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epa04967432 A handout frame grab taken from a video footage made available on the official website of the Russian Defence Ministry on 07 October 2015 shows a warship of the Caspian Flotilla launching missiles from the deployment area in the south-western Caspian Sea. According to information published on the official website of the Russian Defence Ministry, the warships of the Caspian Flotilla carried out massive strikes against Islamic State facilities in Syria by sea-based cruise missiles which passed through the airspace of Iran and Iraq and hit targets.  EPA/RUSSIAN DEFENCE MINISTRY PRESS SERVICE/HANDOUT BEST QUALITY AVAILABLE HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Abschuss von Marschflugkörpern im Kaspischen Meer: Russland beschiesst Syrien aus Hunderten Kilometern Entfernung
Bild: EPA/RUSSIAN DEFENCE MINISTRY

Nato-Treffen zu Russland und Syrien: Strategielos in die Krise

Die Nato findet keine Antwort auf Russlands Grossmachtgehabe. Zu erratisch verhält sich der Kreml in Syrien, zu uneins ist der Westen. Nun soll die Stärke der Eingreiftruppe verdoppelt werden. Ein Symbol, mehr nicht.

08.10.15, 20:39 09.10.15, 08:37

Markus Becker, Brüssel



Ein Artikel von

Was will Wladimir Putin? Das war die Preisfrage beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel. Sicher scheint nur eines: Russlands Präsident will sein Land als Grossmacht positionieren - und das gelingt ihm derzeit vorzüglich. Erst die Annexion der Krim, dann der Krieg in der Ostukraine, jetzt die massive Intervention in Syrien. Putin agiert, die Nato reagiert.

Das sieht dann so aus: Um seine osteuropäischen Mitgliedstaaten zu stärken, stockt das Verteidigungsbündnis seine Eingreiftruppe, die «Nato Response Force» (NRF), auf 40'000 Soldaten auf - «doppelt so viele wie bisher», sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Donnerstag in Brüssel. Ein Teil der NRF soll die sogenannte Speerspitze sein, die als Reaktion auf die Ukrainekrise entstand.

Die rund 5000 Mann starke Truppe soll binnen 48 Stunden mobilisiert werden können und ist inzwischen einsatzbereit. Deutschland werde 2019 die Führung der Speerspitze übernehmen, kündigte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Brüssel an. Die Bundeswehr soll nach bisherigen Plänen bis zu 2700 Soldaten stellen.

Zusätzlich werden mehrere Hundert Soldaten zu Ausbildungszwecken in Polen, Lettland, Litauen und Estland stationiert. Neben den USA ist auch hier die Bundeswehr beteiligt - mit derzeit 150 Soldaten in Lettland und 200 in Polen. Sie werden sich nach dem Rotationsprinzip mit Soldaten anderer Länder abwechseln. Grossbritannien kündigte an, demnächst ebenfalls Soldaten zu schicken. Auch die Niederlande sollen bereit sein.

Carter: Russland «erratisch, selbstzerstörerisch, unprofessionell»

Doch neben diesen eher symbolischen Schritten tut sich die Nato äusserst schwer, eine strategische Antwort auf Russlands Verhalten zu finden. Zur Frustration der westlichen Strategen ist im Kreml-Kurs keinerlei Muster zu erkennen. Moskau agiere «erratisch und selbstzerstörerisch», sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter am Donnerstag in Brüssel. Den Ukrainekonflikt etwa scheint Moskau «vor 14 Tagen abgestellt zu haben», so ein westlicher Diplomat. Das zeige zwar eindrucksvoll, wie gut Putin den Konflikt beherrschen könne. Was aber seine Absichten sind, wird dadurch nicht klarer.

Ähnlich verwirrend ist die Lage in Syrien. Russland kündigte an, dort den «Islamischen Staat» (IS) zu bekämpfen, bombardiert nun aber offenbar vor allem die syrische Opposition. «Wenn am Ende nur noch Machthaber Baschar al-Assad und der IS übrig sind, was dann?», sagt ein Nato-Beamter. «Das ergibt keinen Sinn, wenn Russland in der Region eine politische Rolle spielen will. Wir verstehen es einfach nicht.»

Am Mittwoch hat die russische Marine Marschflugkörper auf Ziele in Syrien abgefeuert - vom Kaspischen Meer aus, aus einer Entfernung von fast 1500 Kilometern. Allerdings geschah dies laut Pentagon-Chef Carter ohne Warnung an die USA. Dies gehöre ebenso wie die Verletzung des türkischen Luftraums zum «zunehmend unprofessionellen Verhalten» der russischen Streitkräfte. Militärisch ist der Beschuss von Rebellen mit Marschflugkörpern ähnlich ungewöhnlich wie die Stationierung von Flugabwehr-Batterien in Syrien. Dort besitzen weder die Opposition noch der «Islamische Staat» Flugzeuge. «Politische Muskelspiele» seien noch die beste Erklärung, findet ein westlicher Beobachter.

Warme Worte für Türkei, aber Abzug der «Patriot»-Raketen

Die Nato reagiert auf ihre Weise: Stoltenberg deutete in Brüssel an, dass man die schnelle Eingreiftruppe NRF notfalls auch in den Süden - also in die Türkei - schicken könnte. Zugleich aber erklärte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, dass die deutsche Entscheidung zum Abzug der «Patriot»-Flugabwehrraketen aus der Türkei unumstösslich sei. Schon am 15. Oktober sollen die Systeme abgeschaltet werden; die meisten Soldaten sollen bis Weihnachten wieder in Deutschland sein. Auch die USA haben ihre «Patriots» bereits deaktiviert. Nur die Spanier haben noch eine Batterie in der Türkei. Ankara sieht das gar nicht gern: Der türkische Nato-Botschafter soll beim Ministertreffen erfolglos auf eine Verlängerung der Mission gedrängt haben.

Damit beschränkt sich die Antwort der Nato auf die Syrienkrise derzeit weitgehend auf die Ankündigung, die schnelle Eingreiftruppe auch gen Süden entsenden zu können. Das aber ist noch keine Strategie - und eine solche scheint die Nato für ihre Südflanke derzeit auch nicht zu haben. «Nirgendwo ist eine Idee erkennbar, wie wir aus der Krise herauskommen», sagte ein Mitarbeiter der Nato.

Auch US-Verteidigungsminister Carter wurde in Brüssel nach der Südflanken-Strategie gefragt. Seine Antwort kommt einem Offenbarungseid gleich: «Wir haben die Zusammenarbeit zwischen Nato und EU diskutiert.» Die «fundamentale Strategie» der Nato sei es, die Anstrengungen der EU in der Flüchtlingskrise zu unterstützen. Nun ist die Europäische Union bekanntlich eine rein zivile Organisation. Es gebe aber «militärische Instrumente», welche die Mission der EU im Mittelmeerraum ergänzen könnten, sagte Carter. «Wir diskutieren noch darüber, wie genau wir das machen sollen.»

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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    Alle Leser-Kommentare
  • Roger Gruber 09.10.2015 11:28
    Highlight Die NATO wirft den Russen "Strategielosigkeit" vor. Sag mal, die müssen uns ja schon für ziemlich bescheuert halten.. Wir wissen ja alle, dass die NATO (bzw. USA) offenbar völlig Strategielos in Irak, Libyen und in Syrien eingefallen sind und nichts als Chaos, Zerstörung, Elend und Massenflucht angerichtet haben. Jeder Erdenbürger, der seine Augen offen hat und nicht im Dogma "wir sind die Guten!" gefangen ist, kann das unschwer erkennen.
    2 0 Melden
    • Openyourmind 09.10.2015 17:10
      Highlight Ja, Roger, die halten uns (Bürger) für definitiv infantil und zurückgeblieben. Ich kann es mir anderst nicht erklären, dass mitlerweile so offen gelogen wird.

      Ganz bedenklich finde ich aber, dass sobald man auf irgendeine Ungereimheit hinweist, einer sofort in "Thinfoil Corner" geschickt wird. Viele unsere Mitbürger halten die US und NATO immer noch bedienungslos für "good guys" (mit Betonung auf bedienungslos) und denken nicht mehr selbständig. Die beiden, haben aber spätestens seit 2001, auf "die dunkle Seite der Macht" gewechselt.
      1 0 Melden
    • Roger Gruber 09.10.2015 23:41
      Highlight Openyourmind, die Macht ist mit uns. Immer mehr Leute erwachen aus ihrem Wölkchentraum. Sie merken, dass die Welt nicht die ist, die man uns vorgaukelt, und rundherum alles den Bach runter geht. Immer mehr merken auch, dass Stempel wie "Verschwörungstheoretiker", "Rassist" oder "Aluhut" nicht mehr greifen, weil sie Spaltungswörter sind (teile und herrsche) und nur von deren unwiderlegbaren Argumenten ablenken sollen. Wer erst mal diffamiert ist, auf den muss man nicht mehr eingehen. So werden wir schon ewig dumm gehalten, aufeinander gehetzt und zu unserem eigenen Nachteil ausgespielt.
      2 0 Melden
  • Henrix 09.10.2015 02:05
    Highlight Ja, Geostrategie eben, da gehört es dazu das man sich nicht in die Karten blicken lässt. Und ob die USA wirklich so Ahnungslos ist wie sie sich geben, ist auch eher unwahrscheinlich.
    4 0 Melden
  • Ruffy 08.10.2015 21:02
    Highlight Oh mein Gott ist das peinlich 😧
    11 0 Melden
    • Openyourmind 08.10.2015 21:25
      Highlight NATO bitte nicht unterschätzen! Der Author hat nicht alles berichtet.

      So wie ich es sehe, wird die NATO jetzt den Druck auf Russia wo anderst ausüben.

      Wie wär's mit Georgien? 😉

      "Georgia is a sovereign nation with internationally recognised borders. It has the right to determine its own future. And its own security arrangements. Yet today, Russia still violates Georgia’s borders. NATO calls on Russia to reverse its recognition of the South Ossetia and Abkhazia regions of Georgia as independent states."

      Guckst Du hier:
      http://www.nato.int/cps/en/natohq/opinions_123520.htm?selectedLocale=en
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