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Screenshot des Videos, das Ray T.s Tat zeigt.

Dieser Polizist soll einen Schwarzen erschossen haben – jetzt kommt er vorerst gegen Kaution frei

Der US-Polizist Ray T. erschoss bei einer Verkehrskontrolle einen schwarzen Autofahrer. In seiner ersten Gerichtsanhörung hat er den Mordvorwurf bestritten. Bis zum nächsten Termin vor der Richterin bleibt der Mann auf freiem Fuss. 

31.07.15, 04:34 31.07.15, 10:49

Ein Artikel von

Am 19. Juli schoss der weisse Polizist Ray T. dem Afroamerikaner Sam DuBose in den Kopf. Der 25-jährige Beamte hatte ausgesagt, dass der Afroamerikaner bei der Verkehrskontrolle davongefahren sei und ihn mitgerissen habe. Nach Auswertung der Aufnahmen einer Minikamera, die T. am Körper trug, kam die Staatsanwaltschaft aber zu dem Schluss, dass zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden habe. Der Wagen sei lediglich losgerollt.

In Gedenken an DuBose. Bild: WILLIAM PHILPOTT/REUTERS

Die Staatsanwaltschaft von Hamilton County im Bundesstaat Ohio ist überzeugt, dass T. den Schwarzen vorsätzlich tötete. Sie klagte den Polizisten wegen Mordes an, ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.

Bei seinem ersten Gerichtstermin bekannte sich der Cop nicht schuldig. Sein Anwalt Stewart Mathews sagte, dass es in diesem Fall zwei Seiten gebe und das Video der Bodycam unterschiedlich interpretiert werden könnte. Sein Mandant stehe noch immer unter Schock.

Eine Million US-Dollar

Richterin Megan Shanahan setzte die Kaution für T. auf eine Million US-Dollar fest. Später hinterlegte er zehn Prozent der Summe. Deshalb kam der Angeklagte, der den Gerichtssaal in Gefängniskleidung und Handschellen betreten hatte, auf freien Fuss. Der nächste Gerichtstermin wurde für den 19. August angesetzt.

Anklage gegen Ray T.

YouTube/WCPO.com | 9 On Your Side

Zwei Kollegen des Beamten sind inzwischen suspendiert worden. Die beiden Polizeibeamten des Universitätscampus von Cincinnati erhielten weiter ihr Gehalt, sollten aber so lange nicht zum Dienst erscheinen, bis die Ergebnisse einer internen Ermittlung gegen sie vorlägen, sagte eine Sprecherin der Universität.

Die beiden Kollegen waren während des Vorfalls vor Ort. Einer von ihnen hatte T.s falsche Angaben bestätigt, dass dieser von DuBoses Wagen mitgeschleift worden sei.

Eine Bodycam schoss diese Bilder. Die Staatsanwaltschaft veröffentlichte sie.  Bild: EPA/HAMILTON COUNTY PROSECUTING ATTO

Drei weitere schwarze Männer auf dem Campus getötet

Staatsanwalt Joseph Deters hob hervor, dass T. es bei der Kontrolle nicht mit jemandem zu tun gehabt habe, der wegen Mordes gesucht werde. Das Opfer sei lediglich angehalten worden, weil bei dem Auto das Nummernschild fehlte. Deters forderte, dass die Universität von Cincinnati die Aufsicht über die Campus-Polizei an die städtischen Behörden abgibt.

Nach Informationen von Buzzfeed wurden seit 1997 auf dem Campus von Cincinnati drei weitere schwarze Männer von Polizisten getötet. Zwei von ihnen seien psychisch krank gewesen, der dritte sei mit einer Elektroschockpistole getötet worden. Die Hochschule zahlte dem Bericht zufolge in Zivilverfahren knapp drei Millionen Dollar an Schmerzensgeld, strafrechtliche Folgen hatten die Vorfälle jedoch nicht.

In den vergangenen Monaten hatte eine Reihe von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA zum Teil gewalttätige Proteste und Debatten über Rassismus bei der Polizei ausgelöst – zuletzt hatte das Schicksal von Sandra Bland für Aufsehen gesorgt. Die Afroamerikanerin war in Texas gestoppt worden, weil sie nicht geblinkt hatte. Sie geriet in Streit mit dem Polizisten und wurde festgenommen. Drei Tage später fanden Gefängnisbeamte sie tot in ihrer Zelle auf. (syd/AFP/AP/Reuters)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Azrag 31.07.2015 08:54
    Highlight Es macht wenig Sinn immer Ray T. zu schreiben, wenn im einen Bild zum Video der volle Name steht...
    0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 31.07.2015 08:39
    Highlight Gibts eigentlich auch Statistiken wieviele "Weisse" von "schwarzen" Cops, wieviele "Weisse" von "weissen" Cops oder wieviele "Schwarze" von "schwarzen" Cops getötet weden? Und wo sind die Hispanics, die Inder etc.?
    Nicht falsch verstehen, ich will hier nichts verharmlosen, jeder Tote durch unnötige Polizeigewalt (ja, es kann notwendige Polizeigewalt geben) ist zu viel, unabhängig von Hautfarbe oder Herkunft!
    Fast täglich sterben in den USA Leute durch Polizeigewalt, man hört aber immer nur "weisser" Cop tötet "Schwarzen". So undifferenziert berichtet haftet dem ganzen halt in meinen Augen immer ein wenig das Stigma der einseitigen Berichterstattung (Stimmungsmache) an.
    5 1 Melden
    • WStern 31.07.2015 08:47
      Highlight Tatsächlich ist ein weiteres Problem, dass die Polizeibehörden der Bundesstaaten nicht verpflichtet sind, Statistiken zu erheben, bzw diese an eine übergeordnete, nationale Behörde zu übermitteln. Die Statistiken des Federal Bureau of Investigation (FBI) zeichnen daher ein unvollständiges Bild – dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass Schwarze im Vergleich zu anderen ethnischen Minderheiten überproportional von Polizeigewalt betroffen sind.
      2 0 Melden
    • WStern 31.07.2015 08:47
      Highlight Die genausten Zahlen zur Polizeigewalt, bzw Polizeitötungen werden wohl mittels privaten Initiativen (facebook-seite police-killing, oder über die Presse (Guardian, Washington Post) erhoben.
      1 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 31.07.2015 10:49
      Highlight Wenn man diese Diskussion wirklich objektiv und ohne negativen oder positiven Rassismus würde führen wollen, müsste man aber auch erwähnen, dass in den Kriminalitätsstatistiken der USA Schwarze auch überproportional vertreten sind und (aus welchen Gründen auch immer) auch häufiger Verbrechen begehen als andere Ethnien. Auch ist es so, dass z.B. die black-on-White-violence ungleich höher ist als umgekehrt.
      Dies entschuldigt keine übermässie Polizeigewalt von lausig ausgebildeten Beamten, aber es ist ein Punkt, der in der laufenden Diskussionen in sämtlichen Medien völlig ausgeblendet wird.
      1 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 31.07.2015 08:25
    Highlight Es macht den Anschein, als wäre es viel schlimmer einen Schwarzen zu erschiessen, als den Angehörigen einer anderen Ethnie (am wenigsten schlimm: einen Weissen zu erschiessen). Anders kann man sich diese aufgeregte und ununterbrochene Berichterstattung über diese Fälle nicht erklären. Sind Schwarze irgendwann in letzter Zeit in den Heiligenstatus übergewechselt und die Information darüber wurde uns vorenthalten?
    1 8 Melden
  • Mia_san_mia 31.07.2015 05:48
    Highlight Also langsam nerven diese Artikel! Jedes mal wenn in den USA ein Schwarzer erschossen wird, wird ein Riesendrama gemacht. Aber ich frage mich wie vielen Weissen, Latinos oder Asiaten passiert dort das Gleiche? Bei so vielen unfähigen Polizisten in diesem Land wirds auch unzählige Fälle geben, aber niemand schreibt einen Artikel darüber. Und bei den Fällen die jetzt immer rauskommen, weiss man manchmal auch nicht ob das Opfer wirklich immer unschuldig am eigenen Tod war...
    8 8 Melden
    • WStern 31.07.2015 08:38
      Highlight Nein, keine Ethnie geniesst Vorrang vor einer anderen. Tatsache ist, dass Afroamerikaner überproportional oft von (tödlicher) Polizeigewalt betroffen sind – Gewalt, die oftmals in keinem Verhältnis zur begangenen Tat (z.b. Ladendiebstahl, Verstoss im Strassenverkehr) steht. Die Berichterstattung über diese Vorkommnisse soll nicht zuletzt die Aufmerksamkeit über diesen gravierenden Misstand – nämlich die Polizeigewalt in den USA – wecken.
      5 0 Melden

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