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epa04922357 Refugees from Syria arrive on a dinghy after crossing from Turkey at the coast of Mytilini, Lesvos island, Greece, 09 September2015. Some 3,000 refugees disembark daily at the coasts of the island, coming from the Turkish coastline. Most of the refugees want to continue their journey to countries of north and central Europe.  EPA/ORESTIS PANAGIOTOU

Geschafft: Dieser Vater hat mit seinem kleinen Kind die Fahrt übers Meer überlebt. Wie er hoffen Tausende auf ein sichereres Leben für sich und ihre Familie. 
Bild: EPA/ANA-MPA

Warum kommen gerade jetzt so viele Flüchtlinge? Die 7 wichtigsten Gründe 

Jeden Monat kommen neue Rekordzahlen an Flüchtlingen in Europa an. Warum machen sich gerade jetzt so viele auf den Weg? Dafür gibt es mehrere Gründe.

10.09.15, 07:05 10.09.15, 08:14

Matthias Gebauer und Raniah Salloum



Ein Artikel von

Viele Menschen stellen sich die Frage, warum in jüngster Zeit Flüchtlinge in so grosser Zahl nach Europa kommen. 

1. Sommer bedeutet mehr Sicherheit

Das Mittelmeer gilt in den Sommermonaten als ruhiger, die Reise daher als ungefährlicher. Auch die Weiterreise über den Balkan, bei der die Flüchtenden oft im Freien schlafen müssen, ist jetzt leichter und weniger riskant als im Winter.

2. Assad verstärkt Jagd auf Junge

Viele junge Männer aus Syrien und dem Irak flüchten, weil sie sonst als Kanonenfutter dienen müssten. Derzeit jagt das syrische Assad-Regime sie besonders aggressiv, weil ihm die Kämpfer ausgehen. Aber auch andere Milizen erhöhen den Druck. In den syrisch-kurdischen Gebieten hat die YPG, der syrische Ableger der PKK, gerade eine Wehrpflicht für die Männer eingeführt.

3. Dschihadisten sind weiter auf Vormarsch

In Syrien rückt der «Islamische Staat» in der Provinz Homs vor. Dort leben viele Syrer, die religiösen Minderheiten angehören. Viele von ihnen haben den Glauben an eine Zukunft in ihrer Heimat verloren. Sie setzen sich lieber direkt nach Europa ab, als innerhalb Syriens zu flüchten.

4. Es gibt keine Perspektive mehr

Sie ist der wichtigste Fluchtgrund. Seit Jahren tobt die Gewalt in Syrien und im Irak. Das Leben vieler Menschen steht still. Sie können aus Angst vor Gefechten ihre Häuser kaum verlassen, nicht mehr zur Arbeit, nicht mehr zur Universität oder Schule gehen. Um sie herum wird alles teurer und frisst ihre Ersparnisse auf. Der Krieg durchdringt ihr Leben. Alles wird immer schlimmer, kein Ende ist absehbar.

5. Der Ketteneffekt

In der Heimat herrscht Hoffnungslosigkeit. In den sozialen Netzwerken sehen die Menschen fröhliche Bilder und Berichte von Freunden und Verwandten, die bereits nach Europa aufgebrochen und angekommen sind. Nun setzen auch die Zurückgebliebenen all ihre Hoffnung auf die Ferne. Der Ketteneffekt funktioniert sogar länderübergreifend: Die Iraker sehen, wie die Syrer einen Weg nach Westeuropa gefunden haben und reisen hinterher. Auch andere sehen ihre Chance gekommen: Junge Iraner, Afghanen, Pakistaner reisen in die Türkei und schliessen sich an.

6. Die «Festung Europa» fördert das Schmuggler-Geschäft

Einige der Etappen auf dem Weg nach Europa lassen sich nur mit Schmugglern überwinden. Die Kriege im Irak und in Syrien, Länder mit einer grossen Mittelklasse, schaffen eine riesige Nachfrage und bringen viel Geld ins Spiel. Nun sind die grossen kriminellen Banden in diesen Markt eingestiegen und machen ihn zunehmend «professioneller». Sie bieten in sozialen Netzwerken eine Palette von Angeboten an. Plötzlich kann jeder nach Europa kommen, solange man genug Geld mitbringt. Zusätzlich kurbeln die Schmuggler selbst die Nachfrage an. Meist gibt es Sonderangebote. Wer vier, fünf weitere Mitreisende rekrutiert, fährt selbst umsonst. Oder es werden gezielt Gerüchte gestreut, um die Menschen zu locken.

7. Gerücht um deutsche Schiffe

Noch mehr Syrer als sonst haben sich diese Woche vor der deutschen Botschaft im Libanon eingefunden. Sie ist auch für Syrien zuständig. Die meisten Syrer waren direkt aus ihrem Heimatland zur Botschaft angereist. Dafür haben sie Hunderte Dollar ausgegeben, um für ihre Familien die nötigen Hotelreservierungen im Libanon zu machen, ohne die der libanesische Grenzposten sie nicht mehr einreisen lässt. Der Grund für den Ansturm: Über soziale Netzwerke hatte sich das Gerücht verbreitet, Deutschland werde Schiffe senden, um Syrer direkt vom Libanon und von der Türkei aus nach Europa zu bringen.

Das Gerücht wurde offenbar absichtlich lanciert. Das deutsche Aussenministerium vermutet Schmuggler dahinter und hat schnell reagiert. Auf den Webseiten der deutschen Botschaften im Libanon, in der Türkei und in Saudi-Arabien – also Ländern, in denen sich sehr viele Syrer aufhalten – stellte es auf Arabisch klar, dass es sich um eine von Schmugglern in die Welt gesetzte Lüge handele. «Schmuggler sind Kriminelle und werden immer Kriminelle bleiben», hiess es dort. Ihr einziges Interesse sei es, mit dem Leben der Flüchtlinge Handel zu betreiben.

Erschöpft, erleichtert, froh: Wie erneut 1000 Flüchtlinge in Wien ankamen

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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