International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Der Schurkenstaatsbesuch: Darum lächeln Assad und Putin um die Wette

Es ist Assads erster Staatsbesuch seit Beginn des Bürgerkriegs: Russlands Präsident Putin hat Syriens Machthaber im Kreml empfangen – und ihm damit ein Geschenk gemacht.

21.10.15, 15:24 21.10.15, 15:54

Benjamin Bidder und Christoph Sydow, Moskau und Hamburg



In this photo taken on Tuesday, Oct. 20, 2015, Syrian President Bashar Assad, second left, shakes hand with Russian Defense Minister Sergei Shoigu, as Russian President Vladimir Putin, center, looks on in the Kremlin in Moscow, Russia. President Bashar Assad was in Moscow, in his first known trip abroad since the war broke out in Syria in 2011, to meet his strongest ally Russian leader Putin. The two leaders stressed that the military operations in Syria - in which Moscow is the latest and most powerful addition- must lead to a political process. (Alexei Druzhinin, RIA-Novosti, Kremlin Pool Photo via AP)

Bild: AP/POOL RIA NOVOSTI KREMLIN

Ein Artikel von

So gelöst hat man Baschar al-Assad schon lange nicht mehr gesehen. Mit einem strahlenden Lächeln ging der syrische Diktator auf seinen Gastgeber zu, entspannt posierte er für die Kameras im Kreml. Der Überraschungsbesuch bei Wladimir Putin am Dienstagabend in Moskau, der erst nachträglich bekannt gemacht wurde, ist eine wichtige diplomatische Aufwertung des angeschlagenen Machthabers.

Es ist Assads erste Staatsvisite im Ausland seit Beginn des Aufstands in Syrien vor viereinhalb Jahren. Im Dezember 2010 hatte der syrische Präsident zuletzt seinen damaligen französischen Amtskollegen Nicolas Sarkozy in Paris getroffen. Da galt Assad noch als möglicher Partner des Westens, heute ist er nach Ausbruch des Bürgerkriegs mit weit mehr als 200'000 Toten und Millionen Flüchtlingen für Amerikaner und Europäer ein Paria.

In this photo taken on Tuesday, Oct. 20, 2015, Russian President Vladimir Putin, right, and Syria President Bashar Assad arrive for their meeting in the Kremlin in Moscow, Russia. President Bashar Assad was in Moscow, in his first known trip abroad since the war broke out in Syria in 2011, to meet his strongest ally Russian leader Vladimir Putin. The two leaders stressed that the military operations in Syria_ in which Moscow is the latest and most powerful addition_ must lead to a political process. (Alexei Druzhinin, RIA-Novosti, Kremlin Pool Photo via AP)

Bild: AP/POOL RIA NOVOSTI KREMLIN

Nicht so für Russland: Staatschef Wladimir Putin empfing seinen Gast aus Damaskus gemeinsam mit Ministerpräsident Dmitrij Medwedew, Aussenminister Sergej Lawrow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Dass sich die vier mächtigsten Politiker Moskaus Zeit nahmen für Assad, unterstreicht die Bedeutung des Besuchs.

Die Initiative ging von Russland aus

Putin hiess den Gast aus Damaskus «herzlich willkommen in Moskau». Er liess aber auch umgehend einen Satz folgen, der aller Welt verdeutlichen sollte, von wem die Initiative ausging für diesen erneuten Coup. Von ihm selbst natürlich. Er sei erfreut, dass Assad «auf unsere Bitte reagiert hat und nach Russland gekommen» sei.

Seit Jahren hat sich Assad kaum noch ausserhalb von Damaskus gezeigt, abgesehen von Truppenbesuchen in Homs 2012 und in Vororten der Hauptstadt im vergangenen Jahr. Offenbar hielt der Machthaber die Sicherheitslage nun aber für stabil genug, um sein Land für einen Kurzbesuch zu verlassen.

Das liegt massgeblich an den Luftschlägen, die Russlands Militär seit Ende September in Syrien durchführt. Putins Kalkül sei es nun, «die ersten militärischen Erfolge in politisches Kapital zu verwandeln, in dem er einen politischen Prozess startet, zu seinen Bedingungen», sagt Dmitrij Trenin, Chef des Moskauer Carnegie-Centers.

Es ist jedoch zweifelhaft, ob diese Rechnung aufgeht. Moskau hat den Westen mit seinem militärischen Vorgehen zwar überrascht. Das kühne Unternehmen des Kreml hat bislang aber nicht dazu geführt, die internationalen Fronten im Syrienkonflikt aufzuweichen. Bislang fordern im Westen nur einzelne Stimmen ein gemeinsames Vorgehen mit Russland.

Mehr noch: Russlands Vorpreschen hat die Türkei alarmiert, Ende der vergangenen Woche schossen türkische Militärs sogar eine russische Aufklärungsdrohne ab. Auch das Verhältnis zu Saudi-Arabien bleibt angespannt – trotz einer verstärkten Pendeldiplomatie zwischen Moskau und Riad.

Und die USA? Premierminister Medwedew wollte eine Syrien-Delegation nach Washington anführen. Kein Interesse, hiess es aber aus der US-Hauptstadt.

Moskau sichert das Vorgehen der Pro-Assad-Front ab

Assads Moskau-Besuch verdeutlicht, dass Putin sein ganzes politisches Gewicht für Syriens Präsidenten einsetzen will. Bombenangriffe auf Rebellenstellungen hätte im Zweifelsfall auch Iran fliegen können. Vorstellbar wäre auch eine Kooperation wie 2014 im Irak gewesen: Russland lieferte Bagdad damals Kampfjets für Einsätze gegen den IS, geflogen wurden die Maschinen dann aber von iranischen Piloten.

Russian President Vladimir Putin (R) shakes hands with Syrian President Bashar al-Assad during a meeting at the Kremlin in Moscow, Russia, October 20, 2015. Assad made a surprise visit to Moscow on Tuesday evening to thank Putin for launching air strikes against Islamist militants in Syria. Picture taken October 20, 2015. REUTERS/Alexei Druzhinin/RIA Novosti/Kremlin ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS.

Bild: RIA NOVOSTI/REUTERS

Die Visite unterstreicht aber, dass Assad inzwischen nicht mehr Iran, sondern Russland als wichtigsten aussenpolitischen Verbündeten betrachtet. Bis vor einigen Monaten wäre Teheran die logische erste Adresse für einen Auslandsbesuch des Diktators gewesen, schliesslich unterstützt Iran seit 35 Jahren das Regime in Damaskus. Iranische Generäle planen und leiten wichtige Einsätze der syrischen Regierungstruppen. Russische Diplomaten hatten dem «Spiegel» aber bereits vor Wochen geschildert, dass Assad der Führung in Teheran zunehmend misstraue und deshalb auf militärische Unterstützung aus Russland setze.

Indem Moskau aber selbst militärisch eingegriffen hat, sichert es das Vorgehen der Pro-Assad-Front gegen Risiken ab. Wer wird schon eine offene Konfrontation mit Russland riskieren, Atommacht und ständiges Mitglied des UNO-Sicherheitsrats?

Unklar ist weiter, welche Zukunft der Kreml für Syrien und Assad anstrebt. Bislang hatten auch dem Kreml wohlgesonnene Moskauer Experten prognostiziert, Putin gehe es nicht in erster Linie um die Person Assad. Der Kreml wolle das Regime militärisch in eine bessere Verhandlungsposition bringen, letztlich führe an einer Teilung Syriens aber kein Weg vorbei.

Davon ist nun – zumindest offiziell – keine Rede mehr. Im Gegenteil: Assad bedankte sich bei Putin für dessen Einsatz für die «Einheit und Unabhängigkeit Syriens».

So lebt der russische Soldat in Syrien: Sogar eine fahrbare Sauna ist am Start

Abonniere unseren Daily Newsletter

5
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • karl_e 22.10.2015 00:22
    Highlight Es fragt sich, wo hier die Schurken sitzen. Etwa in Riad, in Ankara oder gar in Washington? Wer ist denn eigentlich schuld am Chaos in Afghanistan, Irak, Syrien und Libyen? Putin wohl am wenigsten.
    2 0 Melden
  • Naim Rashiti (EiK) 21.10.2015 16:11
    Highlight Etwas fraglich Assad und seine legitime Regierung als Schurkenstaat zu bezeichnen. Nicht fraglich natürlich wenn man watson eher nicht als ernstzunehmende Newsseite betrachten soll sondern als reisserisches Propaganda- und Hetzportal.
    12 5 Melden
    • The Destiny // Team Telegram 21.10.2015 19:22
      Highlight Es wurde schon oft gesagt. Dieser Artikel ist nicht von Watson, er wurde aus dem Repertoir von SPON übernommen ( was ich schade finde), da Watson zu dem Thema durchaus auch selbst gute Artikel erstellt hat und das auchin Zukunft tun könnte.
      6 0 Melden
    • karl_e 22.10.2015 00:24
      Highlight Destiny: deren Spiegel ist halt auch nicht mehr das, was er unter Augstein engst war.
      0 0 Melden
    • karl_e 22.10.2015 09:08
      Highlight Voll schwachsinnige Autokorrektur! Deren = Der, engst = einst 😠
      0 0 Melden

Vier russische Soldaten bei Kämpfen mit Rebellen in Syrien getötet

Bei Kämpfen mit Rebellen in Syrien sind vier russische Soldaten getötet worden. Wie das Verteidigungsministerium in Moskau am Sonntag mitteilte, starben die Soldaten bei einem nächtlichen Angriff von «Terroristengruppen» auf Stellungen der syrischen Regierungstruppen in der östlichen Provinz Deir Essor.

Sie waren demnach als «Militärberater» für die syrische Armee im Einsatz gewesen. Drei weitere russische Soldaten wurden demnach verletzt.

Bei den anschliessenden Kämpfen wurden den russischen …

Artikel lesen