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bild: shutterstock

Bitte keine Scherze über Bomben! – Was dich bei der Einreise in die USA erwartet

Zahlreiche Leute scheitern bei der Einreise in die USA an den Grenzbeamten. Ein genehmigter Esta-Antrag erlaubt noch lange nicht den Zutritt – und manchmal wirken die Begründungen seltsam.

12.08.15, 13:37

Antje Blinda



Ein Artikel von

Aimee Valentina Schneider wollte Verwandte in Cleveland besuchen. Vier Monate in den USA, das war der Plan. Doch schon am Flughafen von Philadelphia war die Reise der 20-Jährigen aus Marburg zu Ende – die US-Grenzbeamten vermuteten eine illegale Arbeitsaufnahme und verweigerten Schneider nach stundenlangem Verhör die Einreise. «In die USA will ich erst einmal nicht», sagte sie. So etwas wolle sie nie wieder erleben.

epa04863913 A handout image from New York Governor Andrew Cuomo's office of a rendering of plans for New York City's LaGuardia airport in Queens, New York, USA, 28 July 2015. The plan addresses the aging airport, a major infrastructure issue in the country's largest city.  EPA/NEW YORK GOVERNOR'S OFFICE / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Der LaGuardia Airport in New York. Bild: EPA/NEW YORK GOVERNOR'S OFFICE

Jährlich beantragen zahlreiche Bürger eine zwei Jahre gültige Esta-Genehmigung, fast alle werden bewilligt. Beim «Electronic System for Travel Authorization» (Esta) muss sich seit 2009 in der Regel jeder anmelden, der über das sogenannte Visa-Waiver-Programm als Urlauber oder Geschäftsreisender für maximal 90 Tage in die USA reisen will.

Wenn die Grenzbeamten erst einmal einen Verdacht hätten, «sind sie schwer umzustimmen», sagt Rechtsanwalt Thomas Schwab von der Kanzlei Winheller in Frankfurt. Er unterstützt seit Jahren Mandanten bei der Beantragung für USA-Visa.

Bei den abgewiesenen Reisenden vermuteten die Beamten oft Terrorgefahr oder die Absicht, ohne entsprechendes Visum zu arbeiten oder einzuwandern. Dennoch wirken manche der Begründungen skurril – und vielleicht noch seltsamer als bei der Abiturientin Schneider, die in der Befragung Andeutungen über Kinderbetreuung machte.

Die Macht liegt beim Grenzbeamten

«Einem Mandanten mit deutschem Reisepass wurde am Flughafen Houston die Einreise verweigert», erzählt Schwab aus seiner Praxis. «Die Begründung: Der Name des Deutsch-Iraners sei ja nicht deutsch, daher sei er kein Deutscher und dürfe nicht visumsfrei einreisen.» Dem Reisepass als Gegenbeweis brachten die Beamten anscheinend kein Vertrauen entgegen. Einer freien Journalistin sei laut Schwab am Flughafen Detroit bei der Grenzkontrolle das Handy abgenommen worden. Aufgrund der dort gespeicherten Fotos hätten die Grenzer die Mandantin verdächtigt, illegal in den USA bleiben zu wollen. Einreise abgelehnt.

Selbst mit einem Visum, das etwa Studenten oder Au-pairs vorher beantragen müssen, ist der USA-Besuch nicht garantiert: Das Dokument bestätigt lediglich, dass ein US-Konsul die Erlaubnis gegeben hat, zu einem Einreisepunkt – ob Flughafen oder Seehafen – zu fliegen oder fahren und dort einen Aufenthalt zu beantragen. «Nur US-Einwanderungsbeamte vom Ministerium für innere Sicherheit (Department of Homeland Security) sind befugt, Ihnen die Erlaubnis für die Einreise in die Vereinigten Staaten zu erteilen», schreibt das US-Konsulat in Frankfurt auf seiner Webseite.

Und wenn die Erlaubnis nicht erteilt wird? Wer nach oft mehrstündigem Verhör, der «Secondary Inspection», wieder in den Flieger gen Heimat gesetzt wird, erhalte laut der US-Botschaft eine schriftliche Begründung. Die Homeland Security hat eine Webseite eingerichtet, über die man Beschwerden einreichen kann, wenn man sich etwa bei der Einreise schlecht behandelt fühlte. Doch die Befürchtung der abgewiesenen Reisenden sei gross, damit endgültig auf einer «schwarzen Liste» zu landen, sagt Anwalt Schwab. Wer einmal an der Grenze zurückgewiesen wurde, müsse künftig grundsätzlich immer ein Visum beantragen, eine Esta-Genehmigung reiche dann nicht mehr.

In die «Secondary Inspection» gelangt nur, wer bei der ersten Befragung Zweifel erweckt oder per Zufall ausgewählt wurde. Bei der «Primary Inspection» überprüft der Grenzbeamte die Reisedokumente, nimmt Fingerabdrücke, fotografiert und fragt nach dem Einreisegrund. Schon da sollten Urlauber aufpassen, was sie sagen: «Man sollte natürlich wahrheitsgemäss antworten, aber man sollte nicht den Eindruck erwecken, arbeiten zu wollen –  auch nicht für Verwandte», sagt Schwab.

Scherze verbieten sich von selbst – schon gar über «Bomben» in jeglicher Form. Ausserdem sind Provokationen zu unterlassen, und im Ankunftsbereich darf nirgends das Handy benutzt werden. Auch sollten Reisende auf stichprobenartige Kontrollen ihrer elektronischer Geräte vorbereitet sein: Handy, Laptops und Kameras dürfen nach Auffassung der Homeland Security ohne Verdachtsmoment und Kenntnis der Eigentümer überprüft werden.

Passengers make their way through a security checkpoint at JFK International Airport in New York in this file photo taken October 11, 2014. Travelers entering the United States whose trips originated in Ebola-stricken Liberia, Sierra Leone or Guinea must fly into one of five airports that have enhanced screening in place, the U.S. Department of Homeland Security said on Tuesday.  REUTERS/Eduardo Munoz/Files   (UNITED STATES - Tags: TRANSPORT HEALTH TRAVEL)

Hier ist für manche Urlauber Endstation. Bild: EDUARDO MUNOZ/REUTERS

Ab sofort nur noch mit E-Pass

Die Kontrollen an ihren Grenzen haben die USA nach den Terroranschlägen von 2001 kontinuierlich verschärft. Die neueste Vorschrift: Die Einreise ist nur noch mit einem elektronischen oder mit biometrischen Daten versehenen Pass möglich. Zudem werden die Reisenden mithilfe der Interpol-Datenbank in Bezug auf verlorene und gestohlene Pässe überprüft.

Die Einführung des Esta-Verfahrens statt der grünen I-94-Formulare brachte Reisenden zumindest den Vorteil, die Bürokratie schon vor der Ankunft am US-Flughafen abgearbeitet zu haben. Es sind jedoch nicht nur die Daten wie Reisepassnummer und Gesundheitszustand, die die Homeland Security über Esta von den Einreisenden erhält. Auch die Fluggesellschaften müssen seit 2012 mit den Passagierlisten Datensätze über ihre Kunden vor dem Abflug zur Verfügung stellen, sogenannte Passenger Name Records (PNR). Diese fliessen in das Risikobewertungssystem ATS für Einreisende ein.

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • just sayin' 12.08.2015 22:10
    Highlight das übliche usa bashing.
    scheint sommerloch zu sein.

    es ist nie besonders schlau witze über bomben zu machen oder grenzbeamte zu provozieren.
    und ja: an einer grenze abgewiesen zu werden weil verdacht besteht, dass man gegen gesetzte verstösst - das passiert. ausser im heilen europa weniger.

    wacht auf!
    2 17 Melden
  • rothi 12.08.2015 16:37
    Highlight Man könnte damit Beginnen, US Amerikanern die Einreise in andere Länder genau so unangenehm zu gestalten. :) Wie dies mW zB Russland und Bolivien schon machen.
    49 8 Melden
    • Ruffy 12.08.2015 18:24
      Highlight Und das nutzt uns genau was?
      11 21 Melden
    • SVRN5774 12.08.2015 18:25
      Highlight Dinde ich eine geniale Idee!
      18 8 Melden
    • teXI 13.08.2015 03:39
      Highlight @Ruffy: was nützen die uns? schaden kann es nicht...
      6 2 Melden
  • SVRN5774 12.08.2015 14:44
    Highlight *lol* ich konnte US und A nie leiden. Kein Grund dieses Land zu besuchen.
    32 43 Melden
  • Asmodeus 12.08.2015 14:21
    Highlight Warum also überhaupt noch in dieses faschistische Land einreisen wenn man nicht muss?

    Kann man ja gleich nach Nordkorea reisen :p
    54 42 Melden
    • Knut Atteslander 12.08.2015 14:40
      Highlight Realitätsverlust?
      45 37 Melden
    • Nosgar 12.08.2015 14:50
      Highlight Was immer ganz leicht vergessen geht: Es gib zig andere Länder, in denen man ebenfalls ohne Angabe von Gründen an der Grenze abgewiesen werden kann. Diese stehen aber weniger im medialen Interesse. Mit Faschismus hat das nicht im geringsten zu tun.
      46 20 Melden
    • Nosgar 12.08.2015 16:12
      Highlight @radiochopf Ob sie das vor der Reise wissen wollen oder erst bei der Einreise ist ja wohl ziemlich egal.
      9 19 Melden
    • SirJoe 12.08.2015 16:50
      Highlight @Radiochopf: Da komm mir spontan Russland in den Sinn, da brauchst neben einer Rückführungsversichering im Krankheitsfall auch noch eine schriftliche Bestätigung der Krankenkasse, dass du versichert bist. Ein langes Formular will ebenfalls ausgefüllt werden und das Ganze bringst du dann inkl. Pass nach Bern zur Botschaft. Dort kannst du alles nach ca. 1 Woche wieder holen, hoffentlich mit Visum. Geht zwar auch per Kurier, aber der kostet natürlich.
      11 3 Melden
    • Ruffy 12.08.2015 18:36
      Highlight Dann wünsche ich dir viel Spass in Nordkorea, ich bevorzuge dann aber doch Hawaii ;)

      Zum Einreiseprozedere, halb so wild wie immer getan wird, dass man keine dummen Sprüche machen sollte, dürfte jedem klar sein.

      Fälle wie die der Deutschen Frau welche abgewiesen wurde, dürften wohl nicht mal im Promillebereich liegen. Und gerade bei diesem Fall gab es durchaus anzeichnen, klar sagt sie, sie hätten nur darüber gesprochen was sie machen könnte und nicht über Bezahlung, c'mon, natürlich hätte Sie Geld fürs hüten der Nachbarskinder genommen, und jeder weiss, die Amis verstehen da keinen Spass.
      10 5 Melden
  • Scaros_2 12.08.2015 14:07
    Highlight Und trotzdem können sie vieles nicht verhindern. Gestört das Verhalten.
    36 15 Melden

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