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Der Papst entsteigt hier keiner Kirche – sondern dem Burger King. Bild: str/AP/KEYSTONE

Franziskus' wilde Südamerika-Reise: An diesem überhaupt nicht papstmässigen Ort hat sich der Papst umgezogen

Der Besuch von Papst Franziskus in Bolivien verläuft ereignisreich: Erst schenkte ihm Präsident Morales Kokablätter, dann ein Kruzifix aus Hammer und Sichel. Und vor der Messe musste sich der Pontifex in einem Fast-Food-Restaurant umziehen. 

10.07.15, 04:36 10.07.15, 04:57

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Papst Franziskus guckte ziemlich entgeistert, als Boliviens Präsident Evo Morales ihm das Geschenk überreichte. Kruzifixe werden dem Oberhaupt der Katholiken zwar ständig überreicht – aber wohl noch nie ein Kreuz in der Form von Hammer und Sichel. Wollte der selbsternannte Marxist Morales den Pontifex provozieren?

«Das ist nicht gut», soll Franziskus zu Morales bei der Übergabe gesagt haben, die Worte waren aber nicht klar zu verstehen. In bolivianischen Medien wurde von einem unpassendem Geschenk gesprochen.

«Das war keine vom Papst erwartete Sache», betonte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Was Morales mit dem Geschenk bezwecken wolle, könne er nicht sagen. Aber der Hintergrund sei ein ganz anderer.

Kokablätter gegen die Höhenkrankheit

Das Kreuz ist nämlich eine Replik eines Kreuzes, das der 1980 in Bolivien ermordete Jesuit Luis Espinal geschaffen hat. Der Papst hatte am Mittwoch in La Paz an einem Mahnmal an seinen mit 17 Schüssen brutal getöteten Ordensbruder erinnert. Der wollte mit dem eigenwilligen Werk auf die Notwendigkeit eines christlich-marxistischen Dialogs mit Arbeitern und Bauern hinweisen.

Haben ein Gaudi: Morales und der Papst. Bild: EPA/EFE/ABI

Schon direkt nach seiner Landung in Bolivien hatte Morales dem Pontifex ein aussergewöhnliches Präsent überreicht: Kokablätter, die gegen die Höhenkrankheit in der rund 4000 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Metropole La Paz helfen sollten.

Nach wenigen Stunden machte sich der Papst aber auf ins Tiefland, nach Santa Cruz. Dort hielt er eine Messe vor Hunderttausenden Katholiken. Vorher stand Franziskus aber vor einem Problem: Er brauchte einen Ort, an dem er in sein liturgisches Gewand schlüpfen konnte.

Papst entschuldigt sich bei indogenen Völkern. Bild: Rodrigo Abd/AP/KEYSTONE

«Ich sage Ihnen mit Bedauern: Im Namen Gottes sind viele und schwere Sünden gegen die Ureinwohner Amerikas begangen worden.»

Papst

Kurzerhand eilte der Papst in die Filiale einer Fast-Food-Kette. «Wir wurden um Hilfe gebeten, weil das ein geeigneter Ort war und wir wegen der Messe eh geschlossen hatten», sagte Alfredo Troche, der Leiter des Burger-King-Restaurants.

Nach wenigen Minuten trat Franziskus in seinem blütenweissen Gewand aus dem Lokal und hielt seine Messe, in der er Konsumwahn und Matrialismus geisselte.

Papst bittet indogene Völker um Vergebung

Später sprach der Papst in Santa Cruz beim zweiten Welttreffen der Volksbewegungen. In seiner Rede bat er für alle während der Kolonialzeit im Namen der Kirche begangenen Verbrechen um Vergebung. «Ich sage Ihnen mit Bedauern: Im Namen Gottes sind viele und schwere Sünden gegen die Ureinwohner Amerikas begangen worden», erklärte der Papst.

Franziskus betonte, dass er an der Seite der Volksbewegungen und armen Länder stehe im Kampf gegen neue Formen von Kolonialismus. «Der neue wie der alte Kolonialismus, der die armen Länder zu blossen Rohstofflieferanten und Zulieferern kostengünstiger Arbeit herabwürdigt, erzeugt Gewalt, Elend, Zwangsmigrationen und all die Übel, die wir vor Augen haben.» (syd/AP/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 10.07.2015 09:59
    Highlight Wieviele Jahrhunderte wird es dauern, bis sich ein Papst bei den Homosexuellen entschuldigen wird?
    14 3 Melden

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