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In this image made from video provided by Hadi Al-Abdallah, which has been verified and is consistent with other AP reporting, smoke rises after airstrikes in Kafr Nabel of the Idlib province, western Syria, Thursday, Oct. 1, 2015. Russian jets carried out a second day of airstrikes in Syria Thursday, but there were conflicting claims about whether they were targeting Islamic State and al-Qaeda militants or trying to shore up the defenses of President Bashar Assad. (Hadi Al-Abdallah via AP)

Luftschlag in Kafr Nabl, einer Kleinstadt in der vornehmlich von Aufständischen kontrollierten Provinz Idlib. 
Bild: AP/Hadi Al-Abdallah

Westliche Militärs zeigen sich besorgt: Will Russland eine Flugverbotszone in Syrien einrichten?

Jagdflugzeuge, moderne Flugabwehr: Russland hat auch Waffensysteme nach Syrien gebracht, die nichts mit dem Kampf gegen Terroristen oder Rebellen zu tun haben. Westliche Militärs sind besorgt.

Markus Becker, Brüssel



Ein Artikel von

Spiegel Online

Wladimir Putin hat den Westen wieder einmal überrumpelt: Der Kreml-Chef hat seit Mitte September eine beeindruckende Menge militärischen Materials in Syrien aufgefahren; am Mittwoch liess er erste Luftangriffe fliegen. Doch das dürfte noch nicht alles gewesen sein - denn was Russland in das Bürgerkriegsland liefern liess, deutet darauf hin, dass Putin mehr vor hat, als gegen Terroristen vorzugehen.

In Russlands syrischem Militärarsenal befinden sich laut öffentlich verfügbaren Informationen Waffensysteme, die aus Sicht westlicher Experten nichts mit dem offiziellen Ziel des Kremls - der Bekämpfung des «Islamischen Staats» - zu tun haben. So hat Moskau etwa Abfangjäger vom Typ MiG-31 «Foxbat» sowie Luftüberlegenheitsjäger des Typs Su-27 «Flanker» nach Syrien gebracht.

«Ich habe noch nicht gesehen, dass der 'Islamische Staat' Flugzeuge fliegt, gegen die man fortschrittliche Jagdflugzeuge bräuchte», bemerkte Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove am Dienstag in Washington.

Westen befürchtet inoffizielle Flugverbotszone

Sorgen bereiten dem US-General offenbar auch die Flugabwehrsysteme, die Russland ebenfalls in Syrien stationiert hat. Er warnte vor dem Entstehen einer russischen «Luftverteidigungsblase», die einer Flugverbotszone für westliche Streitkräfte gleichkommen könnte. Militärs sprechen von «Anti Access/Area Denial» («A2/AD»). «Wir beobachten, dass die Russen mit dem Aufbau einer A2/AD-Zone im nordöstlichen Mittelmeerraum beginnen», sagte Breedlove.

Im Video: Bilder der ersten russischen Angriffswelle am Mittwoch

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Dabei sollen die Russen bisher nur die Kurzstrecken-Flugabwehrsysteme SA-15 und SA-22 nach Syrien gebracht haben. Es halten sich aber auch hartnäckig Gerüchte, Moskau könnte die Armee von Diktator Baschar al-Assad mit dem Langstrecken-Flugabwehrsystem S-300 ausrüsten, das selbst für modernste westliche Kampfjets eine enorme Bedrohung wäre. Zwar verzichtete der Kreml 2013 auf Druck der USA auf die Lieferung. Allerdings warnte Putin damals, dass er sich im Falle einer «Verletzung internationaler Regeln» anders entscheiden könnte.

Um den Westen an Flügen über Syrien zu hindern, müsste Russland nicht einmal offiziell eine Flugverbotszone erklären, geschweige denn mit dem Abschuss westlicher Flugzeuge drohen. Moskau, meint ein Beobachter, müsste nur zweierlei tun: Eine Luftverteidigungszone aufbauen und sich der Kommunikation mit den westlichen Streitkräften verweigern.

Kampfjet-Einsätze könnten plötzlich zu riskant werden

Derartige Befürchtungen kursieren offenbar auch im Brüsseler Nato-Hauptquartier. Es bestehe die Gefahr, dass das syrische Krisengebiet für die Alliierten «nicht mehr erreichbar» werde, sagte ein Nato-Insider. Bislang haben die USA, Grossbritannien und Frankreich Luftangriffe in Syrien geflogen.

Ein ehemaliger Kampfpilot der Bundeswehr bestätigt das: «Selbst wenn Russland und der Westen die gleichen Ziele angreifen wollten, wäre das unglaublich schwierig.» Ein Luftraum werde im Konfliktfall straff durchorganisiert und in Korridore aufgeteilt. «Alles, was ausserhalb dieser Korridore fliegt, ist erstmal verdächtig». Doch die Unterscheidung zwischen Freund und Feind sei zwischen Nato und Russland «weder technisch noch prozedural» vereinheitlicht. Sollte Russland nicht zu enger Kooperation bereit sein, wären Einsätze westlicher Kampfflugzeuge vermutlich zu riskant.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter hat seine Mitarbeiter am Mittwoch angewiesen, mit Russland Kontakt aufzunehmen, um die Einsätze von Kampfflugzeugen abzusprechen. «Wir wollen nicht, dass es zu einem Unfall kommt», erklärte ein Pentagon-Sprecher. Entsprechende Gespräche könnten nach Angaben der US-Regierung noch am Donnerstag stattfinden.

Wird Russland Angriffe mit Alliierten koordinieren?

Doch ob die Russen kooperieren, erscheint fraglich. So hat Moskau den Westen nur eine Stunde vor seinen ersten Luftschlägen in Syrien informiert - indem ein General in die US-Botschaft in Bagdad ging und dem dortigen Personal Bescheid sagte. Auf die Koordinierung mit den Alliierten («deconfliction») legte der Kreml schon zu diesem Zeitpunkt offenbar nur wenig Wert. Der russische General soll den Amerikanern geraten haben, während der russischen Angriffe den syrischen Luftraum zu verlassen.

Civil defense members put out the flames on a burning military vehicle at a base controlled by rebel fighters from the Ahrar al-Sham Movement, that was targeted by what activists said were Russian airstrikes at Hass ancient cemeteries in the southern countryside of Idlib, Syria October 1, 2015. REUTERS/Khalil Ashawi

Rettungskräfte löschen ein brennnendes Auto in einem von der radikalislamischen Miliz Ahrar al-Sham kontrollierten Gebiet – hier soll Russland gestern Angriffe geflogen haben.
Bild: KHALIL ASHAWI/REUTERS

Zudem deutet derzeit vieles darauf hin, dass Russland nicht in erster Linie den «Islamischen Staat» bekämpfen, sondern Syriens Diktator Baschar al-Assad helfen und zugleich seinen Einfluss in der Region ausweiten will. «Merkwürdig, aber sie haben den 'Islamischen Staat' nicht angegriffen», sagte Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian. Russlands Aussenminister Sergej Lawrow widersprach: Man habe in Zusammenarbeit mit dem syrischen Militär «ausschliesslich» IS-Ziele beschossen. Breedlove dagegen sagte, Moskau wolle Assads Regime «vor denjenigen schützen, die es unter Druck setzen» - also auch vor den westlichen Streitkräften.

Sollte das zutreffen, dürfte Moskau wenig Interesse an Absprachen haben, die es westlichen Kampfflugzeugen erlauben würden, weiterhin in Syrien zu operieren. In diesem Fall dürfte schon die Angst vor einem verheerenden Zwischenfall die Alliierten davon abhalten, in die russische Luftverteidigungszone einzudringen. Sollte Russland auf offizielles Bitten der syrischen Regierung den Luftraum des Landes schützen, wäre die Lage noch schwieriger.

Ein Eindringen westlicher Kampfflugzeuge, meint ein Insider, könnte dann eine «höchst explosive Situation» bedeuten.

Zusammengefasst: In westlichen Militärkreisen wird befürchtet, dass Russland eine Flugabwehrzone in Syrien errichten könnte - und damit weitere Einsätze des Westens in dem Bürgerkriegsland praktisch unmöglich macht. Das US-Verteidigungsministerium will schnellstens Gespräche mit Russland ansetzen, um das Entstehen einer russischen Flugabwehr-Zone über Syrien zu verhindern.

So lief die erste russische Angriffswelle

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Rodolfo 01.10.2015 23:20
    Highlight Highlight Jetzt braucht es verdammt wenig, ein Missverständnis, eine fehlgeleitete Rakete, ein USA-Flugzeug von den Russen vom Himmel geholt - oder umgekehrt - und es kracht im nahen Osten. Bitte nicht!
    3 0 Melden
  • Sandromedar 01.10.2015 22:57
    Highlight Highlight Politiker tun immer so gescheit aber im grunde genommen sind sie in wirklich pikanten momenten entweder handlungsunfähig und machen garnichts oder sie setzen ihren eigenen dickschädel durch und pflanzen sich mal eben mit ihrem militär dorthin wo es ihnen gefällt. wie kinder...
    und putin spielt weiterhin mit dem westlichen bedürftniss nach frieden
    2 3 Melden
    • kunubu 02.10.2015 00:53
      Highlight Highlight Dem westlichen Bedürfniss nach Frieden? Der Erfolg der Befriedung lässt sich ja gut erkennen. Vielleicht sollten wir besser aufhören mit der Befriedung durch Waffengewalt? Sie macht ja, unter der Berücksichtigung der Kollateralschäden die in den Zivilbevölkerungen angerichtet werden, auch logisch keinen Sinn.
      3 0 Melden
  • Openyourmind 01.10.2015 21:30
    Highlight Highlight Die Russen sind frech.... Echt jetzt... Wie können die nur: Diktatoren unterstützen, Niemanden um Erlaubnis fragen angreifen zu dürfen, einfach so tun als ob was anderes gemacht wird obwohl alle wissen dass es anderst ist, ausschliesslich eigene geopolitische Ziele verfolgen, Flugverbotszonen vorbereiten und einrichten, Terror verallgemeinern und als solches bekämpfen, medienpropaganda betreiben und journalisten dafür einspannen, Angriffsvideos auf youtube hochladen, zu keiner Frage eine klare Antwort geben, usw.......

    So was würden die USA nie tun!
    17 6 Melden
    • Rodolfo 01.10.2015 23:16
      Highlight Highlight "So was würden die USA nie tun!" schreibst Du, Openyourmind.
      Ich hoffe doch sehr, Du meinst dies ironisch! Was haben die USA (meist mit Hilfe der CIA) doch schon alles gelogen, gestohlen, gefoltert, gemordet. betrogen. Beispiele gefälligst: Lumumba, Mossadegh, Nicaragua, Chile, Grenada, Afghanistan, Irak, Abu Ghraib, Guantanamo, usw. Mit Betonung auf USW.
      3 2 Melden
    • Openyourmind 02.10.2015 00:14
      Highlight Highlight @Rodolfo.... Klar ist Ironie... Warum Ironie?
      Ironie – vorausgesetzt, sie wird verstanden – lockert auf und bringt Witz und Humor in die Situation, selbst wenn die Umstände vielleicht nicht wirklich dazu angetan sind, zu schmunzeln oder zu lachen....
      3 1 Melden
  • The Destiny // Team Telegram 01.10.2015 20:12
    Highlight Highlight Wohl eher dammit der Westen keine einrichten kann, denn das geht nur schwer gegen Moderne Flugabwehr und Kampfjets.
    8 5 Melden
  • Blissfully 01.10.2015 20:08
    Highlight Highlight Wo sind jetzt nochmals die Leute, die gestern Putin bejubelt haben? Und wo sind jetzt nochmals diese ,,USA Hater" welche bei jedem USA Bericht ihre unnütze Kommentare hinterlassen müssen? Jetzt dürf ihr auch hier mal Stellung nehmen!
    15 13 Melden
    • The Writer Formerly Known as Peter 01.10.2015 20:28
      Highlight Highlight Was willst jetzt von denen hören? Ist sowieso alles Propaganda. Bei uns und bei denen. Der Westen hat beschlossen, Assad ist der böse und muss weg... vorher hat man die Diktatoren über Jahre hofiert und mit Kriegsmaterial beliefert... und wo bleibt die Strategie wenn sie weg sind? Was wird aus Libyen? Da besteht noch viel Potential für Flüchtlinge. Am besten Putin machen lassen.
      14 6 Melden
    • syknows 01.10.2015 20:36
      Highlight Highlight Wenn du so willst bin ich ein 'USA-Hater', bzw du würdest mich als so einen bezeichnen. Und... Ich bins immer noch, trotz dieses Berichts. Oder was möchtest du gerne von mir wissen?
      9 3 Melden
    • _kokolorix 01.10.2015 20:48
      Highlight Highlight ich verabscheute die feigen Luftangriffe der amis genauso wie die Ränkespiele Putins. zusammen mit den reichen Golfstaaten und der Türkei haben sie es geschaft den ganzen nahen Osten in ein Pulverfass mit brennender Lunte zu verwandeln. wenn jetzt noch ein Missverständnis kommt, kann es ganz heftig werden. es war von Anfang ein grosser strategischer Fehler Assad mit Gewalt vertreiben zu wollen. so kurz nach dem Lybiendebakel hätte ich erwartet das die mächtigen Leute etwas kritischer wären.
      11 2 Melden
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