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Nach Polizeiangaben starb Daphne Caruana Galizia, als eine unter ihrem fahrenden Auto angebrachte Bombe explodierte. Bild: AP/AP

«Überall sind Gauner», schrieb die maltesische Bloggerin kurz vor ihrer Ermordung

17.10.17, 15:18 17.10.17, 15:36

Der Autobombenanschlag auf die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia hat in Europa grosses Entsetzen ausgelöst. Politiker und Journalistenverbände verurteilten das Attentat am Dienstag scharf. Auch einen Tag nach der Tat waren die Hintergründe weiter unklar.

Die 53-jährige starb am Montag durch die Explosion eines an ihrem Wagen deponierten Sprengsatzes, kurz nachdem sie ihr Haus im Norden der Insel verlassen hatte. Die Leiche der Journalistin wurde Augenzeugenberichten zufolge auf ein nahegelegenes Feld geschleudert. Sie hinterlässt einen Ehemann und drei Söhne.

Daphne Caruana Galizia ist tot. Bild: AP/The Malta Independent

In ihrem letzten Artikel, der gut eine halbe Stunde vor ihrem Tod online ging, schrieb sie erneut gegen die Machenschaften innerhalb der Regierung an: «Wo du auch hinschaust, überall sind Gauner. Die Lage ist hoffnungslos».

In der Nacht auf Dienstag versammelten sich auf Malta mehrere tausend Menschen zu Mahnwachen. Sie entzündeten Kerzen und legten Blumen und Beileidsbekundungen nieder.

Unbequeme Journalistin

Caruana Galizia war die bekannteste Investigativ-Journalistin Maltas und prangerte in ihren Artikeln wiederholt Korruption auf der Mittelmeerinsel an. Sie zielte dabei insbesondere auf die Regierung und löste mit immer neuen Enthüllungen im Frühling eine Krise aus, die zu einer Neuwahl führte.

Über die Grenzen Maltas hinaus erregte die dreifache Mutter Aufsehen mit der Enthüllung, eine in den «Panama Papers» erwähnte Firma gehöre Regierungschef Joseph Muscats Frau. Muscat hatte dies als Lüge bezeichnet.

EU-Kommission «entsetzt»

Die EU-Kommission zeigte sich am Dienstag «entsetzt» über den «offensichtlich gezielten Angriff» auf die Journalistin. Sprecher Margaritis Schinas forderte Gerechtigkeit in dem Fall. «Wir setzen darauf, dass das geahndet wird.»

Im Februar 2016 hatte sie veröffentlicht, was die «Panama Papers» später bestätigten: Dass Regierungsmitglieder in Panama ihre eigenen geheimen Firmen aufgezogen hatten.

«Barbarische Tat»

«Jedem ist bewusst, dass Frau Caruana Galizia politisch und persönlich eine meiner schärfsten Kritiker war», sagte Muscat nach dem Attentat. Dies rechtfertige aber in keiner Weise die «barbarische Tat».

Der Sohn der 53-Jährigen, Matthew Caruana Galizia, machte der Regierung am Dienstag in Valletta denn auch schwere Vorwürfe. Er ist überzeugt, dass seine Mutter umgebracht wurde, weil sie zwischen dem Gesetz und denjenigen stand, die es immer wieder brachen.

In «Maltas Dreck gewühlt»

«Eine Bombe für Daphne, die Reporterin, die in Maltas Dreck wühlte», schrieb die italienische Tageszeitung «La Repubblica». «Politico» hatte Caruana Galizia einmal als «Ein-Mann-Wikileaks» bezeichnet. Ihr sei nichts Skandalöses zu klein oder zu gross gewesen, um darüber auf ihrem Blog Running Commentary zu schreiben.

Zu Geldwäscherei und Steuerhinterziehung sagte sie auch in einem Untersuchungsausschuss des Europaparlaments aus. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani twitterte, der Fall sei ein tragisches Beispiel für eine Journalistin, die ihr Leben geopfert habe, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. (whr/sda/dpa/afp/reu)

(sda/afp/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 17.10.2017 23:00
    Highlight R.I.P.

    Ich habe grossen Respekt für diese mutige Frau.


    Trotzdem, für potentielle Nachahmerinnen:

    Einen Feind, der stärker ist als man selber, sollte man nie von vorne angreifen.
    0 0 Melden

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Eins vorneweg: Es gibt für bürgerliche Politiker angenehmere Themen für einen Auftritt in der «Arena», als wenn es um die Machenschaften des Zuger Rohstoffriesen Glencore geht. Dieser war von Moderator Jonas Projer eingeladen worden, einen Vertreter in die Sendung zu schicken – Glencore lehnte ab. Einen Konzern zu verteidigen, der mit vergifteten Böden, Schmiergeldzahlungen und Ausbeutung in Verbindung gebracht wird und selber die Öffentlichkeit scheut, ist kein Spass.

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