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Saudi-Arabiens Grossmufti verbietet Schach

Schachmatt in Saudi-Arabien: Der Grossmufti des Landes hat das Spiel für unislamisch erklärt. Der Gelehrte fürchtet, dass die Muslime ihre Gebete vergessen könnten.

22.01.16, 11:24 22.01.16, 11:40


Ein Artikel von

Grossmufti Scheich Abdulaziz Al al-Sheikh.

Seit rund 1400 Jahren spielen Muslime Schach. In Persien wurde das Spiel erfunden, die arabischen Eroberer lernten es dort kennen und brachten Schach später nach Europa.

Doch nun fällt dem obersten islamischen Gelehrten Saudi-Arabiens, Grossmufti Scheich Abdulaziz Al al-Sheikh, auf, dass Schach mit dem Islam unvereinbar sei. «Das Schachspiel ist verboten», sagte der Geistliche in einer Fernsehsendung, in der er Zuschauerfragen beantwortet.

Ein Video der Sendung wurde bereits im Dezember bei YouTube veröffentlicht. Grosse Bekanntheit hat der Auftritt des Grossmuftis aber jetzt erst erlangt, weil am Freitag ausgerechnet in Mekka ein Schachturnier beginnen soll. Mekka ist der Geburtsort des islamischen Propheten Mohammed und die heiligste Stadt im Islam.

Al al-Sheikh begründete seine Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten, damit, dass Schach süchtig machen könnte. Die Spieler könnten ihre Gebete vergessen. «Es ist eine Verschwendung von Zeit und Geld und verursacht Rivalität und Feindschaft», dozierte der Grossmufti. Es mache reiche Leute arm und arme Leute reich.

Die Ablehnung des Schachspiels ist offenbar eine der wenigen Fragen, in denen der sunnitische Geistliche Al al-Sheikh die gleiche Meinung vertritt wie der einflussreiche schiitische Grossajatollah Ali al-Sistani. Er hatte Schach ebenso für «haram», also nach islamischen Grundsätzen für verboten erklärt, weil es für Wetten eingesetzt werden könnte – und das ist im Islam nicht erlaubt.

Die Organisatoren wollen das Schachturnier in Mekka trotz der Fatwa durchführen. Derzeit ist unklar, ob die Religionspolizei das Verbot des Grossmuftis durchsetzen wird. Auch im strengreligiösen Saudi-Arabien sind Fatwas keine Gesetze, sondern gelten als religiöse Gutachten, die Gläubigen eine allgemeine Handlungsempfehlung liefern sollen.

syd/AP

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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29Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Erode Terribile 22.01.2016 16:43
    Highlight Wann werden diese überheblichen alten Leute schweigen. Sie hintern die Entwicklung des Volkes. Dieser Rückschritt in die Anfänge des Mittelalters ist bedenklich gefährlich.
    6 0 Melden
  • frankyfourfingers 22.01.2016 15:43
    Highlight wetten sind also verboten? dann dürften die saudischen Milliardäre aber auch nicht an der Börse spekulieren ;)
    10 0 Melden
  • pachnota 22.01.2016 15:22
    Highlight vielleicht fordern nun bald einige Linke, das Schach auch bei uns zu verbieten. Aus Rücksicht auf religiöse Gefühle.
    Tönt vielleicht sarkastisch, aber ehrlich gesagt es würde mich mittlerweile nicht mal mehr gross verwundern.
    12 18 Melden
    • Erode Terribile 22.01.2016 16:46
      Highlight Eben darum ist der Mufti auch ein Rassist.
      4 0 Melden
  • MarGo 22.01.2016 15:18
    Highlight Warum hört man auf so einen alten, verwirrten Mann...?
    Das muslimische Volk soll sich endlich von diesen "Möchte-gern-Propheten" lösen - für sich selbst aber vor allem für die Akzeptanz ihres Glaubens in der ganzen Welt. So kann man das ja nicht ernst nehmen...
    14 2 Melden
    • Brienne von Tarth 22.01.2016 16:45
      Highlight Also wegen Akzeptanz von ihrem Glauben. Das heisst das Christentum ist also akzeptiert? Vielleicht bei denn letzten verblieben Gläubigen Christen ja. ich denke aber, jeder der das ganze mal von aussen betrachtet, sieht viele Parallen zum Islam und kommt somit zum Schluss, das sich diese Religionen nicht wesentlich unterscheiden in ihrer Aufstellung.
      2 0 Melden
    • samy4me 22.01.2016 22:28
      Highlight In der Aufstellung vielleicht nicht, aber in der Auslegung im Alltag sehr.
      2 0 Melden
    • MarGo 25.01.2016 09:05
      Highlight Ich will keinen Vergleich mit dem Christentum ziehen, das wäre falsch und irreführend. Es geht ganz einfach darum, dass die Moslems sich endlich von solch alten Männern lösen müssen und anfangen selber zu entscheiden, was legitim ist und wie man den Koran auslegt. Jeder kann das Buch lesen und sich selber ein Bild machen davon und danach leben, wenn es ihm beliebt. Aber niemand braucht en "Tatteri", der sagt wie die Worte aufzufassen sind. Der Islam braucht eine Reformierung!
      1 0 Melden
  • Wilhelm Dingo 22.01.2016 15:06
    Highlight Je lächerlicher diese Fatwas sind, desto schneller bemerken die Menschen den ganzen Schwindel. Darum: WEITER SO LIEBER GROSSMUFTI!
    18 0 Melden
  • manhunt 22.01.2016 14:26
    Highlight hier noch ein weiteres beispiel, welches eindrücklich belegt das noch andere saudische kleriker nicht alle tassen im schrank haben:
    http://www.taz.de/!5019854/
    8 0 Melden
    • Wilhelm Dingo 22.01.2016 16:32
      Highlight Ist übrigens auch bei den Christen Klerikern der Fall. (Huonder, Haas). Ich verstehe nicht wie solche Hampelmänner moralischen Einfluss haben können. Weisst Du das manhunt?
      4 0 Melden
    • manhunt 23.01.2016 00:33
      Highlight @wilhelm dingo: absolut, die beiden stehen sich in nichts nach. weshalb solch leute jedoch immer noch moralischen einfluss haben, darüber kann ich nur mutmassen. um hier jedoch meine sichtweise zu diesen thema darzulegen, reichen die 600 hier zur verfügung stehenden zeichen niemals aus.
      1 0 Melden
  • Human 22.01.2016 13:54
    Highlight frag mich echt warum in Religionssachen immer auf so alte verwirrte Menschen gehört wird - wenn schon sollte das wenigstens ein modern denkender Menschen regeln.... wobei ich sags ja eh schon immer RELIGIONEN SIND ALLE SCHEISSE! :)
    33 4 Melden
  • Hypnos350 22.01.2016 13:51
    Highlight Logisches Denken wird in Saudi Arabien leider schon seit langem diskriminiert.
    36 0 Melden
    • Jol Bear 22.01.2016 15:31
      Highlight Und weil Schach logisches und strategisches Denken und Kreativität fördert und ausserdem die Spieler dazu animiert, Ziele zu formulieren, in Frage zu stellen und zu überdenken, besteht die "Gefahr", dass Schach spielende Menschen auch im realen Leben solches tun. Und dann plötzlich ihre Rolle als abnickende Marionetten unter dem religiös getarnten Joch in Frage stellen, im "schlimmsten Fall" unterdrückte Freiheiten entdecken. Da gerieten die Religionsmuftis ja ganz schön in Bedrängnis...
      9 0 Melden
  • manhunt 22.01.2016 13:35
    Highlight prima! und jetzt soll er seinen glaubensbrüdern gleich auch noch den gebrauch von feuerwaffen, autos, smartphones, guided missiles und moderner medizin verbieten. ist ja eh alles teufelszeug!
    39 0 Melden
  • Kamy 22.01.2016 13:05
    Highlight Ein Spiel bei dem eine Dame einen König schlagen kann geht natürlich nicht.
    73 0 Melden
  • Baba 22.01.2016 12:35
    Highlight "...dass Schach süchtig machen könnte", "weil es für Wetten eingesetzt werden könnte – und das ist im Islam nicht erlaubt"

    Der Mann hat entweder letzthin im Schach verloren und kann damit nicht umgehen oder hat einen ander Waffel. Dann müssten ja auch Smartphones/Computer/Sport/Essen etc. verboten werden, da es jeweils "süchtig machen könnte". Und was ist mit den im arabischen Raum so beliebten Kamelrennen? "Könnten" die nicht auch für Wetten eingesetzt werden?

    Ich find's gaga!

    Aber etwas kann man ihm nicht vorwerfen: dass das Verbot sehr schnell gekommen ist! Immerhin 1400 Jahre war's ok.
    63 0 Melden
  • 足利 義明 Oyumi Kubo 22.01.2016 12:28
    Highlight In dieser Religion ist scheinbar alles verboten, was die Hirnzellen beansprucht.
    44 15 Melden
    • Rukfash 22.01.2016 12:44
      Highlight Habibi nicht in der Religion sondern im Spezialfall KSA :D
      17 12 Melden
    • Retarded Wizard 22.01.2016 14:42
      Highlight Nein es ist nie die Religion, und schon gar nie die Anhänger, ein riesiges Tabu . Ich habe bis heute keinen Anhänger der friedlichen Religion sagen hören, dass er gegen die Scharia ist.

      Aber das ist natürlich etwas anderes und muss man im Kontext verstehen. Denn die Scharia ist eigentlich etwas gutes, richtig?
      11 4 Melden
  • Dä Brändon 22.01.2016 11:56
    Highlight Weil sich die Königin als einzige Figur so frei bewegen kann, dabei checkt er nicht das sie das nur kann weil das Schachfeld wie ein Küchenboden aussieht.
    81 4 Melden
    • Human 22.01.2016 13:55
      Highlight Made my day 😂😂😂
      14 0 Melden
  • azoui 22.01.2016 11:43
    Highlight Dann sollen die eben "Tschau Sepp" oder "Call of Duty" spielen.
    Einige spielen das ja bereits.
    32 1 Melden
    • AdiB 22.01.2016 12:43
      Highlight bf4 ist voll von araber.
      6 0 Melden
  • jesse.pinkman 22.01.2016 11:39
    Highlight "Es mache reiche Leute arm und arme Leute reich."

    hä?! :)
    Das gefällt dem Scheich natürlich gar nicht...
    76 0 Melden
  • Raleku 22.01.2016 11:33
    Highlight Trotzreaktion?
    Hat da einer beim Schach verloren?
    67 0 Melden
    • Zerpheros 22.01.2016 13:53
      Highlight Offensichtlich. Und zwar gegen die Dame im Spiel *prust*.
      17 0 Melden
    • Human 22.01.2016 13:57
      Highlight ja is doch gar nicht schlecht stell mir ihn grad vor 'Was verloren? So ein scheiss Spiel, das ist sowieso verboten in unserer Religion du Sünder, ja jetzt lachste nicht mehr mh geh mal lieber beten' 😂😂😂
      12 0 Melden

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