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Die Demarkationslinie, die Nord- und Südkorea trennt.

Die Demarkationslinie, die Nord- und Südkorea trennt. Bild: Klaus Zaugg

Eine Atommacht, die nicht zurückweicht – die Zeichen in Nordkorea stehen auf Sturm

Trotz Waffenstillstand ist der Krieg in Nordkorea allgegenwärtig. watson-Journalist Klaus Zaugg war vor Ort und berichtet über ein schwankendes Regime, das auf Kriegsgefahr setzt.

klaus zaugg, pjöngjang



Krieg? Ja, natürlich. Nordkorea befindet sich im Grunde seit mehr als 50 Jahren im Krieg. Was im Westen immer wieder unterschätzt wird: Der grausame Korea-Krieg ist 1953 nicht mit einem Friedensvertrag beendet worden, sondern mit einem Waffenstillstand. Der Sieg im «grossen vaterländischen Befreiungskrieg» gegen die «US-Imperialisten und ihre Verbündeten» (so heisst dieser Krieg in der nordkoreanischen Leseart) hat also den Kriegszustand nicht beendet. Die Befreiung der ganzen nordkoreanischen Halbinsel vom den US-Imperialisten ist das Sehnsuchtsziel.

Kim-Dynastie – Vater und Grossvater des heutigen Staatschefs. Bild: Klaus Zaugg

Die Legitimation des Regimes, das in der dritten Generation regiert, ist der Krieg gegen die US-Imperialisten. Der Ruhm und die Autorität der Kim-Dynastie fusst auf dem siegreichen Korea-Krieg (aus nordkoreanischer Sicht haben die Amerikaner diesen Krieg begonnen und verloren) und der Notwendigkeit, das Vaterland gegen die US-Imperialisten zu verteidigen.

Die von fast allen Ländern mitgetragenen Sanktionen bestätigen den Menschen, dass gegen ihr Land Krieg vorbereitet wird und tragen in einer gewissen Weise zur Stärkung des Regimes bei. «Aber wir beugen uns nicht!» Diesen einen Satz habe ich immer wieder gehört. Von Partei-Funktionären, Kellnern und Kolchosen-Bauern. Ob auswendig gelernt oder eingetrichtert, weiss ich nicht. Aber ich hatte den Eindruck, dass diese Aussage ernst gemeint ist.

Als wir in Pjöngjang vom Flughafen zum Hotel chauffiert wurden, stiegen Feuerwerke in den Nachthimmel. Erst dachte ich, es sei vielleicht Nationalfeiertag oder ein Partei-Jubiläum. Bis wir aufgeklärt wurden: ob wir denn nicht von den erfolgreichen Raketentests gehört habe? Die wurden gefeiert.

Nordkorea Fläche Landwirtschaft

Rund 80 Prozent der Fläche Nordkoreas sind nicht bebaubar. Bild: Klaus Zaugg

Die Bereitschaft, Krieg zu erdulden, durchdringt unter einer oft erstaunlich normalen Oberfläche offenbar diese Gesellschaft in einer, je nach Betrachtungsweise grotesken, beeindruckenden oder tragischen Art und Weise. Nur etwa 20 Prozent der Fläche sind landwirtschaftlich nutzbar. Wegen der internationalen Sanktionen ist es unmöglich, die 25 Millionen Menschen ohne Lebensmittel-Importe zu ernähren.

Ist es denn nicht absurd, dass ein Land Raketen testet und Atombomben «bastelt», das ständig am Rande einer Hunger-Katastrophe steht? «Nein» sagte mir ein hoher Funktionär. «Die Amerikaner hätten es nicht gewagt, den Irak zu zerstören, wenn die Iraker, wie wir, Raketen und Atomwaffen gehabt hätten.»

Eine Regierung, die so sehr auf Kriegsgefahr setzt, kann gar nicht nachgeben, abrüsten und auf friedlichen Dialog setzen. Sie würde ihre ganze Glaubwürdigkeit beim eigenen Volk verlieren. Die Geschichte lehrt uns, dass ein schwankendes Regime meistens versucht, als letzter Ausweg seine Untertanen durch einen Krieg an sich zu fesseln.

Aber die Frage ist natürlich, wie gefährlich, wie stark denn Nordkoreas Militärmacht überhaupt ist. Von aussen ist es unmöglich, diese Frage zu beantworten. Nicht einmal die ausländischen Geheimdienste und Militär-Experten sind dazu in der Lage. Aber ich vermute, dass die Kampfkraft dieser Armee überschätzt wird.

Kim vs. Trump: Der Konflikt um Nordkorea eskaliert

Ein kurioses Detail am Rande: Auffallend war, wie die Armee-Lastwagen dampften und rauchten. Schliesslich fand ich den Grund heraus: wegen akutem Treibstoffmangel fahren die Armee-Laster mit Holzvergaser. Interkontinental-Raketen, Atombomben und Holzvergaser – passt das zusammen? Daher meine Vermutung, dass es sich um eine «Operetten-Atommacht» handeln könnte – aber eine, die keinen Schritt zurückweicht, deren Führung den Krieg nicht scheut, die sich durch Drohungen nicht einschüchtern lässt und deshalb mit im Westen üblichen Denkschemen nicht verstanden werden kann.

Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der auch der US-Präsident mit im Westen üblichen Denkschemen nicht verstanden werden kann. Die Zeichen stehen auf Sturm.

Nordkorea droht USA mit "erbarmungslosem" Angriff

abspielen

Video: reuters

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    Alle Leser-Kommentare
  • fabsli 10.08.2017 23:17
    Highlight Highlight Vor 10 Jahren flogen die Raketen umher wie die unkontrollierbaren Lufthüüler vom Schulsilvester und heute schon Atommacht? Irgendwie schwierig zu glauben.
  • Troxi 10.08.2017 23:16
    Highlight Highlight Na, wer gefährdet jetzt wohl den Weltfrieden?
    https://www.aargauerzeitung.ch/ausland/trump-wettert-clinton-gefaehrde-den-weltfrieden-das-ist-uebertrieben-aber-auch-nicht-ganz-falsch-130684864

    Oder hier noch mit Innenpolitischen Gründen vernetzt:
    http://www.zeit-fragen.ch/de/ausgaben/2017/nr-11-9-mai-2017/es-riecht-wieder-nach-krieg.html

    Schön wie Trump seine Wahlversprechen einhält, wirklich eindrücklich. Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, wie man so einer Person nachwievor zu jubeln kann.
  • Majoras Maske 10.08.2017 23:02
    Highlight Highlight Vielleicht wackelt dieses Regime auch einfach mehr als wir denken.
  • Gman 10.08.2017 22:17
    Highlight Highlight Klaus, bei deinem Bild wird die einte Statue durch einen Vogel verdeckt. 😳
    Da wird Kim keine Freude haben 😉
  • Fischra 10.08.2017 21:29
    Highlight Highlight Was wenn sich herausstellt dass dieses Atomprogramm gar keines ist sondern einfach Stärke gespielt wurde. Wir er dann vom eigenen Volk entmachtet. Ich habe gelesen dass viele insgeheim genug haben von diesem Diktator.
    • NWO Schwanzus Longus 10.08.2017 23:02
      Highlight Highlight Lesen kann man viel, das was du gelesen hast kann gar nicht überprüft werden eher glaube ich es ist eine Lüge. Gerade bei Nordkorea weiss man kaum wie die Leute ticken.
  • Sensenmaa 10.08.2017 21:10
    Highlight Highlight *grabs Popcorn* Wann gehts endlich los?
    Benutzer Bild
    • Musterschüler 10.08.2017 22:17
      Highlight Highlight Für einen solchen Kommentar habe ich Blitzer Geschenkt bekommen...

      Ich hatte aber nicht so ein schönes Bild.
    • Musterschüler 10.08.2017 23:30
      Highlight Highlight Ja ich meine das Sarkastisch.

      Ich habe aber auch einen Galgenhumor und hätte das gleiche geschrieben wenn es um uns selbst gegangen wäre...

      Nun es findes ja auch nicht alle "Simpsons", "American Dad" und "rick and morty" so Toll.


      Ihr müsst mich jetzt entschuldigen! Ich werde mich jetzt, in Embryo Stellung, in den Schlaf weinen... Buhuuhu So VIELE Biltzer...
  • Luca Brasi 10.08.2017 20:52
    Highlight Highlight "Die Befreiung der ganzen nordkoreanischen Halbinsel vom den US-Imperialisten ist das Sehnsuchtsziel."

    Ich glaube, dass der nordkoreanische Teil der Halbinsel nicht so viele "US-Imperialisten" aufweist. Wennschon ist wohl das Ziel die gesamte koreanische Halbinsel von "dem Klassenfeind aus Amerika" und der "Marionettenregierung" in Seoul zu befreien.
    Ich bin mir da nicht sicher, ob Nordkorea nur eine "Operetten-Atommacht" ist. Klar, das Militär ist veraltet, aber das war auch das Sowjetmilitär. Man weiss halt nie, wo sie Prioritäten setzen, besonders nicht beim isolierten Nordkorea.
  • The Origin Gra 10.08.2017 20:50
    Highlight Highlight Wie sagte ein US Senator als China zur Atommacht wurde?: "Ich möchte es lieber nicht herausfinden"?

    Die Schlagkräftigkeit der Nordkoreanischen Armee möchte ich nicht via Ernstfall oder Provokation testen.
    Viel Militärisches Gerät stammt aus Sowjetzeit und soll Hoffnungslos Veraltet sein.
    Kann aber auch sein das sie wesentlich besseres Material besitzen, ev. von China oder Pakistan gekauft.
    Auch die Nuklearwaffen und Ballistischen Raketen könnten weitaus besser sein als bis jetzt bekannt, Kim ist nicht so Blöd und legt die Karten offen.

    Hoffen wir, das es zu keinem Krieg kommt ☹
  • ludi 10.08.2017 20:42
    Highlight Highlight Für einmal geht es nicht lediglich um Sieg oder Niederlage in einem Eishockey-Spiel sondern um Leben und Tod und das stimmt mich sehr nachdenklich. Aber Klaus Zaugg's Nordkorea-Bericht ist sehr interessant & ja hoch aktuell...
  • Yippie 10.08.2017 20:38
    Highlight Highlight Oha lätz! Schwefelgeruch in Nordkorea.
    • Fly Boy Tschoko 10.08.2017 22:42
      Highlight Highlight Schillerfalterdiktator Kim gegen Lotterpräsident Trump.
    • mukeleven 11.08.2017 00:45
      Highlight Highlight 👆kein schelm wer denkt, kim ging schon damals mit chlaus uf en kafi gügs im emmitau... 😋
  • samy4me 10.08.2017 20:15
    Highlight Highlight Hahaha, "Operetten-Atommacht". Ein typischer Zaugg. Ich lese diese Ausland-Artikel immer sehr gerne, danke für eine weitere Lektüre. Bitte mehr davon, gerne auch etwas mehr zum lesen!👍🏻
    • PRE 10.08.2017 20:56
      Highlight Highlight Der Reisebericht kommt noch!
    • „Lotter“Leser 11.08.2017 00:37
      Highlight Highlight Der "Lotterdiktator" fehlt noch im Artikel ;)
  • Nelson Muntz 10.08.2017 19:40
    Highlight Highlight Zum Glück geht die Hockeysaison bals los, dann kann K.Z. da wieder wirken und seine unterhaltsamen Fabeln dichten.
  • Walter Sahli 10.08.2017 19:38
    Highlight Highlight Merci, Herr Zaugg, für diesen Artikel. Würde mich interessieren, was Sie dazu veranlasst hat, in dieses Land zu reisen und was Sie dort sonst noch so erlebt haben. Reisetagebuch wäre super.
    • Against all odds 10.08.2017 20:15
      Highlight Highlight Vielleicht war er ja im Auftrag von watson dort und berichtet nächstens über die dortige Eishockey-Liga oder das aufstrebende Nationalteam
    • Mclovin 10.08.2017 20:27
      Highlight Highlight Vieleicht hat er eine Rolex auf dem Transferwühltisch Nordkorea gefunden.Der könnte das Powerplay orchestieren.
    • raphidet 10.08.2017 21:56
      Highlight Highlight @McLovin: Hoffen wir, dass diese Rolex kein Schillerfalter ist, ansonsten bringt sie den Schwefelgeruch nicht mehr aus den Kleidern!

      Danke dem Chronisten für den spannenden Bericht.
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