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Kim Jong Un betreibt mit seinen Tests ein gefährliches Spiel.  Bild: EPA/KCNA

Nordkoreas Hochrisikospiel – wenn die anderen bloss die Nerven nicht verlieren ...

Nehmt mich ernst – diese Botschaft sendet Nordkoreas Diktator Kim Jong Un mit der Rakete über Japan an die USA und ihre Verbündeten. Die Zeit arbeitet für Pjöngjang, doch das Risiko ist gewaltig.

29.08.17, 14:57

Wieland Wagner, Tokio

Ein Artikel von

Japans Premier Shinzo Abe hat Nordkoreas Provokationen bislang gerne genutzt, um sich als Krisenmanager zu profilieren. Mit Blick auf den zunächst erwarteten Raketenabschuss Richtung Guam liess er kürzlich eigens Abwehrsysteme nach Westjapan verlegen, um nordkoreanische Flugkörper notfalls abschiessen zu lassen.

Doch Nordkoreas Diktator Kim Jong Un schert sich nicht um japanische Katastrophenpläne. Mit dem heutigen Abschuss einer Rakete über Nordjapan hinweg wählte er eine Route, mit der in Tokio kaum jemand gerechnet hatte. Abe wirkte ziemlich überrascht und ziemlich hilflos.

Das gleiche gilt für die Staats- und Regierungschefs der USA, Chinas und Südkoreas. Sie alle wurden erneut von Machthaber Kim ausgetrickst, der im Korea-Konflikt eindeutig den Ton angibt.

Der aktuelle Raketentest, nach Einschätzung von Experten in Südkorea erfolgreich, beweist: Kim lässt sich weder durch Drohungen einschüchtern, wie sie US-Präsident Donald Trump («Feuer und Zorn») ausspricht. Noch lässt er sich mit verklausulierten Gesprächsangeboten locken, wie Aussenminister Rex Tillerson («Wir sind nicht Ihr Feind») sie unterbreitet.

Donald Trump: «Alle Optionen liegen auf dem Tisch.» Bild: AP/AP

Doch kaum hat sie der Aussenminister ausgesprochen, grätscht der Präsident dazwischen. Zum jüngsten Raketenabschuss sagte er: «Die Welt hat Nordkoreas Botschaft laut und deutlich vernommen. Alle Optionen liegen auf dem Tisch.»

Und von China, das kürzlich die Einfuhr von Kohle, Eisenerz, Blei und Meeresfrüchten aus Nordkorea stoppte, lässt sich Kim schon gar nichts sagen. Sein Ehrgeiz besteht darin, von den USA ernst genommen zu werden - um auf diese Weise auch vom mächtigen Nachbarn China unabhängig zu werden.

Eben dafür haben Kim und seine Vorgänger so lange und so konsequent ihr Nuklearprogramm vorangetrieben, von dem sie sich das Überleben des Regimes versprechen und versprachen. Kim, der treue Erbverwalter seines Vaters und Grossvaters, sieht sich nun offenbar kurz vor dem Ziel, die USA durch eine Interkontinentalrakete bedrohen zu können. Viele Experten weltweit kommen zu einem ähnlichen Urteil. Um allerdings als Atommacht von den USA akzeptiert zu werden, muss er noch eine ganze Reihe von Raketen testen und Atomversuche anordnen.

Erst danach dürfte Kim bereit sein zu Gesprächen mit den USA - aber auch nur auf Augenhöhe.

Gefahr von Missverständnissen und Fehlkalkulationen wächst

Die Zeit arbeitet derzeit für Kim. Er weiss, dass die USA einen militärischen Präventivschlag gegen ihn nicht erwägen können, ohne Hunderttausende oder gar Millionen Opfer in Südkorea und Japan zu riskieren.

Ein anderes Szenario wäre gar eine militärische Konfrontation zwischen der Supermacht USA und China, der Schutzmacht Nordkoreas, die dem Regime bereits im Korea-Krieg (1950 bis 1953) gegen die USA zur Hilfe eilte. Denn ein geeintes Korea unter amerikanischem Einfluss - das wäre ein Horrorszenario für die Machthaber in Peking. Die Folgen einer solchen Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und China wären kaum absehbar.

Und so provoziert Kim die USA und ihre Verbündeten Japan und Südkorea seelenruhig weiter. Doch diese Strategie ist brandgefährlich. Denn jeder neue Raketentest birgt das Risiko von Missverständnissen und Fehlkalkulationen auf allen Seiten - mit wenig stabil anmutenden Befehlshabern, in Washington D.C. wie in Pjöngjang. Kims Poker mit den beteiligten Mächten kann nur glimpflich ausgehen, wenn nicht einem von Kims Gegenspielern in Washington, Tokio oder Seoul plötzlich die Nerven versagen.

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Video: srf

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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21
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    Alle Leser-Kommentare
  • SVARTGARD 30.08.2017 07:05
    Highlight Lasst die Spiele beginnen.
    2 0 Melden
  • Thinktank 29.08.2017 22:28
    Highlight Ein Bonusprogramm für denjenigen, der Kim aus dem Weg räumt und lebenslang Gratis Greenfee auf Trumps Rasen sollte doch das Problem lösen.
    2 2 Melden
  • Posersalami 29.08.2017 18:41
    Highlight "ein geeintes Korea unter amerikanischem Einfluss"

    wird es so auch nicht geben liebe Redaktion. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/korea-eine-wiedervereinigung-waere-ein-schock-12023708.html

    Wie kann ein derart schlecht recherchierter Artikel veröffentlich werden? Die Meinungs- bzw. Angstmacherei ist dermassen offensichtlich, da fehlen mir die Worte.
    19 5 Melden
  • Posersalami 29.08.2017 18:39
    Highlight "Die Folgen einer solchen Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und China wären kaum absehbar."

    Wird es nicht geben, weil:

    In diesem Falle die USA sofort pleite
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/neue-weltordnung-china-hat-die-usa-in-der-hand/7202126-2.html

    Die Regale im ganzen Land in kürzester Zeit leer wären (China ist der wichtigste Importeur in die USA).
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/donald-trump-so-abhaengig-ist-die-us-wirtschaft-von-der-welt-a-1131514.html


    Für China wären die Folgen zum Glück auch katastrophal.
    17 0 Melden
  • MaskedGaijin 29.08.2017 18:31
    Highlight Ich hoffe Godzilla steigt bald aus dem Meer und marschiert richtung Pjöngjang.
    19 2 Melden
  • Rumbel the Sumbel 29.08.2017 15:57
    Highlight Ist fast so, wie beim schwarzen Block der Reithalle. Provozieren bis zum geht nicht mehr und wenn sie dann von der Polizei haue kriegen, weinen sie wie Jammerlappen! Der einzige Unterschied zur Koreakriese ist, dass dort das Ausmass noch viel schlimmer wäre.
    85 50 Melden
  • HAL9000 29.08.2017 15:55
    Highlight Wieso birgt ein Angriff millionen von Opfern?
    8 26 Melden
  • ch2mesro 29.08.2017 15:55
    Highlight das hochrisikospiel betreibt der westen seit 1953! hoffen wir einfach das kim jong un nicht die nerven verliert 🤔
    55 71 Melden
    • B-Arche 29.08.2017 22:44
      Highlight Nordkorea hat Südkorea angegriffen, nicht umgekehrt. Schön bei den Fakten bleiben. Den Koreakrieg hat NK als Aggressor begonnen. Es wollte den Süden übernehmen/erobern.
      7 32 Melden
    • ch2mesro 30.08.2017 05:18
      Highlight ja das ist mir durchaus bekannt! trotzdem wird nk seit 1953 gezielt sanktioniert und isoliert und wozu? wenn du schon von fakten sprichst gehe ich davon aus, dass dir bekannt ist, dass korea nicht immer geteilt war und der koreakrieg letzlich ein stellvertreterkrieg war da sich aich vr china beteiligte.
      13 0 Melden
    • roterriese {gender fluid; AH-64} 30.08.2017 09:56
      Highlight @ch2mesro, ja Nordkorea ist so ein tolles Land, da gibts keine Arbeitslager und Willkür, alles ist toll im gelobten Land des Sozialismus.
      1 30 Melden
    • ch2mesro 30.08.2017 12:03
      Highlight @roterriese: ursache & wirkung sind dir bekannt?
      13 1 Melden
  • Tomjumper 29.08.2017 15:50
    Highlight Jetzt sollte China seinen Handlungsspielraum endlich ausnutzen und mit Kim klartext reden. Japan und Südkorea weden sicher nicht unbesonnen handeln, aber der orange Mann im weissen Haus ist nicht berechenbar.
    45 6 Melden
    • _kokolorix 29.08.2017 19:53
      Highlight Tja, aber die Chinesen können Kim nicht offen die Meinung sagen. Das wäre in der asiatischen Kultur ein nicht wieder gutzumachender Gesichtsverlust. Man kann nicht jahrzehntelang die Kims unterstützen und sie dann fallen lassen ohne dabei implizit zuzugeben ein totes Pferd geritten zu haben...
      Und Kim ist genauso ungern von China abhängig wie er vom Westen respektiert werden möchte. Dass er sich mit seinem Gehabe bei uns erst recht lächerlich macht kann er in seinem antrainierten Grössenwahn nicht erkennen. Das Ganze wird in einem Blutbad enden. Aber ich lasse mich gern überraschen...
      8 0 Melden
  • Rüdiger Rasenmeier 29.08.2017 15:48
    Highlight Wo sind die Superagenten mit der Giftkapsel, die den Kim kalt stellen können?
    44 11 Melden
  • Denk nach 29.08.2017 15:22
    Highlight Es ist sehr beruhigend, dass Amerika aktuell einen ausgewogenen, nicht impulsiven Präsidenten hat \ Ironie off....
    72 17 Melden
    • Dilophosaur99 29.08.2017 15:53
      Highlight Besser als die kriegshungrige clinton.
      51 80 Melden
    • The Origin Gra 29.08.2017 17:26
      Highlight @dilo: Trump sendet ja nur Friedenstäubchen in die ganze Welt z.B. Syrien oder Afghanistan 😉
      20 7 Melden
    • Lukas Küng (1) 29.08.2017 18:33
      Highlight Clinton ist nur kriegshungrig, wenn es sich wirtschaftlich lohnt und die gesamte Rüstungsindustrie davon profitiert. Davor ist aber kein amerikanischer Präsident gefeit.

      Aber sie hätte wahrscheinlich die nötige Besonnenheit und die diplomatischen Fähigkeiten, nicht jede Provokation auf Twitter zu kontern und alles persönlich zu nehmen, was eigentlich Angelegenheit des Landes wäre
      14 5 Melden

Trump kippt Einfuhr-Verbot für Grosswildjäger – (Und ja, auf dem Foto sind seine Söhne)

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