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König Salman bei seiner Ankunft in Moskau. Bild: AP/AP

Saudischer Herrscher bei Wladimir Putin – was will der König im Kreml? 

Zum ersten Mal besucht König Salman mit einer 1000-köpfigen Delegation Moskau. Einst waren Russland und Saudi Arabien in herzlicher Abneigung verbunden. Jetzt nutzt Russland das Vakuum, das die USA hinterlassen haben.

05.10.17, 15:03

Christina Hebel und Christoph Sydow

Ein Artikel von

Am Flughafen Wnukowo wird der saudische König Salman Bin Abdelaziz Al Saud bereits seit Tagen mit grossen Plakaten auf Arabisch und Russisch willkommen geheissen. Am Mittwochabend landete seine Majestät, Hüter der heiligen Stätten Mekka und Medina, nun endlich in Moskau. Mehrmals war die Reise verschoben worden.

Es ist ein historischer Staatsbesuch. Zum ersten Mal besucht ein amtierender saudischer König Moskau. Die russischen Staatsmedien berichten ausführlich über die viertägige Visite des Königs, der mit einer 1000-köpfigen Delegation in Russland ist. Die Nobelhotels in Moskaus Innenstadt sind belegt. Eigentlich reist der 81-Jährige nicht mehr gern. In den USA war der Monarch zuletzt kurz nach seinem Amtsantritt 2015, Europa besucht der Monarch nur für die Ferien an der französischen Mittelmeerküste.

Dass der König nun persönlich Wladimir Putin im Kreml aufsucht, zeigt, welchen Stellenwert Russland inzwischen im Nahen Osten hat. Moskau füllt das Vakuum, das die USA in der Region hinterlassen haben. «Der Besuch ist sehr symbolisch. Er belegt, wie stark sich die geopolitische Situation im Nahen Osten verschoben hat», sagt Marianna Belenkaja vom Moskauer Carnegie-Zentrum. «Und er zeigt, dass Russland gelernt hat, seine Interessen auszuspielen».

Putin hat sich - wie selbst westliche Diplomaten in Moskau zugeben - erfolgreich Einfluss in der Region verschafft. Russland ist in Libyen, Jemen und Irak aktiv, vor zwei Jahren griff der Kreml mit einer Militäroperation in den Syrienkrieg ein (Lesen Sie hier dazu die Analyse).

Selbst die engsten Verbündeten Washingtons, Israel und Saudi-Arabien, suchen deshalb nun den Kontakt zum Kreml.

Schwieriges Verhältnis

Dabei waren die Beziehungen zwischen Riad und Moskau jahrzehntelang belastet:

Zweckallianz, um den Ölpreis zu stabilisieren

Salman und Putin respektieren sich, sagt Expertin Belenkaja. Sie haben zu einem gewissen Pragmatismus gefunden, der vor allem ökonomische Gründe hat. 2015 sei das Wendejahr in den saudisch-russischen Beziehungen gewesen, sagt Belenkaja. Damals seien mehrere Entwicklungen zusammengekommen: Salman übernahm den Thron, Putin startete den russischen Syrieneinsatz, und der Ölpreis rutschte von mehr als 100 US-Dollar pro Barrel in den Keller.

König Salman und Wladimir Putin im Kreml. Bild: EPA/AFP POOL

Um diesen Verfall zu stoppen, verbündeten sich Saudi-Arabien und Russland nach langen Verhandlungen schliesslich. Zusammen produzieren die beiden Nationen fast die Hälfte der weltweiten Fördermenge an Öl. Es entstand eine Zweckallianz, um wirtschaftlich für etwas mehr Stabilität zu sorgen. Riad und Moskau sorgten im Dezember 2016 dafür, dass die Opec und elf weitere Länder - darunter auch Iran - ihre Produktion drosselten. Seither hat sich der Preis bei rund 60 Dollar stabilisiert. Beide, Salman und Putin, wollen diese Drosselung deshalb beibehalten.

Für Moskau ist Saudi-Arabien vor allem ein wichtiger Wirtschaftspartner, bisher ist man aber kaum über das Stadium von Vorverträgen hinausgekommen. Nun sollen bei Salmans Besuch ein saudisch-russischer Investitionsfonds für Energieprojekte über eine Milliarde Dollar aufgesetzt und Investitionen in ein Flüssiggasprojekt und petrochemische Werke besiegelt werden.

Ein weiteres Thema dürfte eine mögliche Kooperation im Atomsektor werden: Saudi-Arabien will ein ziviles Nuklearprogramm starten und in den nächsten Jahrzehnten bis zu 16 Kernreaktoren errichten. Russlands staatlicher Rosatom-Konzern gilt als ein möglicher Partner - immerhin hat Moskau auch ausgerechnet Riads Erzfeind Iran dabei geholfen, Atomkraftwerke aufzubauen.

Bedrohung Iran

Im Kreml will man anders als in Riad Wirtschaft und Politik lieber trennen. Auch weil es dann vermeintlich einfacher erscheint, die verschiedenen Interessen auszubalancieren. Doch für den saudischen Herrscher sind diese Ebenen nicht trennbar. In Saudi-Arabien sieht man Teherans wachsenden Einfluss in der arabischen Welt mit grosser Sorge. Dass der russische Energieminister Alexander Nowak ausgerechnet am Tag der Ankunft von König Salman einen neuen Handelsdeal mit Iran verkündet, wird man genau registriert haben.

Der Monarch wird darauf drängen, dass Putin die mit ihm verbündeten Iraner zumindest in Syrien in die Schranken weist. Aus Sicht Riads darf der schiitische Iran keine ständige Rolle in Syrien spielen. Die sunnitische Führungsnation Saudi-Arabien sieht Iran als grösste Bedrohung. US-Präsident Donald Trump hat Riad bisher wenig dabei unterstützt, den Einfluss Teherans einzudämmen. Deshalb versucht Salman es nun persönlich bei Russlands Präsidenten.

Mit dem gleichen Anliegen war Israels Premierminister Benjamin Netanyahu allein in den vergangenen 18 Monaten vier Mal im Kreml vorstellig geworden. Mit mässigem Erfolg.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 05.10.2017 19:23
    Highlight Was er dort will? Na Geschäfte machen. Für Wirtschaftsnutten ist alles erlaubt was Kasse macht.
    15 4 Melden
    • Fabio74 05.10.2017 21:21
      Highlight stimmt. Darum investiert Katar und grossem Applaus Hunderte Millionen auf dem Bürgenstock
      8 1 Melden
  • Majoras Maske 05.10.2017 18:08
    Highlight Na wenn sie mit Putin nicht einen solch lustigen Säbeltanz machen wie mit Trump wird dieses Zweckbündnis nicht sooo wichtig sein.
    7 2 Melden
  • Snowy 05.10.2017 17:42
    Highlight Saudi Arabien ist wohl das einzige Land auf dieser Welt, wo meine Meinungsfindung in jedem Fall sehr einfach ist: Ich stehe jeweils fürs Gegenteil ein für was die Saudis einstehen.

    Unglaublich, dass wir immer noch mit denen Rüstungsgeschäfte machen.
    36 2 Melden
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 05.10.2017 17:38
    Highlight "Zusammen produzieren die beiden Nationen fast die Hälfte der weltweiten Fördermenge an Öl."
    Gerade deswegen sollte die Decarbonisierung der Weltwirtschaft höchste Priorität eingeräumt werden.
    Wer vom Klimawandel nicht schon überzeugt ist, soll Öl und Kohle doch einmal aus einer geopolitischen Perspektive betrachten!
    25 4 Melden
    • Telomerase 05.10.2017 18:20
      Highlight Hast du nützliche Tipps, wie ich das als Einzelner am Besten unterstützen kann? Kaufverhalten, politisch etc.?
      8 2 Melden
  • zombie woof 05.10.2017 16:12
    Highlight Zweckgemeinschaft. Beide Länder stehen finanziell sehr schlecht da, da muss man schon mal in den sauren Apfel beissen....
    5 17 Melden
  • My Senf 05.10.2017 15:31
    Highlight 1000 Leute?!

    Wie viele Flugzeuge ✈️ waren dabei? Die 474 ist sicher nicht so eingerichtet. Da hat nur der König und seine vertrauen Platz!

    Ja es scheint so als ob Putin wieder mehr Figuren auf dem Schachbrett hat.

    Donald hat im Moment Mühe mit seinem Handikap und muss üben. Hat keine Zeit mehr sich um Weltpolitik zu kümmern. Eben Amerika und 🏌️ First !
    16 3 Melden
    • My Senf 05.10.2017 19:22
      Highlight Wie heisst dass schon wieder wenn man nummern vertauscht...?
      747
      8 2 Melden
    • Juliet Bravo 05.10.2017 19:39
      Highlight Bin auch nicht sicher - Diskalkulie?
      3 0 Melden
    • My Senf 06.10.2017 00:14
      Highlight Ne
      Dyskalkulie hat mit arithmetischem denk/Vorstellungsvermögen zu tun das meist im Kindesalter „beeinträchtigt“ ist

      Nein, dass was ich meine ist eher sowas wie den rechten Pantoffel am linken Fuss zu tragen
      2 0 Melden
  • Wehrli 05.10.2017 15:26
    Highlight Hey Putin, ich hab hier noch ein paar Kisten Zaster um dein Finanzloch zu stopfen. Und ich habe gehört, du hättest noch ein paar Speznat um die ****** Hutu-Rebellen aus dem Jemen zu kicken ...

    Deal?
    6 26 Melden
    • Datsyuk 05.10.2017 18:40
      Highlight Da helfen die USA schon mit.
      11 1 Melden
    • Sefe_Ta 05.10.2017 18:41
      Highlight Wäre eine Variante für den Staatsbesuch aber Speznat gibt es bicht sondern Speznas.
      7 1 Melden
    • zombie woof 05.10.2017 19:34
      Highlight Vergesst speznas, die Drecksarbeit machen die Pakistanis
      1 4 Melden
    • Juliet Bravo 05.10.2017 19:40
      Highlight Sie heissen Huthi.
      3 0 Melden
    • Stachanowist 05.10.2017 19:56
      Highlight Die Hutus sind in Ruanda, Dude. Huthi vielleicht?

      Und Finanzen: Russland hat eine der tiefsten Staatsverschuldungen weltweit.
      10 0 Melden

Alt-Bundesrat Schmid zum Russen-Doping: «Russische Spione waren in der Schweiz»

Alt-Bundesrat Samuel Schmid leitete für das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Doping-Untersuchung, die zu einer Sperre von Russland für die Spiele in Pyeongchang 2018 führte. Er spricht über Untersuchungen, Sicherheitsvorkehrungen und das Verhalten der Russen.

Herr Schmid, Russland klagt, der Entscheid des IOC sei eine «Verschwörung des Westens». Ist er das?Sicher nicht. Es existieren Fakten, die sich nicht weglügen lassen. Proben müssen manipuliert worden sein, chemische Zusammensetzungen von Urinproben sind nicht natürlich. Es kamen viele Elemente zusammen. In Russland versucht man, sich herauszureden, indem man die Schuld auf eine sehr kleine Gruppe von Verschwörern abwälzt.

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