International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Flagge der Krimtataren an zerstörten Stromleitungen. 
Bild: REUTERS TV/REUTERS

Notstand auf der Krim: Russland macht ukrainische Aktivisten für Blackout verantwortlich

Seit dem frühen Morgen haben Hunderttausende Bewohner auf der Krim keinen Strom mehr – offenbar wegen eines Anschlags auf Stromleitungen. Nun mehren sich Anhaltspunkte darauf, wer für den Zwischenfall verantwortlich sein könnte.

22.11.15, 16:30 23.11.15, 07:22

Ein Artikel von

Auf der Halbinsel Krim gibt es seit dem frühen Sonntagmorgen keinen Strom mehr – nun verdichten sich die Hinweise auf mögliche Verantwortliche: Laut russischen Medien haben Nationalisten auf dem ukrainischen Festland zwei Strommasten zerstört.

Fotos sowie Videoaufnahmen von Journalisten des Senders Radio Free Europe zeigen zerstörte Leitungen, an denen eine Flagge der Krimtataren angebracht ist – einer ethnischen Minderheit auf der Krim. Andere Aufnahmen sollen tanzende Krimtataren in Simferopol zeigen, die sich offenbar über die Aktion freuen.

Zudem deutet noch mehr auf einen Anschlag proukrainischer Kräfte: Zwei der wichtigsten Stromleitungen aus der Ukraine auf die von Russland annektierte Halbinsel waren bereits am Freitag in der Nähe von Cherson unterbrochen worden. Ukrainische Aktivisten, darunter auch Krimtataren, hatten laut der Nachrichtenagentur AP Reparaturarbeiten sabotiert und wurden erst von Polizisten davon abgehalten.

Gesprengte Strommasten auf der Krim

Krimtataren und ukrainische Aktivisten blockieren zudem schon seit mehr als zwei Monaten Warentransporte auf die Halbinsel und fordern von der Führung in Kiew seit Längerem das Kappen der Stromversorgung. Damit sollen die Freilassung gefangener Ukrainer in Russland und das Ende von Einreiseverboten gegen krimtatarische Politiker erreicht werden.

Nach Angaben des Energieministeriums in Moskau sind wegen des Anschlags nun zwei Hochspannungsleitungen zerstört, die Strom auf die Krim transportieren. Nach deren Ausfall waren auf der Krim fast zwei Millionen Menschen ohne Licht und Heizung, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Das russische Energieministerium rief daraufhin auf der Halbinsel den Notstand aus. Ilja Kiwa, ein Vertreter des ukrainischen Innenministeriums, schrieb am Morgen auf Facebook: «Die Masten sind gerade gesprengt worden!»

Strommasten werden gesprengt.
YouTube/IT IS HISTORY

Mit eigenen Kraftwerken sowie mit Gasturbinen und Dieselgeneratoren sei die Versorgung zumindest in grösseren Städten teilweise wiederhergestellt worden, sagte der Behördensprecher Michail Scheremet laut der Agentur Tass. «Die Situation ist stabil und unter Kontrolle», so Scheremet. Der Strom werde vermutlich immer wieder für einige Stunden abgeschaltet, aber bei einer Aussentemperatur von derzeit 18 Grad bestehe keine grosse Gefahr durch abgeschaltete Heizungen. Die Brennstoffvorräte würden zudem für mehrere Wochen reichen.

Krankenhäuser und andere wichtige Gebäude werden nun durch Generatoren mit Strom versorgt. Ein umgehend eingesetzter Krisenstab sorgte laut Berichten dafür, dass zumindest die wichtigste Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur eine Grundversorgung mit Strom erhielt.

Der Vizepremier der Krim, Michail Scheremet, sagte laut der Nachrichtenagentur Tass, die Halbinsel könne bestenfalls die Hälfte ihres Strombedarfs durch Dieselgeneratoren sowie Wind- und Solarkraft decken. Die Krim bezieht ihren Strom zu 70 Prozent vom ukrainischen Festland und ist bei der Stromversorgung praktisch vollständig auf diese Importe angewiesen; eine Festlandverbindung zu Russland gibt es nicht.

Von dem Zwischenfall betroffen ist offenbar auch das Festland der Ukraine: In den südukrainischen Gebieten Cherson und Mykolajiw seien 40 Prozent der Versorgung gefährdet, teilte das Energieministerium in Kiew mit. In zwei Kreisen sei der Strom ausgefallen. Ein Mitarbeiter des ukrainischen Energiekonzerns Ukrenergo sagte Berichten zufolge, dass die Wiederherstellung der Versorgung zwei Tage dauern könne.

Die Krim war im Frühjahr 2014 nach einem umstrittenen Referendum von Russland annektiert worden, woraufhin die Ukrainekrise eskalierte. Die Regierung in Kiew und der Westen sehen die Annexion als Verstoss gegen das Völkerrecht und betrachten die Krim weiter als Teil der Ukraine. Zuletzt hatte Russland ein Importverbot für Lebensmittel aus der Ukraine verhängt.

Die Krim-Krise einfach erklärt

YouTube/explainity einfach erklärt

mxw/Reuters/dpa

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hierundjetzt 22.11.2015 16:56
    Highlight Zur Krim: Es gibt das Selbstbestimmungsrecht der Völker nur im Falle schwerster Menschenrechtsverletzungen wie Völkermord. Man kann man von diesem Selbstbestimmungsrecht nicht als Recht sprechen, weil es weder kodifiziert ist, noch gewohnheitsrechtliche Geltung erlangt hat. Der Einmarsch verstiess gegen die Souveränität der Ukraine unter Verstoss von Gewaltverbot und Interventionsverbot, die Bestandteil des ius cogens, des zwingenden Völkerrechts sind. Eine Annektion ist immer völkerrechtswidrig. Egal wie demokratisch die Abstimmung war, sie ist nichtig. Arnauld, Völkerrecht, 2. Aufl. Rn. 69.
    13 15 Melden
    • Gelöschter Benutzer 22.11.2015 18:26
      Highlight In welcher Grauzone des Völkerrechts die Sezession auf der Krim auch immer zu bewerten ist, sie war eine eine Reaktion auf einen illegalen Putsch in Kiew, welche als eine der ersten Amtshandlungen die Abschaffung der russischen Amtssprache vorsah. Wenn dann noch Verbrechen ukrainischer Faschisten gegenüber Ostukrainern toleriert und nicht geahndet werden, braucht man sich nicht wundern, wenn sich die vorwiegend russische Bevölkerung auf der Krim von Kiew abwendet und zurück zum Mutterland kehrt.
      14 17 Melden

«Inakzeptables Verhalten» – Scharfe Kritik an Russland am G7-Treffen

Die sieben führenden westlichen Industrieländer haben Russland für dessen «Eingriffe in demokratische Systeme» kritisiert. Das russische Verhalten sei «verantwortungslos» und schädlich für die künftige Zusammenarbeit.

So lautet der Tenor in der Abschlusserklärung der G7-Aussenminister nach ihrem zweitägigen Treffen in Toronto. Moskau müsse seinen Verpflichtungen nachkommen – auch als Mitglied im UNO-Sicherheitsrat. In regionalen wie globalen Krisen und Konflikten wolle die G7-Gruppe …

Artikel lesen