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100 Dollar für Kims Tod – wurde in einer schummrigen Bar der Komplott geschmiedet?

Hinter dem Giftanschlag auf den Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un steckt vermutlich eine Frau aus Indonesien. Doch wer sind die Strippenzieher?

24.02.17, 09:32 24.02.17, 09:47

adrian lobe



Das Verbrechen geschah mitten am helllichten Tag. Kim Jong Nam, der ältere Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, wird in der Abflughalle des Flughafens Kuala Lumpur von zwei Frauen attackiert. Kim wendet sich an das Flughafenpersonal und sagt, jemand habe ihn von hinten am Gesicht gepackt und mit Flüssigkeit besprüht. Er klagt über Kopfschmerzen und verliert fast das Bewusstsein. Daraufhin wird er sofort ins Krankenhaus gebracht. Wenig später stirbt er auf dem Weg in eine andere Klinik.

Die Polizei verdächtigt zwei nordkoreanische Agentinnen, den in Ungnade gefallen Halbbruder in staatlichem Auftrag vergiftet zu haben. Beweise dafür gibt es keine, die Obduktion steht noch aus. Bilder der Überwachungskamera zeigen, wie eine Frau mit weißem Oberteil dem Opfer ein Tuch überstülpt. Der mutmaßliche Giftmord hat international hohe Wellen geschlagen. Nordkorea wittert ein Komplott zwischen Malaysia und Südkorea und will eine Obduktion verhindern.

Der Halbbruder des Machthabers Kim Jong Un soll angeblich von einer indonesischen Frau vergiftet worden sein. Bild: Shizuo Kambayashi/AP/KEYSTONE

Siti Aisyah, die 25-Jährige Frau mit Verbindungen zum Geheimdienst?

Laut einem Bericht der britischen Tageszeitung «The Telegraph» haben die malaysischen Ermittlungsbehörden sechs Verdächtige im Visier, die von einem Geheimdienstagenten rekrutiert worden sein sollen. Dean Thi Huong, eine vietnamesische Staatsbürgerin, wurde vergangene Woche in der Abflughalle verhaftet. Die indonesische Staatsbürgerin Siti Aisyah, wurde tags darauf in Polizeigewahrsam genommen. Eine dritte Person, bei der es sich offenbar um Aisyahs Freund handeln soll und die in das Attentat involviert gewesen sein soll, wurde vernommen – allerdings konnte die Polizei dem Mann nichts nachweisen. Indonesische und malaysische Medien fragen sich derweil, wer Siti Aisyah, eine 25-jährige Frau aus der westjavanischen Stadt Serang, wirklich ist. Hat sie Verbindungen zum Geheimdienst?

Siti Aisyah wird verdächtigt, den Mord an Kim Jong Nam begangen zu haben. Bild: ROYAL MALAYSIA POLICE HANDOUT/EPA/KEYSTONE

Bilder zeigen eine junge Frau mit etwas rundlichem Gesicht und Pony. Sieht so eine Mörderin aus? Ihre Identität ist nicht zweifelsfrei geklärt. Passdokumente weisen sie als «Siti Aisah» mit Geburtsdatum am 1. November 1989 aus – sie wäre damit älter. Als Beruf ist auf den Papieren «Hausfrau» vermerkt. Die junge Frau schuftete zunächst in einer Textilfabrik im indonesischen Tambora, wo Frauen unter erbärmlichen Bedingungen Kleider nähen. Nach der Scheidung 2012 von ihrem Mann zog sie in die malaysische Hauptstadt Kuala Lumpur. Dort arbeitete sie Berichten zufolge als Masseuse in einem Spa und in einem Nachtklub. Ihrer Mutter soll sie regelmäßig Geld nach Hause geschickt haben. Freunden und Familien erzählte sie, dass sie in einer nordkoreanischen TV-Produktion mitspiele. Details nannte sie nicht, doch der Dreh sollte in Nordkorea stattfinden. Bevor sie aufbrach, bat sie ihre Mutter, für sie zu beten. Was genau sie vorhatte, wusste niemand aus ihrem engsten Freundes- und Familienkreis.

100 Dollar für einen Mordanschlag – Gehen so Geheimdienste vor?

Irgendwann, so berichtet es die indonesische Zeitung «Kumparan», soll sie ein mysteriöser Mann in einem Nachtklub in Kuala Lumpur angesprochen haben und ihr umgerechnet 100 Dollar für einen Mordanschlag offeriert haben. Ein unmoralisches Angebot. Aisyah hielt das für einen Scherz. In derartigen Etablissements tauchen hin und wieder Halbstarke auf, die große Töne spucken. Doch es war purer Ernst. Die junge Frau willigte in den Deal ein, weil sie das Geld brauchte, wie es heißt, obwohl sie nicht wusste, wer Kim Jong Nam und die anderen Komplizen waren. Wurde in einer schummrigen Bar in Kuala Lumpur ein Mordkomplott geschmiedet? Spricht der nordkoreanische Geheimdienst Damen an der Theke an, um einen Nebenbuhler auszuschalten? Das klingt alles reichlich unprofessionell, wie der Plot in einem dilettantischen Kriminalroman. Gehen so Geheimdienste vor?

«Man muss bedenken, dass bei Operationen dieses Kalibers typischerweise eine große Zahl von Agenten involviert sind, manchmal bis zu 30. Was die Öffentlichkeit beim Mord von Kim Jong Nam gesehen hat, war nur der finale Teil eines abgefeimten Planes»

Anthony Glees, Geheimdienstexperte

Der britische Geheimdienstexperte Anthony Glees, der Autor zahlreicher Bücher ist und an der University of Buckingham lehrt, sagt im Gespräch mit dieser Zeitung: «Wir wissen, dass es 2012 schon einmal einen Anschlagsversuch auf Kim Jong Nam gab. Das heißt, er war bedroht. Er muss also Misstrauen gegenüber koreanischen Personen gehegt haben. Malaien sehen jedoch nicht wie Nordkoreaner aus, deshalb ergibt es Sinn für den nordkoreanischen Geheimdienst, Nichtkoreaner zu rekrutieren, die unauffälliger operieren können. Wir müssen davon ausgehen, dass nordkoreanische Agenten Malaysier gezielt rekrutierten.» Für einen Giftmord seien keine bestimmten Fähigkeiten notwendig, und die Auftragskiller müssen sich ihrer Tat auch nicht einmal bewusst gewesen sein, so Geheimdienstexperte Glees. Hat man den Erfüllungsgehilfen verschwiegen, dass das «Chloroform» in Wirklichkeit toxisch ist?

Der Sicherheitsexperte Joseph Fitsanakis, Politikprofessor an der Coastal Carolina University, hält das Vorgehen für hochprofessionell. «Man muss bedenken, dass bei Operationen dieses Kalibers typischerweise eine große Zahl von Agenten involviert sind, manchmal bis zu 30. Was die Öffentlichkeit beim Mord von Kim Jong Nam gesehen hat, war nur der finale Teil eines abgefeimten Planes». Es müssten also noch viel mehr Personen involviert gewesen sein.

Die Protagonisten der Affäre um die Tötung von Kims Halbbruder

Doch wer sind die Hintermänner?

Die Spuren führen immer mehr nach Pjöngjang. Laut Interpol hat die malaysische Polizei vier weitere Tatverdächtige nordkoreanischer Herkunft im Visier, die sich in der nordkoreanischen Botschaft in Kuala Lumpur versteckt halten.

Aisyah wurde das letzte Mal am 28. Januar gesehen, als sie auf Heimatbesuch in Indonesien war. Danach verschwand sie spurlos und wurde erst wieder auf der Überwachungskamera gesichtet. Zu den Gegenständen, die die Polizei später in ihrer Wohnung beschlagnahmen sollten, gehörten unter anderem drei 100-Dollar-Noten. Das Honorar für den Auftragsmord? Die wahren Umstände des Mordes werden wohl für immer im Dunkeln bleiben.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Nosgar 24.02.2017 11:16
    Highlight Sieht so eine Mörderin aus? Natürlich nicht. Jeder weiss, dass Mörderinnen hässlich sind. Verbrecher erkennt man auch immer bereits aus mehreren 100 Metern Abstand an ihrem verschlagenen und widerwärtigen Gesicht.
    31 0 Melden
  • Bene_ 24.02.2017 10:47
    Highlight Watson: Bitte etwas weniger Clickbait und wieder mehr seriösen Journalismus. Was soll ein Leser beispielsweise mit dem fettgedruckten Satz "Sieht so eine Mörderin aus?" anfangen?
    25 0 Melden
  • ElendesPack 24.02.2017 09:46
    Highlight Der Komplott? Ist das noch die Deutsch, den ich kenne?
    10 17 Melden
    • Peter 24.02.2017 10:33
      Highlight Vielleicht nicht. Aber das sagt der Duden:

      "das, umgangssprachlich auch: der Komplott"
      24 2 Melden
    • ElendesPack 24.02.2017 11:27
      Highlight Dem Duden hat seit das Rechtschreibereform viele gutem Ideen.
      7 3 Melden

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