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Bild: EPA/BRITISH MINISTRY OF DEFENCE

NATO fliegt wegen Russland 780 Kampfjet-Einsätze – wie zuletzt im Kalten Krieg

22.04.17, 09:47 22.04.17, 12:27

Kampfflugzeuge der NATO haben 2016 so viele Alarmstarts absolviert wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Von europäischen Militärbasen aus wurden im vergangenen Jahr rund 780 Einsätze zur Identifizierung und Überwachung russischer Flugzeuge geflogen.

Dies sagte ein Sprecher des zuständigen Bündnisstützpunktes in Ramstein der Nachrichtenagentur DPA. 2015 waren es mit 410 Einsätzen nur etwa halb so viele gewesen.

Bei sogenannten Alarmstarts müssen die Piloten mit ihren Jagdflugzeugen innerhalb von wenigen Minuten in der Luft sein, um zum Beispiel durch Sichtkontakt festzustellen, ob von einem verdächtigen Luftfahrzeug eine Gefahr ausgeht. Notfalls könnte dieses dann mit Gewalt aufgehalten werden.

Alarmstarts, die nichts mit russischen Flugzeugen zu tun haben, sind in Europa vergleichsweise selten. Von den insgesamt 870 Einsätzen im Vorjahr wurden lediglich rund 90 wegen Militärflugzeugen anderer Staaten oder nicht sofort identifizierbarer Passagier- oder Frachtmaschinen geflogen.

Türkei vermehrt unter NATO-Kommando

Die deutlich erhöhte Alarmstart-Zahl ist nach Bündnisangaben vor allem darauf zurückzuführen, dass die türkische Luftwaffe ihre Einsätze seit 2016 vermehrt unter NATO-Kommando fliegt. Als Grund dafür gilt die drastische Verschlechterung der Sicherheitslage in der Region und vor allem das militärische Eingreifen Russlands in den Syrien-Krieg.

Kurz bevor die türkische Luftwaffe mit den Flügen unter NATO-Kommando begann, hatte sich im November 2015 an der türkisch-syrischen Grenze ein folgenschwerer Zwischenfall ereignet. Nach einer angeblichen Luftraumverletzung schoss eine türkische F-16 damals einen russischen Bomber ab.

Nach Angaben aus NATO-Kreisen wäre es vermutlich nicht zu dem Abschuss gekommen, wenn die türkische Luftwaffe bereits damals unter NATO-Kommando geflogen wäre.

Lage in Osteuropa leicht entspannt

Leicht entspannt hat sich nach den jüngsten Zahlen hingegen die Lage in Osteuropa. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Litauen ging die Zahl der Alarmstarts im Baltikum von 160 im Jahr 2015 auf 110 im Jahr 2016 zurück.

Sie lag damit aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie in der Zeit vor dem Ukraine-Konflikt. Dieser eskalierte 2014, als sich Russland die ukrainische Halbinsel Krim einverleibte und damit begann, pro-russische Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen.

Die NATO sieht die verstärkte Luftraumüberwachung als angemessene Reaktion auf die Angst östlicher Mitgliedsländer vor einem russischen Angriff. Zudem stellen ohne elektronische Erkennungssignale fliegende Flugzeuge Bündnisangaben zufolge eine Gefahr für den zivilen Luftverkehr dar.

Russische Manöver in der Regel völlig legal

Flugsicherungsexperten weisen allerdings darauf hin, dass die russischen Manöver in der Regel völlig legal sind und nicht gegen internationale Regeln verstossen. Ihren Angaben zufolge fliegen auch Jets von Alliierten zeitweise ohne Signalgeber, wenn sie nicht unter NATO-Kommando fliegen. Über die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) wird deswegen derzeit daran gearbeitet, die internationalen Regeln zu verschärfen.

«Es ist in jedermanns Interesse, das Risiko von Unfällen zwischen russischen und alliierten Flugzeugen zu minimieren», sagte ein Bündnissprecher der DPA. Um das Thema gehe es auch in Diskussionen im NATO-Russland-Rat. (viw/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Töfflifahrer 22.04.2017 16:08
    Highlight Na hat sich doch die NATO selbst eine Berechtigungsbestätigung gegeben und gleich noch nachgewiesen, dass sie sicher mehr Geld brauchen werden um die Bedrohung durch die Russen abwenden zu können.
    Also man lerne, Truppen einsetzen und an die Grenzen eines ehemaligen Bösen verlegen, den solange reizen bis er selber die Muskeln spielen lässt und dann umgehend die globale Bedrohung ausrufen. Respekt! Ich gehe davon aus, dass BR Parmelin da gut aufgepasst hat.
    9 13 Melden
    • Abbaio 22.04.2017 18:31
      Highlight Trump will dass die Europäer mehr in die NATO-Kasse einzahlen, denn zu lange hätten sie sich halb gratis von den USA beschützen lassen. Ein Witz, ein schlechter. Denn was die Amis uns alles eingebrockt haben seit Bush! Und jetzt zeigt sich wieder: es sind dann selbstverständlich immer die USA, die allein bestimmen, wo Feuer gelegt wird, ohne Rücksicht auf europäische Interessen und Verletzlichkeiten.
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  • Radiochopf 22.04.2017 11:49
    Highlight Und wieviele Panzer und Soldaten haben die Nato in den letztn 2-3 Jahren rund um Russland verlegt? Wieviele Übungen haben die Nato in den letzten Jahren rund um Russland gemacht? Aber klar, die Russen sind natürlich der Agressor.... die NATO leidet an Realitätsverlust...
    40 43 Melden
    • Gelöschter Benutzer 22.04.2017 12:36
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    • Juliet Bravo 22.04.2017 12:55
      Highlight Wieviele Soldaten befinden sich z.B. in Rostow am Don oder in den "Ferien" in der Ostukraine oder auf der Krim?
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    • Beobachter24 22.04.2017 13:40
      Highlight @Juliet Bravo

      Wie kommst Du ausgerechnet auf Rostow am Don? (Diese Gegend wurde imho nie an den ukrainischen Sowjet verschenkt.) Ich verstehe deinen Gedankengang nicht und bitte um Aufklärung.

      Was die Anzahl der russischen Soldaten im Donbass anbelangt: Hast Du dazu genauere Infos und ein paar Quellen? Das interessiert mich nämlich tatsächlich.
      15 26 Melden
    • Juliet Bravo 22.04.2017 14:16
      Highlight Rostow liegt in Südrussland und seit Sowjetzeiten ein wichtiger Stützpunkt der Roten Armee. Die Stadt liegt unweit der eroberten/umkämpften Gebiete.
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    • Beobachter24 22.04.2017 14:55
      Highlight @Juliet Bravo

      Gute Antwort bzgl. Donbass. Danke.

      Und jetzt zu den russischen Soldaten im Donbass ... kommt da noch was?
      6 12 Melden
    • Fabio74 23.04.2017 11:48
      Highlight und wie war das noch mit der Krim-Annektion, den grünen Männern in der Ostukraine, in Abchasien und Südossetien?
      Wie wars noch mal, dass die Baltischen Staaten, NATO-Truppen angefordert haben?
      Man kann auch die Hälfte ausblenden, dass es für die eigene Propaganda stimmt....
      3 1 Melden
    • Beobachter24 23.04.2017 17:49
      Highlight @Fabio74

      Süd-Ossetien:
      Wurde 2008 von der Armee Georgiens überfallen, in der Hoffnung auf Beistand der NATO (vgl. https://goo.gl/d2CCme), auf Befehl von M. Saakaschwili.
      Micheil S., heute mehrfach verurteilt und aus seinem Heimatland aus diesem Grund geflüchtet, ist ein „Ziehsohn" von Victora „fuck the eu“ Nuland, und war bis vor kurzem Gouverneur in Odessa (immer noch?) und würde gerne Poroschenko beerben.

      Abchasien:
      Hat wunderbare Strände! Wer das Schwarze Meer liebt, sollte unbedingt dorthin gehen.
      Die Anreise ist nicht ganz ohne, und minimale Russisch-Kentnisse wären hilfreich ;-)
      2 3 Melden
    • Beobachter24 23.04.2017 18:06
      Highlight @Fabio (Teil II)

      Die Krim wurde nicht annektiert.
      Es gab eine Abstimmung aber kein Blutvergiessen.
      Die (mehrheitlich russischsprachige) Bevölkerung hatte keinen Bock auf die Putsch-Regierung in Kiew und dessen ultrarechten Flügel. Lies mal Reinhard Merkel in der faz (https://goo.gl/x2HeFS) bzgl. Völkerrecht und Krim.

      Die grünen Männchen haben nebst anderem auch sicher gestellt, dass in Sewastopol anwesende Navy Seals nicht den Russischen Hafen übernehmen, das wissen aber nur „Insider“ ;-).
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