International

Flüchtlinge im griechischen Idomeni: Auf der anderen Seite des Gitters liegt Mazedonien. 
Bild: Giannis Papanikos/AP/KEYSTONE

An diesen 4 Orten ist es besonders brenzlig: Die aktuellen Brennpunkte der Flüchtlingskrise

100'000 Kriegsflüchtlinge harren an der syrisch-türkischen Grenze aus, 200'000 Migranten warten in Libyen auf ihre Überfahrt nach Europa. Das sind nur zwei der aktuellen Brennpunkte der Flüchtlingskrise.

23.02.16, 11:07 23.02.16, 12:25

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2016 bereits mehr als 100'000 Flüchtlinge auf Mittelmeer-Route

Knapp zwei Monate nach Jahresbeginn sind bereits mehr als 100'000 Flüchtlinge und Migranten über das Mittelmeer nach Europa gekommen. 2015 ist diese Zahl erst im Juli erreicht worden.Das teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Dienstag in Genf mit. 102'547 Männer, Frauen und Kinder sind laut IOM bis zum 22. Februar in Griechenland angekommen. Über Italien kamen nur 7500, und damit etwa gleichviel wie im vergangenen Jahr.Mehr als 410 Flüchtlinge sind in diesem Jahr bereits auf ihrer Reise ums Leben gekommen. Allein auf der Überfahrt von der Türkei zu den griechischen Inseln starben allein 321 Menschen.Laut griechischen Behörden kommt knapp die Hälfte aller Flüchtlinge aus Syrien (48 Prozent), gefolgt von Afghanistan (25 Prozent) und dem Irak (17 Prozent). Im Februar haben nach IOM-Angaben mehr als 26'000 Flüchtlinge und Migranten die griechische Grenze zu Mazedonien überquert. (sda/dpa/afp)

Der Krieg in Syrien, der Vormarsch der Taliban in Afghanistan, wirtschaftliche Not in vielen afrikanischen Staaten. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Ein Überblick über die aktuellen Brennpunkte der Flüchtlingskrise.

Türkisch-syrische Grenze:

Knapp 100'000 Menschen hängen nach Angaben der Vereinten Nationen auf der syrischen Seite des Grenzübergangs Bab al-Salama - Oncupinar fest. Sie flüchteten vor den Bombenangriffen und Gefechten rund um die einstige Millionenmetropole Aleppo. Türkische Hilfsorganisationen versorgen die Flüchtlinge.

Der stellvertretende UNO-Generalsekretär Jan Eliasson hat die Regierung in Ankara gebeten, die Grenze zu öffnen. Staatschef Recep Tayyip Erdogan lehnt das bislang ab. Er spricht sich für die Errichtung einer Flugverbotszone in Syrien aus, in der die Flüchtlinge vor Angriffen geschützt und von Hilfsorganisationen versorgt werden sollten. Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt diesen Plan. Die syrische Regierung und ihre Schutzmacht in Moskau lehnen eine solche Schutzzone bislang aber vehement ab.

Griechisch-mazedonische Grenze

Der Übergang Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien ist ein Nadelöhr auf der Balkanroute nach Mitteleuropa. Seit dem Wochenende lassen die mazedonischen Behörden nur noch Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak ins Land. Deshalb versuchten Hunderte afghanische Flüchtlinge den Eisenbahngrenzübergang Idomeni-Gevgelija zu stürmen. Daraufhin riegelte die Regierung in Skopje die Grenze an dieser Stelle komplett ab.

Insgesamt sitzen rund 5000 Migranten aus anderen Staaten an dem Grenzübergang fest – jetzt hat die griechische Polizei damit begonnen, das provisorische Flüchtlingslager in Idomeni zu räumen. Die Flüchtlinge sollen in ein neues Auffanglager im rund 80 Kilometer entfernten Thessaloniki gebracht werden.

Libysche Mittelmeerküste

200'000 bis 250'000 Flüchtlinge warten nach Schätzungen der Vereinten Nationen in Libyen auf ihre Überfahrt nach Europa. Täglich werden es mehr: Weil entlang der Balkanroute immer mehr Staaten Grenzzäune errichten, wird die riskante Überfahrt von Libyen über das Mittelmeer nach Lampedusa oder andere Inseln wieder beliebter.

Noch warten die meisten Schleuser wegen der stürmischen See, doch im Frühjahr dürften sich täglich wieder Hunderte Menschen in wackligen Holzbooten auf den Weg nach Europa machen.

Seit Juni 2015 machen Militärschiffe mehrerer EU-Staaten vor der libyschen Küste Jagd auf Menschenschmuggler. Die Bundeswehr ist mit zwei Schiffen an der Mission beteiligt. Die Schiffe der EU-Mission haben seither Tausende Flüchtlinge an Bord genommen.

Calais

Mehrere tausend Menschen leben im sogenannten Dschungel von Calais. In der Nähe des Eurotunnels warten sie auf die Gelegenheit nach Grossbritannien zu gelangen. Die Zustände in dem provisorischen Lager, das aus selbstgebauten Zelten und Hütten besteht, sind verheerend.

Die französische Regierung will zumindest den südlichen Teil des Dschungels räumen. Die Bewohner sollen das Gebiet bis Dienstagabend um 19 Uhr verlassen, andernfalls drohe die zwangsweise Räumung. Laut Behörden wären davon knapp tausend Menschen betroffen, Hilfsorganisationen vor Ort sprechen von mehr als 3000 Bewohnern – unter ihnen seien 300 Minderjährige ohne elterliche Begleitung.

(syd/AFP/Reuters/dpa/cma)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Paco69 23.02.2016 14:47
    Highlight Um die Gefährdung von Frauen und Kindern zumindest in Europa zu minimieren, sollte ganz einfach nur noch der alte Grundsatz gelten: Frauen und Kinder zuerst.
    Männer sollten in Krisensituationen sowieso immer Frauen und Kindern den Vortritt gewähren und im Heimatland für die Freiheit kämpfen. Unverständlich, warum dies in der aktuellen Situation soviel anders ist. Aber wahrscheinlich ist es einfach zu altmodisch wenn eine ganz andere Auffassung vom Begriff "Ehre" hat als viele der Neuankömmlinge.
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