International

Ein südkoreanischer Soldat werkelt an der Anlage für die Beschallung Nordkoreas.
Bild: AP/NEWSIS

Es geht wieder los: Südkorea beschallt den Norden mit Propaganda-Botschaften und lauter Musik

Als Reaktion auf einen Atomtest Nordkoreas hat Südkorea seine Propaganda-Beschallung an der Grenze wieder aufgenommen. Am Freitag seien an elf Stellen die Lautsprecheranlagen in Betrieb genommen worden, erklärte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums in Seoul.

08.01.16, 05:35 08.01.16, 10:20

Die Massnahme mit lauter Musik und Propaganda-Botschaften war als Reaktion auf den neuen Atomtest angekündigt worden. Am Donnerstag hatte Südkorea den Test als «mutwilligen Verstoss» gegen Nordkoreas internationale Verpflichtungen und eine «schwere Verletzung» eines Abkommens mit dem Süden von Ende August verurteilt. Tags zuvor hatte Nordkorea verkündet, erfolgreich eine Wasserstoffbombe getestet zu haben, und damit international für Empörung gesorgt.

Atomexperten und die US-Regierung äusserten allerdings Zweifel, ob es sich tatsächlich um eine Wasserstoffbombe handelte. Erste Analysen der Erschütterungen deuten westlichen Experten zufolge eher auf den Test einer herkömmlichen Atombombe hin als auf die Zündung einer erheblich stärkeren H-Bombe.

Bilder der Beschallungsanlage:

YouTube/Newsy World

Südkorea hatte die Beschallung im vergangenen Sommer nach elfjähriger Unterbrechung nach neuen Spannungen für zwei Wochen wieder aufgenommen. Erst nach bilateralen Krisengesprächen wurde die Aktion, die von Nordkorea als Kriegsakt bezeichnet worden war, beendet.

Südkoreaner protestieren gegen Kim Jong Uns Atomtests in Seoul.
Bild: JEON HEON-KYUN/EPA/KEYSTONE

Zugang zu Kaesong beschränkt

Der Konflikt mit Nordkorea hatte sich im August zugespitzt, nachdem bei der Explosion einer Landmine in der Grenzregion zwei südkoreanische Soldaten verletzt worden waren. In Marathonverhandlungen wendeten beide Seiten Ende August schliesslich eine militärische Konfrontation ab.

Südkorea kündigte am Donnerstag ausserdem an, den Zugang zum gemeinsam mit Nordkorea betriebenen Industriekomplex Kaesong einzuschränken. Aus Sicherheitsgründen dürften nur noch Südkoreaner mit direkten Geschäftsinteressen in Kaesong in das innerhalb Nordkoreas gelegene Industriegebiet reisen, sagte ein Vertreter des Wiedervereinigungsministerium in Seoul. In Kaesong arbeiten etwa 53'000 Nordkoreaner für rund 120 südkoreanische Firmen. Der Komplex ist für Nordkorea eine wichtige Devisenquelle.

Grenzposten zwischen Kaesong und Südkorea: An Kontrolle und Quarantäne vorbei.
Bild: Lee Jin-man/AP/KEYSTONE

USA verschärfen Gangart

Nach dem Atomtest streben die USA eine härtere Gangart der Weltgemeinschaft im Umgang mit dem kommunistischen Regime in Pjöngjang an. «Dieser Test unterstreicht die Notwendigkeit einer stärkeren, festen internationalen Antwort», sagte der Sprecher des US-Aussenministeriums, John Kirby, am Donnerstag (Ortszeit) in Washington. «Möglicherweise ist jetzt die Zeit gekommen, schärfere Sanktionen zu verhängen.»

Zuvor hatten sich US-Präsident Barack Obama, die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye und Japans Ministerpräsident Shinzo Abe auf eine enge Zusammenarbeit im Vorgehen gegen Nordkorea geeinigt. Ziel ist unter anderem die Annahme einer Resolution des UNO-Sicherheitsrates, die harte Sanktionen gegen Nordkorea vorsieht.

Aussenminister John Kerry rief die Vetomacht China auf, sich stärker gegen eine atomare Bewaffnung Nordkoreas einzusetzen. «Chinas Herangehensweise hat nicht funktioniert», sagte er. Die USA könnten nach Medienberichten bereits bald mit Hilfe von Luftuntersuchungen die Frage klären, ob es sich am Mittwoch um den Test einer Wasserstoffbombe (H-Bombe) gehandelt hatte.

Die erste Wasserstoffbombe

(dwi/sda/afp/dpa)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 08.01.2016 09:19
    Highlight Diese ganzen Sanktionen werden nie zum Erfolg führen, Nordkorea hat sich längst daran gewöhnt. Es wird wohl kein Weg daran vorbeiführen, dass man Kim J. Un als gleichwertigen Verhandlungspartner ansehen und wohl als die neueste Atommacht akzeptiert werden muss. Wann das die US-Administration (wenn überhaupt) erkennen wird, ist jedoch fraglich.
    3 10 Melden
  • SlicedTiced 08.01.2016 09:03
    Highlight Können wir bitte die Bezeichnung eines kommunistischen Landes streichen? Seit 2009 sind alle kommunistischen Bezüge aus der Verfassung gestrichen worden.
    Heutzutage ist es eher eine Militärdiktatur mit einem de facto Einparteiensystem.
    11 3 Melden
    • Ordo Malleus 08.01.2016 11:33
      Highlight Eine (Militär)diktatur ist doch das Endstadium eines jeden kommunistischen Systems? :D

      Nene, nennen wird das Kind doch beim Namen.
      3 1 Melden
    • SlicedTiced 08.01.2016 13:35
      Highlight @Ordo: hahaha der Spruch gefällt mir!
      0 0 Melden
  • Typu 08.01.2016 07:29
    Highlight Eine Beschallungsanlage. Hört sich wie ein Scherz an. Unglaublich was dort abgeht. Totaler Kindergarten. Anstatt zusammen erfolgreich sein sabotiert man sich.
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    • Fumo 08.01.2016 08:44
      Highlight Die Sache ist so:
      -Süd-Korea ist ein Vassal der USA.
      -Nordkorea entspricht nicht den Vorstellungen der USA
      -Wenn man den Vorstellung der USA nicht entspricht darf man nicht mit ihren Vassale zusammen erfolgreich sein.

      Einfaches Prinzip, nicht? ;)
      5 26 Melden
    • amazonas queen 08.01.2016 12:45
      Highlight Dann lieber Vasall der USA als Diktatur.
      1 0 Melden

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