International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Dubioser Angriff auf Edward Snowden – Wie landeten seine Daten bei den Russen und Chinesen?

Russen und Chinesen haben Zugriff auf die Snowden-Dokumente, behauptet die britische «Sunday Times». Zitiert werden nur anonyme Quellen, der Text ist voller Ungereimtheiten. Er hat offenbar nur ein Ziel: den Whistleblower zu diskreditieren.

15.06.15, 16:28 15.06.15, 16:44

Christian Stöcker / Spiegel Online



Ein Artikel von

«Britische Spione an Russen und Chinesen verraten», titelte die britische «Sunday Times» am Sonntag. In dem vieldiskutierten Artikel heisst es unter Berufung auf anonyme Quellen aus der «Downing Street», dem Innenministerium und den Sicherheitsbehörden, dass die beiden Länder Zugriff auf jene US-Geheimdokumente hätten, die der Whistleblower Edward Snowden 2013 entwendet hatte. Die «streng geheime Sammlung von Dateien» sei «geknackt» worden, so das britische Blatt.

Der britische Geheimdienst habe deshalb Agenten von ihren Einsätzen abgezogen, heisst es in dem Bericht. Ein ungenannter Mitarbeiter des Innenministeriums wird mit den Worten zitiert, Snowden habe «Blut an den Händen». Eine zweite ungenannte Quelle aus dem Büro des Premierministers dagegen sagt der Zeitung zufolge, es gebe «keine Belege, dass jemand zu Schaden gekommen» sei.

Bild: HANDOUT/REUTERS

Belege bleibt der Artikel schuldig, ebenso wie jede namentlich zuzuordnende Bestätigung der Behauptungen. Neben der unklaren Quellenlage weist der Text eine Reihe von Ungereimtheiten auf:

Whistleblower

Es hat zwei Jahre gedauert, bis Snowdens Enthüllungen über die Praktiken westlicher Geheimdienste erste politische Konsequenzen hervorbrachten. In den USA wurde am 2. Juni der sogenannte USA Freedom Act verabschiedet, der die Inlands-Telefondatensammlung des US-Geheimdienstes NSA einschränkt.

In Grossbritannien wird ebenfalls über ein neues Gesetz debattiert, das die Befugnisse der Geheimdienste neu regeln soll. In einem von Premierminister David Cameron in Auftrag gegebenen Gutachten zum Thema heisst es über die derzeitige Praxis: «Dieser Zustand ist undemokratisch, unnötig und – langfristig – nicht hinzunehmen.» Der Autor des Gutachtens, der Jurist David Anderson, empfiehlt beispielsweise, dass Minister künftig keine Überwachungsanordnungen mehr unterzeichnen dürfen sollten. Für diese Aufgabe schlägt er die Gründung eines neuen, unabhängigen Gremiums vor.

Zwar beinhalten weder die Einschränkungen, die in den USA verfügt wurden, noch diejenigen, die in Grossbritannien diskutiert werden, wirklich gravierende Einschränkungen der Macht der Dienste. Doch sie haben symbolische Qualität: Es geht um die Frage, ob es richtig war, dass Snowden die weltumspannende Überwachungspraxis der Five-Eyes-Geheimdienste öffentlich gemacht hat. Jede konkrete politische Änderung, die diesen Enthüllungen nachfolgt, sagt: Ja, es war richtig und nötig.

In den Äusserungen der Snowden-Kritiker zeigt sich derzeit ein klares Muster: Snowden soll nun nicht mehr schlicht ein «Verräter» sein – sondern ein «Überläufer». Und das, obwohl er die bei US-Geheimdiensten entwendeten Dokumente an US-amerikanische Journalisten übergab – und obwohl des Landesverrats unverdächtige Publikationen wie die «New York Times» und die «Washington Post» Snowden-Dokumente und entsprechende Artikel veröffentlicht haben und das bis heute tun.

Zusammengefasst: Die britische «Sunday Times» behauptet, Russland und China hätten Zugang zu den US-Geheimdokumenten, die Edward Snowden 2013 entwendet hat. Die Zeitung beruft sich auf anonyme Quellen in der britischen Regierung. Der Artikel liefert keine Belege, sondern dient offenbar nur der Diskreditierung des Whistleblowers.

Mit Büchsenantennen gegen NSA-Bespitzelung

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Norilsk – no fun. Das ist Russlands härteste Stadt

Wir schreiben das Jahr 1935. Tausende russische Gulag-Gefangene werden ins sibirische Niemandsland verfrachtet. Zuvor hatten Geologen beim Lontokoiski-Kamen-Gebirge riesige Nickelvorkommen gefunden. Was jetzt noch fehlte, waren Arbeiter für den Gewinn der Bodenschätze. Eine Stadt musste her. 

Und so errichteten ab 1935 350'000 Strafgefangene die Stadt Norilsk. 300 Kilometer über dem Polarkreis gelegen, ist sie die nördlichste Stadt der Welt mit mehr als 100'000 Einwohnern.

Doch die Kälte …

Artikel lesen