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Militärmanöver in Polen: Im Würgegriff der «Anakonda»

Beim Grossmanöver «Anakonda» spielen 31'000 Soldaten eine Attacke Russlands auf Polen durch. Warschau fordert damit die Solidarität der NATO ein – doch in deren Hauptquartier ist man genervt.

07.06.16, 14:17 07.06.16, 14:34

Matthias Gebauer

Russland kritisiert die Übung scharf – denn unverhohlen wird der russische Angriff auf den Ostrand der NATO geprobt.
Bild: EPA/PAP

Ein Artikel von

Ab Dienstag proben rund 31'000 Soldaten den Ernstfall: Von der Ostsee aus wird Polen von einer «roten Gruppe» attackiert, aus Ländern mit Phantasienamen wie Bothnia oder Torrike. Gleichzeitig sickern bei der Übung nicht markierte Soldaten von Norden und Süden ein.

Man muss kein Experte sein, um das Szenario zu verstehen. Kurz vor dem NATO-Gipfel spielt Polens Militär den Angriff Russlands auf den Ostrand der Allianz durch. Polen kann sich wehren, soll das heissen – wohlgemerkt gemeinsam mit den auf Manöverkarten blau markierten NATO-Truppen.

«Das Ziel der Übung ist klar», hat Polens Präsident Andrzej Duda vor einigen Tagen in seinem Amtssitz erklärt, «wir bereiten uns auf einen Überfall vor.» Immer wieder schaute er da zu NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Der nickte gezwungenermassen.

Gut einen Monat vor dem NATO-Gipfel in Warschau testen mehr als 31'000 Soldaten aus 24 Staaten auf polnischen Truppenübungsplätzen den Verteidigungsfall. Bild: EPA/PAP

Grundsätzlich passt die Grossübung «Anakonda» zur NATO-Linie. Seit der Krim-Annexion setzt das Bündnis wieder auf Abschreckung gegen Russland. Militärmanöver gehören zum Programm. Sogar eine Eingreiftruppe für Notfälle wurde hastig aufgestellt. Sie soll im Bündnisfall, bei einem Angriff auf einen der NATO-Partner, in nur zwei Tagen an der östlichen Frontlinie sein.

Mit der Übung «Anakonda» ist die NATO trotzdem nicht glücklich. Das Manöver, heisst es im Hauptquartier, sei «viel zu plump auf Russland gemünzt». Zudem sei das Durchspielen des Bündnisfalls so kurz vor dem NATO-Gipfel in Polen «zu dick aufgetragen». Klar sei das Verhältnis zu Russland schwierig, hier aber werde «ohne Not der Ernstfall durchexerziert».

Russland hat die Übung bereits scharf kritisiert. Sie trage nicht dazu bei, eine Atmosphäre von Vertrauen und Sicherheit zu schaffen, erklärte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow am Dienstag.

Ein forscher Gastgeber

Formal ist «Anakonda» zwar eine nationale Übung. Nach Drängen aus Warschau aber spielen fast alle NATO-Nationen mit, besonders die USA zeigen Flagge. Folglich wirkt das Manöver wie eine NATO-Übung. Für die Allianz kommt das ungelegen: Während man in Brüssel derzeit betont, man wolle irgendwie den Dialog mit Moskau reanimieren, wird in Polen Krieg gespielt.

«Anakonda» heisst das Manöver. Beteiligt sind Truppen aus NATO-Staaten. Hier posieren US-Soldaten mit einer Stoff-Schlange auf dem Trainingsgelände Drawsko Pomorskie im Nordwesten Polens. Bild: EPA/PAP

Hinter den Kulissen hatte die NATO versucht, die Polen zu beschwichtigen. Nicht nur Aussenminister Frank-Walter Steinmeier redete viel, bat um Mässigung. So wie er mussten aber auch die anderen Partner lernen, dass die neue polnische Regierung an ihrem strikten Anti-Russland-Kurs festhält.

Nicht wenige fürchten deswegen, dass die Polen als Gastgeber den Gipfel im Juli politisch vergiften könnten. Das Treffen war als Symbol der Solidarität extra nach Polen gelegt worden – der Zwist kommt ungelegen. In Warschau soll auch die Entsendung von jeweils einem NATO-Bataillon in die vier östlichen Bündnisnationen als symbolischer Schutz vor Russland verkündet werden.

Lust an der Provokation

Wie gerne die aktuelle polnische Regierung irritiert, hat Berlin bereits erlebt. Ende April polterte der Warschauer Verteidigungsminister überraschend, Deutschland blockiere die Verlegung von US-Truppen nach Polen. Der Vorwurf war haltlos. Trotzdem druckten ihn die polnischen Zeitungen. Die Bundesregierung war nicht begeistert. Wohl nicht ganz zufällig ist die Bundeswehr nur mit 400 Pionieren bei der «Anakonda»-Übung aktiv.

Aus Berliner Sicht setzt Warschau absichtlich auf Provokation. So lud man zur Übung «Anakonda» auch Georgien und die Ukraine als Teilnehmer ein. Beide würden gern Teil der NATO werden. Dort wird dies seit Jahren abgelehnt, auch um Russland nicht zu reizen. Für die Polen aber zählt das nicht. Die NATO-Russland-Grundakte, den Grundlagenvertrag mit Moskau, hat Warschau für obsolet erklärt.

Der Dissens wurde auch beim Besuch des NATO-Chefs bei Polens Präsident sichtbar. Während Jens Stoltenberg betonte, man könne nur rotierende Einheiten nach Polen schicken, forderten die Gastgeber permanente NATO-Basen. Stoltenberg verkündete stolz, es würden «mehr NATO-Truppen nach Polen kommen als je zuvor». Die Polen entgegneten, über Zahlen werde man noch reden müssen.

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ignisanulum 07.06.2016 22:26
    Highlight Die NATO mag ein Aggressor sein - für die ganzen ehemaligen Ostblock-Staaten die von Russland als seine Einflussfähre betrachtet werden und Jahrzehnte lang unter den Sowjets litten, stellt die NATO die warscheindlich beste Versicherung dar, die sie bekommen können..
    6 10 Melden
  • Echo der Zeit 07.06.2016 22:05
    Highlight Ach was waren das noch Zeiten, als die Russen noch bedenken los mit dem Panzer durch Warschau Brettern durften - Heute wollen sich diese Bauern auch noch verteidigen!
    7 13 Melden
  • mortiferus 07.06.2016 20:09
    Highlight Bündnisfall. NATO lol! Welche fetten, Smartphone-EU Bürger aus England, Deutschland oder Frankreich würden sich in den Krieg stürzen? Welche Idioten würden die Krim im Namen der Ukraine für den "Westen" verteidigen? Hirnlose bezahl Soldaten und Amis würden verbluten vor der Höhle des Bären. Der Bär lebt schon Jahrhunderte dort in seiner Höhle, er wurde schon einige Male aus dem Westen her überfallen, Beresina sollte uns Schweizern ein Begriff sein. Der Bär kämpft tapfer und mit Herz, er wird weder weichen noch sich an die Ketten legen lassen. Die USA sollen auf ihrer Insel bleiben.
    26 27 Melden
    • Fabio74 07.06.2016 22:23
      Highlight Was soll uns diese Märchenstunde sagen? Putin soll in seinem Laden Ordnung schaffen und sich nicht in souveräne Staaten einmischen
      8 11 Melden
    • Gelöschter Benutzer 07.06.2016 23:47
      Highlight Der Bär kann auch dort bleiben, den gegen Bären spricht eigentlich nichts. Er sollte nur aufpassen, dass er sich nicht zu wichtig nimmt und übermütig wird...
      6 7 Melden
    • ramonke 08.06.2016 00:16
      Highlight ich würde die geschichte nochmal studieren. bei napoleon hat das zarenreich nur gewonnen indem sie weite teile ihres landes selbst zerstörten.
      bei hitler hatten die russen grosse unterstützung durch die amerikaner und briten die ihnen neuste kriegstechnologie und waffen lieferten damit sie ihre hoffnungslos unterlegene luftwaffe auf vordermann bringen konnten. hitler hat sich immer auf seine luftwaffe verlassen und als die gegen die amerikanischen und britischen maschienen nicht mehr ankahmen wendete sich das blatt.
      versuchen sie nicht die geschichte anders darzustellen als sie war
      5 9 Melden
  • sauronswiss 07.06.2016 20:03
    Highlight Man kennt ja die Haltung von SPON et.al.
    zum glück kann man sich ja Heute mit original Dokumenten informieren und ist nur bedingt auf FAZ, Spiegel und RT "angwiesen ;-)
    Interessierte sollten halt Bücher lesen, und PR meiden.
    Wenn das Journis täten wüssten Sie, dass der Generalsekretär der Nato sehr beschränkten Einfluss hat. Er ist halt nur der Sekretär des Generals.
    Und der arbeitet traditionell vom Pentagon aus.

    Helft mit und verabscheut alle die Krieg wollen!



    23 5 Melden
  • Gelöschter Benutzer 07.06.2016 18:43
    Highlight Der SPON verteidigt hier in seiner gewohnt devoten Art die angeblich gemässigte NATO und schiebt den Schwarzen Peter Polen zu. Ich denke, langsam wird es auch den Deutschen etwas heiss. Man kann nur hoffen, dass Putin seinen besonnenen Kurs weiter führt, sich nicht provozieren lässt und die Hardliner in seinem Land im Griff hat. Diese kritisieren den Präsidenten nämlich ziemlich harsch für seine Untätigkeit. Während des Kalten Krieges war es 1-2 mal ziemlich knapp, und die USA steuern ganz klar wieder auf einen Kalten Krieg zu.
    Mit Hillary an der Spitze erst recht.
    35 14 Melden
    • xlt 07.06.2016 22:42
      Highlight Besonnener Kurs von Putin, echt jetzt? Besetzung der Krim und Krieg in der Ukraine komplett ausgeblendet?
      6 11 Melden
    • ramonke 08.06.2016 00:17
      Highlight putin und sein besonnener kurs hahaha
      4 10 Melden
    • Gelöschter Benutzer 08.06.2016 00:23
      Highlight Komm hör doch auf mit der Krim. Es gab eine Abstimmung und die Leute sind offensichtlich hochzufrieden mit dieser Entscheidung. Es war eine autonome Republik und hatte das Recht dazu, sich abzuspalten. Willst Du sie zwingen, wieder unter dem failed state Ukraine zu leben obwohl sie eigentlich Russen sind? Damals wurde die Krim von Chruschtschow "verschenkt" ohne die Einwohner überhaupt zu fragen.
      Das ist echt nur noch peinlich, genau so peinlich wie die Lüge, es sei eine Annexion gewesen.
      10 3 Melden
  • Radiochopf 07.06.2016 18:32
    Highlight Ist doch schon ein Wunder das man in unseren Medien darüber liest.. Über die ganzen sonstigen NATO Übungen die ständig aktiv sind rund um Russland liest man nur auf RT, aber das ist ja auch nur Putin-Propaganda und die lügen ja sicher, mimimi... Aber wehe Russland macht in Russland ihre jährlichen Übungen, dann heisst es schon wieder Provokation, 3. Weltkrieg, Agressor... Wer die NATO nicht als Agressor erkennt ist einfach blind und naiv....
    35 11 Melden
    • Fabio74 07.06.2016 22:25
      Highlight Naiv ist dein Kommentar, also ob die NATO nicht das Recht hätte ihre Übungen abzuhalten wo sie wollte. mimimimi
      6 13 Melden
    • Jürg Müller 07.06.2016 23:35
      Highlight ...aber wehe Polen macht in Polen seine Übungen, dann heisst es ...

      Die Aggressoren sitzen überall. USA, Polen, Russland, Ukraine, Syrien, IS ...... Und alle behaupten sie, bäh bäh bäh, wir verteidigen uns doch nur! Wir Armen werden morgen angegriffen! Die Russen üben genauso Grenzverletzungen wie die NATO. Ich hoffe nur, das geht nicht irgendwann schrecklich schief.
      3 6 Melden
  • Angelo C. 07.06.2016 18:26
    Highlight Unglaublich, was diese "Friedensorganisation" für unnötige Provokationsszenarien aufbaut, während die Polen irgendwie nicht ganz dicht sind, so einen Wirbel überhaupt auszulösen.

    Nicht das Geringste deutet darauf hin, dass Putin, ausser an den Grenzregionen der einstmals von Chruschtschow verschenkten Sowjetrepublik Ukraine, gewisse Interessen zeigen würde.

    Die Nato betreibt da ein riskantes Spiel im Vorhof zu und an den Grenzen nach Russlands - und so darf niemand wirklich überrascht sein, wenn Putin seine Jets im Tiefflug über diesen Umzug donnern lässt.

    Ein verantwortungsloses Spiel 🤔!
    34 13 Melden
    • Echo der Zeit 07.06.2016 22:08
      Highlight Man darf nicht vergessen, dass die Polen ja tatsächlich mit den Folgen der kriminellen Verabredung Stalins und Hitlers lebenb müssen. Die Sowjetuinion hat nach dem 2. WK darauf bestanden, dass sie, wie mit Hitler vereinbart, das Baltikum und halb Polen in ihr Reich eingliedern darf. Die Polen wurden dafür mit den deutschen Ostgebieten "entschädigt". Dennoch hat das für hunderttausende Polen Vertreibung und den Verlust der Heimat mit sich gebracht.Die Angst vor Russen und Deutschen ist also ganz verständlich und gut begründet Teil der polnischen Nationalpsyche.
      5 5 Melden
    • Echo der Zeit 07.06.2016 22:11
      Highlight Diese Angst kann nur durch eine sehr lange Phase der Verttrauensbildung langsam zurück gedrängt werden. Putin hat das Gegenteil gemacht: mit seinem Überfall auf die Ukraine hat er den Polen gezeigt, dass ihre Angst vor einem imperialistischen Russland auch heute noch hochaktuell ist. Besonders wen eh, bald nur noch Nationalisten den Ton angeben.
      5 8 Melden
    • Fabio74 07.06.2016 22:26
      Highlight Russland hat sich nicht für irgendwelche Grenzregionen ausserhalb seiner Staatsgrenzen zu interessieren. Auch Russland hat 75 die KSZE Schlussakte unterzeichnet, und die Ukraine in seinen Grenzen von 94 anerkannt im Budapester Memorandum.
      Oder darf im Gegenzug Deutschland interesse an Grenzregionen haben? Sagen wir das Elsass, Schlesien oder vielleicht die Deutschschweiz?
      4 10 Melden
  • Gelöschter Benutzer 07.06.2016 15:12
    Highlight Also da übt die NATO in einem Grossmanöver mit 30'000 Soldaten an der Grenze zu Russland, aber natürlich sind die Russen die Agresseure..NATO-Propaganda at it's finest.
    54 40 Melden
    • Slant 07.06.2016 15:57
      Highlight (:
      33 40 Melden
    • Gelöschter Benutzer 07.06.2016 16:21
      Highlight *gähn* ist jetzt diese Militärmanöver eine Verschwörungstheorie oder was willst du sagen?
      30 10 Melden
    • Gelöschter Benutzer 07.06.2016 17:05
      Highlight Bist du tatsächlich so verwirrt und hälst du dieses Manöver für eine Verschwörungstheorie?
      17 9 Melden
    • Gelöschter Benutzer 07.06.2016 18:30
      Highlight Du meinst also dieses "Manöver" findet gar nicht statt und der Artikel sei eine Verschwörungstheorie?
      12 9 Melden
    • Slant 07.06.2016 19:32
      Highlight 3x Ja (:
      9 24 Melden
    • Gelöschter Benutzer 07.06.2016 19:53
      Highlight @watson-allmighty: zuerst gar keiner und nach Beschwerde alle. Wenigstens hat eure Zensurabteilung Humor :P
      16 8 Melden

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