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Walter Laqueur: Putinismus. Wohin treibt Russland? Propyläen Verlag, Berlin 2015.

Warum gibt es immer noch Linke, die Putin feiern?

Der Historiker Walter Laqueur weist in seinem Buch «Putinismus» nach, wie sich Russland in einen nationalistischen und autoritären Staat verwandelt hat. Das hat die extreme Rechte erkannt. Die Linke hingegen tut sich damit schwer.

09.08.15, 12:59 10.08.15, 07:17

Walter Laqueur gilt als ein führender Russlandkenner. Gleich zu Beginn seines neuen Buches «Putinismus» stellt er, offensichtlich irritiert, die Frage: Warum gibt es im Westen immer noch linke Putin-Fans? Und fügt hinzu: «Die extreme Rechte in Europa hat die Wechsel in Russland viel schneller verstanden und ihre Propaganda dementsprechend angepasst.» 

Dem Vaterland und der Nation zu dienen, sei der Sinn seines Lebens, sagt Putin in der Inaugurationsrede am 7. März 2012. bild: ap

Auch in der Schweiz ist es vor allem die rechtslastige «Weltwoche», die immer wieder grosses Verständnis für Putin an den Tag legt. Noch weiter geht ein Artikel von Olivier Kessler in der «Schweizerzeit». Darin stellt der aufstrebende Star der extremen Rechten – er ist unter anderem der Initiator der «No Billag»-Initiative – die Verhältnisse des kalten Krieges auf den Kopf. 

Die USA sind gemäss Kessler ein sozialistischer Wohlfahrtsstaat geworden, während der russische Staatskapitalismus zum liberalen Paradies mutiert ist. «Die meisten Reformen seit dem Zusammenbruch der UdSSR haben mehr Freiheit, mehr Privatisierung und mehr wirtschaftliche Öffnung gebracht», schreibt Kessler. Kein Witz, er meint das ernst. 

Zeit also, die Dinge wieder an den richtigen Ort zu rücken. Eines stellt Laqueur klar: «Seit dem Zerfall der Sowjetunion hat es in den letzten Jahren eine massive Verschiebung in der Ideologie des russischen Regimes gegeben»:

«Der Marxismus-Leninismus wurde ersetzt durch einen russischen Nationalismus und die Verherrlichung eines starken Staates.» 

Walter Laqueur, Historiker

Die Väter der UdSSR: Marx, Engels, Lenin und Stalin. 

Um das moderne Russland zu verstehen, müssen wir zunächst zurückblenden. Nach dem Zerfall der UdSSR herrschte Chaos und Armut. Die Bürger erhielten so genannte Voucher, die sie gegen Aktien der ehemals staatlichen Unternehmen eintauschen konnten. Das Verfahren war kompliziert, der durchschnittliche Russe hatte keine Ahnung von Marktwirtschaft und wurde übers Ohr gehauen. 

Die Privatisierung der russischen Wirtschaft war wohl einer der grösste Raubzüge in der Geschichte der Menschheit. Eine Handvoll Oligarchen rissen sich das Volksvermögen unter den Nagel und benutzten dabei den damaligen Präsidenten Boris Jelzin als nützlichen Idioten. Beim gewöhnlichen Volk hingegen bleibt bis heute der Eindruck zurück: Westliche Demokratie ist gleichbedeutend mit Chaos und organisierten Verbrechen – und das russische Volk wurde verraten und betrogen.

Unter diesen Verhältnissen wurde Wladimir Putin zunächst Premierminister von Russland. Er war damals sowohl zuhause wie auch im Ausland noch gänzlich unbekannt. Doch der ehemalige Geheimdienstmann nutzte die Gunst der Stunde und ging entschlossen gegen die Oligarchen vor. Diese waren unermesslich reich, sie waren aber auch im Volk verhasst und besassen keine politische Machtbasis.

Am 9. August 1999 ernannte Jelzin Putin zum Ministerpräsidenten. Nach einer Serie von nie aufgeklärten Bombenanschlägen auf Moskauer Wohnhäuser, die tschetschenischen Terroristen angelastet wurden, überschritten auf Befehl Putins am 1. Oktober 1999 russische Armeeeinheiten die Grenze zum tschetschenischen Landesteil. Der zweite Tschetschenienkrieg begann. Im Bild: Ein Tschetschene läuft mit einem Bettgestell durch das zerstörte Grosny.  Bild: EPA

Das nutzte Putin geschickt aus. Er vertrieb den sehr mächtigen Boris Beresowski nach London – inzwischen hat dieser Selbstmord begangen – und warf Michail Chodorkowski  ins Gefängnis. Jener wurde inzwischen wieder frei gelassen und lebt heute in Rapperswil. 

Die übrigen Oligarchen erwiesen sich als lernfähig und arrangierten sich mit Putin. Das zahlte sich für sie aus. Roman Abramowitsch beispielsweise hat sich mit einem geschätzten Vermögen von 10 Milliarden Dollar nach London abgesetzt und frönt dort seinem Hobby, dem FC Chelsea

Wiktor Wekselberg, geschätztes Vermögen 15 Milliarden Dollar, besitzt heute nicht nur immer grössere Teile von Sulzer, sondern auch die grösste Sammlung der sehr wertvollen Fabergé-Eier. Über den Reichtum von Putin selbst gibt es die wildesten Spekulationen. Einige bezeichnen ihn als den reichsten Mann der Welt mit einem Vermögen von mindestens 70 Milliarden Dollar. 

Der superreiche Wiktor Wekselberg. Bild: KEYSTONE

Putin – inzwischen Nachfolger von Jelzin im Präsidentenamt – sichert seine Macht jedoch nicht mit Geld, sondern mit seinen ehemaligen Kumpels aus dem russischen KGB, der heute FSB heisst. Die so genannten Silowiki bilden eine Art Prätorianergarde aus Geheimdienstleuten, die dem Präsidenten loyal ergeben sind und ihn abschirmen.

Nicht, dass Putin derzeit etwas vom Volk zu befürchten hätte. Wie Meinungsumfragen immer wieder zeigen, ist er äusserst beliebt. Sein Macho-Image kommt an. Kein Wunder: Rund die Hälfte der Russen bewundert nach wie vor Josef Stalin, trauert dem verlorenen Imperium nach und fühlt sich vom Westen verraten. Der begeisterte Judo-Kämpfer Putin – er trägt den schwarzen Gurt – wird geradezu verherrlicht.

1971: Der junge Wladimir Putin (unten) während des Judo-Trainings mit Vassily Shestakov in der St.Petersburger Sportschule. Bild: EPA

Grossen Zulauf haben auch Nationalisten und Blut-und-Boden-Philosophen wie Alexander Dugin. In der ehemaligen Sowjetunion gehörte er einer Gruppierung an, deren Vorbild die deutsche SS war. Später wandte er sich vom Faschismus ab, ein Hassprediger ist er jedoch geblieben. (Es gibt mehrere Video-Clips von Dugin auf YouTube, und es lohnt sich, da mal reinzuschauen, beispielsweise in diesen.)

Dugin gehört heute zu den am meisten beachteten Intellektuellen Russlands. Seine Thesen fasst Laqueur wie folgt zusammen: «Konstante Faktoren seiner Ideologie sind Anti-Globalisierung, Anti-Liberalismus, Anti-Amerikanismus, Okkultismus, Eurasianismus (die Betonung der östlichen Werte gegenüber den westlichen, Anm. d. Red.), Geopolitik, die Vorstellung, dass die Weltpolitik von geheimen Kräften bestimmt wird, und die Verbreitung des Mythos von der russischen Grossmacht.» 

Dugin hat 2011 ein fünfhundert Seiten langes Manifest geschrieben, in dem er die radikale Erneuerung des russischen philosophischen Denkens verlangt: Heidegger soll dabei die geistige Führung übernehmen. «Heidegger: Die Möglichkeit der russischen Philosophie», heisst sein Werk. bild: counter-currents

Auch die orthodoxe Kirche, im Sowjetkommunismus unterdrückt, spielt im neuen russischen Nationalismus wieder eine zentrale Rolle. «Die Kirchenmänner wurden nie Kommunisten», stellt Laqueur fest. «Aber viele ehemaligen Kommunisten haben den Weg zur Kirche wieder gefunden.» Vor allem im Wertekrieg gegen den dekadenten Westen – beispielsweise bei der Hatz auf Homosexuelle – sind die orthodoxen Popen verlässliche Partner Putins. 

Als gigantischer Putin-Fanclub hat die russische Politik keine Zukunft. Das weiss auch der Präsident. Zur geistigen Erbauung verschickte er an Weihnachten 2013 deshalb an alle Gouverneure und wichtigen Politiker des Landes drei Bücher. Eines hat Wladimir Solowjow verfasst, ein Vordenker des Eurasianismus. Das zweite stammt von Nikolai Berdjajew, einer Art russische Antwort auf die ultra-libertäre Ayan Rand. 

Interessant ist vor allem das dritte Buch. Es trägt den Titel «Unsere Aufgabe» und wurde von Iwan Iljin verfasst. Er wurde in Moskau 1883 in die besseren Kreise des damals zaristischen Russlands geboren und musste nach der Revolution nach Berlin fliehen. Ilyin war ein grosser Kommunistenhasser. Sein Berliner Büro befand sich im Gebäude des Propagandaministerium von Joseph Goebbels und er war Hitler sehr wohlwollend gesinnt, weil dieser energisch gegen die Kommunisten vorging. 

In seinem Gemälde «Der Denker» porträtierte Michail Nesterow den Philosophen Iwan Iljin (1883 bis 1954). 1950 schrieb Iljin 1950 in der Schweiz: «Es wird die historische Stunde kommen, da das russische Volk aus seinem scheinbaren Sarg auferstehen und seine Rechte zurückfordern wird.»

Trotzdem wurde Lljin 1934 von der Gestapo des Landes verwiesen. Er reiste in die Schweiz, wo er 1954 verstarb. Putin persönlich ordnete an, dass seine sterblichen Überreste 2005 in ein russisches Kloster überführt wurden. Seine Bücher – rund 30 an der Zahl – sind in den letzten Jahren neu aufgelegt worden.

Was macht Ivan Ilyin für Putin so interessant? «Er hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er für Monarchie und einen autoritären (aber nicht totalitären) Staat einsteht», schreibt Laqueur. 

«Iljin hat sich eingesetzt für eine starke Zentralmacht in einem postkommunistischen Russland mit wenigen Rechten für nicht-russische Regionen wie die Ukraine und den Kaukasus.» 

Walter Laquer

Genau ein solcher Staat, eine «geleitete Demokratie», und ein neues russisches Imperium scheint auch Putin anzustreben. Es ist daher kaum ein Zufall dass Iljin der einzige Intellektuelle ist, den Putin mehrfach in seinen Reden erwähnt hat. 2009 hat er Blumen an seinem Grab niedergelegt. 

Wie gefährlich ist Putins Russland für den Westen? Laqueur verweist auf das Beispiel von Deutschland, das nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg rasch wieder zu einer militärischen Grossmacht aufgestiegen war. Auch Putin rüstet derzeit massiv auf: Die russischen Militärausgaben haben sich zwischen 2007 und 2014 verdoppelt, diejenigen der Nato haben sich derweil halbiert. 

Putin kann sich auch auf eine lange reaktionäre Tradition stützen. Russland war niemals ein liberales Land. Im 19. Jahrhundert gehörten die Zaren zu den militantesten Vertretern der Gegenrevolution, die jegliche bürgerliche Freiheiten im Keim erstickten und die Leibeigenschaft erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts abschafften. Die «geleitete Demokratie» und die Grossmachtsträume stossen deshalb auch heute bei den Russen auf viel Verständnis. 

Das moderne Russland hat jedoch auch Schwächen. Die Bevölkerung nimmt ab. Die russischen Frauen haben durchschnittlich bloss 1,6 Kinder. Um die Bevölkerungszahl konstant auf dem gegenwärtigen Stand von 143 Millionen zu halten, wäre eine Rate von 2,1 Kindern pro Frau nötig. Hält der Trend weiterhin an, so wird die Bevölkerung bis 2050 auf 109 Millionen Menschen schrumpfen. Die Stimmung ist zudem mies:

«Die Selbstmordrate bei den jungen Russen ist drei Mal höher als der europäische Durchschnitt.»

Walter Laquer

Der grosse Schwachpunkt liegt anderswo. Putin hat es nicht geschafft, die russische Wirtschaft zu modernisieren. Die Einkünfte stammen zum grössten Teil aus Rohstoffen, vor allem Öl und Gas. Der Einbruch des Ölpreises setzt Russland hart zu, und es ist fraglich, ob die Wünsche der Bevölkerung noch zu finanzieren sind. «Die Russen wollen beides, eine Grossmacht und ein gutes Leben», schreibt Laqueur. «Das mag verständlich sein –, aber kann es auch kombiniert werden?» Die Frage ist berechtigt, zumal die Annektion der Krim nicht nur kostspielig ist, sondern auch westliche Sanktionen nach sich gezogen hat. 

Ein Graffiti des Kremls mit Putin. Bild: STRINGER/REUTERS

Russland ist heute ein Paradox: Ein Land, das gleichzeitig mit seiner ideellen und militärischen Überlegenheit gegenüber dem Westen prahlt, aber selbstmitleidig über den Verlust eines Imperiums klagt. Ein Land, in dem ein neuer Faschismus des Westens angeprangert wird, aber gleichzeitig kritische Intellektuelle unterdrückt und ermordet werden.

Warum also ist dieses Land immer noch für einen Teil der Linken attraktiv? «Teilweise ist es schlicht Ignoranz», lautet die Antwort von Walter Laqueur. «Teilweise ist es die Weigerung, die russische Entwicklung anzuerkennen und teilweise ist es Wunschdenken.»  

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24
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    Alle Leser-Kommentare
  • Crank 16.03.2016 19:03
    Highlight Wer sind denn nun die Linken die Putin immer noch feiern?
    Davon steht nichts im Bericht, oder habe ich was überlesen?
    4 0 Melden
    • Braun Pascal 15.04.2016 00:54
      Highlight lenin war links :D
      0 0 Melden
  • Zeit_Genosse 10.08.2015 04:22
    Highlight Wer diesen Führer der gelenkten Demokratie bekämpfen möchte, der drückt auf den Öl-/Gaspreis und sorgt dafür dass die Staatsausgaben fürs Militär ausgegeben werden. Ein Konflikt (Ukraine) führt zu Embargos, die Währung fällt. Das Volk verarmt und das Grossreich könnte impludieren. Wie im kalten Krieg. Ist der listige Bär in eine Falle getappt?
    21 11 Melden
  • Gelöschter Benutzer 09.08.2015 17:39
    Highlight Putin ist einer der ganz wenigen auf diesem Planeten die nicht vor den USA kuschen. Das macht ihn bei den USA und deren verbliebten Fangemeinde ziemlich unbeliebt. Genau dessenwegen aber, ist er für Europa sehr nützlich.
    33 75 Melden
    • Zuagroasta 09.08.2015 21:42
      Highlight Inwiefern? Das würde mich jetzt schon interessieren warum Herr Putin für Europa nützlich ist.
      46 5 Melden
    • Gelöschter Benutzer 10.08.2015 08:27
      Highlight Nur weil er nicht vor den USA kuscht, macht ihn das nicht besser.
      Zuweilen frage ich mich echt was der Mensch für Kritikpunkte an ihre "Helden" setzt.
      Putin kuscht nicht vor den USA, also ist er ein Guter. Den Rest blenden wir mal ganz schlicht aus. Differenzierteres Entscheiden und Denken wäre echt vorteilhafter für den Menschen. Von der einten Extreme in die Andere. Der Feind (Russland) meines Feindes (USA) muss nicht zwingend mein Freund sein :-/. Bei beiden läuft vieles nicht so wie es eigentlich sollte.
      44 7 Melden
    • Hanjo 10.08.2015 09:18
      Highlight Der Feind des "Feindes" soll also der Freund sein? Irgendwie hat dies noch nie so richtig funktioniert...
      15 5 Melden
    • Gelöschter Benutzer 10.08.2015 09:33
      Highlight @Hanjo
      Eben. Ausser vielleicht in den Filmen.
      7 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 10.08.2015 12:48
      Highlight Der Feind des Feindes ist nicht automatisch der Freund, er kann aber wie im Fall Putin sehr nützlich sein.
      9 12 Melden
    • Gelöschter Benutzer 10.08.2015 14:01
      Highlight @marcc
      Bis er dir selbst ans Bein pinkelt. ;)
      12 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 10.08.2015 14:15
      Highlight @Sa.Set: Wieso soll er? Macht doch keinen Sinn, dann kann er sich doch gleich selber ans Bein pinkeln.
      2 9 Melden
    • Gelöschter Benutzer 10.08.2015 14:40
      Highlight Ich kenn mich jetzt ehrlich gesagt zu wenig aus. Und es war auch rein eine Metapher. Aber ob Putin wirklich einen unterschied zwischen der USA und dem Westen macht? Und dann noch die Frage: was will Putin eigentlich? Wie geht es nach der Ukraine weiter? Ich finde es fehlt da echt an zu genügend Informationen. Des weiteren wäre er nicht der erste Herrscher, der sich übernimmt und sich schlussendlich selbst ans Bein pinkelt.
      12 2 Melden
  • Alnothur 09.08.2015 17:36
    Highlight Ich habe es echt wiedermal gewagt, einen Löpfe-Artikel zu lesen. Aber bei "Darin stellt der aufstrebende Star der extremen Rechten – er ist unter anderem der Initiator der «No Billag»-Initiative" habe ich, wohl glücklicherweise, aufgehört. Dass jemand über Politik schreibt, der nicht mal die geringste Ahnung hat, was die politischen Richtungen bedeuten und wie sie heissen, und auch noch einen Platz bei Watson dafür bekommt, stimmt nachdenklich. Aber bei Watson wundert mich eh nichts mehr.
    31 85 Melden
  • Jeremy Zahner 09.08.2015 17:21
    Highlight Leider ein sehr einseitiger Bericht. Etwas mehr Details und wenigstens ein kleines Stück eigene Recherche hätten diesem sehr gut getan. Ein kleiner Anstoss: Vergleichen Sie einmal die Ausgaben (inkl. der geplanten) der Nato gegenüber deren von Putins Russland. In Zahlen. Das würde zumindest die eine Aussage über die Halbierung des Budgets etwas ausgleichen. Vielen Dank dafür, dass Sie Ihre Aufgabe als Informanten der Öffentlichkeit ernst nehmen.
    40 25 Melden
    • Jeremy Zahner 09.08.2015 17:36
      Highlight Die letzte Aussage ist übrigens ernst gemeint. Ich bin ein überzeugter Leser Ihrer Plattform.
      27 4 Melden
  • Matthias Studer 09.08.2015 16:32
    Highlight Leider hat der Rechte Europäer die Propaganda Maschinerie der eigenen Mächte nicht verstanden. Ich sehe es 1:1.
    15 17 Melden
  • Jol Bear 09.08.2015 16:21
    Highlight Russland war nie wirklich demokratisch sondern stets zentralistisch (unter Zaren, während Kommunismus, unter Putin). Auch nach Auflösung des Kommunismus führte die Neuverteilung des "Volksvermögens" an die Oligarchen nicht zu Verhältnissen, welche auch nur in der Nähe von Wirtschaftsliberalismus sind. Interessant, um Erkenntnisse zur "russischen Seele" zu gewinnen, ist die Lektüre der klassischen russischen Literatur (Dostojevski, Gogol usw.). Russen wollen grundsätzlich nicht demokratische und föderalistische Strukturen. Vielmehr ein starkes, aber gerechtes Staatsoberhaupt. Das Land soll seine Identität bewahren, insbes. diese gegenüber den westlichen Einflüsse verteidigen. Angesichts der gegenwärtigen Sanktionen der EU und USA bedient Putin diese Vorstellungen ideal. Seine Anti-Westen-Haltung fasziniert selbstredend auch Linke im Westen. Und hinsichtlich Einschränkung der individuellen Freiheiten sind sich rechts- und linksextreme Ideologien näher als man zunächst denkt.
    57 5 Melden
    • LaPaillade #BringBackHansi 09.08.2015 17:19
      Highlight (whataboutism) Zentralstaat und Demokratie schliessen einander nicht unbedingt aus.
      Zudem ist vielen Russen jenseits des Urals, insbesondere Irkuts (oder sogar Nowosibir) ostwärts, interessiert es viele Leute kaum noch was in Moskau beschlossen wird. Daher ist der Föderalismus den Russen doch auch wichtig. Dies äussert sich auch in der hohen Anzahl autonomer Teilrepubliken wie beispielsweise Burjatien.
      Ansonsten stimme ich Ihnen grundsätzlich zu.
      23 3 Melden
    • Jol Bear 09.08.2015 19:29
      Highlight @laPaillade: dem ist wohl zuzustimmen. Aber spielten in diesem riesigen Reich die "eigentlichen Russen" jeweils die Hauptrolle und bestimmten über die anderen in diesem Vielvölkerstaat? Könnte mir vorstellen, dass die nicht-russischen Völker immer gegenüber der Zentrale in Moskau misstrauisch waren und versuchten, soweit als möglich sich der Kontrolle zu entziehen.
      7 1 Melden
  • Huldrych SPORT 09.08.2015 13:12
    Highlight "Die meisten Reformen seit dem Zusammenbruch der UdSSR haben mehr Freiheit, mehr Privatisierung und mehr wirtschaftliche Öffnung gebracht», schreibt Kessler. Kein Witz, er meint das ernst."
    Ich weiss immer noch nicht, was an dieser Aussage falsch sein soll.
    33 42 Melden
    • Gelöschter Benutzer 09.08.2015 13:39
      Highlight Wo lesen sie, dass diese Aussage falsch ist.

      Herr Löpfe schreibt "Kein Witz, er meint das ernst."
      Er rückt die Dinge an den richtigen Ort, verfasst einen sehr guten ausführlichen Artikel. Haben sie überhaupt bis zum Schluss gelesen. Wenn ja, dann tun sie doch ihre Meinung kund. Sie verfallen eher in die Lethargie des "ich weiss von nichts sag es mir". Lesen ist das Gebot der Stunde.
      38 18 Melden
    • _kokolorix 09.08.2015 13:51
      Highlight frag mal ein paar enteignete oligarchen, pussy riots, schwule oder journalisten. mehr freiheit?
      wirtschaftliche öffnung ist auch nicht, weil ohne beziehungen und schmiergeld läuft in putins russland gar nichts.
      bleibt nur die privatisierung. aber selbst da ist nicht alles gold was glänzt. falls die eigner von wichtigen betrieben nicht nach putins pfeife tanzen sind sie schwupps verurteilt und ihr besitz wieder verstaatlicht bzw. als prämie auf einen treueren untertanen übertragen.
      63 23 Melden
    • Bowell 09.08.2015 15:41
      Highlight Ja warum denkt man denn nicht an die armen, enteigneten Oligarchen? Danke _kokolorix, ich konnte wieder einmal herzhaft lachen.
      24 7 Melden
    • Gelöschter Benutzer 10.08.2015 10:21
      Highlight Das mit den enteigneten Oligarchen ist wirklich ein besonders trauriges Kapitel in der Geschichte der Menschheit. Da haben die voller Elan und mit ungeuerem unternehmerischem Tatendrang in den Neunzigern, als die Ex-UDSSR faktisch dem wilden Westen glechkam, andere Leute ermordet und ermorden lassen, mit Hilfe der Mafia enorme Vermögenswerte an sich gebracht und ganz allgemein gehaust wie Attila der Hunnenkönig und dann das... keine Wertschätzung, kein Respekt, kein Dankeschön. So traurig.
      21 0 Melden

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