen Transitländer der Balkanroute für Flüchtlinge, reagierten noch am selben Tag und liessen unter Berufung auf das slowenische Beispiel ihrerseits nur noch Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan weiterreisen. Das hat Folgen an den Grenzen. Eine Übersicht:

Griechenland

Lesbos, Griechenland, 25. November 2015: Flüchtlinge aus der Türkei

Volunteers help refugees to approach the coast after engine problems on their dinghy in the northeastern Greek island of Lesbos Wednesday, Nov. 25, 2015. About 5,000 migrants reaching Europe each day over the so-called Balkan migrant route. The refugee crisis is stoking tensions among the countries on the so-called Balkan migrant corridor — Greece, Macedonia, Serbia, Croatia and Slovenia. (AP Photo/Santi Palacios)

Bild: Santi Palacios/AP/KEYSTONE

Die Zahl der Flüchtlinge, die von der Türkei aus über das Mittelmeer nach Griechenland kommen, ist am Wochenende stark zurückgegangen. Am Sonntag zählte die Internationale Organisation für Migration (IOM) auf den griechischen Inseln lediglich 155 neue Flüchtlinge – am Tag zuvor waren es noch knapp 3000 Menschen gewesen. Seit Anfang November seien rund 100'000 Flüchtlinge nach Griechenland gelangt, durchschnittlich also 4500 Menschen.

Zahlen des UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zeigen ebenfalls den Einbruch am Sonntag. Bereits am Dienstag, 24. November ist die Zahl der in Griechenland ankommenden Flüchtlinge aber bereits wieder auf über 3000 gestiegen.

Anzahl Grenzübertritte nach Griechenland am 24. Nov.: 3380

Flüchtlingszahlen UNHCR Griechenland

Statistik vom 24. November: 3380 Flüchtlinge kamen an diesem Tag in Griechenland an (Linie unten: Verlauf seit Oktober)
Quelle: UNHCR

Idomeni, Griechenland, 25. November 2015: Grenze zu Mazedonien

A stranded Iranian migrant on hunger strike weaks-up on rail tracks at the borderline between Greece and Macedonia in front of Macedonian riot police near the Greek village of Idomeni November 25, 2015. European countries are stretched to their limits in the refugee crisis and cannot take in any more new arrivals, the French Prime Minister was quoted as saying in a German newspaper on Wednesday.   REUTERS/Yannis Behrakis

Hungerstreik eines abgewiesenen Flüchtlings in Idomeni.
Bild: YANNIS BEHRAKIS/REUTERS

Mazedonien

Gevgelija, Mazedonien, 26. November 2015

Migrants walk after crossing the border from Greece into Macedonia, near Gevgelija, Macedonia November 26, 2015. Countries along the Balkan route taken by hundreds of thousands of migrants seeking refuge in western Europe last week began filtering the flow, granting passage only to those fleeing conflict in Syria, Iraq and Afghanistan.   REUTERS/Stoyan Nenov

Bild: STOYAN NENOV/REUTERS

Die Stimmung an der griechisch-mazedonischen Grenze ist angespannt. Mazedonien lässt seit der vergangenen Woche nur mehr Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan ins Land. Andere Asylsuchende werden an der Grenze pauschal abgewiesen.

Auf der griechischen Seite der Grenze in Idomeni bildete sich bereits ein Rückstau. Die Gestrandeten würden zum Grossteil im Freien schlafen, berichteten Aktivisten auf der Facebook-Seite «Forgotten in Idomeni». Die Menschen seien zunehmend winterlichen Wetterverhältnissen ausgesetzt. Am Donnerstag versuchten Hunderte, den Grenzzaun niederzureissen und die Grenze zu überqueren.

Etwa 200 Menschen, darunter viele aus dem Iran, Bangladesch und Pakistan, sind deswegen in einen Hungerstreik getreten und blockieren eine Eisenbahnstrecke.

Mazedoniens Regierung hat ihrerseits den Grenzübergang zu Griechenland bei Gevgelija mit einem Stacheldrahtzaun abgesperrt. Das Auffanglager auf der griechischen Seite der Grenze ist nach Angaben der IOM überfüllt.

Anzahl Grenzübertritte nach Mazedonien am 24. Nov.: 2347

Flüchtlingszahlen UNHCR Mazedonien

Die blaue Linie unten zeigt: Die Zahl der Grenzübertritte ist in den letzten Tagen deutlich gesunken. 
Quelle: UNHCR

Viele Flüchtlinge suchen inzwischen offenbar nach Alternativrouten: Im Süden Bulgariens beispielsweise griff die Polizei in den letzten Tagen vermehrt Gruppen von Flüchtlingen mit Schleppern auf. Mitarbeiter des UNHCR und der IOM warnen davor, dass Flüchtlinge künftig schwierigere und gefährlichere Routen über Bulgarien oder Albanien nehmen könnten.

Tabanovce, Mazedonien, 20. November 2015: Grenze zu Serbien

Macedonian police check the identification documents of migrants and refugees at the transit center for refugees near the village of Tabanovce, in northern Macedonia by the border with Serbia, before allowing them to continue their trip, Friday, Nov. 20, 2015. Macedonia, along with Serbia, Croatia and Slovenia, has begun turning away migrants who are not from war zones such as Syria, Afghanistan and Iraq. (AP Photo/Boris Grdanoski)

Bild: Boris Grdanoski/AP/KEYSTONE

Serbien

Presevo, Serbien, 22. November 2015

epa05037097 Migrants from Syria, Iraq and Afghanistan queue in the rain while waiting to be registered in front of the registration camp in the town of Presevo, South Serbia, 22. November 2015.  EPA/Djordje Savic

Bild: Djordje Savic/EPA/KEYSTONE

Serbien lässt derzeit ebenfalls nur noch Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan weiterreisen. UNHCR und IOM kritisieren diesen Kurs scharf. Mit der Entscheidung werde das Recht von Flüchtlingen auf individuelle Prüfung von Asylgesuchen missachtet.

Anzahl Grenzübertritte nach Serbien am 24. Nov.: 2335

Flüchtlingszahlen UNHCR Serbien

Die blaue Linie unten zeigt: Die Zahl der Grenzübertritte ist in den letzten Tagen deutlich zurückgegangen.
Quelle: UNHCR

Sid, Serbien, 6. November 2015: Grenze zu Kroatien

A group of Afghan refugees warm themselves near a fire at at the railway station of Sid, where Serbian authorities send them to Croatia. Sid, Serbia, Friday, Nov. 6, 2015 (AP/Manu Brabo)

Bild: Manu Brabo/AP/KEYSTONE

Kroatien

Flüchtlingslager Slavonski Brod, Kroatien, 3. November 2015

A migrant child waits for registration at a new winter refugee camp in Slavonski Brod, Croatia, November 3, 2015. REUTERS/Antonio Bronic

Bild: ANTONIO BRONIC/REUTERS

Auch Kroatien hält das Transitverbot für Flüchtlinge, die nicht aus Syrien, Irak und Afghanistan stammen, aufrecht. Den Flüchtlingen macht zudem die Kälte zu schaffen. Am Sonntag hat es in Kroatien zum ersten Mal in diesem Winter geschneit.

Anzahl Grenzübertritte nach Kroatien am 24. Nov.: 4203

Flüchtlingszahlen UNHCR Kroatien

Die blaue Linie unten zeigt: Der Flüchtlingsstrom nach Kroatien ist in den letzten Tagen zurückgegangen.
Quelle: UNHCR

Harmica, Kroatien, 12. November: Grenze zu Slowenien

Slovenian riot police is seen between the Croatian border crossing of Harmica and Slovenian border crossing of Rigonce, in Rigonce, Slovenia November 12, 2015. Slovenia began erecting a razor wire fence along parts of its border with Croatia on Wednesday, saying it wanted better control over a tide of migrants flowing through the tiny country en route to other areas of Europe. REUTERS/Antonio Bronic

Bild: ANTONIO BRONIC/REUTERS

Slowenien

Dobova, Slowenien, 27. Oktober

Slovenian police check migrants   as they switch from a train that brought them from Croatia to Slovenia, in Dobova, Slovenia, Tuesday, Oct. 27, 2015. The European Union is lashing member countries for dragging their feet on providing funds and experts to help manage Europe's biggest refugee emergency in decades. (AP Photo/Darko Bandic)

Flüchtlinge werden nach der Ankunft aus Kroatien am Bahnhof in Dobova kontrolliert.
Bild: Darko Bandic/AP/KEYSTONE

Anzahl Grenzübertritte nach Kroatien am 24. Nov.: 6297

Flüchtlingszahlen UNHCR Slowenien

Die blaue Linie unten zeigt: Die Zahl der Grenzübertritte ist in den letzten Tagen angestiegen.
Quelle: UNHCR

Sentilj, Slowenien, 18. November 2015: Grenze zu Österreich

Slovenian police officers guide migrants towards the Austrian border town of Spielfeld, in the village of Sentilj, Slovenia, November 18, 2015.   REUTERS/Leonhard Foeger

Bild: LEONHARD FOEGER/REUTERS

Österreich

Hanging, Österreich, 22. November 2015: Grenze zu Deutschland

epa05037142 Refugees wait in a tent in the snow at the Austrian-German border hear Hanging, Austria, 22 November 2015. The arrival of winter also has also hit the refugees in the Passau border region.  EPA/ARMIN WEIGEL

Bild: EPA/DPA

Der Winter setzt den Flüchtlingen auch in Österreich zu. In Hanging an der Grenze zu Deutschland warten sie in einem Transitzelt geschützt vor dem Schneefall auf die Weiterreise. Ein neuer Standplatz soll Anfang Dezember drei Kilometer entfernt in der Gemeinde Nebelberg entstehen. Von dort aus sollen die Flüchtlinge dann mit Bussen direkt über die Grenze zur Registrierstelle nach Deutschland gebracht werden.

(meg)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ferox77 09.12.2015 13:06
    Highlight Wenn nicht umgehend Recht, europäisches und UN-Recht, durchgesetzt wird, ist das alles erst der Anfang von schlimmen Zuständen, die weiterhin den Dünger für gefährliche politische Entwicklungen in Europa darstellen. Wenn Flüchtlinge sich weigern in einem demokratischen europäischen Staat sich registrieren zu lassen, Gewalt gegen Grenzbeamte oder Vertreter von Hilfsorganisationen anwenden, weil sie darauf bestehen, in ein bestimmtes Land zu wollen, obwohl sie nicht mehr in Lebensgefahr sind, haben sie ihr Recht auf Bearbeitung eines Asylantrages verwirkt.
    1 0 Melden
    • ferox77 09.12.2015 13:54
      Highlight 2)
      Es bleibt nicht nachvollziehbar, warum ein Gemeinwesen wie die EU nicht in der Lage ist wie die USA, Kanada, Australien, Neuserland, die innerhalb von 5 Tagen klären, wessen Antrag überhaupt prüfungsberechtigt ist, sofortige Rückführungen zu veranlassen.
      0 0 Melden
  • 足利 義明 Oyumi Kubo 26.11.2015 21:45
    Highlight Es wäre fair wenn man den "Flüchtlingen" frühzeitig erklären würde, dass sie hier nicht mehr willkommen sind.
    15 5 Melden

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