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Historiker Jerzy Kochanowski zeigt sich im polnischen Fernsehen mit Wunde am Kopf. screenshot: tvnwarszawa.tvn24.pl

Professor in Polen spricht Deutsch im Tram – und wird attackiert

12.09.16, 01:08 12.09.16, 08:15

Ein polnischer Professor ist in einer Warschauer Strassenbahn attackiert und verletzt worden, weil er Deutsch sprach. Das hat am Wochenende eine Welle der Empörung ausgelöst.

Internet-User veröffentlichten Augenzeugenberichte über andere Angriffe gegen Ausländer in Warschau, die sich zuletzt gehäuft haben sollen. Eine Vereinigung von in Deutschland lebenden Polen wandte sich mit einem Protestbrief an den polnischen Justizminister. Aktivisten riefen dazu auf, als Zeichen des Protests in den Warschauer Strassenbahnen demonstrativ in anderen Sprachen zu sprechen.

Der renommierte Historiker Jerzy Kochanowski war in der Warschauer Strassenbahn von einem anderen Fahrgast geschlagen worden, weil er mit einem Kollegen aus Jena Deutsch gesprochen hatte. Nachdem eine Studentin darüber auf Facebook berichtet hatte, griffen auch die Medien den Fall auf.

In dem Brief, den der «Polnische Kongress in Deutschland» an Justizminister Zbigniew Ziobro adressierte, heisst es, der Angriff auf den Professor störe das polnisch-deutsche Verhältnis. So ein Ereignis füge aber auch allgemein dem Image Polens im Ausland schweren Schaden zu: «Das untergräbt die traditionelle polnische Gastfreundschaft», kritisierten die Autoren. (cma/sda/dpa)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kamil B. 12.09.2016 13:03
    Highlight Jep, habe als Pole in Warschau im Bus auch schon dumme Kommentare abbekommen, weil ich mit meinem Kumpel Deutsch redete.

    Tut weh zuzusehen, wie mein Geburtsland an seiner Fremdenfeindlichkeit zugrunde geht.
    2 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 12.09.2016 09:11
    Highlight Mein verstorbener Vater war nach dem Krieg mal beruflich in Holland. Im Hotel gab es aber trotz Reservierung kein Zimmer mehr. Ein anderer Gast zog meinen Vater beiseite und fragte ihn, ob er Schweizer sei. Er hatte das an einem leichten Akzent gehört. Der Concierge nicht. Der andere Gast sagte, er soll seinen CH-Pass vorlegen. Et voila! Kaum hatte der Concierge begriffen, dass kein Deutscher sondern ein Schweizer vor ihm stand, war das Zimmer wieder da.

    Schlimm, seine dummen Vorurteile so auszuleben. Egal, was eine Nation verbrochen hat. Jeder einzelne Mensch ist und bleibt ein Individuum.
    33 5 Melden
  • Fischra 12.09.2016 07:25
    Highlight In Polen haben bedingt durch die neue Regierung Menschen mit Nationalkonservativee Gesinnung die oberhand, was einige wohl dazu bringt sich komisch zu verhalten. Dass aber jemand geschlagen wird wegen seiner Sprache kann ich mir nicht vorstellen. Das muss ein Deutschlandhasser gewesen sein oder ein betrunkener. Bis jetzt habe ich sowas noch nie erlebt. Polen sind sehr freundlich und hilfsbereit.
    14 30 Melden
    • Maett 12.09.2016 11:24
      Highlight Ich hatte sowohl in Ungarn als auch in Grossbritannien schon mal Probleme, weil ich mit jemandem Deutsch sprach - hat sich erst erledigt, nachdem ich verständlich gemacht hatte, dass ich Schweizer war und (in UK) eine Kopie meines Passes vorzeigte.
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