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Nach dem 11. September 2001 haben sich die Kontrollen an den Flughäfen verschärft.
Bild: EPA

Der Terror bringt unsere wirtschaftliche Freiheit in Gefahr

Die Analyse zu den wirtschaftlichen Folgen des Terrors.

21.11.15, 17:04 21.11.15, 17:21

Andreas Schaffner / Aargauer Zeitung

Die Terrorattacken vom Freitag letzter Woche sind ein Angriff auf den westlichen Lebensstil. Auch. Aber noch viel mehr greifen sie unsere Grundwerte an. Werte, die in der Zeit der Aufklärung – in Paris, nur einen Kilometer vom Konzertlokal Bataclan entfernt – unter Blutvergiessen erkämpft wurden. Im Vordergrund steht hier die Freiheit. Wie sollen wir damit umgehen? Die Gefahr besteht, dass wir nachgeben, dass wir mehr Regeln aufstellen, dass wir mehr Sicherheit fordern.

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001, als zwei Flugzeuge das World Trade Center in New York – als vermeintliches Symbol der freien Marktwirtschaft – angegriffen und zerstört haben, sind diese Tendenzen festzustellen. Auch damals wollten die Terroristen ihr Tun als Angriff auf die Symbole der freien Welt verstanden wissen.

Längst haben wir uns seither an die verschärften Sicherheitskontrollen an den Flughäfen gewöhnt. Auf ein stärker überwachtes Internet. Als Folge der Attentate haben die staatlichen Eingriffe zugenommen, unter dem Stichwort «Krieg gegen den Terror». Und auch diesmal sind gleiche Töne zu hören. Französische Militärpatrouillen unter dem Eiffelturm, schwerbewaffnete Polizisten im Bahnhof Bern wirken für viele beruhigend.

Bewaffnete Patrouille unter dem Eiffelturm.
Bild: KEYSTONE

Die Schweiz profitierte bisher von der Globalisierung

Die Freiheit, sie ist in einem Bereich des Lebens, der Wirtschaft, tatsächlich in Gefahr. Hier sinken seit längerem die Hoffnungen auf mehr Freiheit, auf mehr Liberalisierung. Die Globalisierung verliert an Attraktivität, aber auch an Schwungkraft. Die Handelsfreiheit, die Kapitalfreiheit, die Dienstleistungsfreiheit, die Niederlassungsfreiheit: Sie wirken immer stärker als Bedrohung der eigenen Werte, der sozialen Errungenschaften oder der Sicherheit. Dies ist nicht nur in der Schweiz zu spüren, die so stark von freien Märkten profitiert wie kaum eine andere Volkswirtschaft, sondern auch auf internationaler Ebene. In der EU sind nationale Abschottungstendenzen spürbar.

Angesichts der jüngsten Flüchtlingskrise werden Grenzen hochgezogen. Schlagbäume fallen und die Menschen applaudieren. Die Engländer fordern ihre «EU à la carte». Auch die multilateralen Abkommen für einen internationalen Abbau von Zollschranken sind auf Eis gelegt. Sogar beim Klimaschutz kommen wir nicht weiter.

Eine verheerende Entwicklung. Denn sie gibt auch all denen Recht, die schon immer von einer Öffnung der Märkte warnten; die Armut in den Schwellenländern als eine Folge der Globalisierung sahen. Sie gibt all denen recht, die von geschlossenen Grenzen und abgeschotteten Märkten profitieren. Sie gibt all denen recht, die mit Potentaten Geschäfte machen, ohne Rücksicht darauf, ob die Freiheitsrechte innerhalb des betroffenen Staatsgebiets gelten. Und sie leistet nicht zuletzt den ewiggestrigen Modernisierungsgegnern Vorschub.

Die Schweiz profitiert besonders von offenen Grenzen.
Bild: KEYSTONE

Sicher, nicht alle haben von der Globalisierung profitiert. Der Fall des Eisernen Vorhangs hat in Europa nicht allen Bürgern Vorteile gebracht. Erst recht nicht seitdem die Eurokrise die Mittelmeerländer an den Rand des Staatsbankrotts gebracht hat. In vielen Ländern, allen voran den USA, nahm in den letzten Jahren die ungleiche Verteilung der Vermögen zu. Doch ist das wirklich eine Folge der unbändigen Globalisierung? Und: Was wäre die Alternative zum Streben nach Freiheit? Welche Organisationsformen könnten den liberalen Rechtsstaat ersetzen? Was könnte denn die Marktwirtschaft ersetzen?

Zur Freiheit gehört immer auch Verantwortung

Ist diese Vorstellung von Freiheit naiv? Ist sie überholt? Ist sie gar gefährlich? Ich glaube nicht. Wir müssen aufpassen, dass wir das Kind nicht einfach mit dem Bad ausschütten. Dass wir vor den Feinden der offenen Gesellschaft, die aus ihren Kellerlöchern hervorkriechen, nicht kuschen. Ja, wir müssen eine Diskussion führen über die Grenzen der Freiheit, über den Liberalismus, über die Grundwerte, das ist selbstverständlich. Denn es gehört zum Wesen der Freiheit, dass über sie gestritten wird. Dass sie nicht unbeschränkt ausgeübt werden kann: Auch in der Wirtschaftswelt braucht es Grenzen. Nicht alles, was möglich scheint, muss gemacht werden. Denn Freiheit ist nicht nur mit einer Anspruchshaltung verbunden, sondern auch mit Verantwortung. Doch wir dürfen nicht vergessen, für die Freiheit einzustehen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • meliert 22.11.2015 09:36
    Highlight In den 00er Jahren, nach 9/11, reiste ich öfters in die USA. Ich wurde meistens ausführlich an den US Flughäfen kontrolliert und abgetastet. Irgenwann, als es mir etwas zu bunt wurde, habe ich beim Beamten nachgehakt wieso immer ich. Seine Antwort: "du bist weisser Europäer, die reklamieren nicht. Wenn wir dunkelhäutige Reisende checken, sind wir Beamte Rassisten" - sehr beruhigend oder?
    Kam mir gerade wieder in den Sinn, als ich das Foto des älteren Herrn sah in diesem Bericht!
    3 0 Melden
  • poga 22.11.2015 08:18
    Highlight Es wird die Zeit kommen, in der das Prädikat "ewiggestern" den Kreisen zukommt welche im Moment einen Staat wollen der offen für alle ist, und ständig versuchen Freiheiten zu verteidigen, welche sie schon lange verloren haben.
    2 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 21.11.2015 18:11
    Highlight Unkontrollierbare Wirtschaft verursacht mehr Tote und Schaden als Terrorismus. Terrorismus ist eine Folge der wild wuchernden Wirtschaft und damit geht Terrorismus auf die Kappe der Wirtschaft.

    Die soziopathischen Herren der Teppichetagen scheinen nur vordergründig weniger brutal. Weil sie mit ihren Waffen die Menschen nicht selbst erschiessen, sondern die Waffen verkaufen. Auch für die Zerstörung ganzer Landstriche engagieren sie zukünftige Sündenböcke.

    Solange diese Sesselfurzer einigermassen Steuern zahlen, werden sie auch keinen Gegenwind spüren.
    6 10 Melden
    • Gelöschter Benutzer 21.11.2015 18:38
      Highlight Geld - Geld - Geld ... Der Gott des Kapitalismus. Wen jucken da schon tote Zivilisten oder ein paar Kriege mehr? Hauptsache die Kasse stimmt.


      "Im ersten Halbjahr 2015 wurde Kriegsmaterial für knapp 217 Millionen exportiert."

      "Im November 2014 hat der Bundesrat auf Druck der Rüstungsindustrie und des Parlaments die Kriegsmaterialverordnung punktuell aufgeweicht. Seither können Waffen in Ausnahmefällen auch wieder in Länder exportiert werden, die systematisch die Menschenrechte verletzen"

      http://www.nzz.ch/schweiz/schweizer-waffenexporte-im-grossen-stil-blockiert-1.18602405
      4 9 Melden
    • Gelöschter Benutzer 21.11.2015 18:41
      4 7 Melden
    • atomschlaf 22.11.2015 03:09
      Highlight Mme. Rhabarber - hast Du dich etwas verrannt...?
      4 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 22.11.2015 08:12
      Highlight Es gibt mehr als genügend Belege quer durch die Welt und Menschheitsgeschichte, dass sowas wie Terrorismus nur entstehen kann, wenn genügend Menschen unzufrieden sind.

      Laut Psychologie würde auch heutiger Terrorismus nicht so erfolgreich Menschen sammeln, wenn die Leute nicht durch zu viele Ungleichheiten, so unzufrieden wären mit ihrem Leben.

      Auch ein Grund von Scheichs und anderen Bossen, die Armutsschere so weit klaffen zu lassen. Damit generiert man Soldaten, die den letzten Rest an Verstand mit Drogen wegspülen und zu wahnsinnigen, aber folgsamen Killermarionetten mutieren.
      0 3 Melden
  • Schuhmeister Flaig 21.11.2015 18:00
    Highlight Wir sollten Bomben gefüllt mit Liebe und Ganja über Syrien abwerfen. :<}
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  • ferox77 21.11.2015 17:10
    Highlight Es gibt ein Zitat, das dem japanischen Flottenchef I. Yamamoto zugeschrieben wird, als er erfuhr, dass er Pearl Harbor angegriffen hatte ohne dass zuvor der Krieg erklärt worden war. Folge einer Panne bei der Übermittlung der Kriegserklärung von Japan an die USA: "Ich fürchte, alles, was wir getan haben, ist, einen schlafenden Riesen zu wecken und ihn mit einer furchtbaren Entschlossenheit zu erfüllen"
    4 0 Melden
    • ferox77 21.11.2015 17:30
      Highlight 2)
      Wie weit ist man jetzt in Europa von der Fähigkeit entfernt, wie die USA seinerzeit, eine, in letzter Konsequenz angemessene Antwort auf die islamistische Aggression zu finden? Es bleibt zu hoffen, dass die Terroristen das nicht austesten werden. Und falls doch, dass die Antwort dann auch angemessen ausfällt.
      1 0 Melden
    • per scientam 21.11.2015 18:33
      Highlight Kleine Ergänzung:
      Yamamoto und die Marine waren gegen den Krieg mit den USA.
      Konnten sich aber nicht durchsetzen...

      Vor dem 2.Wk betrieb die USA isolierte sich die USA von der Weltpolitik stark und konzentrierte sich auf die Innenpolitik.
      Ich denke, grosse Teile der Bevölkerung im Westen (USA / Europa) hätte gerne wieder eine solche Politik.
      Andere Länder und Kulturen so lassen wie sie sind.
      Aber ich denke, dies wird nicht möglich sein so lange sich der Islamismus etabliert... Völkerwanderung ist keine Lösung, es destabilisiert die Wirtschaft, Kultur, Sozialsysteme usw.


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