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Nato-Soldaten üben in Polen den Einsatz Bild: EPA/DPA

Nato-Manöver in Polen: Gruss an Moskau von der schnellen Eingreiftruppe

Mit Kampfjets und Panzern demonstrierte die Nato in Polen ihre Solidarität mit den östlichen Partnern. Konkret wie nie wurde im Grossmanöver das Szenario geübt, dass Russland nach der Ukraine auch ein Bündnisland angreift.

18.06.15, 19:23 19.06.15, 10:01

Matthias Gebauer 

Ein Artikel von

Für ihre Übung «Noble Jump» hat sich die Nato einen Standort mit zweifelhafter Geschichte ausgesucht. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das riesige Areal bei Sagan in Westpolen, heute rund 60 Kilometer von der deutschen Grenze, abgeholzt. Seitdem wird das Areal, letztlich ein gigantischer Sandkasten mit einem kleinen Hügel für die Feldherren, für Militärmanöver genutzt. Zu der bewegten Historie gehört auch, dass der als «Wüstenfuchs» bekannte Nazigeneral Erwin Rommel hier für seinen Feldzug in Nordafrika übte.

Am Mittwoch aber sollte es um die Zukunft gehen: Mit einem Militärmanöver wollte die Nato das Versprechen untermauern, die östlichen Partner im Fall einer russischen Aggression zu verteidigen. Die baltischen Staaten, aber auch Rumänien und Polen, fürchten nach der Annexion der Krim durch Wladimir Putin, ihnen könnte es ähnlich ergehen. Vergangenen September, beim Nato-Gipfel in Wales, war deswegen beschlossen worden, eine schnelle Eingreiftruppe zu bilden, die im Ernstfall schneller als bisher möglich zuschlagen soll. Die Einheit soll innerhalb von wenigen Tagen vor Ort sein, wenn es brennt.

2100 Nato-Soldaten aus neun Ländern 

Was in Sagan geübt wurde, kann man getrost als Drohung gen Moskau verstehen. Mit 2100 Mann aus neun Nationen, einer Armada von Panzern, mehreren Kampfhelikoptern, zwei Kampfjets und bis an die Zähne bewaffneten Spezialkräften probte die Eingreiftruppe ein Szenario, dass passgenau auf die befürchtete Aggression ausgelegt war: Bekämpft werden sollten Separatisten, die – unterstützt von einem ausländischen Trainer mit dem Codenamen «Birdman» – einen Landstrich eingenommen hatten. Genauso, mit nicht gekennzeichneten russischen Soldaten und Trainern, hatte Russland erst die Krim eingenommen und dann in der Ostukraine weitergemacht.

Die Übung kommt dementsprechend martialisch daher: Zunächst tötet ein Scharfschütze den Bodyguard von «Birdman» per Kopfschuss, dann verfolgen Spezialkräfte den Feind. Kurz darauf röhren schon die Motoren der Panzer, aus zwei Richtungen nehmen sie die Stellungen der Separatisten unter schweres Feuer, trotz Ohrstöpsel erschrecken die Gäste bei jedem der Schüsse aus den Rohren der «Marder»- und «Leopard»-Panzer. In der Luft kreisen Kampfhubschrauber, am Ende werfen Kampfjets Leuchtraketen ab.

Die Nato-Truppen befinden sich in höchster Alarmbereitschaft Bild: AGENCJA GAZETA/REUTERS

Das Interesse an der Waffenshow war riesig. Aus Deutschland war Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eingeflogen; 350 ihrer Soldaten waren bei der Übung dabei, Deutschland führt derzeit gemeinsam mit den Niederlanden die Schnelle Eingreiftruppe. Auch der Nato-Generalsekretär nahm am Morgen auf der Besuchertribüne in Sagan Platz, und 250 Journalisten drängelten sich um die besten Plätze mit Ausblick aufs Schlachtfeld. In der aufgeheizten Lage des neuen Ost-West-Konflikts, in der Putin kürzlich sogar die Aufstockung seines Atom-Arsenals androhte, wirkte die Übung gar nicht mehr so unrealistisch wie Manöver in den Jahren zuvor.

Drohungen und Gegen-Drohungen

Die Frage, wie es weitergehen soll mit Russland, überschattete das Manöver. Sowohl Stoltenberg als auch von der Leyen versuchten einen Spagat: Auf der einen Seite will die Nato zeigen, dass sie abwehrbereit ist; deswegen posierte der Nato-Chef sogar vor einem «Leopard»-Panzer. Gleichzeitig will man sich aber nicht in eine Eskalationsspirale von immer neuen Drohungen und Gegen-Drohungen zwingen lassen. Von der Leyen betonte deswegen, die Nato sei zwar «das stärkste Bündnis der Welt», das jedoch rein defensiv ausgerichtet sei. Die Botschaft war klar: Wir provozieren nicht, wir reagieren nur.

Überraschend deutlich hingegen äusserte sich der Gast aus Deutschland zu forschen Plänen der USA, neben der Nato-Speerspitze auch permanent bis zu 100 schwere Panzer und anderes Kriegsgerät in den baltischen Staaten und auch in Polen für den Notfall zu stationieren. Von der Leyen meinte, die Pläne seien seit langem bekannt, wörtlich bezeichnete die Verteidigungsministerin der Leyen den Alleingang Washingtons gen Osten gar als «angemessene, defensive Massnahme». Die USA seien nun mal weit von Europa entfernt, deswegen müssten sie für den Notfall vorsorgen und Panzer und anderes Gerät bereits hierher verlegen.

Dieser Deutsche Soldat scheint bereit zu sein Bild: Getty Images Europe

Ob die Pläne tatsächlich so defensiv sind, wird von der Leyen schon nächste Woche erfahren. US-Verteidigungsminister Ashton Carter kommt erst nach Berlin, ein paar Tage später sehen sich die beiden erneut beim Nato-Verteidigungsministertreffen in Brüssel. Dort dürfte die dauerhafte Verlegung des US-Materials ein wichtiges Thema sein, schliesslich hat Russland diese schon als Bruch der Nato-Russland-Akte gerügt.

Derzeit deutet damit alles darauf hin, dass die rhetorische Eskalation zwischen dem Bündnis und Moskau weitergehen wird.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Sandokan 19.06.2015 00:10
    Highlight Es stinkt förmlich nach Krieg. Was ist bloss mit der Menschheit los!? Bei einem 3 Weltkrieg wird die Menschheit stark dezimiert. Warum setzen sich die Menschen lieber für Ausgrenzung ein als für Frieden? Einmal der Warnsinn entfesselt ist er nicht mehr aufzuhalten. Liebe Leute setzt euch lieber für Frieden ein als für Hass. Unseren Kindern zu liebe.
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  • Nico Rharennon 18.06.2015 23:36
    Highlight Der "deutsche Soldat" welcher aussieht als sei er bereit ist ein "Oberstabsgefreiter" (Manschaftsgrad OR-4) Er hat also (gemäss Wiki) 48 Monate gedient und da hoffe ich doch sehr das er "bereit" aussieht.
    2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 18.06.2015 23:29
    Highlight Immer schön "wiiterzeuslää" häää. NATO & Russland erinnern mich an meine Kindheit. Wer baut die grössere Sandburg? Paul oder sein Kollege Urs. Das die Zukunft unseres Planeten in den Händen solcher ignoranten Ars***** liegt macht mir Bauchschmerzen.
    3 0 Melden
  • Pippo30 18.06.2015 22:38
    Highlight "die Nato sei zwar «das stärkste Bündnis der Welt», das jedoch rein defensiv ausgerichtet sei". Die Nato ist also defensiv ausgerichtet, wie man bei veschieden Interventionen wie in Lybien gesehen hat Unglaublich diese Nato, ständig irgendwo Krieg führen und sich dann als die guten darstellen. Die Nato ist einfach ein Mittel, um den Amerikanische Imperialismus in die ganze Welt zu tragen. Dieses Bündnis nützt nur einem und zwar dem Uncle Sam,die anderen machen nur die Drecksarbeit für Ihn.
    15 10 Melden
    • dmax 18.06.2015 23:52
      Highlight ja, die nato hat sogar die ostukraine angegriffen und die krim anektiert!
      woo führt die nato krieg?
      und die usa bezeichnen nur kommunisten, ostslawen und radikale muslime als imperialistisch!
      alles gruppen die mit sicherheit kein cent besser als die amis sind!

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  • Radiochopf 18.06.2015 20:31
    Highlight Wie immer.. Russland macht Militärübung=Provokation... Nato macht Militärübung= alles normal oder habe ich doch irgendwo das Wort Provokation im Artikel überlesen?
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    • MaxM 19.06.2015 00:25
      Highlight Wie hiess es damals? "Somoza may be a son of a bitch, but he's our son of a bitch"? Naja, ist zwar schon lange her, verändert hat sich nichts. Das Bündnis mag zwar schlecht sein, aber das ist unser Bündnis?
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  • Max Heiri 18.06.2015 19:41
    Highlight Irgendwie ist es schon beängstigend, dass Europa alleine mit sowas nicht fertig werden könnte. Allein das BIP von den EU-Mitgliedsstaaten ist mehr als 6mal!!! grösser als das der Russen (2 Mrd. $)...
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    • Oberon 18.06.2015 20:07
      Highlight Glauben Sie mir Truppen-technisch (allg.) würde ein Europa definitiv gewinnen.
      Die Thematik ist jedoch um einiges komplizierter, was man nicht genau weiss welche Verbündete Putin in der Hinterhand hat und wie weit er wirklich gehen würde (Atomwaffen).

      Aber gottseidank sind wir hoffentlich noch lange nicht an diesem Punkt.
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