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Der katholische Priester Mussie Zerai in seinem Büro in Erlinsbach im Jahr 2015. Bild: KEYSTONE

Italienische Justiz ermittelt gegen den Schweizer Vorzeige-Priester aus Eritrea

Seit Jahren lebt der eritreische Priester Mussie Zerai in der Schweiz und unterstützt von hier aus Rettungsaktionen auf dem Mittelmeer. Sein Handy gilt als Hilferuf-Hotline für Flüchtlinge, die in Seenot geraten. Jetzt gerät Zerai wegen seines Engagements ins Visier der italienischen Justiz.

10.08.17, 16:07 10.08.17, 16:48

Bei Ermittlungen gegen Seenotretter von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer ist nun auch der katholische Priester Mussie Zerai ins Visier der italienischen Justiz gerückt. Italienischen Medienberichten zufolge hat die Staatsanwaltschaft der sizilianischen Stadt Trapani Ermittlungen gegen den Gläubigen aufgenommen. Ihm wird «Beihilfe zu illegaler Einwanderung» vorgeworfen.

Der Welt bekannt ist Mussie Zerai als der eritreische Priester, dessen Handy bis zu 400-mal pro Woche klingelt. Am anderen Ende der Leitung sind Flüchtlinge, die in Seenot geraten sind. Mussie Zerai versucht dann jeweils herauszufinden, wo genau sie sich befinden. Danach alarmiert er die italienische und maltesische Küstenwache. Seine Handynummer wurde in den vergangenen Jahren so etwas wie ein Notruftelefon. Sein Kontakt wird unter den Flüchtlingen weitergegeben.

Seine Rettungstätigkeiten orchestriert er von der Schweiz aus. Hier lebt der 42-Jährige seit sechs Jahren und arbeitet als katholischer Priester und Seelsorger. Doch jetzt hat er wegen seines Engagements die Justiz am Hals.

Er habe Anfang Woche von den Ermittlungen gegen ihn erfahren, zitiert ihn die Zeitung La Repubblica. Die Anschuldigungen weist er zurück. Er helfe Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Folter auf der Flucht seien. «Das ist meine Aufgabe als Mensch und Priester. Was für ein Verbrechen soll das sein?»

Die italienische Staatsanwaltschaft wirft Mussie Zerai vor, in einem «geheimen» WhatsApp-Chat in Kontakt mit den Seenotrettungsschiffen vor Ort zu sein. Diese habe er jeweils über den Aufenthaltsort von Flüchtlingen in Seenot informiert.

Auf den Namen von Mussie Zerai sei die Staatsanwaltschaft gestossen, nachdem sie ihre Ermittlungen gegen die Hilfsorganisation «Jugend rettet» eröffnet hatte. Über Abhöraktionen seien die Beamten auf den WhatsApp-Chat gestossen.

Er leite die Hilferufe von Menschen in Seenot immer zuerst an die Seenotrettungszentrale in Italien und Malta weiter, sagt Mussie Zerai. Zudem stehe er in Kontakt mit Nichtregierungsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Sea Watch, Moas oder dem UNHCR. Mit der deutschen Hilfsorganisation «Jugend rettet» habe er aber nie zu tun gehabt, sagt er. Auch nicht sei er in einem geheimen WhatsApp-Chat. 

Die Anschuldigungen gegen ihn sieht der Priester als Teil einer Kampagne gegen die Seenotrettung von Flüchtlingen. «Es gibt da eine Hexenjagd. Die Solidarität für Flüchtlinge und Vertriebene wird kriminalisiert», sagte er dem «Corriere della Sera».

Für sein humanitäres Engagement wurde Mussie Zerai 2015 für den Friedensnobelpreis nominiert. Das Time Magazine listete ihn 2016 unter den «100 einflussreichsten Menschen der Welt» auf. 

Dramatische Rettungsaktion auf dem Mittelmeer

50s

Dramatische Rettungsaktion auf dem Mittelmeer

Video: reuters

Zivile Schiffe als Retter im Mittelmeer

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Brikne, 20.7.2017
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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gavi 10.08.2017 19:04
    Highlight Wenn er alle die er rettet auch die nächsten 40 Jahre durchfinanziert und zu Hause aufnimmt, dann bitte sehr.
    Aber alle reinholen zu wollen und sich darum foutieren, wer für die aufkommt, ist frech und dreist.
    Ich bin froh aus der Kirche ausgetreten zu sein. Dieser sogenannte Vorzeigepfarrer wird von Kirchensteuern bezahlt. Also von denen und allen anderen arbeitenden Bürger, die dann die "Geretten" finanzieren. Egal, Hauptsache er konnte "Schleppen".
    52 32 Melden
  • Raphael Bühlmann 10.08.2017 19:01
    Highlight An die rechten Kulturkämpfer: Da seht ihr mal, was christliche Werte sind! Seid ihr jetzt immer noch so scharf drauf, euer "christliches Abendland" zu verteidigen?
    20 50 Melden
    • roterriese Team #NoBillag 10.08.2017 19:16
      Highlight ja
      35 6 Melden
    • Bärner Gieu 10.08.2017 20:21
      Highlight An den linken Kulturkämpfer: immer noch scharf darauf, das christliche Europa untergehen zu lassen? Was Kommunismus und Sozialismus nicht geschafft haben, soll nun das Fluten mit Flüchtlingen aus Afrika schaffen? Super Einstellung, merci viumau!
      44 15 Melden
    • Katze mit Brille 10.08.2017 20:32
      Highlight @Bärner Gui: Flüchtlinge aus Eritrea sind grossmehrheitlich Christen. Wie auch der Pfarrer im Artikel...
      11 23 Melden
    • Raphael Bühlmann 10.08.2017 21:15
      Highlight Dann beantworte ich mal den Ad-hominem-Strohmann:

      1. Sorry, wenn dann katholischer Kulturkämpfer hier.

      2. Dass das christliche Europa zu grossen Teilen bereits untergegangen ist, haben wir ganz uns selbst zu verdanken und bestimmt nicht den gläubigen muslimischen und christlichen Migranten.
      11 14 Melden
  • demokrit 10.08.2017 18:45
    Highlight "Die Anschuldigungen gegen ihn sieht der Priester als Teil einer Kampagne gegen die Seenotrettung von Flüchtlingen."

    Es sind keine Flüchtlinge.
    67 19 Melden
    • roterriese Team #NoBillag 10.08.2017 19:17
      Highlight Die Genfer Flüchtlingskonvention definiert was Flüchtlinge sind. Ich muss demokrit hier recht geben
      32 7 Melden
    • Ire&ZaES 10.08.2017 19:31
      Highlight O.k, was dann?
      7 23 Melden
    • Anam.Cara 10.08.2017 21:38
      Highlight demokrit: Ich finde es erstaunlich, dass du "aus der Ferne" beurteilen kannst, wer Flüchtling ist und wer nicht.
      Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat in der Juli-Statistik ausgewiesen, dass seit Juli 2016 130 Personen aus Afrika einen F-Ausweis erhalten haben.
      Laut SEM gibt es unter den Migranten aus Afrika also durchaus "anerkannte Flüchtlinge".
      Mehr dazu: www.sem.admin.ch
      3 11 Melden
    • SeKu 10.08.2017 23:44
      Highlight @Ire
      Immigranten.
      10 2 Melden
    • moontraveller 11.08.2017 05:35
      Highlight Es sind ganz einfach Migranten.
      7 5 Melden
    • demokrit 11.08.2017 10:28
      Highlight Anam.Cara: Erst einmal sind es Migranten. Eine Beurteilung steht weder mir noch dem Journalisten oben zu. Aus eigener Erfahrung weiss ich aber, dass man sehr leicht eine Schweizer B-Bewilligung erhält. F steht für eine vorläufige Aufnahme, also eben keine Anerkennung. Eine einfache Art der Beamten die Abschiebung zu umgehen und ihre Arbeit nicht zu machen.
      7 1 Melden
  • IMaki 10.08.2017 18:15
    Highlight Was sind das eigentlich für Vollpfosten, die sich hier öffentlich dazu bekennen, dass man gefälligst Menschen in Seenot absaufen lassen soll?
    Für das Poesiealbum der Trolle vom Herrliberg: Es gibt bis dato nicht die Spur einer europäischen Flüchtlingspolitik, die schnelle, faire Verfahren und anschliessend eine rasche und nachhaltige Integration der Menschen mit Flüchtlingsstatus zum Ziel hat. Und es gibt ebenso wenig eine europäische Migrationspolitik, die sich mit den Ursachen der aus Elend, Korruption, Gewalt und Perspektivelosigkeit Flüchtenden beschäftigt. Es gibt nur dumme Sprüche.
    35 76 Melden
    • gas_wookie 10.08.2017 21:30
      Highlight Alles gut und nett was du sagst. Aber was Leute wie du immer vergessen ist, dass eben die Mehrheit nicht integriert werden muss, da nicht asylberechtigt, da illegal, da nicht erwünscht. Ergo dürfte bei einer konsquenten Asyl/Migrationspolitik keine Einbahn- sondern Zweibahnstrasse sein. Mit bedingungsloser Rückführung der Mehreheit die nicht asylberechtigt ist. Dann hätte man auch eine breite Akzeptanz in der Gesellschaft, weniger die es erst versuchen und mehr Mittel um die Berechtigten zu integrieren.
      12 1 Melden
  • Einstein56 10.08.2017 17:32
    Highlight Was soll das Prädikat "Vorzeigepriester"? Das ist absolut fehl am Platz.
    76 15 Melden
  • AL:BM 10.08.2017 16:52
    Highlight Wer würde es auch wagen, einem katholischen Priester
    zu misstrauen?
    60 11 Melden
  • Gelöschter Benutzer 10.08.2017 16:40
    Highlight Was?! Neeei, das sind doch Helfer in grösster Not!

    Irgendwann wird eine Strasse nach ihm benannt oder er stiftet einen Nobelpreis 2.0.
    15 29 Melden
  • SeKu 10.08.2017 16:32
    Highlight Politisch Korrekt->Realität-Lexikon:

    "unterstützt Rettungsaktionen auf Mittelmeer" -> vermittelt zwischen afrikansichen und europäischen Schleppern
    "Hilfrufhotline" -> Hotline für reibungslose Übergabe zwischen europäischen und lybischen Schleppern
    "Engagements" -> Schlepperbeihilfe
    "Seenotretter" -> europäische Schlepper
    "Flüchtlinge" -> Immigranten, meist männlich, allermeistens wirtschaft motiviert nur wenige sind bedroht
    "Seenot geraten" -> bewusst in Gumiboot 12 Meilen vor lybische Küste gefahren, warten auf Pickup von europäischen Schleppern
    "Hexenjagd" -> rechtsstaatliche Ermittlungen
    95 40 Melden
    • meine senf 10.08.2017 17:00
      Highlight Schlechtmenschen -> Normalmenschen-lexikon:

      "Es müssen nicht alle Menschen in Seenot gerettet werden, ein paar solle man ruhig versaufen lassen!"

      P.S. Aus welchem Grund man in Seenot ist, ist egal.
      Die Rega rettet auch Bergsteiger, die absichtlich oder fahrlässig mit falscher Ausrüstung unterwegs sind.
      37 79 Melden
    • SeKu 10.08.2017 17:20
      Highlight Immer ein bisschen mitdenken, mein lieber "meine senf":

      Durch den Taxi-Service der europäischen Schlepper begeben sich viel mehr Immigranten in Seenot. Dadurch sterben auch viel mehr Menschen.

      Wenn man die europäischen Schlepper endlich stoppen würde, so würden auch weniger Menschen sterben!

      Dass Sie mir Schlechtmenschentum vorewerfen ist an Ironie fast nicht mehr zu überbieten!
      63 20 Melden
    • meine senf 10.08.2017 17:28
      Highlight Auch das ist bei den Bergsteigern so.

      Würde Rega mal ein paar in der Wand lassen, wären die künftigen Bergsteiger vielleicht vorsichtiger.

      Aber trotzdem macht man das nicht?

      Ich meinte "Gutmensch" sei für ihresgleichen eine Beleidigung? Dann müsste "Schlechtmensch" doch ein Kompliment sein?
      22 54 Melden
    • SeKu 10.08.2017 17:47
      Highlight Kletterer nehmen nicht absichtlich keine Ausrüstung mit, laufen ein paar Meter einen Hügel hoch und rufen dann die Rega, welche sie dann noch unnötigerweise viele 100 Kilometer ans Reiseziel fliegt.
      Es ist lächerlich diese Schlepper mit einer Rettungsorganisation zu vergleichen.

      Ich identifiziere mich selbst als Hardcore-Gutmensch. Und somit will ich auch das sinnlose Sterben im Mittelmeer unbedingt stoppen. Dazu gehört es, die europäischen Schlepper zu stoppen.
      58 23 Melden
    • Helona 10.08.2017 18:38
      Highlight @ Senf. Soviel ich weiss müssen inNot geratene Kletterer und Wanderer den Einsatz der Rega bezahlen. Meine Frage bezüglich Seenotrettung und Bezahlung dürfen Sie sich selber ausdenken.
      34 6 Melden
    • Anam.Cara 10.08.2017 21:56
      Highlight @Seku: doch, solche Bergsteiger habe ich gesehen (mit lächerlicher Ausrüstung im Hochgebirge).
      Das mit dem Mittelmeer ist m.E. ein Huhn und Ei-Problem.
      Die NGO's haben ihre Arbeit begonnen, weil Menschen von den nordafrikanischen Schleppern schlecht ausgerüstet in den Tod geschickt wurden (2015/2016).
      Mittlerweile nützen diese Schlepper das aus, indem sie die Leute noch schlechter ausrüsten (höherer Profit), weil die Chancen auf Rettung besser sind. Trotzdem gab es laut UN 2017 bereits mehr als 1300 Opfer.
      Da müsste man eher die nordafrikanischen Schlepper stoppen, oder?
      3 6 Melden
    • roterriese Team #NoBillag 11.08.2017 05:57
      Highlight Entweder bist du Regamitglied und bezahlst über den Mitgliederbeitrag, oder du bist nicht Mitglied und zahlst für den Einsatz. Die Seenotrettung hingegen wird von naiven Europäern per Spenden finanziert, damit sie sich besser/moralisch überlegen fühlen können.
      13 0 Melden
  • Chrigi-B 10.08.2017 15:57
    Highlight War ja höchste Zeit! Geht den Schleppern und ihren Helfern an den Kragen!
    97 28 Melden
  • meine senf 10.08.2017 15:18
    Highlight Man weiss, dass ein Mensch in Seenot ist und benachrichtigt deswegen den Seerettungsdienst und Schiffe, die in der Nähe sind.

    Was zum Teufel soll daran strafbar sein?

    Nach meinem bisherigen Rechtsverständnis wäre es eher strafbar, das *nicht* zu tun ("unterlassene Hilfeleistung").
    60 84 Melden
    • AL:BM 10.08.2017 16:55
      Highlight Wenn man dabei hilft diese Situation zu begünstigen oder herbeizuführen.
      Sie müssen das gesamte Flüchtlingswesen nur mal etwas kritischer betrachten, dann leuchtet es schon ein.
      Es gibt jene, die auf der Flucht sind und dabei in Seenot geraten und gerettet werden müssen.
      Es gibt aber auch jene, die es gerne schöner hätten, sich in angebliche Seenot begeben und dann gerettet werden wollen.
      56 19 Melden
    • meine senf 10.08.2017 17:02
      Highlight Und das kann man am Natel unterscheiden können?
      16 56 Melden
    • AL:BM 10.08.2017 18:53
      Highlight Wenn man dies mitplant, ja. Aber man kann auch mit aller Gewalt, jegliche kriminellen Absichten verneinen.
      28 2 Melden
  • Angelo C. 10.08.2017 15:06
    Highlight Zitat:

    "Er helfe Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Folter auf der Flucht seien. «Das ist meine Aufgabe als Mensch und Priester. Was für ein Verbrechen soll das sein?»"

    Und da bekanntlich kaum je Eritreer vor "Gewalt, Krieg und Folter" fliehen, sondern mehrheitlich aus rein wirtschaftlichen Gründen migrieren, ist der Herr Pfarrer bloss ein ganz gewöhnlicher Schlepper, der in Italien rechtskräftig verurteilt und von der Schweiz ausgeschafft gehört.

    Amen
    106 46 Melden
    • Bärner Gieu 10.08.2017 20:22
      Highlight Wie wahr, wie wahr!
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