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Zivile Schiffe als Retter: «Menschen ertrinken vor unseren Augen oder erfrieren an Bord»

Zivile Handelsschiffe helfen bei den Flüchtlingsdramen im Mittelmeer und retten Tausende Menschen. Die Besatzungen sind am Ende ihrer Kraft, berichtet ein Reeder aus Hamburg. Die Schifffahrt fordert dringend Hilfe von der EU.

21.04.15, 12:40 21.04.15, 12:56


«Unsere Besatzungen sehen die Menschen sterben; sie ertrinken vor unseren Augen oder erfrieren an Bord», sagt der Hamburger Reeder Christopher E. O. Opielok. Viele der Seeleute ertragen dieses Elend nicht mehr und suchen sich daher einen anderen Job.

Opielok führt ein kleines Unternehmen mit fünf Schiffen. Zwei davon sind im Mittelmeer als Versorgerschiffe eingesetzt und beliefern von Malta aus Öl- und Gasplattformen vor der libyschen Küste mit Betriebsmaterial.

Seit Dezember haben die Schiffe des Reeders bei mehr als einem Dutzend Rettungseinsätzen rund 1500 Flüchtlinge aus untergehenden Booten gerettet.

«Manche Flüchtlinge erfrieren innerhalb von Minuten an Deck, nachdem wir sie unterkühlt aus dem Wasser gezogen haben»

«Wir sind auf die Rettungseinsätze nicht eingerichtet», sagt Opielok. Die Schiffe fahren mit zwölf Mann Besatzung und nehmen teils mehrere Hundert Flüchtlinge auf. Es fehlt an Platz, Sanitäreinrichtungen, Medizin, Proviant und erster Hilfe.

«Manche Flüchtlinge erfrieren innerhalb von Minuten an Deck, nachdem wir sie unterkühlt aus dem Wasser gezogen haben», berichtet der Reeder, der selbst lange als Kapitän zur See gefahren ist.

Flüchtlingsdrama vor Rhodos

«Wir sind auf die Rettungseinsätze nicht eingerichtet»

Entziehen darf sich der Kapitän eines Handelsschiffes nicht, wenn er zur Hilfe in Seenot aufgefordert wird. Das wäre strafbar. Die Schlepper der Flüchtlinge wissen das und steuern die Boote gezielt in die Öl- und Gasfelder vor der libyschen Küste. So machen sich die Schlepper und Fluchthelfer die zivile Schifffahrt zunutze.

Der Hamburger Reeder ist bei weitem kein Einzelfall. Handelsschiffe haben im vergangenen Jahr rund 40'000 Flüchtlinge aus Seenot gerettet. Und die Reederverbände befürchten einen dramatischen Anstieg.

In einem gemeinsamen Appell haben sich die europäischen und die Weltverbände der Reeder und der Gewerkschaften der Seeleute an die 28 EU-Regierungen gewandt. Wenn Tausende weitere Opfer vermieden werden sollten, müssten die EU-Staaten zusätzliche finanzielle Mittel bereitstellen und die finanzielle Bürde teilen. (whr/sda/dpa)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 21.04.2015 14:32
    Highlight Während man in Europa beschlossen hat die ankommenden Flüchtlinge aufzunehmen und zu versorgen, beschliessen andere Länder wie z.B. Australien die Grenzen wieder dicht zu machen. Grosse Teile der europäischen Gesellschaften träumen immer noch unbeholfen von einer gerechten Welt. Irgendwann werden einem aber auch hier die Probleme ganz praktisch und fest auf die Füsse fallen. Insbesondere, da kein einziger der angeblichen Flüchtlinge, welcher keine Schule besucht und keine Ausbildung hat, ausserhalb der Sozialsysteme hier ohne vom Steuerzahler finanzierteTransferleistungen überleben könnte.
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    • Seebär 21.04.2015 18:08
      Highlight hey 69 Zombie,tztztz. die meisten Flüchtlinge sind vom Mittelstand also ehrliche und unbescholtene Bürger wie du und ich. hab keine Angst. Ich weiss das weil ich mit Asylanten geredet habe. woher hast du denn deine exakten Angaben über die Bildung? Bin mal echt gespannt auf deine Antwort.
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