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FPÖ Burschenschaft

Heinz-Christian Strache bei der Burschenschaft Germania im Juni 2017. bild: spiegel online

Die FPÖ und die Nazi-Lieder

Nach Informationen des «Spiegel» war Österreichs Vizekanzler, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, zu Gast bei einer deutschnationalen Burschenschaft. Die Truppe war aufgefallen, weil bei ihr Liederbücher mit neonazistischen Texten gefunden wurden.

Hasnain Kazim, Wien



Ein Artikel von

Spiegel Online

Es ist ein unscharfes Bild, aber der Mann ist eindeutig zu erkennen: Heinz-Christian Strache, 48, Chef der rechtspopulistischen FPÖ und Vizekanzler von Österreich seit Dezember 2017. Das Foto wurde ein paar Monate vorher aufgenommen, im Juni 2017, im Sparkassensaal der Wiener Neustadt. Es ist ein Fest zum 100-jährigen Bestehen der Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt. Strache trägt seine Burschenkappe, er selbst ist seit dem Alter von 15 Jahren Mitglied der Burschenschaft Vandalia Wien. Für seine Verbundenheit zur Germania wird ihm ein Ehrenband verliehen.

Ausgerechnet Germania: Straches Besuch dort wird ihn in Erklärungsnot bringen. Die 1917 gegründete, deutschnationale Burschenschaft Germania führt den Leitspruch: «Deutsch und treu in Not und Tod». Unlängst hat die Wiener Wochenzeitung «Falter» aufgedeckt, dass sie Liederbücher mit neonazistischen und antisemitischen Texten vorhält.

«Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: 'Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'», heisst es darin unter anderem. Und: «Da schritt in ihre Mitte ein schlitzäugiger Chines': 'Auch wir sind Indogermanen und wollen zur Waffen-SS.'» An anderer Stelle wird Österreich als Teil Deutschlands beschworen: «Was ist des Deutschen Vaterland? So nenne mir das grosse Land! Gewiss es ist das Österreich, an Ehren und an Siegen reich.»

Hinweise, dass Strache das Liederbuch gekannt haben könnte, gibt es nicht. Auch kam die «Falter»-Enthüllung erst nach seinem Besuch bei Germania. «Strache wurde vor der offiziellen Veranstaltung geehrt und verschwand dann schnell wieder», sagt einer, der an der Feier teilgenommen hat, aber namentlich nicht genannt werden möchte. «Es hatte den Anschein, dass er keine mediale Aufmerksamkeit in Zusammenhang mit seinem Auftritt dort will.»

«Burschenschaften haben nichts mit der FPÖ zu tun», hatte Strache unlängst behauptet. Und warum war er dann bei der Germania zu Gast? Aus seinem Umfeld ist zu hören, der Vizekanzler besuche viele Organisationen – «und ja, auch Burschenschaften». Ob er bei der Germania zu Wiener Neustadt gewesen sei, dazu wolle man sich jetzt nicht äussern, sagt sein Sprecher.

Schon früher aufgefallen

Ein FPÖ-Landespolitiker ist bereits durch seine Verbindungen zur Germania in Schwierigkeiten: Udo Landbauer, 31 Jahre alt, Sohn eines Österreichers und einer Iranerin, Spitzenkandidat der FPÖ zur Landtagswahl in Niederösterreich am kommenden Sonntag - und stellvertretender Vorsitzender der Burschenschaft.

FPÖ Burschenschaft

Udo Landbauer bild: spiegel online

Landbauer war schon früher durch Verfehlungen aufgefallen. So warf er der in dem grössten Bundesland Österreichs regierenden ÖVP Ende 2017 eine «Islamisierung unserer Kleinsten in den Kindergärten» vor, verbreitete eine Fotomontage von Regierungschefin Johanna Mikl-Leitner in ein schwarzes Kopftuch gehüllt und vor einem Minarett, darunter die Worte: «Moslem-Mama Mikl abwählen», und hielt ihr «Zwangsislamisierung mit aller Gewalt» vor. Ein «Multi-Kulti-Wahnsinn» sei das, mit dem man da «zwangsbeglückt» werde, schimpfte er.

«Antisemitisch und absolut widerwärtig»

Das Liederbuch bringt den jungen Politiker nun erst recht in Bedrängnis. Bundespräsident Alexander Van der Bellen sagt: «Wer immer dafür verantwortlich ist, hat in der Politik nichts zu suchen.» Österreichs neuer Bundeskanzler Sebastian Kurz greift Landbauer zwar nicht direkt an, nennt die Liedtexte aber «rassistisch, antisemitisch und absolut widerwärtig». Der Journalist Hans-Henning Scharsach, Experte für Rechtsextremismus in Österreich, sagt, es sei ein generelles Problem vieler Burschenschaften, dass sie sich «von der Tradition des Nationalsozialismus nicht gelöst» hätten und Naziverbrechen verharmlosen oder bestreiten würden.

ABD0163_20171218 - WIEN - OESTERREICH: BP Alexander Van der Bellen (r.) und BK Sebastian Kurz (OEVP) am Montag, 18. Dezember 2017, im Rahmen der Angelobung der OEVP-FPOE-Bundesregierung in der Praesidentschaftskanzlei in Wien. (KEYSTONE/APA/Roland Schlager)

Van der Bellen (rechts) mit Sebastian Kurz. Bild: APA

Landbauer erklärt nun, er habe seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft «ruhend gestellt». Verlassen wolle er sie jedoch erst, wenn dort die Bereitschaft fehle, die Sache aufzuklären und «zu säubern». Mit antisemitischem und nationalsozialistischem Gedankengut habe er nichts zu tun, die Liederbücher habe er so nie gesehen.

Die Burschenschaft mit ihren 70 Mitgliedern erklärt, man habe die entsprechenden Stellen in den Liederbüchern geschwärzt beziehungsweise die Seiten herausgerissen. Man lehne «jede Diskriminierung von Religionen zutiefst ab sowie jegliche Art von Antisemitismus», heisst es in einer Stellungnahme. Dennoch beschlagnahmte die Polizei am Mittwochabend während einer Hausdurchsuchung bei der Burschenschaft 19 «Liederbücher» und zwei Ordner mit Unterlagen.

Warum wurde überhaupt solch ein Buch im Jahr 1997 gedruckt und weiter genutzt? Man werde klären, wie «derart menschenverachtende Liedertexte» abgedruckt und nicht «restlos entfernt» wurden, versprach die Burschenschaft. Und dass das Liederbuch noch nicht ersetzt worden sei, liege am Geldmangel – ein Neues solle ebenfalls in Leder gebunden sein.

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gar Manarnar 26.01.2018 08:37
    Highlight Highlight Welche Überraschung...

    Da werden jedoch mehrheitlich leider wieder nur "Aber die Linken auch!" Kommentare kommen. Traurig.

    Keine Toleranz für Neo-Nazis.
    • Scott 26.01.2018 14:57
      Highlight Highlight "Keine Toleranz für Neo-Nazis."

      Was hat das jetzt genau mit diesem Artikel zu tun?
    • Gar Manarnar 26.01.2018 16:59
      Highlight Highlight "Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million"

      "Waffen-SS"?

      Waffen-SS und Holocaust-Verherrlichung ist nicht Neo-Nazi-Gedankengut?

      Ah nein, stimmt, tut mir Leid, wir sind ja in einer Zeit, wo man Nazis nicht mehr Nazis nennen darf und das akzeptiert ist...
  • Randy Orton 26.01.2018 03:48
    Highlight Highlight Und Titanic wird angezeigt, weil sie Kurz als Babyhitler bezeichnen. Darum wurde in Österreich ein grosses Tamtam gemacht. Dass 18 Politiker der rechtsextremen FPÖ in solchen Burschenshaften sind, dass wird von Strache und co. verschwiegen. Dass Landbauer und Strache als wichtige FPÖ-Vertreter sich nicht von den antisemitischen Inhalten distanzieren, sondern die Medien angreiffen, die den Skandal veröffentlicht haben sagt alles aus. Österreich hat seine Vergangenheit nie wie Deutschland aufgearbeitet, das haben sie nun davon und Kurz hat die Rechsextremen an die Macht geholt.
  • DeVizzle 25.01.2018 22:42
    Highlight Highlight Fun fact: Wiener Neustadt ist ein eigener Ort weit ausserhalb Wiens; d.h. richtig hiesse es "in Wiener Neustadt" 😉
  • flausch 25.01.2018 21:19
    Highlight Highlight Ach ja der Wehrsportgruppen Strache. Wer hätte das gedacht? Bei seinem Lebenslauf scheint es schier unmöglich das der mit rechtsnationalen "Burschis" abhängt.
    Oder ist er etwa doch noch ganz der Alte?
    Davon auszugehen das dieser "Exburschi" nicht weiss was die Germania so treibt wenn es doch längst schon im halben Land bekannt ist (Die Lieder sind nur das neuste) ist absolut Naiv.

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