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Donald Trump und Angela Merkel: Für den US-Präsidenten war der Besuch in Deutschland ein Erfolg.  Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

Trumps Machoshow – der US-Präsident bekam in Hamburg, was er wollte

Isolation? Handelskrieg? Klima-Schlappe? Von wegen: Für Donald Trump war der G20-Gipfel ein Erfolg. Denn er hat seiner Basis genau das gegeben, was sie will - eine nationalistische Machoshow.

09.07.17, 18:25

Marc Pitzke

Ein Artikel von

Donald Trump hat eine Art Urlaubsvideo über den G20-Gipfel basteln lassen. Von Dudelmusik untermalt, zeigt es eine Reihe Fotos des US-Präsidenten in Hamburg, in diversen Machoposen: maskulin, dominierend, forsch, selten lächelnd. Auf allen steht er im Mittelpunkt, höfisch umringt von anderen Staatschefs.

Das Video, das Trump mit seinen 33.5 Millionen Twitter-Fans teilte, sagt mehr aus als jede Pressekonferenz und jedes Hintergrundgespräch: Für Trump war der Gipfel eine Abfolge theatralischer, meist inhaltsfreier Szenen und Gesten, gezielt allein auf seine nationalkonservative Basis in den USA.

Mit anderen Worten: ein voller Erfolg. «Er war ein Star in Hamburg», sagte Trumps Stabschef Reince Priebus an diesem Sonntag in Fox News. «Und niemand kann ihm das nehmen.» «Deutschland kapituliert vor Trump», schlagzeilte die US-Webseite «Breitbart», das Hausorgan des rechten Lagers.

Trumps Reise, schreibt selbst David Axelrod, der erfolgreichste Wahlstratege der Demokraten, sei «ein Triumph für seine Basis» gewesen. Da ist es denn auch völlig egal, dass sich in Hamburg die wachsende Isolation der USA offenbarte, symbolisiert durch Trump, den linkisch-trotzigen Aussenseiter - ob im Gruppenbild oder beim bilateralen Treffen. Er war der Raufbold auf dem Schulhof, mit dem keiner spielen will: Der Klimakompromiss fand ohne ihn statt, der Stahlkrieg wurde vertagt, neue Handelsabkommen blendeten Amerika aus.

Trump spricht Schlüsselreize an

«Die Zeiten, da sich andere Länder auf die Führungskraft der USA verliessen, gehen zu Ende», klagte das aussenpolitische Magazin «Foreign Policy» am Wochenende. «Donald Trump hat Amerika in die hinterste Reihe versetzt.»

Aber wie gesagt, Trumps Fans ist das egal. Mehr noch: Sie bejubeln seine nationalistische, isolationistische, protektionistische, anti-globalistische Show, die an der Elbe verstört, doch am Eriesee entzückt. Und Trump weiss gut, welche Schlüsselreize er dazu ansprechen muss.

Das begann schon in Warschau, Trumps erstem Stopp, der für diese Zwecke - wie es das Weisse Haus auch deutlich machte - fast wichtiger war als der eigentliche G20-Gipfel. Auf Einladung der rechtsautoritären Regierung Polens, die eigens dazu Claqueure mit Bussen ankarrte, rief Trump dort einen neuen, globalen Kampf der Kulturen aus: «Die fundamentale Frage unserer Zeit ist es, ob der Westen den Willen hat, zu überleben.»

Verfasst von Stephen Miller, einem Zögling des Trump-Ideologen Stephen Bannon, wimmelte die apokalyptische Ansprache vor Ausdrücken wie «Westen», «Werte» und «Zivilisation» - Codeworte für «weiss», «christlich» und «Rasse», wie Peter Beinart im «Atlantic» diagnostizierte. Was das «Wall Street Journal» als «Trumps entscheidendste Rede» lobte, war zugleich ein Wink an seine reaktionäre Basis, analog zum Slogan «Make America Great Again».

Diese Doppelbödigkeit ging an vielen vorbei, ebenso wie später die Scharade seines Treffens mit Wladimir Putin. Die Kongressabgeordnete Maxine Waters durchschaute das Spiel aber: «Wir werden an der Nase herumgeführt», sagte sie im Sender MSNBC. «Von unserem Präsidenten - und sicher von Putin.»

Trumps Mauern hat Methode

Es war kein Zufall, dass die Begegnung nur im kleinsten Kreise stattfand, ohne die üblichen Stenografen: Neben den Dolmetschern bestand die Runde aus vier erklärten Russland-Verfechtern - Trump, Putin und die Aussenminister Sergei Lawrow und Rex Tillerson, der als Chef des Ölmultis ExxonMobil den russischen Orden der Freundschaft bekommen hatte. Klarer geht es kaum.

Was da genau besprochen wurde, wird man nie wissen. Die Minister verbreiteten anschliessend Widersprüche. Tillerson betonte, Trump habe Putin wegen Moskaus Einmischung in die US-Wahlen zur Rede gestellt. Lawrow dagegen behauptete, Trump habe Putins Dementi «akzeptiert» - was Trumps Team später ausdrücklich auch nicht bestritt. «Da müssen Sie ihn fragen», schürte Putin diese Diskrepanz amüsiert, derweil sich Trump der Presse verweigerte.

Das Mauern hat Methode. So kann Trump zwar nach aussen den harten Mann markieren, Putin zugleich aber, warum auch immer, ungeschoren davonkommen lassen - sowie seine Basis beruhigen, die die Russlandaffäre sowieso als «Fake News» ablehnt. Auch der Beschluss einer amerikanisch-russischen Arbeitsgemeinschaft gegen künftige Cybereingriffe ist Augenwischerei, was in den USA jedoch bisher nur die Demokraten kritisieren, und das muss Trump wenig stören und Putin erst recht nicht.

Kein Wunder, dass Russland das Treffen als Sieg feiert. Während sich Trump für seine Wähler aufplusterte, bekam auch Putin «genau das, was er wollte», so Putin-Kritikerin Masha Gessen in der «New York Times»: «Respekt, Kameradschaft und Freiheit von Kritik.» Kein kritisches Wort über Menschenrechte, Dissidenten, die Ukraine. Statt dessen: Gemeinsames Gelächter über die lästigen Medien, die Trump gerne so kaltstellen würde, wie Putin das tut.

«Hätte nicht besser laufen können», sagte US-Finanzminister Steve Mnuchin auf dem Rückflug. Doch als Trump am Samstagabend wieder im Weissen Haus ankam, wartete schon der Alltag auf ihn. Top-Schlagzeile der «Washington Post»: «Republikaner bezweifeln legislativen Erfolg noch vor der Sommerpause.»

Hamburg im G20-Ausnahmezustand

30s

G20 Proteste – Strassenschlachten mit der Polizei

Video: srf

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • WilliMu 09.07.2017 23:33
    Highlight Der Putin hat Trump als vollwertigen Partner bezeichnet. D.h., er hat ihn über den Tisch gezogen. Ich glaube Putin nicht, dass er über die Mutmassungen in der amerikanischen Fachpresse, Trump sei dement, bzw. senil, nicht im Bild war. Ausser, dasselbe trifft auch für Putin zu. Unter diesen Autokraten ist wohl alles möglich.
    1 2 Melden
  • wasylon 09.07.2017 22:15
    Highlight
    8 4 Melden
    • Chrigi-B 09.07.2017 22:37
      Highlight Toll der Barry! Friedensnobelpreis, aber 1000ende Zivilisten auf dem Gewissen. Die ganze Bande um Obama/Clinton sind auch nur Republikaner, einfach in der Lightversion.
      14 29 Melden
    • neutrino 09.07.2017 22:54
      Highlight Chrigi-B: Und jetzt?
      13 6 Melden
    • bokl 09.07.2017 22:56
      Highlight And the winner is: Putin

      Obama war der realgewordene Traum aller PR-Agenturen, hat immer souverän gelächelt und doch fast nix erreicht. Putin hat brav dabeigesessen, und im Hintergrund seine Interessen verfolgt und gewartet. Und dabei seine Interessen in der Ukraine und Syrien erfolgreich abgeschlossen.
      15 11 Melden
    • Chrigi-B 09.07.2017 23:04
      Highlight @neutrino, kann diese Vergleiche einfach nicht mehr hören. Ach der Barry war soooo toll juheeee und wir schauen geschlossen über seine Taten hinweg. Der Herr hat mehr Kriege gestartet als beide Bushs kombiniert. Er ist zudem massgeblich für die Flüchtlingskrise verantwortlich.
      4 8 Melden
  • Gelöschter Benutzer 09.07.2017 21:48
    Highlight "Und Trump weiss gut, welche Schlüsselreize er dazu ansprechen muss."
    Von einem professionellen Betatscher ist ja auch nichts anderes zu erwarten - allerdings auch nichts darüber hinaus.
    21 22 Melden
    • Gelöschter Benutzer 10.07.2017 00:08
      Highlight ... und nicht erstaunlich:
      Ganz offensichtlich vermag der Profi-Grabscher aus Übersee auch in dieser Kommentarspalte die richtigen Schlüsselreize zu kitzeln...
      4 0 Melden
  • Rim 09.07.2017 21:40
    Highlight Merkel und co haben getan, was sie konnten. Dem gewählten US Präsi zu geben, wonach er verlangte. Es ist nicht Aufgabe des aufgeklärten, zivilisierten Westens, Trump zu "disziplinieren". Merkel weiss das. Trump verkörpert und vertritt die voraufklärerische Welt. (Gewaltenteilung, Meinungsfreiheit, Menschenrecht, Demokratie, Rechtsstaat.) Trump will wie Putin, Erdogan, Orban (bei uns gibts auch geistesverwandte Kräfte;-), die Aufklärung rückgängig machen. Zurück zu autokratischen, pseudoreligiösen (christlichen/moslemischen) Diktatur. Das ist nicht Merkels Problem. Es ist das Problem der Reps.!
    29 16 Melden
  • Wilhelm Dingo 09.07.2017 21:34
    Highlight So einen Schwachsinn habe ich selten gelesen: «Westen», «Werte» und «Zivilisation» - Codeworte für «weiss», «christlich» und «Rasse»
    19 38 Melden
    • Juliet Bravo 09.07.2017 22:44
      Highlight Wieso Schwachsinn?
      13 10 Melden
    • Wilhelm Dingo 10.07.2017 06:15
      Highlight @Juliet Bravo: wie kommen die Schreiber darauf? Muss ich jetzt immer wenn ich 'Westen' sage 'Weiss' meinen?
      4 2 Melden
  • Grundi72 09.07.2017 21:02
    Highlight Ein starker Präsident der seine Ideen ungeachtet von Medien- und Gutmenschen-Heuchelkritik umsetzt! Bravo!

    Hätte Obama seine Versprechen mit gleicher Vehemenz umgesetzt (Change!) und nicht bloss Wahlpolitik betrieben, hätte evtl sogar eine wie Hillary eine Chance gehabt. Aber eben..
    32 80 Melden
    • bokl 09.07.2017 21:27
      Highlight Hätte Obama seine Versprechen umgesetzt, hätte eine wie Hillary es gar nicht mehr gewagt zu kandidieren.
      20 7 Melden
    • seventhinkingsteps 09.07.2017 22:06
      Highlight Sozialdarwinismus hat in der Politik keinen Platz. Das Recht des Stärkeren ist Faschismus.
      30 7 Melden
    • FrancoL 09.07.2017 22:15
      Highlight @Grundi72; Was macht Trump denn anderes als Wahlpolitik und Klientelpolitik?
      28 6 Melden
    • Juliet Bravo 09.07.2017 22:45
      Highlight Und die Krankenkasse? Umgesetzt✅
      11 6 Melden
    • Asmodeus 09.07.2017 22:48
      Highlight Sich selber stärker in die eigene Tasche wirtschaften als alle vor ihm.
      11 9 Melden
  • Hugo Wottaupott 09.07.2017 20:42
    Highlight Trump und Merkel sind sicher heimlich ein Paar!
    15 21 Melden
  • bokl 09.07.2017 20:28
    Highlight "Die Minister verbreiteten anschliessend Widersprüche. Tillerson betonte, Trump habe Putin wegen Moskaus Einmischung in die US-Wahlen zur Rede gestellt. Lawrow dagegen behauptete, Trump habe Putins Dementi «akzeptiert»"

    Wo bitte ist hier der Widerspruch? Ein Dementi von Putin kann es ja nur geben, wenn er auf die Einmischung angesprochen wurde.

    Ich mag ja den Donald auch nicht. Aber den krampfhaften Versuch jeden seiner Schritte zu kritisieren ist genau so lächerlich wie sein Werbevideo für seine Basis.
    36 9 Melden
  • Sebastian Wendelspiess 09.07.2017 20:23
    Highlight Nicht seine Basis sagt es sei Fake-News, sonder CNN selber. Das habt ihr sogar auf watson berichtet...
    20 15 Melden
    • Juliet Bravo 09.07.2017 22:47
      Highlight Lies das bitte nochmals. Du hast jenen Artikel total falsch verstanden und bringst disen Kommentar immer wieder.
      8 8 Melden
  • raphi2 09.07.2017 20:20
    Highlight iMovie lässt grüssen
    4 3 Melden
  • Skeletor82 09.07.2017 19:04
    Highlight "Selten lächelnd", ab hier habe ich nicht mehr weitergelesen - das Video hingegen habe ich zweimal angeschaut. Das Verhältnis "lächelnd" zu "forsch", "dominierend" hält sich die Waage, respektive positive bewegende Bilder sind mehr zu erkennen.
    25 11 Melden
  • Karl33 09.07.2017 18:39
    Highlight Derweil die europäischen/deutschen/schweizer Medien nicht müde werden, die pösen Demonstranten zu geisseln. Hauptsache, die Macho-Regimes können sagen wos lang geht.
    38 62 Melden
    • Radiochopf 09.07.2017 19:26
      Highlight Ich bin sicher die Anwohner sind genau deiner Meinung und haben immernoch Verständnis für diese "Demonstranten"... gegen G20 und Globalisierung demonstrieren und alles zerstören und dann mit einem Iphone 7 auf Facebook/Instagram Fotos posten...
      36 28 Melden
    • FrancoL 09.07.2017 19:54
      Highlight So einfach wie Radichopf möchte ich auch die Welt sehen.
      Karl33 zeigt ein Ablenkungsmanöver auf das weit mehr Schaden anrichten wird als die Demonstranten.
      Es ist beängstigend wie man mit wenig Aufwand von den groben und wichtigen Weichenstellungen ablenken kann.
      39 22 Melden
    • manhunt 09.07.2017 21:49
      Highlight @radiochopf: ein grossteil der hamburger bevölkerung war gegen die durchführung des G20-gipfels in ihrer stadt. als austragungsort ist hamburg in etwa gleich geeignet, wie katholische viertel in belfast für märsche des oranierordens. also überhaupt nicht. das ganze treffen hätte an einem abgeschiedenen ort stattfinden sollen. hätte einen bruchteil der kosten verursacht, ebenso wäre zu wesentlich weniger ausschreitungen gekommen. sogar der gesamtleiter der sicherheitskräfte hat die wahl hamburgs als austragungsort heftig kritisiert. aber macht muss man schliesslich demonstrieren.
      22 7 Melden
    • Radiochopf 09.07.2017 23:07
      Highlight @manhunt beim live-Ticker habe ich auch kommentiert das Hamburg wohl der schlechteste Platz dafür war und trotzdem hat es sich für beide Seiten gelohnt.. die einen hatten einen Freibrief für Zerstörung und die anderen Ihre Aufmerksamkeit oder Ablenkungsmanöver.. die einzigen die mir Leid tun waren die Anwohner, die friedlichen Demonstranten und die Polizei .. die sind natürlich wieder die Bösen, obwohl viele Familienväter im Einsatz waren statt das Wochenende mit ihren Kinder zu verbringen.. Verständnis für zerstörerischen Chaoten habe ich keine, sorry...
      1 3 Melden
    • manhunt 10.07.2017 09:37
      Highlight @radiochopf: ich habe nie verständnis für chaoten und/oder zerstörung geäussert. sie sind jedoch die logische konsequenz der austragung des gipfels in hamburg. die hamburger waren ganz klar gegen geiselhaft und ausnahmezustand in ihrer stadt. das merkel und ihrer regierung die ängste und sorgen ihrer bürger jedoch schnuppe sind, hätten sie nicht besser zeigen können. seht her, wir verbraten eben einfach mal 400 millionen von euren steuergerldern, für ein sicherheitsdispositv welches in einer abgelegenen gegend wesentlich weniger hekostet hätte.
      1 0 Melden
    • manhunt 10.07.2017 10:00
      Highlight aber das hätte auch weniger mediale aufmerksamkeit, weniger proteste, weniger krawalle bedeutet. und genau letztere wurden meiner meinung nach bewusst provoziert. um bei der nächsten gesetzesänderung oder beschneidung von bürgerechten damit argumentieren zu können. ich verstehe aber auch die demonstranten nicht. keine noch so heftigen proteste, ob friedlich oder gewalttätig, haben in jüngster zeit dazu geführt, dass ein solcher anlass abgesagt wurde. ein totales ignorieren des gipfels und sämtlicher dazugehörender bericherstattung wäre ein viel stärkeres zeichen gewesen.
      1 0 Melden

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